Gmundner Jagdszenen

Unter Jägern

Es ist schön, wenn Leute ein Hobby haben. Noch schöner ist es, wenn sie es gemeinschaftlich ausüben. Und besonders schön ist es, wenn sich dabei wichtige Leute treffen. Man spricht natürlich ausschliesslich über Jagdthemen. Alles andere kann ausgeschlossen werden. Darum ist es auch völlig belanglos, dass eine Chefität in der Gemeindeaufsicht ein guter Jagdfreund des ehemaligen RLB-Chefs ist. Jener Mann, der dafür verantwortlich ist, dass man plötzlich, ein paar Tage vor der entscheidenden Abstimmung über eine Vertragsverlängerung im Gemeinderat, bekannt gibt, die bisher mehrmals geäusserte Ansicht, es brauche eine 2/3-Mehrheit sei falsch. Man habe da einigen Umständen „bedauerlicherweise zu wenig Beachtung geschenkt“. Es ist ein reiner Zufall, dass ein Jagdfreund (Michael Gugler, Direktion Inneres und Kommunales) des ehemaligen RLB-Chefs mit dieser geänderten Stellungnahme der RLB (bzw. einem ihrer Kreditnehmer) aus der Patsche hilft. Es gilt die Unschuldsvermutung.

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Im Gmundner Untergrund zirkuliert seit ein paar Tagen unter Bürgerrechtlern die folgende Aufzeichnung einer angeblich ziemlich wahren Begebenheit. Das Dokument wurde uns zugespielt, die/den vermutliche/n Verfasser/in geben wir aus Sicherheitsgründen nicht bekannt. Es ist jedenfalls niemand vom Team Gmundl. Alle Ähnlichkeiten mit wirklichen Ereignissen sind natürlich völlig aus der Luft gegriffen – Jägerlatein eben.

 

Jägerlatein

Salzkammergut. Am Rande einer Waldlichtung früh am Morgen. Nebel liegt über der Landschaft. Ein Hochsitz. Zwei Jäger im klassischen Outfit. Sie unterhalten sich flüsternd.

