Gehts noch?

Ein paar Anmerkungen und Fragen von Bruno Beinhart

Jetzt haben wir also zwei Hotel-Projekte und einen Bürgermeister, der endgültig beweisen will, dass er unter absolutem Realitätsverlust leidet. Sein Kommentar in der Kronenzeitung: „Ich hab lieber zwei Hotels als keines.“ beweist es einmal mehr. Dieser Mann ist nicht mehr zu retten. Kleines Rechenbeispiel: 430 Betten im Hotel von Sigi John, 270 im Lacus Infelix. Macht in Summe 700 zusätzliche Betten. Aufs Jahr gerechnet: ein Zusatzangebot von 256.000 Übernachtungen sucht Nächtiger. Viel Spass dabei! Derzeit hat Gmunden 95.000 Nächtigungen … Es wird also schwierig genug sein, auch nur eines der beiden Hotels auszulasten:

John-Hotel: 157.000 Nächtigungen möglich (bei ganzjähriger Öffnung), Lacus-Infelix: 99.000 Nächtigungen möglich. Selbst für eine bloss 50%ige Auslastung beider Hotels müssten sich die Nächtigungen verdoppeln. Das John-Hotel benötigt für 50 % Auslastung einen Zuwachs der Gmundner Nächtigungen um 82 %! Verdient wird wohl erst bei ca. 70 %, was einen Zuwachs von 115 % erfodern würde. Natürlich kann man versuchen, die bisherigen Nächtigungen umzuleiten, aber das ist nicht der Sinn der Sache, oder? Kannibalisierung der anderen Hotels und Pensionen bringt der Stadt genau gar nichts. Das alles findet vor dem Hintergrund, dass Gmunden keine Wintersaison hat und auch keine haben kann (Klimawandel!). Die letzten Studien zeigen aber, dass die Wintersaison Österreichs Stärke und die Sommersaison die grosse Schwäche ist: in den letzten 20 Jahren legte die Wintersaison um fast 12 Millionen zu, die Sommersaison verlor 7 Millionen Nächtigungen. Das Tourismuswachstum findet also ausschliesslich im Winter und in Wien (400.000 plus allein 2013) statt. Der Versuch, Gmunden in Richtung Tourismus umzupolen ist also in jeder Hinsicht fragwürdig. Oder deutlich gesagt: Gmunden ist keine wirkliche Tourismusstadt und wird es auf absehbare Zeit auch nicht werden.

Der Vorteil des John-Hotels: es ist ziemlich im Hintergrund, selbst bei einem Scheitern (sprich: Pleite) des Projekts ist das Stadtbild nicht verschandelt. Die Sichtachsen und Wege auf der Toskana sind nicht beeinträchtigt. Allerdings herrscht in der ÖVP wegen des Projekts totaler Aufruhr (auch wenn Köppl nach aussen hin auf gleichgültig macht): dadurch, dass John sein Projekt mit dem Bundesdenkmal-Amt abgestimmt hat, ist das ohnedies unrealistische Thermenhotel (inklusive Verschenkung von Grund und Boden, von 10 Millionen und Verlust des Strandbades) geplatzt. Wir haben das schon in unserer ersten Meldung hier im Blog klar ausgesprochen! Die Auflagen des Denkmalamtes liegen jetzt am Tisch, und die kann kein Bürgermeister und keine Landesbehörde mehr vom Tisch wischen. Das „Thermen“hotel ist tot – es war von Beginn an einer der üblichen dummen Schmähs: in Gmunden gibt es kein Thermalwasser, also auch kein Thermenbad. Die Sache war von Beginn an ein Etikettenschwindel. Für Köppl wird es – angesichts der vielen nicht eingelösten Wahlversprechen – immer enger. Daher auch die Wut in der ÖVP. Dazu kommt die übliche Überheblichkeit: einer, der „nur“ einen Hauptschulabschluss hat, hat die arrogante Pseudo-Elite im Gmundner Gemeinderat mit seinem Projekt übertölpelt. Ihr Bruno Beinhart kennt einige Gmundner Politiker, die sich in der Vergangenheit abfällig über den „Hauptschüler“ geäussert haben. Hochmut kommt vor dem Fall. Kein Wunder also, dass jemand durchs Gmundner Rathaus wuselt, der seinen eigenen Bildungsgang einst etwas geschönt hat. Man gönnt es dieser Pseudo-Elite geradezu, dass sie in all ihrer Erbärmlichkeit erkennbar geworden ist.

Es wird jetzt an John liegen, zu beweisen, dass er ein realistisches Projekt und nicht bloss eine weitere Luftblase präsentiert hat. Er wird also sehr, sehr bald den/die Investor(en) zu nennen haben. Ohne Tricks und ohne doppelten Boden. Er wird auch jene überzeugen müssen, die noch immer gegen Bautätigkeiten auf der Toskana sind. Und er wird – was zu befürchten ist – eine Menge Stolpersteine wegräumen müssen, die man ihm vor die Füsse schmeissen wird. Und auch jene, die der Meinung sind, man sollte lieber das alte Landschloss zu einem Hotel umbauen, wird er überzeugen müssen. Übrigens eine unrealistische Alternative. Ein Umbau wäre viel zu teuer und nur dann rentabel, wenn das Land zwischen 30 und 50 Millionen verlorene Zuschüsse investiert. Dann bleibt noch immer die Frage, ob man im Landschloss ein Raumkonzept finden kann, das den wirtschaftlichen Betrieb eines Hotels ermöglicht. Die unlösbaren wirtschaftlichen Probleme im Schloss Mondsee und beim Freisitz Roith seien hier warnende Beispiele. Man muss es leider deutlich sagen: das Landschloss ist keine ernsthafte Alternative.

