Abrakadabra & Simsalabim – Öffentliches Geld in private Taschen

Die zauberhauften Zaubertricks von Inwestohren

Bruno Beinhart analysiert

Wir erinnern uns noch alle an einen Spruch der unglückhaftesten Figur der österreichischen Politik der letzten Jahrzehnte, nämlich des Ex-Bundeskanzlers Schüssel (der ja nun als Dr. Luessel durch die Milchbar im Parlament und durch die Aufzeichnungen jener Firma geistert, die dem Anschein nach für bemerkenswerte Zahlungen rund um die Teuro-Fighter zuständig war und diesbezüglich in der Milchbar vorstellig geworden sein soll). Die komplizierte Formulierung des Satzes innerhalb der runden Klammern ist im Übrigen der in Österreich bereits zur guten Tradition gewordenen Unschuldsvermutung geschuldet. Dieser formidable Kanzler hatte stets den Spruch „Mehr privat – weniger Staat“ kess auf den Lippen. Inzwischen verstehen wir detailliert, was damit gemeint gewesen ist: Mehr Geld in die privaten Taschen, und zu diesem Zweck den Staat (das sind nämlich wir alle) auszurauben. Das Steuergeld vieler Bürgerleins in die Taschen weniger zu schubsen, das Steuergeld solcherart zu privatisieren. Denn die Milliarden, die in der Hypo-Alpe-Adria verschwunden sind, sind ja nicht wirklich verschwunden. Die sind woanders wieder aufgetaucht, bzw. werden woanders auftauchen, wenn wir dummen Steuerzahlerleins die Kohle für die Hypo-Sanierung über die Tische der diversen Banken, Versicherungen und Fonds rüberschieben. Und das noch viele Faschinge lang …

Man sehe mir die etwas umständliche Einleitung nach. Aber sie diente als Einstimmung auf das, was nun folgt. Wir bitten jetzt schon um Entschuldigung für die Länge der Ausführungen, aber die Sachlage ist kompliziert, und wir wollen, dass alle Leserleins unsere Argumente und Analyse nachvollziehen können.

Wir stützen uns bei unserer Analyse auf einen vorliegenden Werbeprospekt für Leute, die am Kauf eines Chalets interessiert sind. Dieser Prospekt ist extrem dilettantisch gemacht, ein weiteres Beispiel für die Inferiorität der angeblichen Inwestohren. Wir werden darauf noch am Ende unserer Überlegungen zurückkommen.

Die Grundidee der Inwestohren ist es offenbar, das Recht zum Kauf eines Chalets mit der Verpflichtung zu verbinden, eine Beteiligung an der Hotelerrichtung zu übernehmen, sich also zu verpflichten, als Hotel-Investor aufzutreten. Das soll – so interpretieren wir den Verkaufsprospekt – so funktionieren, dass für jedes Chalet eine „kleine“ GmbH mit 10.000 Stammkapital gegründet wird. Auf dieses Stammkapital wird nur die Mindesteinlage von 5.000 eingezahlt (schon hier ist der Prospekt übrigens falsch bzw. grob irreführend, denn es ist von 5.000 Stammkapital die Rede, was rechtlich unmöglich ist, denn das Stammkapital muss mindestens 10.000 betragen, man muss allerdings nur 5.000 in bar einlegen. Soviel zur kaufmännischen Kompetenz der Inwestohren …).

Jeder Kaufwillige muss für  sein Chalet in Summe 2,6 Millionen Euro aufbringen. 1,3 Millionen sind für das Chalet selbst, die anderen 1,3 Mille werden nach Fertigstellung der Chalets in eine Beteiligung am Hotel umgewandelt ( 16 Chalets sind am Hotel beteiligt = 16 * 1,3 Mille, ergibt in Summe 20,8 Millionen Investorengeld für die Hotelerrichtung).

