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Fast nur Verlierer
22. Januar 2014

„Noch so ein Sieg …“

Das Antike Griechenland. Ungefähr 300 vor unserer Zeitrechnung.

Pyrrhos (Pyrrhus), König von Epirus, Sohn des Äakides, bestieg, zwölf Jahre alt, den väterlichen Thron, ward aber um 301 auf Betreiben Kassandros‘ wieder vertrieben und begab sich zu Demetrios Poliorketes, dem Gemahl seiner Schwester Deidamia, sodann nach Alexandria. Von seinem Schwiegervater unterstützt, gelangte er 295 wieder in den Besitz des väterlichen Reiches und setzte sich von hier aus 287 auch in den von Mazedonien, das er jedoch nach sieben Monaten wieder verlor.

Von den Tarentinern gegen die Römer zu Hilfe gerufen, schiffte er sich im Frühjahr 280 mit 25,000 Mann und 20 Elefanten dahin ein, um sich nach dem Vorbild Alexanders d. Gr. ein griechisch-italisches Reich zu erobern. Er gewann bei Herakleia am Flusse Siris, drang dann fast bis nach Rom vor, musste aber wegen der von den Römern getroffenen Gegenmassregeln Kehrt machen, und auch die Versuche, einen vorteilhaften Frieden zu schliessen, scheiterten an ihrem Mut und ihrer Vaterlandsliebe. 279 verzeichnete er zwar noch einen Sieg bei Ausculum in Apulien, aber mit so grossem Verlust (daher Pyrrhussieg einen Sieg bedeutet, dessen Gewinn durch den Verlust überboten wird), dass er von der Eroberung Roms ablassen musste. Pyrrhus sagte nach der Schlacht zu einem Vertrauten: „Noch so ein Sieg, und wir sind verloren.“

Die Strenge und Willkür von Pyrrhus riefen bald Aufstände in den Städten hervor. Dies und die Bedrängnis seiner Bundesgenossen, der Samniter, bestimmten ihn, 276 nach Italien zurückzukehren. Er erlitt aber auf der Überfahrt durch einen Angriff der Karthager und durch Sturm grossen Verlust und wurde 275 von M‘ Curius Dentatus bei Benevent völlig geschlagen.

Ein danach unternommener Feldzug gegen Sparta schlug ebenfalls fehl, und Pyrrhus wurde kurz danach in Argos durch einen vom Dach herabgeworfenen Ziegelstein getötet.

„… und wir sind verloren“ (König Pyrrhus, 279 v. Chr.)

Bürgermeister Köppl, der König Pyrrhus von Gmunden, hat einen solchen Sieg errungen. Sein Dachziegel werden die Gemeinderatswahlen im Jahr 2015 sein. (Zum Glück unblutig, im Gegensatz zur Antike!) Ein Sieg mit fragwürdigen Mitteln, die wohl noch rechtlich zu überprüfen sein werden. Er und seine ÖVP (sowei ein paar FPÖ-Mandatare) stimmten für eine Vertragsverlängerung rund um die unendliche Hotelgeschichte.

Das Ergebnis: fast nur Verlierer. Eine ÖVP, die – man kann es auf dem Mitschnitt der letzten Gemeinderatssitzung auf salzi.at ansehen – völlig entgleist und ihr erbärmliches Politniveau in Person von Frau Mizelli demonstriert,sich dabei als das präsentiert, was sie nunmehr ist: Handlanger-Organisation von Grundstücksspekulanten und dahinterstehenden Banken. Blamierte Gmundner „Geschäftsleute“, die sich für das Hotel eingesetzt haben – genau jene Leute, die uns schon vor Jahren die Rettung der Innenstadt versprachen, wenn nur das Parkplatzverbot am Rathausplatz aufgehoben wird. Die Folgen sind bekannt: ein ausserhalb der Saison mit Autos vollgerammelter Rathausplatz, und die Innenstadt starb und stirbt weiter. Nun gilt als neuer Heilsbringer das Hotel. Sollte dieser Kobel jemals errichtet werden (in diesem Blog wurde das immer bezweifelt), dann vermutlich mit einer kleinen Shopping-Mall (in alten Plänen war sie noch zu finden), die erst recht Käufer aus der Innenstadt abziehen wird.

