Archive for 1. September 2014

Ein Bürger über die RegioTram
1. September 2014

Liebe Leute!

Wir verschieben den angekündigten Beitrag zur Frage wie, ob und unter welchen Umständen ein Hotel möglich wäre (mitsamt der Frage, ob es wirklich kein Geld am Markt gibt) um ein paar Tage. Heute dafür den Kommentar eines Bürgers zur hochaktuellen RegioTram-Problematik. Uns ist klar: die Kritik ist spät, ziemlich spät. Die Frage ist: liegt es an den Bürgerleins oder eher daran, dass man versucht hat, dieses Projekt doch eher unauffällig an der Bürgerleins vorbei zu realisieren. Man kann jedenfalls nicht behaupten, dass in die Bewerbung der Mitsprache bei der RegioTram auch nur ein Bruchteil jenes Geldes geflossen wäre, den man jetzt zur Lobpreisung der neuen Grünberg-Seilbahn ausgibt. Aber die ist halt der krampfige Versuch, einen Wahlschlager für die ÖVP zu finden.
Man kann natürlich der Meinung sein: der Zug ist abgefahren. Wird wahrscheinlich auch so sein. Ob die Frage der Gestaltung des Tram-Umfeldes tatsächlich ein Lösungsweg ist, wissen wir vom Team derzeit auch nicht. Wir blicken da noch nicht richtig durch, aber es bestehen grosse Zweifel, vor allem wenn man den untenstehenden Brief liest. Das Problem ist halt: Zwentendorf konnte man einmotten. Aber was macht man mit einer Tram-/Zugtrasse, die quer durch die Stadt läuft?

Babsy Blitzschnell f. d. Team Gmundl


 

