Märchenstunde

Wie mir alle wissen machen tun, tun die Araber grosse Erzähler sein tun, gell. Dem Team Gmundl tut es gelungen sein tun, einen der renommiertesten arabischen Erzähler zu augaschieren machen zu tun, der was  hin und wieder hier ein Märchen aus fernen Landen erzählen machen tun wird. Vorhang frei für Harun al-Gmundl, der uns was aus dem sagenhaften fernen Morgenlande berichten tun machen wird.

Ein Märchen über El Effendi,
seine sagenhaften Reichtümer
und wie er zu ihnen kam

von Harun al-Gmundl

Es geschah einmal vor langer, langer Zeit in einem fernen, fernen Land. Mitten in den Bergen lag ein lieblicher See, der trotzdem sehr gefährlich war. Nicht nur, weil in diesem See manchmal Leute ertrunken sind, sondern vor allem deshalb, weil an seinen Ufern Menschen wohnten, denen ihr Reichtum nicht genügte, und die immer mehr Reichtum anhäufen wollten. Natürlich waren nicht alle Leute rund um den See reich, sondern nur einige wenige. Die aber wollten immer reicher und reicher werden. Die Reichtümer der Landschaft genügten ihnen nicht, und was noch schlimmer war: sie waren bereit die Reichtümer der Landschaft, die allen zur Verfügung standen, gegen Reichtümer einzutauschen, die nur ihnen zugute kommen sollten. Sie wollten keine leistbaren Zelte für die einfachen Leute, die nur zwei oder drei Ziegen besassen, bauen, sondern riesige, sündhaft teure Luxuszelte errichten für diejenigen, die viele, viele Kamele ihr Eigen nannten.

Leider gab es in dieser kleinen Stadt eine unheilige Allianz. Der Clan derer von Ibn Hadsch Assamm war dem Clan derer von Ben Saudi-Schwarz, der seit Menschengedenken das Dorfoberhaupt bestimmte, eng verbunden. Zu hohen Feiertagen beschenkten die Clans einander reich. Und nicht nur zu hohen Feiertagen. Leider war es aber so, dass sie dabei nicht ihre eigenes Geld hin und her schoben. Es war das wenige Geld der kleinen Ziegenbesitzer, das diese entweder als Steuer ablieferten oder den Herren der Goldbarren anvertraut hatten. Die Clans jedoch waren der Ansicht, dass es ihnen zustand, sich dieser Gelder zu bemächtigen und sie zur Mehrung ihres eigenen Reichtums einzusetzen.

Doch sie trieben es zu bunt. Obwohl sie also die kleinen Ziegenbesitzer schröpften bis zum Gehtnichtmehr, der Prophet sei ihnen nicht gnädig, waren sie eines Tages pleite. Die Geldtruhen der Stadt waren leer, und in den Schubläden des Dorfoberhaupts stapelten sich die Schuldscheine. Selbst der angeblich so reiche Clan derer von Ibn Hadsch Assamm war unter Oberaufsicht der Herren der Goldbarren. Trotzdem wollten sie einen neuen Turm zu Babel, diesmal allerdings an ihrem malerischen See, errichten. Sie hatten kein Geld und hofften beim Barte des Propheten, dass dieser ihnen einen Investor vorbeischicke, der mittels seiner riesigen Kamel-Karawane die benötigten Goldbarren herbeischaffen würde, da die örtlichen Herren der Goldbarren nicht bereit waren, ihre eigenen Barren bei einem neuerlichen Turmbau zu Babel, der nun Turmbau zu Assamm hiess, zu riskieren.

