Archive for 14. April 2014

Kulturlos und bildungsfern – Am Beispiel Gmunden
14. April 2014

Die neue Talstation der Grünberg-Seilbahn – ein städtebaulicher & architektonischer Skandal

Babsy Blitzschnell ist von den Socken und berichtet

Ich biege um die Ecke und glaube, meine HiHeels werfen mich ab. Oder sollte Ihre Babsy einen Die happy (2 Teile Absinth, vier Teile Vodka, zwei Teile Waldmeistersirup) zu viel erwischt haben? Kann ja sein, dass das jahrzehntelange Verbot von Absinth doch richtig gewesen ist. Doch dann atme ich erleichtert durch, nur die spontan losgerannte Laufmasche läuft weiter: es ist nicht der Alkohol. Es ist die Gmundner Stadtplanung, oder wie man das nennen soll, was hier verbrochen wird, die meine Heels erschütterte und mich in ihnen wanken liess.

Angeblich gibt es in Gmunden einen Gestaltungsbeirat. Der rät offenbar, was er gestalten soll. Die Verschandelung Gmundens nimmt inzwischen nicht nur peinliche oder ärgerliche Ausmasse an, sondern ist anscheinend zum einzigen Gestaltungsziel geworden. Scheiss aufs Stadtbild, Hauptsache die Kassa stimmt. Und wenn die Kassa nicht stimmt: auch egal. Die Bürgerleins müssen sowieso dafür blechen.

In diesem Klima der Kulturlosigkeit wuchert Bausünde um Bausünde. Da werden wuchtige Baukörper mitten in lockeres Siedlungsgebiet mit niedrigen Häusern aufbetoniert und hingeknallt, meist potthässliche Bauten ohne jedwede architektonische Idee, äussersten Falls mit einer Renditevorgabe (die dann, mangels Qualität, auch nicht erfüllt wird). Das Lacus Infelix, mehr ein Gerücht als ein reales Projekt, entspricht genau dieser Kulturlosigkeit. Es gibt wohl wenige Bezirkshauptstädte in Österreich, die sich in den Krallen eines derart kulturlosen und bildungsfernen Bürgertums befinden. In den Krallen eines abgehausten örtlichen Wirtschaftsclans, der nur noch von der Nachsicht seiner Gläubiger und der Verfilzung mit diesen Gläubigern und der Politik lebt. Blechen tuns immer die Bürgerleins.

Was jenseits von Krachlederner und Blasmusik ist, wird von diesem vermeintlichen Bürgertum nicht verstanden und ignoriert. Andernsorts ist die Architektur ein Motiv, um überhaupt hinzufahren. Kein Hahn würde nach Bilbao krähen, stände dort nicht ein architektonisch herausragendes Guggenheim-Museum – muss einem nicht gefallen, aber der Bau ist ein Statement, und man erkennt, dass die Erbauer sich dabei zumindest etwas gedacht haben.

guggenheim-museum-bilbao

Ein anderes Beispiel ist das Opernhaus in Melbourne:

Sydney-Opera-House-image

In Gmunden dagegen, darf man raten, welches der beiden Objekte auf dem untenstehenden Foto eine Förderanlage aus dem Ruhrgebiet ist und welches die neue Seilbahnstation:

seilbahn_foerderanlage

Unter den richtigen Einsendungen verlosen wir als

1. Preis einen Rundgang mit dem Fremdenverkehrsdirektor von Gmunden zu allen Bausünden der Stadt (Achtung: festes Schuhwerk und gute Nerven erforderlich, Dauer: mindestens 3 Tage). Anschliessend dürfen Sie ein Jahresbudget des Stadtmarketings sinnlos verpulvern (also das machen, was auch sonst geschieht).

2. Preis: ein Jahr Teilnahme an den Sitzungen des Gmundner Bauausschusses, auch hier sind beste Nerven Grundvoraussetzung

3. Preis: lebenslanges Stimmrecht im Gmundner Gestaltungsbeirat, weil Sie mit der richtigen Antwort bewiesen haben, über mehr Fachwissen und Geschmack als dessen derzeitige Mehrheit der Mitglieder zu verfügen.

Tja, ihre Babsy nimmt einen kräftigen Schluck Die happy, um ihr Unglücksgefühl zu bekämpfen (jaja, die Babsy weiss, dass Alkohol in solch hartnäckigen Fällen von Denkverweigerung durch Politik und Tourismusverantwortliche nichts ändert), und dann denkt sich Ihre Babsy: kann das wirklich wahr sein? Wer baut so lieblos? Noch immer nicht kapiert, dass es nicht um verbaute Kubikmeter geht, sondern um das Aussehen der Stadt, um ein Lebensgefühl? Dass gelungene Architektur nicht nur die Augen erfreut, sondern auch die Seele? Ganz jenseits aller finanzieller Überlegungen? (Wie es in den Seelen von Leuten aussieht, die sowas errichten lassen, will Babsy gar nicht wissen!) Und selbst aus der schnöden Sicht des schnöden Mammons: wie bescheuert muss man sein, um in einem Ort, der angeblich auf Fremdenverkehr setzen will, so eine Scheusslichkeit hinzuknallen? Eine Scheusslichkeit, die nichts mit dem Salzkammergut zu tun hat, nichts über das Salzkammergut aussagt. Allerdings viel aussagt über jene, die soetwas den Bürgerleins vor den Latz knallen.

Ja, dieser Bau ist gedacht für: Hansi-Hinterseer Fans, deren Musikverständnis bei Hrn. Gabalier endet; für besinnunslos betrunkene Tagestouristen (das Zielpublikum unserers örtlichen Fremdenverkehrs!), denen es scheissegal ist, wo sie in ihrem Rausch hinspeiben. Und natürlich für unsere Ortspolitiker und Tourismusmanager, die glauben, dass sie mit solchen Bauten den Tourismus ankurbeln können.

Gmunden hat längst seine Seele verloren und an den Billigstbieter verscherbelt, weil die Geschäftemacher nur darauf aus sind, sich die vorhandenen, natürlichen Reichtümer möglichst billig anzueignen und teurst weiterzuverkaufen. Was sie nicht gecheckt haben: das geht auf Dauer nicht und führt zu einer rasanten Verarmung der Stadt – geistig und materiell. Die geistige Verarmung ist bereits im ganzen Ort zu besichtigen (und bei jeder Gemeinderatssitzung im Rathaus). Die materielle Verarmung ist nicht ganz so offensichtlich, aber allein die Tatsache, dass junge Menschen sich das Wohnen in Gmunden nicht mehr leisten können, ist ein deutlicher Hinweis auf diesen materiellen Verarmungsprozess.

Jetzt ist ihre Babsy Blitzschnell nachdenklich geworden. Aber das ist kein Wunder. Ihrer Babsy wird nämlich speiübel, wenn sie all diese Provinzpolitiker, diese kleinkarierten Geschäftemacher und Zubetonierer, dieses ganze vertrottelte Mischpoche, die sich für Gmundens Haut-Vollé hält, vor ihrem geistigen Auge vorbeimarschieren sieht. Da genügt nicht ein Longdrink, da braucht sie dutzende, und zwar pro Tag. (Anmerkung: Haut-Vollé heisst „Hochhinaus-Wollende“, aber keineswegs bereits dort Angelangte … merks Gmunden!)

Das einzige, was hier Hochsaison hat und geradezu beispielhaft ist, sind die Laufmaschen auf meinen Strümpfen. Die haben aber auch mehr Stilgefühl als die Verschandler Gmundens.

Ihre Babsy Blitzschnell für das Team Gmundl

 

 

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