Täuschen und Tarnen 3. Teil

Bruno Beinhart kommentiert

Man kommt aus dem Wundern kaum heraus: auf einem aufgelassenen Bahngelände soll ein Hotel errichtet werden, ein neuer Leitbetrieb und weil man dringend Betten braucht, aber dummerweise: irgendetwas läuft nicht so, wie es laufen sollte. Auch ein Thermenbad ist geplant. Und jede Menge öffentliche Kohle als Investitionszuschuss. Nein, wir sprechen nicht von Gmunden, sondern vom Attersee …

Sehr originell ist das nicht, was der Politik und den Tourismus“fachleuten“ so einfällt. Ewig grüsst das Murmeltier. Die immer gleichen Konzepte, die immer gleichen Ideen, die immer gleiche Ödnis. Dafür will man jetzt auch hier bei uns in Gmunden wieder viel Geld in die Hand nehmen und für die Innenstadt werben. Es wird genausoviel nützen wie die bisherigen Massnahmen: nichts. Denn wir haben hier kein Kommunikationsproblem, das man mit PR-Massnahmen lösen könnte. Es gibt ein Strukturproblem, und dieses Strukturproblem heisst nicht „fehlende Hotelbetten“ (die sind selbst wiederum nur Folge des Strukturproblems). Man sehe sich das Absterben des Markplatzes an. Wenn dort der Reingruber zusperren würde (wofür es glücklicherweise keine Anzeichen gibt, und was hoffentlich nie geschehen wird), wäre es dort endgültig vorbei: Tote Hose.

Die skurrile Idee, die Autobustouristen in der Habertstrasse aussteigen zu lassen, damit sie über den Marktplatz hinunterhatschen müssen, ist von seltener Dämlichkeit. Die strömen dann nur umso schneller hinunter Richtung See. Und wenn sie dann beim Eingesammeltwerden wieder hinaufhatschen, werden sie kaum einen Zwischenstopp in der Innenstadt einlegen, sondern bergauf keuchend jene verfluchen, die verhindern, dass sie schon am Rathausplatz wieder in den Bussen verschwinden können. Man darf gespannt sein, wie die Gemeinde nach den ersten Protesten der Tourismus-Bus-Betreiber reagieren wird …

Auch die gemeinsamen Aktion von SEP mit der Innenstadt sind reine Augenauswischerei. Das SEP ist ein unsinnlicher Betonklotz für stressgesteuertes Einkaufengehen jener Sachen, die man halt so braucht. Die Innenstadt wäre der Ort fürs Flannieren, was aber – mangels entsprechender Geschäfte mit entsprechender Qualität (Ausnahmen bestätigen die Regel) – nicht stattfindet. Dazu müsste die ganze Innenstadt (inklusive Bundesstrasse und Graben) autofrei werden. Und in so manchem Geschäft (der eine oder andere öffentliche Hotelbefürworter unter den Geschäftsleuten möge reumütig vortreten!) müsste man die Worte „Freundlichkeit“ und „Kundennähe“ mit Leben und Inhalt erfüllen.

Die Grundfrage bleibt vor allem eine: warum sollte jemand als Reisender einige Tage in Gmunden verbringen? Antworten bitte per Mail an das Team Gmundl oder hier als Kommentar einstellen.

Einmal noch sei auf den Verlängerungsvertrag VVV zurückgekommen. Ein weiteres, recht interessantes Detail des Vertrages besteht in der Einräumung von Dienstbarkeiten für die Gemeinde. Absurderweise soll hier grundbücherlich abgesichert werden, was ohnedies Gesetz ist: Bebauung und Nutzung des verkauften Geländes nur nach Massgabe des Vorliegens einer behördlichen Bewilligung und der Flächenwidmung. Das ganze mit der Einschränkung: so dies gesetzlich überhaupt möglich ist. Hier gehen also Vertragspartner eine Verpflichtung ein, von der sie nicht einmal wissen, ob sie gesetzlich zulässig ist … Man fragt sich, warum jemand ernsthaft für solche Verträge stimmt! Im nachhinein wird dann wieder niemand gewesen sein. Es ist allem Anschein nach so, dass dieser Passus in all seiner Unsinnigkeit nur dazu dient, eine andere Verpflichtung los zu werden. Es wird nämlich gleichzeitig vereinbart, dass aus der Eintragung einer solchen Dienstbarkeit „keine Errichtungs- oder Betriebspflicht“ für die „Investoren“ entsteht. Klartext: hier wird alles getan, um sich alle Türen offen zu halten und schadlos auch nicht bauen zu können. Ein Schadenersatz der Stadt dafür, dass sie von eventuell nichtbauenden „Investoren“ jahrelang an der Nase herumgeführt worden ist, entfällt damit klarerweise. (Denn die Stadt müsste natürlich einen solchen Schaden namhaft machen, wenn die Behauptung stimmt, dass das Hotel für Gmunden lebensnotwendig ist …)

Man sieht also: dieser Vertrag hat jede Menge Haken und Ösen und wird uns noch lange beschäftigen. Vor allem die Rechtsgelehrten aller Richtungen, wenn die Sache in den Sand gesetzt wird. Wenn irgendetwas sicher ist in der Hotelsache, dann die Tatsache, dass hier noch viel Honorar an Anwälte fliessen wird.