Eines Tages, der Prophet musste schlecht zugehört haben, tauchte ein Investor in der Stadt auf: Hassan al Pleide, genannt El Effendi. Alle jubelten über seine sagenhaften Reichtümer, doch weder hatte er Kamele noch eine Karawane oder gar Goldbarren. Er war ein nackter Investor, nur mühsam verhüllt von seinem schon ein wenig abgetragenen Kaftan. Nun jubelten die Clans trotzdem aus vollem Halse: ein Investor ward uns vom Propheten geschickt. Doch alle wussten, das war geschwindelt. Trotzdem wurde den einfachen Ziegenbesitzern vorgegaukelt, die Stadttruhen würden sich wieder mit Geld füllen, die Schuldscheine aus der Schublade es Oberhaupts verschwinden, sobald nur der Turmbau fertiggestellt sei. Es würde Reichtum auch bei den Ziegenbesitzern ausbrechen, und jeder schon bald eine Ziege mehr haben. Die Stadt würde übergehen von Kamelen.

Der Investor versprach das Blaue vom Himmel des Propheten herab und sammelte bei den Leuten viel Geld ein für den Turmbau. Er versprach ihnen reiche Belohnung und dereinst das Paradies. Viele Gläubige glaubten ihm bereitwillig und wurden von Glaubenden zu Gläubigern, und die beiden Clans spielten erst recht freudig mit, schliesslich hatten sie El Effendi erfunden, und hofften, damit ihre Herrschaft zu sichern und neuen Reichtum erwerben zu können.

Fröhlich sammelte El Effendi das Geld gutgläubiger Gläubiger, die gerne gaben, schwor er doch beim Barte des Propheten. Doch es kam, wie es kommen musste: El Effendi, in fernen Landen immer schon mit seinem wahren Namen Hassan al Pleide tituliert, erzählte zwar jeden Tag ein neues, schönes Märchen über den Turmbau, doch niemand konnte den Turm sehen, nur diejenigen, die ihn sehen wollten. Das Dorfoberhaupt und sein Clan beteten jeden Tag nicht nur fünfmal in Richtung Mekka, sondern auch noch einmal in Richtung Effendi-Stein (sie hatten bereitwillig den höchsten Berg am See umbenannt) und ein weiteres Mal in Richtung Turmbau-Gelände.

Eines Morgens jedoch musste man feststellen, dass Hassan al Pleide sich aus dem Wüstenstaub gemacht hatte, irgendwo im fernen Abendlande untergetaucht sein musste. Es stellte sich heraus, dass der Mann in Wirklichkeit dem Clan derer von Hoch-al-Stappl angehörte, einem Clan, vor dem in jeder Oase eindringlich gewarnt wurde, und die Bewohner der kleinen Stadt betrogen hatte. Er hatte ihr Geld und das anderer von Blindheit geschlagener Leute einkassiert und hatte nie die Absicht gehabt, den Turm zu bauen.

Nun sassen die Bewohner der Stadt und blickten verzweifelt hinaus auf den See. Doch es kam kein rettendes Segelschiff, dass ihr Geld zurückgebracht hätte. Sie hatten keinen Turm, von dem sie sich soviel erhofft hatten, obwohl man bereits aus dem Altertum wusste, dass Turmbauten in der Regel nicht funktionierten. Sie hatten nur noch die schönen Geschichten, die ihnen Hassan al Pleide erzählt hatte. Die aber wollte niemand mehr hören. Nichteinmal der Tourismusdirektor konnte sie in der Märchennacht erzählen, ohne sein Leben zu riskieren. Und sie hatten den Spott der anderen Leute, die nicht ganz so nah am See wohnten, denn die hatten es immer schon geahnt, dass die am See mit Blindheit geschlagen und vom Geiste des Propheten verlassen waren.

Wie man hört, ist El Effendi inzwischen tatsächlich mit Reichtum und Kamelen und Goldbarren gesegnet. Kein Wunder, hatten er doch die dummen Geldgeber ausgenommen wie lahme Kamele, die man notgeschlachtet hatte. Die dummen Seeanwohner waren nun reich an Märchern, er aber war reich an Kamelen und Goldbarren.