Auf die umgewandelte Beteiligung gibt es dann als „Belohnung“ einen Preisnachlass von 200.000 Euro. Der Kaufpreis für ein Chalet verringert sich dadurch auf 1,1 Millionen Euro.
Wir rechnen nach: 16 mal 200.000 Nachlass ergibt in Summe einen Abschlag von 3,2  Millionen. Dieser Rabatt entspricht in etwa den 4 Millionen, die man als Förderung vom Land will (die Differenz zwischen den 3,2 Millionen Rabatt für die Chaletkäufer und den 4 Millionen Landesförderung fliesst – so vermuten wir – in die Taschen der „Inwestohren“ als Abgeltung für öffentlich zelebrierte Chuzpe). Und jetzt – abrakadabra und simsalabim- ergibt alles einen Sinn!

16,00 Mille RAIKA-Finanzierung

+20,80 Mille von den Chaletkäufern

+ 4,00 Millionen Landesförderung

= 40,80 Mille.

Davon gehen die besagten 3,2 Mille zurück an die Chaletkäufer (diesen Preisnachlass finanzieren somit faktisch die Steuerzahler), bleiben für das Hotel 37,6 Mille über. Davon ist ein Teil schon von den Asamers verbraten worden (bei den diesbezüglichen Firmen stehen ca. 7 Mille Anlaufverluste aus der Vorfinanzierung in den Bilanzen). Es bleiben ca. 30,6 Millionen für die Hotelerrichtung. Die Beteiligungen der Chalet-GmbHs an der Hotelerrichtung sind bei der Errichtungsgesellschaft Eigenkapital. Es geht sich daher gerade so aus, dass keine Überschuldung eintritt, sondern ein positives Eigenkapital ausgewiesen werden kann.
17,6 Mille Eigenkapital (20,8 Millionen nominal von den Chaletkäufern, abzüglich 3,2 Mille Rabatt)

–   0,8 Mille für die „Inwestohren“

=16,8 Mille Vermögen

– 16 Mille Finanzierung durch RAIKA (Verbindlichkeiten)

= 0,8 Mille Eigenkapital
Dieses „Eigenkapital“ ist der Spielraum für mögliche Kostensteigerungen. Nicht sehr viel, wenn man bedenkt, dass Kostenüberschreitungen von 5 % (~1,5 Mille) bei solchen Bauten die Regel sind. Selbst bei dieser ziemlich schrägen Finanzierung besteht die Gefahr, dass bei tatsächlicher Errichtung des Hotels am Ende des Baus eine Überschuldung steht und die Errichter Pleite anmelden. Wir wollen nicht annehmen, dass genau dieser Sachverhalt das eigentliche Geschäftsmodell beschreibt (Errichtergesellschaft Pleite gehen lassen, die Chaletbesitzer verlieren ihre Anteile, die Gemeinde das Grundstück, nur die RAIKA sitzt am Ende auf verwertbarem Vermögen, und die Inwestohren haben ein paar hunderttausend öffentlicher Gelder „privatisiert“). Es gilt natürlich die Unschuldsvermutung und die Annahme, dass nichts dergleichen geplant oder beabsichtigt ist. Wir wollen nur aufzeigen, wie problematisch es ist, diesen „Inwestohren“ ein derart wertvolles Grundstück (noch dazu mit fragwürdigen Methoden) zuzuschieben.

Als Bruno Beinhart erlaube ich mir die Anmerkung, dass hier eine unglaubliche Verarschung der Öffentlichkeit stattfindet. Der Prospekt bestätigt alle Vermutungen: die Inwestohren verfügen praktisch über keinerlei Eigenkapital, und das ist der eigentliche Grund, warum bisher nicht gebaut worden ist. Die Sachverhaltsdarstellung der Grünen bei der Korruotionsstaatsanwaltschaft kam den Inwestohren & Co. total recht (und rechtzeitig), weil die angeblichen Hotel„errichter“ damit eine plausible Ausrede für die Verzögerungen gefunden zu haben glaubten. Die Nichteinhaltung der Fristen aus der „Rahmenvereinbarung neu“ liegt einzig an der Tatsache, dass die vorgeblichen Inwestohren nicht in der Lage waren, ihre eingegangenen Verpflichtungen zu finanzieren. Gerade auch deshalb ist es eine unglaubliche Dummheit und eine besonders grobe Fahrlässigkeit der Verantwortlichen, eine Vertragsverlängerung ermöglicht zu haben (deren Rechtswirksamkeit allerdings ohnehin noch geklärt werden muss).

