Kulturlos und bildungsfern – Am Beispiel Gmunden

Die neue Talstation der Grünberg-Seilbahn – ein städtebaulicher & architektonischer Skandal

Babsy Blitzschnell ist von den Socken und berichtet

Ich biege um die Ecke und glaube, meine HiHeels werfen mich ab. Oder sollte Ihre Babsy einen Die happy (2 Teile Absinth, vier Teile Vodka, zwei Teile Waldmeistersirup) zu viel erwischt haben? Kann ja sein, dass das jahrzehntelange Verbot von Absinth doch richtig gewesen ist. Doch dann atme ich erleichtert durch, nur die spontan losgerannte Laufmasche läuft weiter: es ist nicht der Alkohol. Es ist die Gmundner Stadtplanung, oder wie man das nennen soll, was hier verbrochen wird, die meine Heels erschütterte und mich in ihnen wanken liess.

Angeblich gibt es in Gmunden einen Gestaltungsbeirat. Der rät offenbar, was er gestalten soll. Die Verschandelung Gmundens nimmt inzwischen nicht nur peinliche oder ärgerliche Ausmasse an, sondern ist anscheinend zum einzigen Gestaltungsziel geworden. Scheiss aufs Stadtbild, Hauptsache die Kassa stimmt. Und wenn die Kassa nicht stimmt: auch egal. Die Bürgerleins müssen sowieso dafür blechen.

In diesem Klima der Kulturlosigkeit wuchert Bausünde um Bausünde. Da werden wuchtige Baukörper mitten in lockeres Siedlungsgebiet mit niedrigen Häusern aufbetoniert und hingeknallt, meist potthässliche Bauten ohne jedwede architektonische Idee, äussersten Falls mit einer Renditevorgabe (die dann, mangels Qualität, auch nicht erfüllt wird). Das Lacus Infelix, mehr ein Gerücht als ein reales Projekt, entspricht genau dieser Kulturlosigkeit. Es gibt wohl wenige Bezirkshauptstädte in Österreich, die sich in den Krallen eines derart kulturlosen und bildungsfernen Bürgertums befinden. In den Krallen eines abgehausten örtlichen Wirtschaftsclans, der nur noch von der Nachsicht seiner Gläubiger und der Verfilzung mit diesen Gläubigern und der Politik lebt. Blechen tuns immer die Bürgerleins.

Was jenseits von Krachlederner und Blasmusik ist, wird von diesem vermeintlichen Bürgertum nicht verstanden und ignoriert. Andernsorts ist die Architektur ein Motiv, um überhaupt hinzufahren. Kein Hahn würde nach Bilbao krähen, stände dort nicht ein architektonisch herausragendes Guggenheim-Museum – muss einem nicht gefallen, aber der Bau ist ein Statement, und man erkennt, dass die Erbauer sich dabei zumindest etwas gedacht haben.

guggenheim-museum-bilbao

Ein anderes Beispiel ist das Opernhaus in Melbourne:

Sydney-Opera-House-image

In Gmunden dagegen, darf man raten, welches der beiden Objekte auf dem untenstehenden Foto eine Förderanlage aus dem Ruhrgebiet ist und welches die neue Seilbahnstation:

seilbahn_foerderanlage

Unter den richtigen Einsendungen verlosen wir als

1. Preis einen Rundgang mit dem Fremdenverkehrsdirektor von Gmunden zu allen Bausünden der Stadt (Achtung: festes Schuhwerk und gute Nerven erforderlich, Dauer: mindestens 3 Tage). Anschliessend dürfen Sie ein Jahresbudget des Stadtmarketings sinnlos verpulvern (also das machen, was auch sonst geschieht).

2. Preis: ein Jahr Teilnahme an den Sitzungen des Gmundner Bauausschusses, auch hier sind beste Nerven Grundvoraussetzung

3. Preis: lebenslanges Stimmrecht im Gmundner Gestaltungsbeirat, weil Sie mit der richtigen Antwort bewiesen haben, über mehr Fachwissen und Geschmack als dessen derzeitige Mehrheit der Mitglieder zu verfügen.