Die Herren der Goldbarren aber hatten nun nicht nur Goldbarren, sondern waren auch die Herren jenes wertvollen Grundes, den man den Einwohnern so billig abgeluchst hatte. Es wurden ein paar sehr teure Luxuswohnzelte aufgestellt, die sich aber nur andere Kamelbesitzer aus fernen, reichen Städten leisten konnten.

Und wenn sie nicht gestorben sind, sackeln sie noch immer die kleinen Ziegenbesitzer aus. Und wenn sie nicht abgewählt werden, werden auch die vom Clan derer von Ben Saudi-Schwarz noch in vielen Jahren die kleinen Ziegenbesitzer an der Nase herumführen.

Das hatte ich, Harun al-Gmundl, euch zu berichten aus fernen Zeiten in einem fernen Lande. Denn bei uns, hier in Bagdad, könnte soetwas nie geschehen. Beim Barte des Propheten!

 

 

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2 Antworten

  1. Come to silver
    Come to gold
    Come do any old thing
    Sell your body and soul

    Make you kill a man
    Ruin your soul
    Come to silver
    Come to gold

    Come to silver
    Just as hard as you can
    Come do anything
    For life of sin

    You can have everything
    Big house up on a hill
    Come to silver
    Come to kill

    Come downhearted
    Come to gold

    Itll make you lose your way
    Turn your heart so cold
    Steal the wife of another man
    Let money buy her love
    Gonna be some hard time
    When you come to gold

    If you come to silver
    If you come to gold
    Hope that youre happy
    With the life youve sown

    Coulda had everything
    But you didnt want to know
    You had to come to silver
    You had to come to gold

    Wennmir vom Team Gmundl ergänzen tun dürfen tun:
    Danzig – Come to silver

  2. Hat der Prophet ein Mittel für Dorfoberhäupter? Für Dorfoberhäupter die heimlich Alkohol zu sich nehmen und eventuell Schweine Schweinefleisch essen.
    Es soll schon vorgekommen sein, dass sich solche Dorfoberhäupter heimlich diesen Lastern hingaben. Wie geht da der Prophet vor? Wie wird sich so ein Dorfoberhaupt diese sündigen Sachen besorgen. Mit dem geschenkten Geld der Ziegenbesitzer? Oder werden sie vom Clan unterstützt?
    Hugo von Wald und See


    Der Prophet sieht das natürlich alles, und es sträuben sich alle seine Barthaare. Aber dagegen gibt es leider kein Mittel, ausser diese Leute abzuberufen. Aber das liegt in den Händen Allahs und dann in denen der Wählerschaft. Aber Allah ist grossmütig, „denn er ist der Mächtige und Weise“ (Koran Sure 59, Vers 24). Was er dereinst am Tag des jüngsten Gerichts mit diesen Leuten machen wird, weiss nur er. Es möge sich aber keiner damit herausreden, sein Schicksal sei vorbestimmt, weil Allah, der vor und nach der Zeit existiert, alles vorhersehen kann. Der Mensch ist trotzdem für seine Taten verantwortlich, er hat die Freiheit. Denn was wir Quadar nennen, ist nicht Vorherbestimmung, sondern sagt nur, dass Allah eingreifen kann in den Gang der Dinge und wie es in der Sure 38 Vers 33 heisst: „Was Gott befiehlt, hat Mass und Ziel.“
    Die heimlichen Laster der Dorfoberhäupter bleiben Allah nicht verborgen, auch nicht, dass sie die Steuern der kleinen Ziegenbesitzer ohne „Mass und Ziel“ verprassen. Der Clan gibt nicht, er nimmt nur, und zwar von den vielen Nichtreichen, um den wenigen Reichen zu geben, was eindeutig gegen die Zakāt verstösst, die Armenabgabe, die der Gerechtigkeit willen geleistet werden muss. Der da hofft, damit offene Fragen ansatzweise beantwortet zu haben, ist der Erzähler namens Harun al-Gmundl.

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