RegioTram: Bahn oder Wahn?

Liebe Leserleins!

Auf den kurzen Nenner der heutigen Überschrift könnte man die Diskussion, die diese Woche hier im Blog voll und heftigst eingesetzt hat, bringen. Zu unserem Bedauern fehlen mit zwei Ausnahmen die Stimmen der Befürworter. Insbesondere von offizieller Seite hätte wir erwartet, das da etwas kommt. Aber vielleicht war das Hantieren mit den Schauferln beim ersten Spatenstich so ermüdend. Dabei scheint diese Diskussion die Gemüter wirklich zu erregen. Wir hatten seit Montag über 5.000 Zugriffe und am Mittwoch die zweitmeisten Zugriffe seit bestehen des Blogs. Dadurch haben wir auch innerhalb kürzester Zeit wiederum eine „runde“ Zahl überschritten: wir stehen nun bei mehr als 130.000 Zugriffen.

Inzwischen wurden Rufe laut, wir würden hier ein Wahlkampfthema der FPÖ hochjazzen. Liebe Leute! Nicht wir jazzen hier etwas hoch, sondern jene, die wie üblich über die Bürgerleins drüberfahren – das ist der springende Punkt! Dass das Team Gmundl politisch keine besondere Nähe zur FPÖ hat, sollte eigentlich auch bekannt sein. Ehrlicherweise muss man aber auch sagen: die FP war von Anbeginn gegen die Strassenbahnverlängerung, schon als keine Rede davon war, dass da in Wahrheit eher ein Zug/eine Bahn als eine Strassenbahn durch die Stadt rattern würde. Zu einem Zeitpunkt, als man auch noch nicht ahnen konnte, dass die gesamte Stadt verschandelt wird, dass ganz Gmunden mit Bauten à la neue Seilbahngebäude verhüttelt und verschlimmschönert werden soll. Es ist also das gute Recht der FPÖ, an einer Sache, in der sie immer klar Flagge zeigte, dran zu bleiben. Warum sollte sie auf ein solches Wahlkampfthema, ein Thema, das die Bürgerleins bewegt, verzichten? Es liegt an den anderen Parteien, in dieser Sache ebenfalls Flagge zu zeigen und bessere Argumente vorzulegen, damit die Bürgerleins zu überzeugen. Angesichts des Dilettantismus rund um das Unglückshotel ist das leider eher nicht zu erwarten. Die Lernfähigkeit der Gmundner Politik ist begrenzt, die Lernkurze ziemlich flach, eher eine Linie in Nähe der Null-Achse …

Es steht jeder Partei frei, für welche Angelegenheiten sie sich engagiert und für welche nicht. Die FP wäre schön blöd, dieses Thema zu ignorieren, wenn sie von Beginn an die einzigen waren, die vor diesem Projekt gewarnt haben. Sie waren da konsequent und haben diese Linie immer vertreten.

Wie sich inzwischen zeigt, mag es zwar so sein, dass einige zentrale Oranisatoren der Bürgerinitiative der FP zumindest nahestehen. Aber das ist nur die halbe Wahrheit. Längst gehen die Meinungsunterschiede quer durch alle politischen Lager. Bei inzwischen über 3.000 Unterschriften kann man auch nicht mehr davon ausgehen, dass das eine FP-Geschichte ist (so wie die Hotel-Agenda keine Grün-Geschichte war und ist). Es sind Teile der Bevölkerung, die sich hier wehren. Aus und mit unterschiedlichen Interessen, aber auch das ist nicht verboten. Eine demokratische Gesellschaft lebt davon, dass Interessen formuliert, gegeneinander abgewogen und zu Lösungen gefunden wird.
Schon deshalb sind wir nicht bereit, die Diskusssion zu diesem Thema einzuschränken oder gar einzustellen.
Wir wiederholen uns: es steht jeder Partei, jeder Strömung, jedem Meinuingsträger frei, sich auch hier im Blog zu Wort zu melden. Leider setzen die offiziellen Befürworter des Projekts scheinbar weniger auf Argumente als auf die Macht des Faktischen: sie schaffen Tatsachen. Wie immer in Gmunden wurden die Bürgerleins aussen vor gelassen, ignoriert. Um auch das zu wiederholen: hätte man ein wenig mehr Geld in die Bürgerbeteiligung als in die Propagandaschriften der ÖVP (und der ÖVP-gesteuerten Gemeindezeitung) investiert, stünde das Projekt heute besser da.