Erni der Seehund
Gesendet am 31.08.2014 um 4:43 nachmittags

Sehr geehrter Herr Kammerhofer!
Dem Inhalt Ihres offenen Briefes auf gmundl beziehungsweise in den OÖNachrichten gebe ich im wichtigsten Punkt absolut recht und zwar, dass die Gmundner Innenstadt in Zukunft den Fußgängern, dem Öffentlichen Verkehr, den Radfahrern und dem motorisierten Individualverkehr gehören soll – genau in dieser Reihenfolge. Weiters gebe ich Ihnen auch recht, dass die Stadt Regiotram für unsere Stadt ein Projekt ist, das dieses Jahrhundert prägen wird – jedoch leider absolut negativ.
Sind Sie wirklich von ganzem Herzen überzeugt, dass der aktuelle beziehungsweise künftige Bedarf an Öffentlichen Verkehrsmitteln einen Regionalzug durch die geschichtsträchtige enge Gmundner Altstadt und die unweigerlich damit verbundene Verschandelung und Gefährdung dieser, unserer Kulturstadt rechtfertigt? Ein Regionalzug der aufgrund der Schienenführung nur einen kleinen Teil der Gmundner Bevölkerung erreicht. Ein Regionalzug der keine Ballungszentren verbindet. Zwischen Vorchdorf und Gmunden durchfährt dieser Zug zu 90% landwirtschaftlich genutzte Gebiete und da wird sich auch in nächster Zeit nicht viel ändern.
Jetzt allgemein gesagt – zu glauben, dass sich in Zukunft entlang der Bahnstrecke, wie von der Betreiberfirma prophezeit, viele junge Familien ansiedeln werden, ist charmant ausgedrückt mehr als blauäugig, oder eine bewusste Verar…… der Sonderklasse.
Geschätzter Herr Kammerhofer, haben Sie sich nie Gedanken gemacht, ob es zur Abdeckung des Öffentlichen Verkehrs in Gmunden nicht treffsicherere, bedeutend billigere und schonendere Alternativen gäbe? Ich schon! Eine Gruppe von Gmundner Bürgern aus allen(!) politischen Lagern hat sich in den letzten Monaten intensiv mit dieser Angelegenheit auseinandergesetzt. Es ist eindeutig erwiesen, dass die kolportierten Fahrgastzahlen, sowohl bei der Vorchdorferbahn wie auch bei der Straßenbahn, bei weitem überhöht angegeben werden. Hier liegt der Verdacht nahe, dass aufgrund dieser falschen, überhöhten Fahrgastzahlen der Ausbau des Regionalzuges als „im öffentlichen Interesse“ anerkannt wurde und daher Subventionen in zig Millionenhöhe rechtfertigen. Die Verbreitung dieser nachweisbaren Unwahrheit war jedoch mit Sicherheit ausschlaggebend, dass man sich für dieses Projekt leider offensichtlich ungeprüft, vorerst einmal entschieden hat. In diesem Fall wäre anstatt den Zahlen vorbehaltlos zu glauben und leichtfertig auf das Regionalzugprojekt aufzuspringen, Kontrolle und Prüfung von Alternativen nicht nur besser sondern vor allem von den Entscheidungsträgern – gemeint im Besonderen die Gmundner Lokalpolitiker – ein Zeichen von Verantwortungsbewusstsein gewesen.
Elektro-Citybusse haben sich in den letzten Jahren in Wien außerordentlich bewährt. Dieses Verkehrsmittel wäre gerade für Gmunden wegen der topografischen Lage bestens geeignet. Alle Stadteile Gmundens könnten damit perfekt abgedeckt werden. Gegenargumente, wie eingeschränkte Steigfähigkeit beziehungsweise geringer Aktionsradius aufgrund des Batteriebetriebes, sind längst widerlegt. Darüber hinaus würde diese Alternative einen Bruchteil der Regionalzug-Durchbindung durch Gmunden kosten. Einmal mehr möchte ich darauf hinweisen, dass die horrenden Kosten einer Regionalzug-Durchbindung zu 100% mit öffentlichen Mitteln subventioniert werden – unser aller Geld. Bei der Alternative „Elektro-Citybus“ würde man sich nicht nur den Neubau der Brücke sparen, sondern auch die Neuverlegung von Gas, Wasser, Kanal und Strom. Diese Neuverlegung würde bei Verwirklichung des Regionalzuges durch Gmunden unweigerlich notwendig werden, da sich unter den Gleiskörpern keine Leitungen befinden dürfen.
Weitere Vorteile von Elektro-Citybussen wären:
1. Durch das bedeutend geringere Gewicht der Fahrzeuge, besteht weiterhin keine erhöhte Gefahr für die historische, fundamentlose Bausubstanz zwischen Trauntor und Franz-Josef Platz.
2. Keine Schienenstränge (4 Stück!) – daher bedeutend gefahrloseres fahren mit Straßenfahrrädern in diesem Bereich.
3. Keine mindestens 25cm hohe Perrons am Rathausplatz, zwischen den Häusern „Moden Forstinger“ und „Trachten Gössl“, beziehungsweise vis à vis seeseitig.
4. Beste Voraussetzungen zwischen Klosterplatz und Rathausplatz eine attraktive, barrierefreie Begegnungszone schaffen zu können.
Anderenfalls würde speziell der Rathausplatz in erster Linie eine Begegnungszone von zwei 32 Meter langen und über 50 Tonnen schweren Regionalzügen im ¼ Stunden Takt werden.
Bezüglich des motorisierten Individualverkehrs gäbe es genug Möglichkeiten diesen stark zu reduzieren und das bloße Durchfahren durch Gmunden unattraktiv zu machen, dazu braucht man mit Sicherheit keinen Regionalzug.
Übrigens, bei Diskussionen für und wider RegioTram-Durchbindung wurde mir von einigen Gmundner Lokalpolitikern, nachdem ich alle Argumente widerlegen konnte die vermeintlich dafür sprechen, eine offensichtlich einstudierte Schlussantwort (teilweise vor Zeugen!) gegeben: „lieber 50, 60 Millionen in Gmunden blöd verbraten, als dass das Geld ins Mühlviertel geht“ – es wurde auch einmal Innviertel gesagt.


 

Diese Diskussion wird uns wohl noch eine Weile beschäftigen. Was daran wirklich typisch ist: Grossprojekte werden in Gmunden nach wie vor eher auf gut Glück geplant und realisiert. Die Bürgerleins bleiben aussen vor. Mit ein oder zwei kaum beworbenen Info-Abenden wird man es kaum schaffen, die Bürgerleins von solchen von oben herab erfundenen Projekten zu überzeugen. Man sollte vielleicht deutlich mehr Geld in die Werbung für Bürgerbeteiligung investieren als in sinnlose und oft schon peinlich blöde Tourismuswerbung.
Morgen kommt dann wieder einmal ein Beitrag von AndyB.

Babsy B. f. d. Team Gmundl

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