Hexenjagd auf Hotelskeptiker?

Unheilige Inquisition in Gmunden

Eine kommentierender Bericht von Bruno Beinhart.

Der Herr SEP-Moser hatte gemeinsam mit dem BTV zu einer Diskussion im SEP rund um das verunglückte Hotelprojekt geladen. Die Ladungspolitik war irgend etwas zwischen verhaltenoriginell, manipulativ und einseitig. Auf jeden Skeptiker wollte man zwei unkritische Fans loslassen (vom Bürgermeister über Fremdenverkehrsdirektor bis hin zu „Investoren“). Dazu sickerte durch, dass seitens der ÖVP mächtig getrommelt wurde, um auch im Publikum möglichst nur Hotel-Adoranten der ÖVP zu versammeln und Skeptikern möglichst wenig Platz zu geben.

Unter diesem Umständen ist es verständlich, dass sich niemand von der Allianz einer derart voraussehbaren öffentlichen Hinrichtung stellen wollte. Dass die ÖVP-Kampfposter jetzt in den diversen Online-Foren die fern gebliebenen Allinanz-Politiker kritisiert, fällt unter Frechheit.

Die Stimmung im Vorfeld der „Diskussion“ wurde derart aufgeheizt, dass es im SEP regelrecht brodelte. Zeitweilig musste man sich als Beobachter fragen, ob und wenn ja, welche Drogen manchen Teilnehmern vorab verabreicht worden sind. Nur mit Restalkohol vom Silvester lässt sich nämlich so manches Verhalten bei dieser „Diskussion“ nicht erklären.

Die Stimmung der Befürworter war aggressiv und Richtung Bierzelt-Schlägerei weisend, insbesondere einige Politiker fielen hier unangenehm auf. Einen Diskutanten, der kritische Fragen stellte, hintennach mit dem „Abwatschen“ zu drohen, ist ausserhalb aller Normen und erinnert an Zeiten, als braunes Gesindel mit Terror gegen Andersdenkende die Macht an sich zog. Dass der Bürgermeister nichts zur Beruhigung der Situation beiträgt, sondern den Konflikt allem Anschein nach mutwillig eskalieren lässt, passt da ins schlechte Bild.

Es war unübersehbar, dass jede Form von Kritik am Hotelprojekt als Majestätsbeleidigung gesehen wurde. Es roch nach Hexenjagd auf Hotelskeptiker. Wer nicht für das Hotel ist, wird als Verräter an der Heimat abgestempelt. Absurd, wenn man bedenkt, welchen Schaden für die Heimat dieses Hotel in dieser Form darstellen würde. Der geplante Hotelbetreiber schwärmt bekanntermassen bereits vom „höchsten Gebäude der Traunseeregion“. Wer hier wohl Verrat an der Heimat begeht (wenn wir die verbale Latte schon so hoch setzen!).

Argumentativ war von den Befürwortern nichts Neues zu hören. Das einzige Argument: wir brauchen das Hotel. Inzwischen braucht auch der SEP-Moser das Hotel, laut Eigenaussage könne er ohne durch das Hotel angez0gene Touristen im SEP keine weiteren Investitionen tätigen. Man kann es nicht oft genug wiederholen: dieses Argument zählt zu den dümmsten, die bisher in der Debatte gefallen sind. Dieser Mann hat das hässlichste Einkaufszentrum in Österreich zu verantworten. (Und der Bau von Einkaufszentren ist von Haus aus meist keine architektonisch wertvolle Veranstaltung!) Wenn der Moser ein Hotel braucht, dann soll er sich halt im SEP eines bauen. Denn wer nach Gmunden fährt, um im Urlaub im SEP einkaufen zu können, wer so bescheuert ist, der ist vielleicht auch bescheuert genug, im SEP zu wohnen. Vergessen wir nicht: Herr Moser ist mit seinem SEP nicht nur am Niedergang der Innenstadt schuldig, sondern hatte auch die famose Idee, eine Seilbahn von der Stadt ins SEP zu bauen. Wenigstens diese – man kann nur sagen: bsoffene – Idee wurde nicht realisiert.