Auch wenn wir vom Team noch keine klare Meinung zur Tram-Thematik haben, einer Sache sind wir uns sicher (und das ist mit ein Grund, diese Diskussion hier zu intensivieren): man hat dieses Projekt an den Menschen vorbeigeschwindelt. Wie üblich in Gmunden. Es gibt enge Verquickungen personeller Art zwischen Politik und Wirtschaft. Die sind auch hier wieder am Werken. Diese Vermanschung von Interessen und Aufgaben gehört aufgezeigt, immer wieder, und beseitigt.

Wir vom Team Gmundl werden auch in Zukunft dafür stehen, dass wir solche Diskussionen hier im Blog abführen und zulassen, ja mehr noch: oft erst ermöglichen. Wir sind nicht die Herolde einer Partei oder einer Organisation, sondern versuchen, das Versagen der Lokalmedien auszugleichen und den Bürgerleins eine Plattform zur Diskussion und Meinungsfindung zu bieten.
Wie immer man zur RegioTram steht: 3.000 Unterschriften sind jetzt einmal zur Kenntnis zu nehmen. ÖVP und SPÖ haben es bei der letzten Nationalratswahl 2013 in Gmunden gemeinsam auf gerade einmal auf 2.855 Stimmen gebracht.

Bruno Beinhart f. d. Team Gmundl

 

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4 Antworten

  1. Lieber Bruno Beinhart!
    Ja, die Zahlen stimmen, sie stammen direkt vom Betreiber und sind von Gemeindevertretern bestätigt.

  2. Lieber Bruno Beinhart!
    Pardon, nichts lag mir ferner, wie die Urheberschaft für die Zahlenspielereien mit ÖVP/SPÖ Stimmen zu beanspruchen. Tut mir leid, war keine Absicht, hab´ das Argument wo gelesen.
    Selbstverständlich wissen wir alle nicht, was einmal sein wird und wie sich in den nächsten 30 Jahren(!) alles entwickeln wird. Aber wenn diese Weitsicht von Gmundner Politikern beansprucht wird, dann hab` ich so meine Bedenken.
    Was wir aber wissen, ist, dass falsche Zahlen bei Entscheidungsfindung für die Durchführung die B(W)ahnsinns im Spiel waren und noch immer sind. Gezählte(!) 3,4 Personen benützen die heutige Strassenbahn pro Fahrt durchschnittlich bei ihrer Fahrt vom Franz Josefsplatz Richtung Hauptbahnhof und retour. Diese Zahl ist „gezählt“ und nicht geschätzt.
    Gehen wir von einer Verdoppelung der Fahrgastzahlen aus: 6,8 Personen fahren dann in 32 m langen Zügen durch die Stadt zum Hauptbahnhof. Die neuen Garnituren haben laut Betreiber eine rechnerische Kapazität von 183 (!) Plätzen und sind auf jeden Fall mit mindestens 76 (!) Sitzplätzen ausgestattet.
    Diese Zahlen „wissen“ wir, darüber kann man nicht anderer Meinung sein.
    Das lustigste Argument für die Durchbindung wurde auch von Dir erwähnt und bedarf einer Betrachtung: Der Regionalzug wird durchgebunden, dass Gmunden billiger zu neuen Kanälen und Gasleitung kommt? Das heißt übersetzt: Will eine Kommune jetzt billigere Kanäle – zB. Bad Ischl – dann machen wir halt einen Regionalzug durch das Stadtzentrum. Eine wahrhaft zukunftsweisende Vorgangsweise.
    Übrigens: Die Strecke vom „Schleißhaus bis zur „Haupttrafik“ ist wirklich so lang wie der neue Zug. DAS wissen wir auch!

    Interpretieren wir Ihre Zahlen richtig? Hier wird eine tägliche Fahrgastkapazität von 5.856 Personen (8 Stunden, alle 15 Minuten ein Zug) je Richtung, insgesamt also von 11.712 Personen geschaffen – das ist beinahe so viel, wie Gmunden derzeit Einwohner hat (13.014 lt. Statistik Austria f. d. Finanzjahr 2014). Selbst für eine Auslastung von 30 % müssten also ca. 3.500 Personen täglich die Bahn nützen. Das sind 27 % der Bevölkerung vom Kleinstkind bis zur Ururoma.
    Bruno Beinhart f. d. Team Gmundl