Tja, ihre Babsy nimmt einen kräftigen Schluck Die happy, um ihr Unglücksgefühl zu bekämpfen (jaja, die Babsy weiss, dass Alkohol in solch hartnäckigen Fällen von Denkverweigerung durch Politik und Tourismusverantwortliche nichts ändert), und dann denkt sich Ihre Babsy: kann das wirklich wahr sein? Wer baut so lieblos? Noch immer nicht kapiert, dass es nicht um verbaute Kubikmeter geht, sondern um das Aussehen der Stadt, um ein Lebensgefühl? Dass gelungene Architektur nicht nur die Augen erfreut, sondern auch die Seele? Ganz jenseits aller finanzieller Überlegungen? (Wie es in den Seelen von Leuten aussieht, die sowas errichten lassen, will Babsy gar nicht wissen!) Und selbst aus der schnöden Sicht des schnöden Mammons: wie bescheuert muss man sein, um in einem Ort, der angeblich auf Fremdenverkehr setzen will, so eine Scheusslichkeit hinzuknallen? Eine Scheusslichkeit, die nichts mit dem Salzkammergut zu tun hat, nichts über das Salzkammergut aussagt. Allerdings viel aussagt über jene, die soetwas den Bürgerleins vor den Latz knallen.

Ja, dieser Bau ist gedacht für: Hansi-Hinterseer Fans, deren Musikverständnis bei Hrn. Gabalier endet; für besinnunslos betrunkene Tagestouristen (das Zielpublikum unserers örtlichen Fremdenverkehrs!), denen es scheissegal ist, wo sie in ihrem Rausch hinspeiben. Und natürlich für unsere Ortspolitiker und Tourismusmanager, die glauben, dass sie mit solchen Bauten den Tourismus ankurbeln können.

Gmunden hat längst seine Seele verloren und an den Billigstbieter verscherbelt, weil die Geschäftemacher nur darauf aus sind, sich die vorhandenen, natürlichen Reichtümer möglichst billig anzueignen und teurst weiterzuverkaufen. Was sie nicht gecheckt haben: das geht auf Dauer nicht und führt zu einer rasanten Verarmung der Stadt – geistig und materiell. Die geistige Verarmung ist bereits im ganzen Ort zu besichtigen (und bei jeder Gemeinderatssitzung im Rathaus). Die materielle Verarmung ist nicht ganz so offensichtlich, aber allein die Tatsache, dass junge Menschen sich das Wohnen in Gmunden nicht mehr leisten können, ist ein deutlicher Hinweis auf diesen materiellen Verarmungsprozess.

Jetzt ist ihre Babsy Blitzschnell nachdenklich geworden. Aber das ist kein Wunder. Ihrer Babsy wird nämlich speiübel, wenn sie all diese Provinzpolitiker, diese kleinkarierten Geschäftemacher und Zubetonierer, dieses ganze vertrottelte Mischpoche, die sich für Gmundens Haut-Vollé hält, vor ihrem geistigen Auge vorbeimarschieren sieht. Da genügt nicht ein Longdrink, da braucht sie dutzende, und zwar pro Tag. (Anmerkung: Haut-Vollé heisst „Hochhinaus-Wollende“, aber keineswegs bereits dort Angelangte … merks Gmunden!)

Das einzige, was hier Hochsaison hat und geradezu beispielhaft ist, sind die Laufmaschen auf meinen Strümpfen. Die haben aber auch mehr Stilgefühl als die Verschandler Gmundens.