Vielleicht kapieren angesichts des Auftretens von SEP-Moser jetzt endlich auch die Kaufleute der Innenstadt: das Hotel bringt keinen Nutzen, sondern schadet. Herr Back-Hinterwirth, auch ein Befürworter, wird vielleicht zum Dank ein paar Semmerln ans Hotel liefern dürfen, aber mehr ist nicht. Dafür werden die eingesessenen Gastronomie- und Herbergsbetriebe schwer geschädigt, wenn das Hotel versuchen wird, mit Dumpingpreisen wenistens die laufenden Kosten teilweise zu decken, indem man Billigsttouristen ins Land holt. Man kann nur wiederholen: die vier Millionen Zuschuss vom Land, die von den „Investoren“ frech gefordert werden, wären 100fach besser angelegt, wenn man damit eine Qualitätsverbesserung in den bestehenden Betrieben finanziert.

Man kann auch nicht oft genug wiederholen: niemand hindert die angeblichen Investoren daran, endlich mit dem Bau zu beginnen. Seit Jahren hätte dies schon geschehen können. Es geschieht aber nicht. Aus dem einfachen Grund, dass es keine echten Investoren gibt, die dort ihr Geld wegschmeissen wollen. Dafür finden manipulierte Diskussionsveranstaltungen statt. Was ist der nächste Schritt des Herrn Bürgermeisters? Einrichtung einer „Hl. Inquisition für den Hotelbau von und zu Gmunden“? Scheiterhaufen für Hotelskeptiker? Oder plant Herr SEP-Moser schon ein kleines Privatgefängnis in einem dunklen Winkel des SEP, wo man dann von der Hl. Inquisition verurteilte Hotelgegner preisgünstig einsperren könnte?

Fazit: der Bürgermeister ist offensichtlich fest entschlossen, nicht Bürgermeister aller Gmundnerinnen und Gmundner zu sein, sondern sich weiterhin als Laufbursch diverser Wirtschaftsinteressen zu betätigen. Die Gmundner ÖVP hat sich in die Geiselhaft einer Unternehmerfamilie und deren Hausbank begeben. Nicht um das Wohl von Gmunden geht es den Befürwortern, sondern, wie es scheint, bloss darum, die wenigen in Gmunden noch zur Verfügung stehenden Gründe billigst der ÖVP nahestehnden Kreisen in die Hand zu spielen. Dazu ist inzwischen offenbar jedes Mittel recht, auch das der Gewaltandrohung (sogar das Wort „Prügel“ wollen ein paar im Publikum anwesende Skeptiker gehört haben).
Man darf annehmen, dass nun versucht wird, mit allen Mitteln einen Keil in die „Allianz für Gmunden“ zu treiben, um doch noch eine 2/3-Mehrheit für eine Vertragsverlängerung zu erzielen. Allen schwankenden Gemeinderäten sei klar und deutlich gesagt: wer der ÖVP hier zur 2/3-Mehrheit verhilft, begeht nicht nur einen schweren Fehler, sondern fügt unserer Heimat schwersten Schaden zu. Denn mit der Vertragsverlängerung wird ermöglicht, dass die „Investoren“ sich – entgegen allen Beteuerungen – die Grundstücke sichern können, ohne ein Hotel errichten zu müssen. (Siehe etwa die vorgeschlagene Klausel mit „höherer Gewalt“, womit man den „Investoren“ einen Freibrief für die Nichterrichtung des Hotels geben würde!!!)