Die Hoteliers aber, die glaubten, dieses Projekt unterstützen zu müssen, werden spätestens dann bitter erwachen, wenn an den alteingesessenen Herbergsbetrieben vorbei die Billigsttouristen autobusweise ins Lacus Infelix gekarrt werden, angezogen von Billigstangeboten, um im Hotel-Schandfleck des Salzkammerguts wenigstens einen Teil der Fixkosten einzuspielen. Denn – wie wir inzwischen wissen: keines der Asamer-Hotelprojekte hat sich als wirtschaftlich lebensfähig erwiesen. Der Freisitz: immer nur Verluste, steht zum Verkauf, wie man hört. Das Hotel Mondsee: soeben an vier Mondsee-Gemeinden verkauft, wobei das Land OÖ 1,9 Millionen beisteuerte – zum Wohle der Famlie Asamer. Das Lacus Felix wird diese „Erfolgs“geschichte fortsetzen, so es jemals in der derzeit behaupteten Form errichtet werden sollte. Die Verluste der Bürgerinnen und Bürger wandern als Gewinn in die Taschen einer Unternehmerfamilie, einer Bank und einiger Spekulanten (die fälschlich als „Investoren“ bezeichnet werden). Sie zählen zu den wenigen Gewinnern. Altbekanntes Motto: Gewinne privatisieren, Verluste sozialisieren.

Weitere Verlierer:

a) die Bevölkerung Gmundens und jene Menschen, denen das Landschaftsbild ein Wert an sich ist, der nicht zur freien Verfügung von Grundstücksspekulanten stehen und deren Interessen geopfert werden darf.

b) die Gmundner SPÖ: was nützt eine brilliante Rede von Vzbgm. Dickinger, wenn sich in  der SP zu spät die Erkenntnis durchgesetzt hat, jahrelang gefoppt worden zu sein? Dazu der Verlust eines Gemeindesrates, der vor dieser Meinungsänderung der SPÖ schon kritisch zum Hotel stand und sich mit der SP überwarf (oder die SP mit ihm, je nach Lesart). Hier ist Dickinger als Parteiobmann gefordert, dafür zu sorgen, dass in seiner Partei persönliche Animositäten nicht zu personellen Aderlässen führen.

c) die Gmundner FPÖ: in dieser Frage gespalten. Dass einige FP-Mandatare mit der ÖVP stimmten, wird die FPÖ vermutlich noch zu spüren bekommen. Wer hier mit der ÖVP ging, hat die Interessen der kleinen Leute ignoriert und verraten. Man darf gespannt sein, wie die FPÖ sich hierorts entwickelt: in Richtung Helfershelfer der ÖVP oder in jene Richtung, die mit der „Allianz für Gmunden“ angedacht worden ist.

d) Die Grünen: auch wenn sie heftigen Widerstand geleistet haben und hier vor Ort mit bewunderswerter Courage ihre Linie gehalten haben – von den Landesgrünen wurden sie schmählich hängen gelassen. Koalitionsräson auf Landesebene wurde offensichtlich über grüne Prinzipien gestellt. Hier sind dringliche Fragen an die Landesgrünen zu stellen, insbesondere, ob sie wirklich auf Dauer das Beiwagerl der ÖVP sein und dem schwarzen Machterhalt dienen wollen. Die grüne Handschrift ist momentan nichteinmal als blass-grün zu erkennen. Gmunden ist praktisch der Eingang ins Salzkammergut. Zur Verschandelung dieses Eingangs hätte man gerne etwas Deutliches von den Landesgrünen gehört.

Zu schlechter Letzt wird sich auch Köppl und die ÖVP dieses vermeintlichen Siegs nicht freuen können. Die grossen Versprechungen, die an dieses Hotel geknüpft worden sind, werden platzen wie eine Seifenblase. Im Hinblick auf eine bessere Entwicklung Gmundens wurden wertvolle Jahre (und wertvolle Grundstücke) verschleudert. Das Vertrauen der Bevölkerung in die Politik ist auf dem Nullpunkt. Eine grosse Chance für eine grosse Lösung (Hotel+Hallenbad+Kongresszentrum) wurde ebenso vergeben, wie die Chance auf eine gute kleinere Lösung (Hotel auf dem Platz des ehemaligen Parkhotels).

Aus heutiger Sicht kann man sagen: die nun von der ÖVP in die Wege geleitete Lösung dient nicht den Interessen Gmundens, sondern denen eines Kreises von Spekulanten, von de facto-Pleitiers und einer ÖVP-nahen Grossbank, die längst auch selbst gegen die Interessen ihrer Genossenschafter arbeitet.

Gmunden steht vor einem Trümmerfeld. Hotel lässt sich auf diesen Trümmern mit hoher Sicherheit keines errichten.

Bruno Beinhart für das Team Gmundl

PS.: Wir werden in den nächsten Tagen hier in diesem Blog einige interessante Überlegungen zur Aufhellung der Ereignisse veröffentlichen. Wir danken unseren Treuen Leserinnen und Lesern, die in den letzten acht Tagen wiederum in erstaunlicher Zahl auf unseren Blog zugegriffen haben. Allein von Montag bis Freitag der Vorwoche hatten wir merh als 3.000 Zugriffe. Gestern und vorgestern erneut weit über 1.000. Wir bleiben am Ball.

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