Vom Baron zum Barönchen

Einige Überlegungen zur Gmundner Haute-Vollée
von Bruno Beinhart

Wir haben es im Moment mit Französisch. Zuerst mit Gourmand/Gourmet, jetzt mit Haute-Vollée, eingedeutscht auch Hautevollee, was ein wenig den Blick auf die Wortbedeutung verstellt. Man übersetzt dieses Wort gern mit „High Society“, was aber insofern unkorrekt ist, als im englischen Wort die Ironie des französischen Begriffs verloren geht.

Denn wörtlich übersetzt heisst „Haute-Vollée“ genau genommen „die hoch Wollenden“, bezeichnet also Leute, die „oben“ dazugehören wollen. Und damit ist das, was sich in Gmunden für die High Society hält, ziemlich gut charakterisiert. Da lässt sich die Stadt jahrelang von einem Familienclan als Geisel nehmen, der hält sich in gewisser Weise seine eigene Partei und den Bürgermeister, dazu auch gleich Teile der Opposition. All die Jahre haben die gläubigen Gmunder ehrfurchtsvoll auf die Schotterbarone gestarrt, deren Wünsche waren Befehl. Bis hin zu bemerkenswerten Baugenehmigungen für ein neureiches Asamer-Heim direkt am See. Brav sind alle hinter den Asamers hergetrabt wie eine Schar von inbrünstig Gläubigen. Eine politisch-ökonomische Sekte. Und wie das so ist bei Sekten: zum Wohle des Sektenhäuptlings, immer schön verbrämt mit angeblich höheren Interessen (religiöse SEkten: der liebe Gott, das Seelenheil; die Asamer-Sekte: die Arbeitsplätze, Gmunden).

Was die braven Gläubigen nicht sehen konnten oder wollten: das Imperium war seit Jahren so bröckelig wie das Römische Reich in seiner Endphase. Den Schulden in beinahe Milliardenhöhe (so jedenfalls die in den Medien genannten Zahlen) standen in keinem Verhältnis mehr zur realen Vermögenslage. Man darf vermuten, dass die enge Verquickung von Politik, Banken und Asamer-Clan den offenen Konkurs verunmöglicht hat. Also stiller Konkurs, ohnedies nicht besonders hübsch als Zerschlagung und Sanierung der Asamer-Gruppe betitelt. Wir haben jetzt unsere örtliche „Bad Bank“, auch wenn das von einem Sprecher der Gruppe heftigt bestritten wird. Aber es ist abwicklungstechnisch genau das System Hypo-Alpe-Adria: angeblich werden „Unternehmensteile und Projekte gezielt entwickelt und erst dann auf den Markt gebracht“ und „Einen Zeitdruck gibt es nicht.“ – Genau das nennt man Bad Bank: die schlechten Teile werden ausgegliedert, dazu ein paar Vermögensteile, von denen man hofft, damit einen Teil der Schulden decken zu können. Betitelt ist die Bad Bank mit dem hübschen Namen „Quadracir AG“, was einiges darüber aussagt, wie die Betreiber selbst die Chancen einschätzen. Die Wortbildung erfolgte unverkennbar aus „Quadrat“ und „Circle“, also „Die Quadratur des Kreises“. Der Begriff Quadratur des Kreises ist Sinnbild für eine unlösbare Aufgabe. (Im Prinizip geht es bei diesem geometisch-mathematischen Problem darum, aus einem Quadrat in vielen kleinen Schritten einen flächenmässig gleich grossen Kreis zu konstruieren und dazu nur Zirkel und Lineal zur Verfügung zu haben. Der deutsche Mathematiker Ferdinand von Lindemann erbrachte 1882 den Beweis, dass diese Aufgabe unlösbar ist.) Wir folgen also den Namensgebern und gehen davon aus, dass die Sanierung des schlechten Teils der Asamer-Gruppe eine reichlich unlösbare Aufgabe ist. Egal, was der Konzernsprecher verlauten lässt.