Man darf übrigens gespannt sein, ob BTV tatsächlich den Mitschnitt der Diskussionsveranstaltung veröffentlichen wird. Und wenn ja: in welcher Form …

Bruno Beinhart für das Team Gmundl

PS.: Der Kreditschutzverband gibt übrigens für einen der „Investoren“ eine ausgesprochen günstige Auskunft: KSV-Einzelhöchstkredit 2.000 Euro. Damit lassen sich immerhin ein paar Ziegelsteine für den Hotelbau kaufen! Ein ganzes Stockwerk wird sich aber eher nicht ausgehen. Und beim Innenausbau könnte es finanziell dann ziemlich eng werden. Aber man muss das positiv sehen: es fehlen nurmehr 17.500 ähnlich potente Investoren, dann hätten wir das Geld für den Hotelbau beisammen …

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9 Antworten

  1. Ich fand diese „Veranstaltung“ schon recht bizarr^^

    Besonders die „kritischen“ Fragen (ja wo waren die eigentlich?) waren völlig lächerlich, die „einfache Hausfrau“ oder der „besorgte Vater“, der die Zukunft seiner Kinder als Niedriglohn Arbeitskraft im Hotel gefährdet sieht.
    Die Eselsmütze bekommt allerdings der Mensch im „roten Pullover“, der „Unternehmer“, von mir. Sein Bauwerk in der Touristenhochburg Regau, mit einem Bau am See, in bester Lage und dubiosem Hintergrund zu vergleichen. Unglaublich, wer alles hier „Unternehmer“ sein darf.

    Hat jemand wirklich erwartet, man würde auf die Frage „Ob die Finanzierung gesichert wäre“ mit „Nein, wir haben alle ein Kreditlimit von 2000 Euro und suchen noch andere Deppen, die Kohle versenken wollen“ antworten??

    Oder auf die Frage nach „Wirtschaftlichkeit“ würde mit „Nein, wir können es nicht erwarten, das Ding in Eigentumswohnungen umzuwandeln“ beantwortet??

    Naja, Hinterwirth und Forstinger kann von mir keine „Wertschöpfung“ mehr erwarten und der Moser, SEP kann sich das Ding irgendwo hinschieben.
    Da werde ich eben die Sachen auch noch im Internet kaufen.

    Im Grunde genommen hoffe ich inzwischen auf einen Hotelbau und möchte den Moment erleben, wo alle ordentlich auf die Fresse fallen.

    Gute Nacht!

  2. Der Vize-Bürgermeister hat die Meinung vertreten, dass das Hotel dort hingehört wo das Alte Hotel war. Hoffentlich kann er sich durchsetzen. Das wär eine gute Lösung in der Hotelsache. Die Seebahnhofgründe könnten von allen genützt werden. Das Spekulanten auch noch Förderungen bekommen sollten ist eine Gemeinheit an die Steuerzahler.
    gxxxxxxx und pxxxxxx

  3. Ist diese Wortwahl der Einladung zur Gemeinderatssitzung standard, oder ein Inditz für Nervosität?

    „Einladung zur Sitzung des Gemeinderates am Montag, 20.01.2014 mit Beginn um 17:00 Uhr, im Rathaussaal Gmunden.
    Sollten Sie am Erscheinen zu dieser Sitzung verhindert sein, so ist der Bürgermeister unverzüglich unter Mitteilung des Grundes der Verhinderung zu benachrichtigen, damit ein Ersatzmitglied einberufen werden kann.
    Mit freundlichen Grüßen
    Der Bürgermeister:“

    Herunterladbar von „http://www.gmunden.at/system/web/news.aspx?bezirkonr=0&menuonr=218378972&detailonr=224642716“

  4. So eine Diskussion, Hotelbefürworter die gegen Hotelskeptiker hetzen. Die Hotelbefürworter können Hotels bauen so viel sie wollen. Nur Zahlen sollten sie das Hotel halt auch. Den Grund nicht billig erschleichen , keine Steuergelder erschleichen, keine EU Beihilfen erschleichen,
    Mit Bargeld kann man auch mehrere Hotels bauen. In dieser Angelegenheit werden öffentliche Gelder erschlichen. Eigenkapital gibt’s nur am Papier. Papier ist nichts wert.
    Der Steuerzahler wird geschädigt. Das ist alles bei der Geschichte.
    Die Gesetze muß man so umändern, daß die Politiker für ihre Entscheidung die volleVerantwortung tragen. Da wird bei der Gestztgebung gar nichts gemacht.
    Politiker entscheiden, keine Verantwortung. Steuerzahler werden geschädigt..
    Josef und Maria