Ihre Babsy Blitzschnell für das Team Gmundl

 

 

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7 Antworten

  1. Die Frau Bü.germeister hat sich beschwert?! Na so was. Beim Salzi TV.?
    Hat sie auch beim Salzi TV nachgefragt, warum am Graben ein Geschäft ist, dass die Preisauszeichnung nur teilweise oder gar nicht macht. Sie als Bürgermeistergatt.n kennt sich sicher aus bei der Gewerbeordnung drum fragt sie nach.
    Katze und Maus

    Wir tun es schon ziemlich unerhört finden, dass man hierorts auf diese bedenkliche Art („kritisches“ Posting der Gattin des Bürgermeisters) versuchen tut, Druck ausüben zu tun. Aber das wird nichts helfen tun: die Bürgerleins tun sich nicht mehr verarschen lassen wollen tun. Und wie schwach tun die „Mächtigen“ sich fühlen tun, wenn sie nicht die ironisch vorgebrachte Kritik einer Kunstfigur vertragen können tun. Arme und ärmliche Leut tun das sein. Die tun aus den Ämtern gewählt werden gehören. Team Gmundl

  2. Anmerkung zum Kommentar Josef und Maria. Das mit den % tut ja nur symbolisch gemeint sein. Damit meinen wir, das des Team Gmundl sehr sanft sein tut. Etwas mehr Schärfe. Sind ja genug Schweinereien geschehen. Die brauchen nicht verschwiegen werden.
    Nachtrag von Josef und Maria

    Wasmir wissen tunmir schreiben. Wasmir nur wissen tun, aber nicht beweisen tun können, tunmir lieber nicht schreiben tun, damitmir keine Probleme bekommen tun. Weil es tut immer und überall die Unschuldsvermutung gelten tun, was auch wichtig sein tun tut, gell, aber manchmal halt Probleme machen tut beim Berichtentun. Mir tunnur merken tun, dassmir einer Reihe von Polidickern jetzt schon viel zu scharf sein tun, gell. Die Frau Bürgermeister tut sich auch gleich beschweren haben tun im Blog vom salzi-tv, dass dort der gmundl sein tun machen darf. Die oberen Seilschaften der Stadt tun schon so abgehoben sein tun und tun wahrscheinlich schon so viel angestellt haben tun, dass sie sogar die allerallerkleinste Kritik nicht aushalten machen tun. Das tut quer durch gelten tun über alle Parteien, die was bei dieser Ringelei viele Jahrzehnte brav mitgehüpft haben tun.
    Team Gmundl

  3. Danke liebe Babsy, wieder mal voll ins, ach egal wohin getroffen. Manchmal denk ich mir , daß ich mit meinen „Rosenkavalier“- Beiträgen viel zu dezent bin, ich meine „Brennessel“- mässig und so. ob sie´s denn so, ich meine auch so verstehen???. Ob sich diese Stadt noch schön – saufen läßt ist auch schon fraglich. Aber nur noch mit Blindenbrille kann man ja auch nicht dauernd durchss Gemüse zischen. Bildung in Gmunden, oweia. Kultur, gut gemobbt ist halb engagiert usw. Pass auf Deine HiHeels auf beim Ostereier suchen, und bis bald mal wieder Dein „Rosenkavalier“ und Fan Erich Josef Langwiesner;-)

  4. Es ist nur 1 % was vom Gmundl Team und ihren Mitarbeitern aufgezeigt wurde.
    99 % wurden verschwiegen. Die Bürger der Marktgemeinde Hallstadt haben vor ca. 50 Jahren die geplante Uferstraße verhindern können. Jetzt hat sich wieder eine gesunde Bürgerbewegung für Hallstadt herausgemausert. Da die Bürgermeinung schon vor ca. 50 Jahren Geltung hatte, gibt es dort einen gesunden Fremdenverkehr. Teile des alten Kulturgutes konnte erhalten werden und kommen dem Fremdenverkehr zu gute.
    Josef und Maria