Dafür spricht auch, dass die RLB OÖ sich mit 23 % an jenem Teil der ehemaligen Konzerns beteiligt hat, der als zukunftssicher – wenn auch nicht ausbau- oder entwicklungsfähig – gilt: der Baustoffbereich, der über die Accentus Beteiligungs AG als Holding gesteuert wird. In der als Bad Bank einzustufenden „Quadracir AG“ sind die Asamers dagegen noch immer beinahe die Alleineigentümer. Die RLB-Beteiligung am „guten“ Teil ist offensichtlich die Absicherung für Ausfälle und Risken bei der Quadracir, bei der höchst unklar ist, ob eine positive Abwicklung möglich ist. Ein Scheitern der Sanierung ist dort nicht ausgeschlossen (siehe Namensgebung), und dafür hat sich die RLB abgesichert. Wie steht es so schön gross-sprecherisch auf der Asamer-Homepage: „Seit 1959 – permanentes WAchstum – Niederlassungen in Europoa, Asien, Nordafrika.“ Tja, dummerweise enden die Eintragungen im Jahr 2012. Aber auch das Davor ist interessant und zeigt die Hybris des Familienclans: Nach der Übernahme durch die Söhne erfolgt die Ausweitung der Tätigkeit auf immer grösserer Stufenleiter. Ein „Ostblock“-Land nach dem anderen kommt in den Genuss von Asamer-Niederlassungen. Eine Expansion auf Pump, wie man heute weiss. Überschätzung der eigenen Möglichkeiten. Ein Imperium wird überdehnt. Und daher das Schweigen ab 2012.

Aus den Baronen sind Barönchen geworden. Sic transit gloria mundi – so vergeht der Ruhm der Welt. Blöd nur, dass wir Bankkunden und Steuerzahlerleins die Rechnung zahlen. Denn – das ist von aussen nicht zu beurteilen – es ist denkbar, dass die Verluste der Ostfirmen im Rahmen der Gruppenbesteuerung in Zukunft in Österreich gewinnmindernd geltend gemacht werden (im Bereich der Baustoffgruppe – die würde dann viele, viele Jahre keine Steuern zahlen). Rechtlich ist das natürlich erlaubt, wenn man eine entsprechende Konstruktion findet. Dass im Rahmen der Sanierung Verträge mit vielen tausenden Seiten unterschrieben wurden, spricht ebenfalls dafür, dass ein Teil der Lasten (ähnlich wie jetzt bei der Ersten-Bank-Gruppe) von den Steuerzahlern übernommen werden muss – dank der saudummen Gruppenbesteuerung.

Die folgen für Gmunden sind derzeit kaum absehbar. Die beste Konsequenz wäre es, wenn die Lokalpolitiker die richtige Lehre ziehen würden: nie wieder Verquickung von Politik und Geschäftsmacherei, nie wieder die Interessen einer Clique oder eines Clans vertreten. Vielleicht schafft es eines Tages sogar die ÖVP, zu einer von der Wirtschaft unabhängigen Partei zu werden und die Interessen aller Bürgerinnen und Bürger Gmundens zu vertreten. Mit einem „Schotterbarönchen“ könnte man leben. Die Zeit der Barone ist aber schon seit 1918 vorbei! (Und nebenbei bemerkt: der Titel „Baron“ war der niedrigste, den die Monarchie zu vergeben hatte. Ein Baron war in der Monarchie genau genommen dem Erbadel keineswegs ebenbürtig. Aber für die Herrschaft in Gmunden hat es allemal gereicht …)