  5. Die Sachen die dem BTV nicht gefallen schneiden sie schon raus. Kritiker sind nicht gefragt. Das war schon in Ordnung, daß die Allianz nicht gekommen ist.
    Mit demokratischer Diskussion hatte die Veranstaltung nichts zu tun. Es handelte sich um eine Hetze gegen Hotelzweifler wie im Mittelalter. Das sieht man schon beim Veranstalter, wenn der Moser die einmal zugezogen Gemeindebürger mit weniger Rechten ausstatten möchte. (Leserbrief Moser)
    Zum Glück hat der Moser nicht viel zu reden, sonst wärs wie bei den Braunen.
    Es steht ja jedem frei wo er seine Einkäufe tätigt. In der Innenstadt brauchens ja auch Konsumenten.
    katze katze

    • Ich war dort – es wurde kein einziger Satz herausgeschnitten.
      Ich fands erbärmlich dass nicht mehr Gegner gekommen sind.
      Ich verstehe nicht warum nicht mehr Kritiker sich auch öffentlich dazu äußern wollen. Es war jeder eingeladen – nur kam niemand. Eine vergeudete Chance sich endlich mal öffentlich vor einer breiten Zuhörerschaft zu äußern. Gmunden halt…

  6. Den BTV-Mitschnitt habe ich mir gerade hier angeschaut:
    http://skg.btv.cc/system/web/video.aspx?bezirkonr=0&detailonr=224641006&menuonr=222383999

    Ich war auch dort – dürfte ungeschnitten und „unzensiert“t ausgestrahlt werden, es ist alles drin was ich dort auch live gesehen habe…
    Bin leider nicht mehr zu Wort gekommen, bzw. haben mir einige andere kritische Fragende schon die Fragen aus dem Mund genommen.
    Ich war auf jeden Fall kein ausgesuchter Gast – mir kam das Ganze auch nicht ganz so dramatisch vor wie hier im Blog geschildert. Ich fands schon schade, dass von der Opposition niemand dabei war, aber ich will das nicht beurteilen…

    Dann hoffe ich mal, dass sich die Sache am 20. endlich erledig, und das Thema vom Tisch ist und uns dieser Monsterbau ein für alle mal erspart wird…

    Es gab einige Entgleisungen am Rande der Veranstaltung, dort, wo die Kameras nicht hingeschaut haben. Bruno Beinhart

  7. Bruno schiesst scharf, diesmal aber leider auch ein wenig daneben.Der Verantwortliche für diese Hexenjagt ist eindeutig der Bürgermeister und nicht dieser etwas überforderte Herr Moser. Wenn eine Veranstaltung so aus dem Ruder läuft so ist der anwesende politische Funktionär scharf zu verurteilen und zwar nicht deswegen, weil er zu wenig deeskaliert hat, sondern weil er die explosive Situation geradezu herbeigeführt hat. Dies durch die Auswahl und damit verbundene Übermacht der Eingeladenen.
    Herr Köppl hat durch seine instinktlose Machtpolitik wieder bewiesen, dass er auch nicht davor zurückscheut letztendlich seine eigene Partei zu schädigen! .

    Stimmt schon: verantwortlich ist in erster Linie der Bürgermeister (und in Folge auch die anwesenden Politiker der ÖVP). Aber man kann SEP-Moser nicht völlig aus der Verantwortung entlassen: er bietet Raum für eine Agitprop-Veranstaltung der schlimmsten Art. Die „nützlichen Idioten“ sind leider mindestens genauso schlimm wie jene, die sich ihrer bedienen. Bruno Beinhart

  8. Spielt mir meine Erinnerung einen Streich oder wollte der Moser nicht mal im SEP ein Hotel bauen? Wenn das SEP ein Hotel so dringend braucht, warum baut der Moser dann sein Hotel nicht?

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