Bruno Beinhart für das Team Gmundl

Nachbemerkung: Man wird sich jende FPÖ-Mandatare gut merken müssen, die für die Vertragsverlängerung gestimmt haben. Sie haben sich der ÖVP und dem Allmachtsanspruch des Bürgermeisters unterworfen. Gute oder neue Argumente für ihren „Umfaller“ haben sie nicht liefern können. Gleichzeitig haben sie damit die „Allianz für Gmunden“ gesprengt (was vielleicht auch der Sinn der Aktion war). Allen Bürgern wird also bewusst sein müssen, dass es in der FPÖ eine Reihe von Mandataten und zukünftigen Wahlwerbern gibt, die bereits sind, der ÖVP nach der Wahl die Mauer zu machen und zu einer Mehrheit zu verhelfen, die ihr die Bürger mit einiger Sicherheit entziehen werden. Man wird also genau achten müssen, wer in der nunmehr praktisch gespaltenen FPÖ in Hinkunft das Sagen haben wird. Und ob Proteststimmen dort wirklich gut aufgehoben sein werden …

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4 Antworten

  1. Hausbesuch
    Habe gehoert, dass die FPOE Gemeinderaete Enzmann, Colli u. Trieb Hausbesuch bekommen haben von Asamer u. Frauscher (beide sitzen angeblich zusammen firmengeflechtlich im wahrsten Sinn in einem Boot). Seither sind sie umgefallen in der Allianz fuer Gmunden. Wurde ihnen vielleicht eine Gegenleistung versprochen, oder weiss man voneinander zu viel? Jedenfalls schaut die Angelegenheit sehr undurchsichtig aus. Mit Blut haben die Freiheitlichen iin Gmunden ihren Treueschwur nicht unterschrieben, sonst waeren sie ihrem Obmann nicht abtruennig geworden.
    Droht vielleicht ein kleines Knittelfeld in Gmunden? Die Freiheitlichen haben sich durch diese Aktion unglaubwuerdig gemacht u. auch sie werden dafuer sicherlich bei den kommenden GR Wahlen 2015 ihre Watschn kriegen.

    Das tun klarerweise nur Fragen eines besorgten Bürgerleins sein tun, denn es tut natürlich die Unschuldsvermutung gelten tun! Team Gmundl

  2. Also die Drei haben die Allianz verraten! Das stimmt uns sehr traurig.Hat der pensionierte Eisenbahner vor der Abstimmung einen Alkostest gemacht?
    Die anderen 2 auch? Schon vor 2000 Jahren gab es Verrat an der guten Sache.
    Zum Schluß ist alles gut geworden.

    .

  3. Enzmann, Trieb und Colli, so heissen die FPOE Gemeinderaete, die der OEVP bei der Grundstuecksspekulation Lacus Felix die Mauer machen. Merken Sie sich diese Namen gut, wenn Sie FPOE waehlen, koennen Sie gleich die OEVP waehlen. Mir wird schlecht, wenn ich an die jetzt herrschenden Zustaende in der Gemeindepolitik denke.

  4. Liebes Gmundl-Team!
    Ich würde nur allzugern wissen, wer diese köppeltreuen FPÖ-Gemeinderäte sind. Nur damit meiner Familie und meinen Freunden 2015 kein Fehler unterläuft. Immerhin hängt einem ein falsches Kreuzerl bei der Wahl ganze sechs Jahre nach, und das ließe sich leicht vermeiden.
    Danke!
    Euer Schwan Hansi

    Mir tun hier original aus dem FPÖ-Flugblatt/-Plakat zitieren tun, ohne jedweden Kommentar von uns dazu:
    * Obwohl nicht alle Änderungswünsche der FPÖ-Mandatare berücksichtigt wurden, sichert der neue Vertrag die Stadt Gmunden nun wesentlich besser ab als die alten Verträge. Deshalb stimmten GR Beate Enzmann, GR Peter Trieb und GR Günther Colli in der Gemeinderatssitzung für den neuen „Lacus Felix“-Vertrag.
    * Da zum Zeitpunkt der GR-Sitzung der verbindliche Nachweis für die Finanzierung des Projekts noch nicht erbracht werden konnte, stimmten STR Gerald Grampelhuber und GR Horst Breitenberger jedoch für den vertraglich vereinbarten Rückkauf des Seebahnhofgrundes.
    Soweit der Originalton. Team Gmundl

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