Das aber schlägt dem Fass den Boden aus:

Der Herr Inwestohr Freunschlag kündigt im ÖVP-Käseblatt (es nennt sich „Neues Volksblatt“ und man kann nur hoffen, dass dieses Blattl dank gestrichener Presseförderung möglichst bald den Weg alles Irdischen geht!), er kündigt also an: es wird einen sanften (!) Baubeginn geben. Was soll das bitte bedeuten? Ein bisserl schwanger geht auch nicht. Man baut, oder man baut nicht. Wer keine Baugenehmigung hat, kann auch nicht „sanft“ zu bauen beginnen. Der hat zu warten, bis die Bescheide da sind. Herr Freunschlag kündigt also vollmundig einen Gesetzesbruch an. Wann werden wir diesen Herren und seine Clique endlich los? Wann wacht der Bürgermeister endlich auf? Leben wir in der Bananenrepublik Gmunden? Offenbar – siehe merkwürdige Gemeinderatsabstimmungen, merkwürdige Handhabung der Sitzungsabläufe und Tagesordnungspunkte etc.

Herr Bürgermeister! Stellen Sie klar, dass es ohne Genehmigungen keinen Baubeginn gibt! Stellen Sie klar, dass Sie diesen angekündigten Gesetzesbruch missbilligen! Offenbar sind jetzt – angesichts des John-Hotel-Projekts – endgültig alle Sicherungen durchgebrannt. Was glauben diese Herrschaften eigentlich, dass sie sich noch alles erlauben können?

Herr Bürgermeister! Sorgen Sie für die Einhaltung der Gesetze oder machen sie Platz für jemanden, der seiner Aufgabe gewachsen und gewillt ist, sie wahrzunehmen!

Bruno Beinhart für das Team Gmundl

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5 Antworten

  1. […] Gehts noch ? […]

  2. Österreich hat ein grundsätzliches Problem im Bereich der Raumplanung und der Baubewilligungsprozeduren. Die Bürgermeister und die Gemeinderäte haben zu viel zu reden. Sie werden von der Bauwirtschaft und deren Vertretern über den Tisch gezogen und ihre Hilflosigkeit ausgenützt. Viele, viele Bürgermeister werden „geköppelt“. Wir in Österreich bauen und bauen und verlieren langsam den Anschluss im Hoch-und Mitteltechnikbereich, weil zu viele private und auch öffentliche Mittel in Baulöchern verschwinden die dann in der Forschung und techn. Fortbildung fehlen.
    Bauen ja natürlich, aber mit Augenmaß für die Landschaft und für die Weiterentwicklung unseres Landes.
    Übrigens in der Schweiz gibt es kantonsweise Aufzeichnungen über den Wohnunsleerbestand. Bei uns laut stat. Zentralamt nicht. Da mag sich jeder seinen Reim drauf machen.

  3. Baubeginn ohne Genehmigung?
    Ich dachte, das ist strafbar?

    Doch nicht bei uns in Bagdad! Aber im Ernst: nach unseren Infos gibt es eine Baubewilligung für die Wohnungen, nicht aber für die Chalets und das Hotel. Laut dem Verlängerungsvertrag vom Jänner (dessen rechtliche Gültigkeit in den Sternen steht) muss der Herr Inwestohr aber mit dem Bau des Hotels beginnen, und darf erst dann mit der Errichtung der Wohnungen und Chalets anfangen, wenn eine bestimmte Anzahl von Stockwerken des Hotels im Rohbau steht. Wir haben hier immer gesagt, dass das praktisch nicht möglich ist: für die Errichtung des Hotels, so wie es derzeit geplant ist (Insel), wird der Aushub des Teichs vor den Chalets gebraucht. Sowas nennt man die Quadratur des Kreises, und die ist jetzt vermutlich in Gmunden von der hier tätigen Hochinteligenz in Politik und Wirtschaft erfunden worden. Blöd ist nur, dass man vergass, sich das patentieren zu lassen. Es liegt nämlich bei den europäischen Patentämter kein Patent namens „Kreisquadratur“ auf … Bruno Beinhart für das Team Gmundl

  4. Das ist doch alles ein prima Stoff für einen Film. Finden wir dafür vielleicht einige Investoren, die in so ein Projekt investieren würden?^^

    Einen Titelvorschlag hätte ich auch schon : „Des Kaisers neue Kleider …. äääh … Hotels …. Des Bürgermeisters neue Hotels – Untertitel : Die unendliche Geschichte“.

    Ist Herr Freunschlag eigentlich noch in der Stadt? Vielleicht hätte er da Interesse ….. hmmm … vielleicht auch besser nicht. Aber eine Nebenrolle könnte man ihm evtl. anbieten.^^

  5. Gratulation zur Mitteilung 100.000 Besucher. Nochmals Gratulation liebes Gmundl Team.
    Hoffentlich hat der Investor vom Taskana Hotel Bargeld, dann wäre es die ideale Lösung. Keine öffentlichen Mittel vom kleinen Steuerzahler zu verbrauchen ist immer sehr positiv und daher eine gute Sache. Wenn das Denkmalamt schon geprüft hat und positives Licht gibt, ist das erfreulich.
    Der Grund vom Seebahnhof (Besitzer eigentlich die Allgemeinheit) könnte gerettet werden. Das kleine Volk von Gmunden braucht diesen Freiraum im Stadtgebiet dringend. Ab mit den Spekulanten ohne Geld.
    Freie Marktwirtschaft: Bares ist Wahres
    Wenn der john positives für Gmunden zustande bringt, dann ist das wirklich eine Leistung.
    Die Schattenseite von Gmunden ist dunkel bis schwarz.
    Verhinderer öffentliche Gründe organisieren u.sw.

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