Weiterhin bleibt die Frage, ob es einen Hotelbau wirklich geben wird. Erst wenn 55 % der Chalets (mitsamt Beteiligungspflicht am Hotel!!!) verkauft sind, wird zu bauen begonnen. Es ist schwer vorstellbar, dass steinreiche Leute bereit sind, für die nicht artgerechte Haltung in Millionärskäfigen 2,6 Mille hinzulegen. Denn man darf nie vergessen: das Hotel, so es denn je gebaut werden sollte, ist nullkommajosef wert, weil defizitär. Die Chaletkäufer verlieren ihre gesamte Beteiligung (also 1,3 Mille), wenn es schief geht (und es wird schiefgehen, wenn es kommt). Mit dem Grundstück selbst wird die RAIKA ihre 16 Mille besichern. Und hochweiss aus der Sache aussteigen. Die Gelackmeierten sind die Chaletkäufer. Und die Gmundner Bürgerleins. Und die Steuerzahlerleins ganz allgemein. So sich – wie gesagt – genug Narren für diese hässlichen, völlig überteuerten und nutzungsbeschränkten Kobeln finden.

Man fragt sich ausserdem, wie das funktionieren soll: bei 55 % verkaufter Chalets wird mit deren Errichtung begonnen. Der Öffentlichkeit hat man gesagt (und im Verlängerungsvertrag steht es auch): Baubeginn, wenn irgendwelche Stockwerke des Hotels stehen. Das geht sich wechselseitig nicht aus. In Wahrheit beginnt man – so begonnen wird – wohl eher mit dem Aushub der Bucht, weil das Aushubmaterial dann gleich bei der Inselaufschüttung verwendet werden kann. Man spart also die teure Entsorgung. Rein technisch muss der Aushub der Bucht vor der Aufschüttung der Insel (und vor dem Baubeginn des Hotels) erfolgen. Wir werden wohl noch einige Zeit warten dürfen, bis dort wirklich etwas geschieht. Wir harren gespannt der Dinge, die da kommen (oder vor allem: nicht kommen) werden.

Bei 55 % verkaufter Chalets wären rund 12 Millionen sicher finanziert, praktisch betrachtet sind es bei der Anzahlung (lt. Prospekt) von 500.000 rund 4,4 Mille, plus 16 RAIKA-Mille plus 4 Mille Förderung plus weitere 4,4 Mille (2. Anzahlungstranche), ergibt in der Bauphase einen verfügbaren Betrag von 28,8 Mille. Was wiederum in der Nähe der oben errechneten 30,8 Mille liegt, die man für die Hotelerrichtung mindestens brauchen würde. Für die angeblichen Inwestohren ist alles paletti. Angeschmiert sind jene, die auf den Prospekt hereingefallen sind.

Bezüglich des Prospekt ist noch anzumerken, dass die darin enthaltenen Daten ziemlich mau sind. Von Transparenz keine Rede. Auf die Details des Finanzierungsmodells wird nicht eingegangen. Etwa, wie der Übergang der Finanzierung in die Beteiligung erfolgen soll. Wer dann im laufenden Betrieb das Risiko trägt – der Papierform nach die Chaleteigentümer, die dann zumindest einen guten Blick auf jenen Bau haben, in dem ihr Geld verbrannt wird. Überhaupt stellt sich hier die Frage, ob dieses „Finanzierungs“modell nicht ein Fall auch für die Finanzmarktaufsicht ist. Dazu kommt: das Geschäftsmodell ist derart idiotisch und simpel gestrickt, dass die Chalet-Eigentümer den Verlust ihrer Beteiligung auch steuerlich nicht abschreiben können. Das freut zwar den Steuerzahler, weil er nicht nochmals zur Kassa gebeten wird. Wird aber potentielle Käufer der Chalets zusätzlich abschrecken, weil sie einen 100%igen Totalverlust riskieren, der nicht gegen andere Einkünfte/Gewinne verrechenbar ist. Die Herrschaften, die diese Unsinnskonstruktion erfunden haben, sollten ein paar Seminare über Immobilienbesteuerung belegen (insbesondere angesichts der neuen Rechtslage im Immo-Steuerrecht infolge des Stabilitätsgesetzes 2012!).