    Da tunmir net allem zustimmen können tun. Weilmir tun nix verschwiegen haben tun. Mir tun gerade dabei sein tun, was über Hallstatt machen zu tun, gell! Mir tun grad recherchieren machen tun, wie das dort aktuell laufen tun tut. Weil in Hallstatt tut klar sein tun, dass der Turismus net mehr viel wachsen können tun tut, weil mehr Leut kannst nichtmehr reinschaufeln tun lassen tun pro Tag. Was noch gehen tun tut ist, dass die Leute nicht eine Nacht (Durchschnitt: 1,3 Nächte) bleiben tun, sondern zwei oder drei. Wer Hallstatt a bisserl kennen tun tut, weiss, dass Ganzjahresturismus dort net funktioniert. Auch net, wenn das Hotel in der alten Salinenverwaltung kommen tun tut, weil in Hallstatt tut man von Oktober bis März keine Sonne nicht sehen tun. Das tun Turisten net so mögen tun, gell. Mir tun aber noch keinen Durchblick haben tun, wasmir vom Projekt bei der Gosaumühle halten sollen tun. Da müssenmir noch recherchieren tun. Dann tut unser Bericht dazu kommen tun, gell! Team Gmundl

  5. Sie haben vollkommen Recht. Welche Touristen sollen noch nach Gmunden kommen, wenn alles verschandelt wird. Das Problem ist, dass die sich für die Haute Volée haltende Gmundner Bürgerschaft so eingebildet ist, dass sie diesen Abstieg des Niveaus dieser ursprünglich einmal sehr schönen Stadt gar nicht checkt. Diesen selbsternannten Prominenten ist jeder Schönheitssinn fern, Geld und Angeben ist ihr Leitmotiv. Nur wer Geld (oder vielleicht gar keins) hat oder vorgibt eins zu haben, wird in Gmunden hofiert. Es sind diese bildungsfernen (hat mit Schulbildung nichts zu tun, die richtige Bildung muss man sich selbst im Leben ständig erwerben!!) eingebildeten aufgeblasenen Schnösel, die Gmunden ruinieren u. die Lokalpolitiker lassen sich dafür instrumentalisieren.
    Ein paar engagierte und mündige Bürger haben vielleicht eine Chance, die letzten Bäume , Grünflächen und öffentlichen Seegrundstücke zu retten, wenn sie mit grossem Einsatz und Ausdauer diesen Immobilienhaien u. Spekulanten entgegentreten. Die nächsten Gemeinderatswahlen sind 2015 u. die Rechnung muss diesen Politikern, vor allem der ÖVP, aber auch Teilen der FPÖ (wollen sie vielleicht koalieren?) präsentiert werden. Sonst geht es den Bach runter mit der Traunseestadt…..

    Danke! Tunmir auch so sehen tun. Nur eines wollenmir einwenden machen tun: die Roten tun sich auch nicht mit Ruhm bekleckert haben tun (höchstens mit Rum), was manche Entwicklung in Gmunden betreffen tun tut, gell! Team Gmundl

    • Ich brauche nur aus meinem Elternhaus als mittlerweile Exurgmundner zu schauen. Das soziale Miteinander in Gmunden ist laut eurem BGM so toll. dass Gmunden darum beneidet wird. Wofür? Die meisten Gmundner wissen nicht einmal. dass wir 2 sind und aus meiner Verwandtschaft ein im Nebenberuf BGM kam. Mein Vater war der erste. der in einem nun gefragten Ortsteils Gmunden baute. Als Tüpfchen auf dem Untergang haust auch Gmundens BGM noch da. Auf der einen Seite ging es aufwärts mit Gleichgesinnten – grossteils mittlerweile verstorben und die Häuser verkauft an Nichtse – auf der zweiten Seite ging es steil bergab. Da hausen welche seit Jahrzehnten aus der Snobietyszene. Nichts sein – nichts haben – nun nur Köpplaffin.

  6. Zur Preisfrage : Darf ich einen Publikumsjoker nehmen?

    Aber geh! Das Publikum tuts in dem Fall auch net wissen, gell! Weil nämlich: Publikum noch stundenlang wartete auf Bumerang! Team Gmundl

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