Toni: Und, du hast gestern einen Investor getroffen?
Rudi: Ja, mitten ins Herz.
Toni: Auweh! Schon der dritte dieses Monat.
Rudi: Es soll halt nicht sein.
Toni: Dass wir ein Hotel bekommen.
Rudi: Weil diese blöden Investoren alle das Licht das Tages scheuen. Was schleichen sie auch in der Nacht durch den Wald.
Toni: Haben sie wenigstens ein Geldkofferl dabeigehabt?
Rudi: Kein einziger von denen. Alle nur ein Term-Sheet vom Luigi Monetti. Aber was mach ich mit einem Term-Sheet. Wir brauchen Bargeld. Ohne Bargeld kein Hotel.
Toni: Du sagst es! Man müsste Investoren systematisch züchten.
Rudi: Ja, und im Wirtschaftswinter durchfüttern, damit sie uns nicht verhungern.
Toni: Durchfüttern ist eine gute Idee. Wir müssen sie regelrecht mästen. Aber wer soll das bezahlen?
Rudi: Die Stadt. Das Land. Der Bund. Die Steuerzahler.
Toni: Exzellent! Die Steuerzahler sind es gewohnt, dass sie unsere Rechnungen zahlen müssen.
Rudi: Was bin ich froh, dass ich keine Steuern zahle.
Toni: Du auch nicht? Ja, es geht nichts über ausländische Briefkästen. Aber angeblich ist der neue Finanzminister ein ganz ein scharfer. Nicht so wie die Schotter-Mizzi. Der Neue will an unser Geld! Das mit dem Grasser Heinzi macht einem ja regelrecht Angst. Von den Handys weiss man es längst, aber wenn jetzt nicht einmal die Briefkästen mehr sicher sind. Ich sag dir was: der Überwachungsstaat ist die reine Pest. Man sollte Leute wie uns besser schützen.
Rudi: Aber geh! Der Spindelegger ein scharfer? Und dann ist er aufgwacht! Ich mach mir da keine Sorgen.
Toni: Psst! Da bewegt sich was. Hoffentlich kein Reh …
Rudi: … sondern ein Investor!
Toni: Wir sollten vielleicht keine scharfe Munition verwenden, sondern Betäubungsgewehre.
Rudi: Das hat was! Aber der Bürgermeister hat doch gesagt, wir müssen jetzt unbedingt einen Investor erlegen. Am besten ein ganzes Rudel, weil wir brauchen nicht nur ein Hotel, sondern viele Hotels. Viele, hässliche Hotels.
Toni: Ja, man müsste ganz Gmunden abreissen und neu bauen. Nur Hotels, sonst nix. Eins höher als das andere. Und auf jedem Hotel hängt draussen der Kopf von einem erlegten Investor, wie ein Gweih! Dazu ein Super-Hotel, höher als der Traunstein, das wär was!
Rudi: Höher als der Traunstein, genial! Frühstücken Aug in Aug mit dem Gipfelkreuz. Zum Kipferl das Gipferl! Aber glaubst nicht, dass das mit den Geweihen, also den Investorenköpfen vorn drauf, die Geldleute abschrecken könnte?
Toni: Nein, was glaubst denn! Die fürchten sich nur vor der Allianz, weil das sind Verhinderer. Und davor, dass sie ihre Versprechungen wahr machen müssen.
Rudi: So auf die Schnelle fällt mir gar nicht ein, was verhindert die Allianz eigentlich?
Toni: Alles.
Rudi: Weisst du eigentlich, für was wir die vielen Hotels brauchen?
Toni: Offengestanden – nein! Aber ich habe gehört, in Linz und Wien sagen sie schon: wenn du deine Verwandtschaft enterben willst, dann schenk ihr ein Hotel in Gmunden.
Rudi: Versteh! Gmunden, die Stadt der Enterbten. Wo der Bürgermeister schwarz, aber die Hotelbilanzen rot sind.
Toni: Ja, eh! Genau!
Rudi: Psst. Da, schau, dort drüben bewegt sich was!
Toni: Hats ein Geweih?
Rudi: Nein, ich seh keins.
Toni (aufgeregt): Dann muss es ein Investor sein.
Rudi: Psst! Verscheuch ihn nicht, den Investor. Die sind ja sowas von scheu.
Toni (hebt das Gewehr, zielt): Ich krieg ihn, ich erwisch ihn.
Rudi: Wenn ihn uns nur nicht wieder so Grüner, der da wildert, vor den Augen wegschnappt und verjagt. Oder jemand von der Allianz …
Toni: Ich habe ihn im Visier. Geldkoffer seh ich aber keinen. Verstehst Du das, warum die heutigen Investoren alle kein Pinke haben, sondern nur mit Term-Sheets wacheln?
Rudi: Ja mei, Term-Sheets halt. Weiss eh jeder, dass die nichts wert sind, aber es klingt so vielversprechend: Törm-Schiet.
Toni: Naja, der Bürgermeister hat gesagt, zum Herzeigen taugens schon. Diese lästige Opposition hat sich nichts besseres verdient. Für die reicht so ein Schmierzettel.
Rudi: Aber damit kannst keinen Baumeister zahlen. So blöd ist keiner, dass er das als Zahlung nimmt.
Toni: Ja, leider. Das ist ein Konstruktionsfehler.
Rudi: Verdammt, da kommt wer von links.
Toni: Ein Grüner oder ein Wilderer von der Allianz. Ich habs befürchtet.
Rudi: Und er hat ein dickes Packerl Papier dabei.
Toni: Auweh. Sicher wieder eine Sachverhaltsdarstellung für die Korruptionsstaatsanwaltschaft. Grüne Bagage. Jetzt wachelt er damit vor den Augen vom Investor herum. Scheibenkleister. Der macht sich jetzt ganz klein, den treff ich nicht, wenn er sich so hin duckt. Verdammt jetzt ist er weg, im Gebüsch verschwunden.
Rudi: Drück ab. Zeigs dem Wilderer, dem grünen. Verdammte Allianzler. Alles Kryptogrüne.
Toni (drückt ab): Daneben. Was der Bürgermeister immer sagt: wenn wir einen Investor verjagen, ist er futsch.
Rudi: Man sollte die Investoren am Besten gleich hier in Gmunden züchten. Für die ganze Welt. Das wär doch eine Marktlücke. Ein Exportschlager! Autbusweis würden wir sie von hier in alle Welt karren. Weil wir haben echt viel Erfahrung im Erfinden von Investoren. Jetzt müssen wir sie nur noch so weit kriegen, dass ihnen das Geld aus den Ohrwascheln wächst. Dann kann man sie abernten und viele neue Hotels bauen.