Ja, und jetzt noch kurz zu einem anderen Downflyer der Gmundner Haute-Vollée. Der Präsident der Gmundner Festwochen, Martin Aistleitner, einst als Mäzen geholt und für angeblich 50.000 Euronen, die er mitbrachte, gleich zum Präsidenten gemacht, obwohl ihn selbst grosse Teile des Festwochenvorstandes nicht kannten, denn pecunia non olet. Ob der grosse Geldzufluss eingesetzt hat, wissen wir nicht, melden aber deutliche Zweifel an. Denn wie es in Gmunden so ist mit „Investoren“ und sonstigen Gönnern: sie sind nicht ganz so gut bei Kasse, wie die Gmundner Politik gern glaubt. Diesfalls ist der Herr Präsident Eigentümer des „ehemaligen“ ÖVP-Blattes „Salzburger Volkszeitung“, die natürlich trotz des Eigentümerwechsels ein ÖVP-nahes Blattl geblieben ist. Dafür durfte der Bruder des Eigentümrs den Chefredakteuer mimen. Es geht nichts über familiäre Kompetenz. Dieses amateurhaft wirkende Stück „Zeitung“ wurde 2013 noch mit dem Bagatellbetrag von 649.612 Euro gefördert. Dann wundert man sich, dass kein Geld für Bildung vorhanden ist. Aber gut, es sollte ja der Pressefreiheit von ÖVP-Medien dienen, irgendwie so halt. Angeblich wurden täglich 8.500 Stück verkauft, was sogar die Verkaufszahlen der Wiener Zeitung untertrifft. Jetzt hat die Regierung in ihrer Not die Presseförderung eingeschränkt. Auf durchaus skurrile Art, wie von dieser Regierung nicht anders zu erwarten war: nurmehr Zeitungen mit mindestens zwölf angestellten, hauptberuflichen Journalisten erhalten eine Förderung. Soviele haben die aber nicht. Jetzt wurde, angeblich vorübergehend, die Printausgabe eingestellt. Wie Aistleitner erklärte, habe er die SVZ mit einer Mille Verlust übernommen und sie zu „deutlich sechsstelligen Jahresergebnissen obwohl sich die Förderungen seit 2004 halbiert hätten“ geführt. Man fragt sich nur, warum dann von ihm für Ende Juli der Konkurs in Aussicht gestellt wird, sollten sich keine „Partner oder Käufer finden“. (Und: das heisst, dass diese unambitionierte Provinz-Zeitung einmal mit gut 1,3 Millionen im Jahr gefördert worden ist! Steuerzahlerleins, vernehmt es mit Schrecken, aber langsam ahnt man, wo überall unser Geld sinnlos versickert!) Eine typisch Gmundner Geschichte: viel Blabla, aber nicht viel dahinter. Neue Wege hat der Herr Präsident allem Anschein nach weder bei den Festwochen noch bei der Zeitung beschritten. Man nennt das dann Haute-Vollée. Grosser Anlauf, und dann bei 10 cm gelandet. So wie wir es in Gmunden gewöhnt sind. Der Mann sollte zum Ehrenbürger ernannt werden. Gemeinsam mit all den anderen im Gmundner Figurenkabinett. Vielleicht sollte man doch noch einen Tunnel bauen, damit man diese Leute möglichst unauffällig verbergen und dem öffentlichen Wirken entziehen kann. Vielleicht sogar ein Anreiz für den Tourismus: eine Dauer-Ausstellung von Figuren wie direkt aus den Werken von Herzmanowsky-Orlando – leider nur halb so lustig und viel, viel teurer für uns Steuerzahlerleins.

Bruno Beinhart für das Team Gmundl

Ankündigung: es tut sich so viel. Darum bringen wir morgen eine Rezension des neuesten Machwerks der ÖVP, das dieser Tage – wie von uns angekündigt – pünktlich im Gefolge der ÖVP-Gemeindezeitung als ÖVP-ÖVP-Zeitung in die Gmundner Haushalte flatterte. Der Zwilling von Volldaneben.