  3. Lieber Bruno Beinhart!

    Irgendwie kommt mir vor, wie wenn Deine Brille beim Thema „Regionalzug durch Gmunden“ etwas beschlagen wäre!
    Noch mehr Fakten, wie bisher schon auf dem Tisch liegen, kann man wohl nicht mehr liefern, um schnellstens alles zu unternehmen – auch argumentativ – um dieses W(B)ahnsinnsprojekt zu verhindern.
    Die Gmundner glauben immer noch, dass der neue Zug genau solange sein wird, wie die Strassenbahn heute! Irrtum: er wird 3 x so lang sein! Das ist zB. die Strecke vom „Schleißhaus“ bis zur Haupttrafik. Der Zug wird die gesamte(!) Grabenkreuzung einnehmen. Und das bei 3,4 Fahrgästen durchschnittlich!
    Die Routenführung der „Vorchdorfer Bahn“ – die ja durchgebunden werden soll – führt durch großteils ländliches Gebiet mit geringem Bevölkerungszuwachs. Wo da der Autoverkehr herkommen soll, der durch den neuen Zug von der Innenstadt ferngehalten werden soll, ist mir ein Rätsel.
    Anders wäre es, wenn die Routenführung über die „Boomtown“ Laakirchen gehen würde.
    Ausserdem entstehen beim Neubau des Hauptbahnhofes 110(!) neue Park&Ride Plätze, die von den Gschwandtnern sicher gerne benutzt werden.
    Außer es sind Masochisten, die lieber eine Stadtrundfahrt mit dem neuen Zug in der Dauer von ca. 25 Minuten in kauf nehmen, statt über die neue Umfahrung in 5 Minuten beim Bahnhof zu sein.
    Diese Liste der Argumente läßt sich fortsetzen und fortsetzen und……..
    3000 Unterschriften soll es gegen den Zug bereits geben: eine sensationelle Zahl!
    Man bedenke, bei der letzten Wahl haben ÖVP und SPÖ zusammen weniger Stimmen gehabt! Das kann nächstes Jahr ziemlich spannend werden, wenn man sich dann überlegt, wer den 32m Zug durch Gmunden schicken will.
    Also, Ihr in der Redaktion: gebt Eurem Herzen ein Stoß und setzt Euch gegen dieses W(B)ahnsinnsprojekt ein. DAS wird Euch in 30 Jahren gedankt!

    Brille ist nicht beschlagen. Habe nämlich gar keine. Nur eine Sonnenbrille. Die trage ich aber nicht, wenn ich vor dem Laptop sitze und reintippe. Und bei allem Respekt: auf die Tatsache, dass mehr Leute gegen die Tram unterschrieben haben, als SP und ÖVP zusammen zuletzt Wähler hatten, habe ich hier im Blog als erster hingewiesen.
    Es liegen jede Menge Argumente auf dem Tisch. Von Befürwortern und von Gegnern. Ich – und wir alle hier im Team – tun uns wirklich schwer, zu beurteilen, welche stichhaltig sind und welche nicht. Oder was wiegt schwerer: Die „billige“ Erneuerung von Kanal und Leitungen im Zuge der Zugbaustelle oder die Tatsache, dass sich da ein ziemliches Trum durch die enge Theatergasse quetschen soll. Ich kenne in Wien die Kaiserstrasse im 7. Bezirk. Dort fährt zweigleisig die Linie 5. Die Kaiserstrasse ist locker doppelt so breit wie die Theatergasse, in der es verdammt eng wird, wenn sich zwei Strassenbahne begegnen (Autos fahren auch noch herum!). Dabei ist die Theatergasse im Vergleich dazu viel enger. Wenn ich es mir vorzustellen versuche, dann entsteht ein Bild, bei dem schon ein Zug genügt, um die Theatergasse zu füllen und massive Beengungsgefühle auszulösen. Was in zwanzig oder dreissig Jahren sein wird? Ich weiss es ehrlicherweise genauso wenig, wie sonst irgend jemand. Ob die RegioTram da mehr Chance oder mehr Gefahr ist? Ich weiss es nicht! Und die Vergleiche mit Linz sind mit Vorsicht zu geniessen. Alle Studien deuten darauf hin, dass die grösseren Städte enorm wachsen werden, während Kleinstädte wie Gmunden noch schrumpfen werden. Dann zuckelt die RegioBahn hochsubventioniert durchs Niemandsland. Denn es stimmt, schon heute stinken sich Automassen durch die Stadt – nur bleibt niemand hier stehen, weil die Leute gar nicht in die Stadt wollen. Warum sollte sich das durch die Bahn ändern? Oder besteht doch die Chance, dass eine Bahn das Fahrverhalten ändert? Ich weiss es nicht – niemand weiss es.
    Derzeit ist die zugestaute Strasse wie ein unüberwindbarer Fluss, ein Hinderniss zwischen Hauptplatz und Altstadt, das so gut wie niemand quert. Der leere Marktplatz ist Beweis genug dafür. Ob das besser wird, wenn Geleise und sehr hohe Gehsteige ein neues Hindernis bilden?
    Fragen über Fragen, die niemand seriös beantworten kann. Das finanzielle Risiko bei einer Fehlentscheidung trägt jedenfalls die Steuerzahlerschaft. Egal, in welche Richtung diese Sache letzten Endes dann läuft.
    Wir im Team sind derzeit in einem Stadium der Skepsis gegenüber den Argumenten beider Seiten.
    Bruno Beinhart f. d. Team Gmundl