Toni: Das mit dem Geld aus den Ohrwascheln wird nicht leicht. Da muss man in die Gene eingreifen.
Rudi: Kann doch nicht so schwer sein. Hierzulande haben es Mutanten schon in höchste Positionen gebracht. Man kreuzt einen Schotterbaron mit einem hundert Euro Schein …
Toni: … aber mit echtem Geld, bitte, nicht mit einem Term-Sheet, sonst wachsen dem nur die Kreditzusagen aus den Ohren raus.
Rudi: Das wär blöd. Aber wir sollten einmal mit dem Bürgermeister drüber reden. Gmunden, die Stadt, in der auf allen Plätzen Investoren mit Geldohrwascheln wachsen.
Toni: Ich seh schon, wie jeder Gmundner und jede Gmundnerin ihren eigenen Investor am Fensterbrettl oder im Vorgartl züchtet. Goldene Zeiten brechen an.
Rudi: Papierene. Gold wär zu schwer, das wachst nicht gut aus den Ohren. Und vom Gewicht kriegt man Schlappohren.
Toni: Hast recht. Aber der Wohlstand wäre gesichert. Wir hätten jede Menge Arbeitsplätze in der Investoren-Produktions-Industrie.
Rudi: Und wie ist das mit dem CO2-Abdruck?
Toni: Da müssen wir halt sparsame Modelle züchten. Wenn sie nicht viel Nahrung brauchen, kommt hinten auch nicht viel raus.
Rudi: Nur bei den Ohren muss schon viel Geld rauskommen.
Toni: Ja, eh! Der ideale Investor stellt nur bescheidene Renditeansprüche, aber scheisst jede Menge Geld. Dafür scheissen wir ihn gratis mit tollen Grundstücken zu.
Rudi: Ich muss dich noch was fragen. Unter Jagdfreunden.
Toni: Unter Jagdfreunden?
Rudi: Ja, unter Jagdfreunden. Wir haben da ein Problem im Gemeinderat.
Toni: Wer nicht! Es ist ein Mangel der Demokratie, dass man sich immer mit so vielen Verhinderern herumschlagen muss, nicht nur hier im Wald. Die lauern überall.
Rudi: Ja, und dass die Leut nicht nur uns, die Schwarze Jager-Partei, wählen, das ist demokratiepolitisch ungemein bedenklich.
Toni: Man sollte nur uns wählen dürfen. Da machert die Arbeit einfacher.
Rudi: Viel einfacher. Da hätten wir längst eine Investorenfabrik.
Toni: Wieso haben wir eigentlich noch keine gebaut?
Rudi: Wir haben keinen Investor gefunden.
Toni: Wenns schief lauft, dann ordentlich, sag ich immer! Aber was wolltest mich fragen, unter Jagdfreunden?
Rudi: Du bist doch der Chef da oben in Linz. Deine Abteilung sagt dauernd, für die Züchtung von Investoren brauchen wir im Gemeinderat eine 2/3-Mehrheit, weil das ein schwerwiegender Eingriff in die Landschaft ist. Aber die anderen im Gemeinderat sind alle dagegen, also haben wir nur eine einfache Mehrheit. Die Allainzler haben Angst, dass die Freisetzung von geklonten Investoren das ökologische Gleichgewicht stört.
Toni: Ökologische Gleichgewicht, wenn ich sowas schon hör! Ökologisches Gleichgewicht ist dort, wo wir die 2/3-Mehrheit haben und alles allein beschliessen können.
Rudi: Das ist unser Problem. Ich will dich da nicht beeinflussen, nicht liegt mir ferner, aber weisst du einen Rat unter Jagdfreunden, wie man mit einfacher Mehrheit einen 2/3-Beschluss fassen kann?
Toni: Leicht wird das nicht, aber das machen wir schon!
Rudi: Echt?
Toni: Da schreiben wir einen Brief, dass wir bedauerlicherweise der Tatsache, dass der Bürgermeister keine 2/3-Mehrheit hat, zu wenig Beachtung geschenkt haben. Sonst hätten wir gleich geschrieben, dass eine einfache Mehrheit auch reicht. Und dass unsere bisherigen, gegenteiligen  Stellungnahmen sowas von gestern sind …
Rudi: Genial! Das würdest du tun?
Toni: Für Gmunden tu ich alles! Für unsere Landeshauptmann! Für unseren Bürgermeister! Für unsere Bank! Für meine billig erstandenen Seegrundstücke!
Rudi: Für unsere Investoren!
Toni: Frag nicht, was der Investor für dich tun kann! Frag, was du für den Investor tun kannst!
Rudi: Drauf trinken wir einen! (Zieht einen Flachmann aus dem Jagdrock. Beide nehmen einen kräftigen Schluck.)
Toni: Da bewegt sich schon wieder was! Schon der zweite Investor in einer Nacht. Kaum zu glauben. So viele haben sich die letzten zwei Jahre nicht hierher verirrt. Wenn man von den dreien absieht, die du erlegt hast.
Rudi: Was kann ich dafür, dass ich so gut treffen tu!
Toni: Ja, eh!
Rudi: Es bewegt sich noch immer, schaut aber nicht aus wie ein Reh.
Toni: Schaut aber auch nicht aus wie ein Investor. Weil das, was sich da bewegt, hat Flügeln.
Rudi: Dann kann es kein Investor sein, weil die sind von Gmunden noch nie beflügelt worden.
Toni: Ja, eh!
Rudi: Ich schiess es ab, dann wissen wir, was es war. (Legt das Gewehr an, zielt und drückt ab.)
Toni: Volltreffer!
Rudi: Blattschuss!
(Sie klettern vom Hochstand hinunter, queren die kleine Lichtung.)
Rudi (bückt sich und betrachtet die Beute): Ein Vogel.
Toni: Ein Geier!
Rudi: Wenn ich genau hinschau – ein Pleitegeier.
Toni: Nicht schon wieder!
Rudi: Es ist nicht der erste, und es wird nicht der letzte sein. Die einzige Tierart, die hier nicht bedroht ist.
Toni: Was machen wir mit ihm?
Rudi: Wir schicken ihn der Bank, die soll ihn sanieren.
Toni: Genial!
Rudi: Und das mit der einfachen Mehrheit?
Toni: Vergess ich bestimmt nicht! Es lebe die einfache Mehrheit!
Rudi: Es lebe die einfache Mehrheit!

