Köppl-Festspiele

Wer sich in den letzten Tagen trotz der Strassenglätte quer durch Gmunden zu bewegen getraut hat, der konnte Verfolgungswahn bekommen. An jeder Ecke grinst dem gequälten Bürger ein Köppl-Plakat entgegen. Zahlen tuns eh die besteuerten, pensionsangeglichenen, ausgabengekürzten und schuldgebremsten Bürgerleins. Shit happens. Für jene unter uns, die nicht wissen, wer Köppl ist: der ÖVP-Bürgermeister unserer kleinen Stadt. Ja, man muss das dazusagen. Denn wenn man den Umfragen glauben darf, kennen zwei bis drei Prozent der Bewohner Gmundens den Köppl nicht. Ist so. Auch wenn mans nicht glauben kann. Angeblich laufen die sogar frei herum.

Auf allen Strassen ist Ruh, nur der Köppl schaut uns allerweil zu. Es war zuletzt ja ziemlich visionärrisch hier in der Stadt. Liegt vielleicht am Fasching. Wir erinnern uns: Visionen sind das, was man mit dem Hausarzt besprechen sollte. So schauen die Gmundner Visionen auch aus. Eine Sammlung von verstaubten Wahlversprechen (Traunseetherme) und undurchschaubaren Privatinteressen (Hotel lacus infelix). Und weil die Bürger schön langsam unruhig werden, die nächsten Wahlen zwar noch weit in der Zukunft liegen, aber sich doch schon am Horizont abzeichnen, und die langmütigen Bürger die Versprechungen vom letzten Mal nicht so recht vergessen wollen, muss der Bürgermeister ausrücken und alles zurechtrücken: die Wahlversprecher, die Visionen, die ganze Stadt und sich selbst vielleicht auch. Seit der Sache mit dem Stadtamtdirektor ist der arme Mann erkennbar aus dem Gleichgewicht, was sogar der Herr Gmundl verstehen kann. Dass Köppl sich gleich selbst zum Opfer stilisiert hat, war zwar einigermassen übertrieben und ein wenig pietätlos. Aber natürlich ist es keine Hetz, wenn der ranghöchste Mitarbeiter eines Bürgermeisters letale Konsequenzen daraus zieht, dass sein Chef zu einsamen Beschlüssen, Alleingängen und ganz allgemein zu Wutausbrüchen neigt. Da kann ein Mensch in der Krise schon eine Krise bekommen. Dem Toten dann seinen Selbstmord auch noch vorzuwerfen, ist aber nicht wirklich elegant. Cool schon gar nicht. Aber wir wissen, dass Eleganz in Gmunden Mangelware ist. Coolness auch. Und zwar überall. In der Mode, im Benehmen, in den Herzen. Gmunden ist denkbar unelegant.Und cool ists nur in diesen Tagen, da die Seeränder leicht anfrieren.

Aber zurück zum eigentlichen Thema. Die Leserschaft kennt und schätzt halt diese kleinen Abschweifungen, sagt sich Herr Gmundl.

Also in der ganzen Stadt Köppl-Plakate mit der Einladung zu einer Bürgerinformation am heutigen Montag im Stadttheater. Blöderweise hat er die anderen Parteien vorher nicht informiert. Und jetzt machen die ein ziemliches Theater. Ein Tamtam. Was auch in Ordnung ist. Klar gehört dem Köppl politisch eine aufgelegt, wenn er so selbstherrlich agiert. Aber was tut die VGO (Vereinigte Gmundner Opposition)? Sie schwächelt! Was heisst schwächelt! Die röchelt nicht mal mehr. Strategisch und intellektuell am Arsch, da kann der Dickinger noch so intellektuell dreinzuschauen versuchen und mit Pfeife und Ohren wackeln. Die VGO (also SPÖ, Grüne und FPÖ) haben nämlich beschlossen, den Köppl ganz fürchterlich zu bestrafen. Sie gehen nicht zur Bürgerversammlung. Da wird der Köppl sich aber fürchten, wenn er keinen Dickinger sieht und keinen Grampelhuber und keine Bors. Wird ihm unheimlich unangenehm sein, dass ihm niemand von den anderen Parteien blöde Fragen stellen wird. Tolle Strategie! Wer ist denn auf diese Idee gekommen? Dem gehört nämlich der „Große Köppl-Verdienstorden am Schwanenhals“ umgehängt für Verdienste um die ÖVP und die Bürgermeisterschaft Köppls.

Liebe Leute von der VGO: Falls ihr es nicht kapiert habt – Politik heisst Diskussion und Auseinandersetzung. Folglich: hingehen und dem Köppl nicht das Wort, die Regie und die Führung überlassen. Im Stadttheater sein und ordentlich ein Theater machen. Tamtam! Lasst die Derwische hüpfen und die Puppen tanzen! Ist ja Fasching!

Und der Polit-Dilettant, dem das eingefallen ist, der stellt sich hinter dem Köppl auf die Bühne, links hinten ins Eckerl mit dem Rücken zu den Leut, und schämt sich laut und vernehmlich. Und verspricht: „So eine dumme Idee habe ich nie wieder.“

Die Bürger und Mitglieder aller Nicht-ÖVP-Parteien kann man dagegen nur auffordern: gehts hin, stellts Fragen, lassts den Köppl nicht so billig davonkommen. Haltet dagegen! Und nehmts euch kein Beispiel an der VGO. Und der SP-Dickinger steht eine Stunde zusätzlich im Eckerl, ohne Pfeife, weil der Herr Gmundl hat den Verdacht, dass das dem seine Idee war mit dem Nichthingehen.

(Natürlich gilt für alle handelnden und nicht handelnden Personen die Unschulds- und Nüchternheitsvermutung.)

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