  4. Ich bin im Zuge der Hoteldiskussion auf Euren Blog gestossen und ich finde Eure Linie über das Hotel vollkommen richtig.
    Umso enttäuschender bis jetzt ist die viel zu spät angelaufene Diskussion um die Strassenbahn. Hier herrscht für mich das Motto „das war früher nicht so, das ist was neues, das brauchen wir nicht…“.
    Ich bin Befürworter der Strassenbahn. Erstens hat die Strassenbahn in Gmunden Tradition und ich möchte, dass das erhalten wird. Zweitens ist diese Durchbindung ein Projekt für die Zukunft. Wir leben in einer Zeit, wo alles rund um den Individualverkehr mit dem Auto ausgerichtet ist – da passt eine Strassenbahn nicht hinein – schon klar. Aber wer sagt denn dass das ewig so bleibt? Es kann durchaus passieren, dass in 30 Jahren die Entscheidung für die Strassenbahn als weitsichtig und „der Zeit voraus“ gelobt wird.

    Die Strassenbahn Diskussion ist für mich „das übliche Gesudere“ (c by Gusenbauer) wenn sich was ändert.
    Abgehaut habe ich mich über den Zeitungsbericht vom Spatenstich (OÖN) und die angebliche Absage einer Protestaktion wegen dem bisserl Regen. Wenn das stimmt, ist es ein deutliches Zeichen, daß die ganze Aufregung ein Sturm ist im Wasserglas.

    Wir vom Team Gmundl haben uns in dieser Frage derzeit noch für keinen der beiden Standpunkte entschieden. Wie schon im Blog geschrieben: die Diskussion ist notwendig und muss möglich sein. Die Notwendigkeit dieser Diskussion (die zweifelsfrei zu spät eingesetzt hat, aber besser spät als nie) beweisen die extrem hohen Zugriffszahlen der letzten Tage.
    Offenkundig ist aber leider, ganz egal wie man zum konkreten Projekt steht, dass wieder einmal verabsäumt worden ist, auch die Bürgerleins (rechtzeitig) miteinzubeziehen. Hier fehlte es offenbar auch an Unterstützung für den Verkehrsstadtrat – ein paar kleingedruckte Zeilen in den Tips oder der Rundschau sind zu wenig, um die Bevölkerung zu informieren. Angesichts der Summen, die von der Gemeinde und der ÖVP sonst in Propagandaschriften gesteckt werden, ist das für sich schon einmal skandalös. Ohne rechtzeitige, ausführliche und fundierte Information kann Bürgerleinbeteiligung nicht funktionieren. Dazu gehören auch entsprechende Mittel bereitgestellt, damit die Information wirklich bei den Bürgerleins ankommen kann. Bei der Eröffnung der Grünberg-Seilbahn hat man keine Kosten gescheut, um die Bevölkerung mit einem Propaganda-Sturm (es nahen ja Wahlen) zu überziehen.
    Und was das Hotel-Projekt betrifft: nach den Reaktionen, die wir erhalten, war die Meinungslage beim Hotel sehr, sehr eindeutig. Eine überwiegende Mehrheit hier in Gmunden ist gegen dieses Projekt. Bei der RegioTram/Bahn sieht es eher nach Gleichstand aus, mit leichten Vorteilen für die Projektbefürworter. Wobei die Projektgegner derzeit die bessere Öffentlichkeitsarbeit machen und argumentativ eher überlegen scheinen.
    Bruno Beinhart f. d. Team Gmundl

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