Man fragt sich: ist die Gmundner ÖVP so dumm, sind jene Mandatare, die für die Verlängerung gestimmt haben so dumm, ist der Gmundner Bürgermeister so dumm – dass sie wirklich glauben, mit einem derart dilettantischen Prospekt/Modell Käufer anlocken zu können? Denn eine Frage stellt sich schon: wenn die Gmundner Geschäftsleute, die sich hinter diesen unsinnigen Hotelbau gestellt haben, so überzeugt sind, dass die Sache sich rechnet, warum haben dann diese Gmundner Geschäftsleute, für die das Hotel angeblich ja auch noch so wichtig ist, nicht selbst die Finanzierung in die Hand genommen? Ihre Konten geplündert und das Hotel finanziert? Wenn das so eine Mezzie ist? Wenn der kregele Herr Moser vom SEP meint, er brauche das Hotel als Kundenattraktion für sein trostlos verbautes Einkaufszentrum, warum hat er nicht selbst ein oder zwei Mille riskiert? Zu riskant?? Nur grosse Worte und nichts dahinter? Oder bloss ein Schmähführer, der an die Ertragsfähigkeit dieses Hotels genausowenig glaubt wie wir und all die Skeptiker in der Bürgerrechtsbewegung (und wie all die nicht vorhandenen Geldgeber) und quer durch alle Parteien (die ÖVPler sagen es halt nur hinter jener vorgehaltenen Hand, mit der sie im Gemeinderat für die Vertragsverlängerung gestimmt haben).

Viele Fragen sind noch offen. Demnächst wird unsere Babsy Blitzschnell berichten, was die Gmundner Grünen und deren GRin Rumpf so merkwürdig fanden, dass sie sich gezwungen sahen, alle zuständigen Behörden zu informieren und um Überprüfung zu ersuchen.

Text: Bruno Beinhart für das Team Gmundl (Mitarbeit und Recherche: Team Gmundl und Babsy Blitzschnell)

Grüezi mitanand!

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3 Antworten

  1. Die steuerliche Absetzbarkeit der investierten Gelder würde auch bei einer anderen rechtlichen Konstruktion der Beteiligung ( Beteiligung in eine KG oder ähnliches ) kaum möglich sein!
    Damit dies vom Fiskus anerkannt wird,muss nämlich vorweg durch eine Prognoserechnung nachgewiesen werden , dass innerhalb eines Zeitraumes von rund 30 Jahren die Möglichkeit besteht einen Überschuss ( Gewinn ) aus diesem Projekt zu erzielen .
    Dass dies nicht möglich ist wird ja von den Projektbetreibern selbst ausdrücklich bestätigt („rechnet sich nur bei -spekulativer- Errichtung von Wohnungen“) !,
    Daher weiterhin viel Glück bei der Suche nach einer größeren Anzahl von so dämlichen Anlegern ,deren einzige Alternative es wäre ,das Geld gleich direkt in den See zu schütten !,

    Die Sache ist extrem kompliziert. Es sind Wege denkbar, mittels derer das vielleicht (!) gehen könnte. Ist aber nicht unser Problem, wenn die „Inwestohren“ nicht einmal andeutungsweise für den Prospekt ein solches Modell skizzieren können. Wir werden hier auch nicht für diese Leute deren Arbeit machen.
    Die Frage ist nur, warum Investoren in so ein offensichtlich schwachbrüstiges Projekt Geld stecken sollten. Hier überwuchen Wunsch und Fantasie die realen Möglichkeiten. B. Beinhart f. d. Team Gmundl

  2. Hervorragend recherchiert und analysiert !
    Helft weiterhin, dass Gmunden nicht von korrupten Menschen verschandelt und ruiniert wird . Die Straßenbahn ist ja die nächste schwachsinnige Aktion dieser Typen !

  3. Bruno, Du darfst das nicht immer alles so negativ sehen, denn das Geld der Chaletkäufer und der Hypo-Alpe-Adria ist ja nicht wirklich weg. Es gehört dann nur anderen Leuten^^

    So ist es! Steht – wenn auch ein wenig anders formuliert – im Blog. Bruno Beinhart

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