 

 

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2 Antworten

  1. […] Hier gehts zum Beitrag. […]

  2. Haute-Volee und Lacus Felix
    Mit der Tatsache, dass es in Gmunden eine Gesellschaft gibt, die sich selbst für die Haute-Volee hält, kann ich gut leben. Man muss sich diese Leute ja nicht als Freunde aussuchen. Die werden sowieso gestraft, indem sie immer unter sich bleiben u. im eigenen Schleim sich“ einschleimern“ (Bussi, Bussi..).

    Aber zurück zur Politik, zur Causa Prima, dem Lacus Felix. Das Schicksal des Seebahnhofareals ist mir nicht wurscht. Es geht um Enteignung der Bürger von einer Summe von mindestens 70 Millionen Euro, wenn es an die Gläubiger des Asamer geht, das ist in erster Linie die Raiffeisenlandesbank, bei der der Asamer so hoch verschuldet ist, was ihm sein Jagdfreund, der frühere GD Scharinger ermöglicht hat (900 Millionen Euro Schulden).

    Bei der derzeitigen Situation im Gemeinderat, (mit der Mehrheit der ÖVP u. mit Steiigbügelhalter FPÖ,) ist es dem Bürgermeister wieder gelungen, die schwarzen GR, die FPÖ GR u. die Statdtliste (Dr. Löcker) einzuschüchtern, sodass sie gleich den Retourgang eingeschaltet haben u. die Frist für den Rückkauf wieder verlängert haben, bis das befristete Rückkaufsrecht der Stadtgemeinde am 10.2.1015 abläuft.

    Meine Vorausahnung ist – und ich hoffe ich irre mich – die Gemeinderäte der ÖVP, der FPÖ, u. der Stadtliste werden einer Zahlung eines Pönales von 2 Millionen Euro (soweit ich informiert bin) zustimmen. Somit hat die Bank ein Grundstück für 2 Millionen Euro erworben, was mindestens 70 Millionen wert ist u. der Bevölkerung im Namen der Demokratie weggenommen wird.
    Sobald die Bank das Grundstück in ihrem Besitz hat, muss sie kein Hotel mehr bauen. Sie kann es zu einem Zeitpunkt, wo Gras über die ganze Geschichte gewachsen, ist, bestmöglich gewinnbringend verwerten.
    Die gesamte Bevölkerung von Gmunden ist um 70 Millionen Euro!!! ärmer geworden..Ich hoffe, dass die SPÖ u. die Grünen kämpfen werden, und einen Rechtsstreit für so eine Summe nicht scheuen. Die Bevölkerung wird es ihnen danken bei den nächsten Wahlen.

    Nochmals zurück zur Haute-Volee:
    In Kaiserszeiten hatten es die Underdogs in der Bevölkerung auch sehr schwer, litten unter grosser Armut. Der niedrige Adel war noch eingebildeter als der Hochadel. Sie nützten das Volk aus, schickten sie in den Krieg, und im Namen der Hl. Katholischen Kirche verschenkten sie an die Armen am Liebstattsonntag Herzerl. (Der Brauch rührt übrigens aus der Zeit des 30-jährigen Krieges, der Gegenreformation unter Ferdinand II. Die einfachen Leute halten diesen Brauch
    hoch, obwohl sie wenig Grund hätten, sich an diese Zeiten zu erinnern).
    Aber eines hatte der Adel: Schönheitssinn. Für sich selbst bauten sie sich wenigstens schöne Schlösser u. Villen.
    Der neue Geldadel, sprich Schotterbarone, hat null Ästhetik, verschandelt brutal die Landschaft mit Betonklötzen, schneidet wunderbare ehrwürdige alte Bäume um, reisst denkmalgeschützte Bahnhöfe um und ersetzt sie durch ein WC-ähnliche Häusel, etc.

    Es bleibt den Wählern überlassen im Herbst 2015, wie sich diese historisch gewachsene Stadt weiterentwickeln wird. Bürger/innen, Se haben die Entscheidung, wem Sie Ihr Schicksal weiter anvertrauen. Sie haben die Verantwortung für Natur, Kultur u. Lebensqualität.

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