Beide verschwinden im Wald. Das Wild flieht in einen angrenzenden Forstbezirk. Investoren suchen das Weite oder reisen sicherheitshalber gar nicht erst an.

 

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3 Antworten

  1. Jagdgesellschaft auf Edelgrundstuecke:
    Wenn man von einer Jagdgesellschaft hoert, muessen sich die Buerger in acht nehmen. Denn die edle Jagdgesellschaft hat es nicht nur auf Rehleins , Haesleins u. Hirschleins abgesehen, sondern auf edle Seegrundstuecke. Diese Jagdbeute ist sehr nachhaltig, denn sie wird nicht aufgefressen u. Grund u. Boden sind nicht vermehrbar, die Menschheit waechst aber im Jahr um 80 Millionen (ca,. die Einwohnerzahl von Deutschland). Natuerlich, wenn sich die Jaeger unter sich die Beute aufteilen, wird der gemeine Poebel, sprich die naiven steuerzahlenden Normalbuerger von dieser Jagdbeute ferngehalten. Man zaeunt die Edelgrundstuecke ein und bleibt unter sich. Das haben manche Hotelbefuerworter der Unterschicht, also die kleinen Hasen u. Rehleins, noch nicht begriffen.
    Unser BM Koeppl hat schnell begriffen, wenn man dazu gehoeren will, muss man schnell die Jagdpruefung machen, und schwups, man ist schon dabei. Wenn man einmal bei dieser Jagdgesellschaft ist, ist es wurscht, fuer wen man Steigbuegelhalter ist, ist doch alles eine Familie, eine Hand waescht die andere.

  2. Liebes Gmundl-Team!
    Betreffend Gemeindeaufsicht und ÖVP empfehle ich zur Vertiefung das Protokoll der 26. Sitzung des Linzer Gemeinderats vom 5.7.2012, Tagesordnungspunkt D) „Rechnungsabschluss 2011“, und vor allem die beiden Reden von GR Franz Leidenmühler, Stichwort „Watzgate“.

    Hier kann man das Protokoll als PDF herunterladen:

    http://www.linz.at/politik/grsitzungen/archiv/index.asp?S_ID=81

    P.S. Sümpfe sind immer schwarz, oder?

  3. hmm, ein bißchen langatmig. In der Kürze liegt die Würze.

    Geschmacksfrage, gell! Die einen tuns gern kurz haben tun, die anderen eher länger. Damit tunmir leben müssen. Abermir habens nicht kürzen tun wollen, weil es ein Originaltext sein tun tut, der was net von uns sein tut. Team Gmundl

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