Die Zugs-Strassenbahn

Heute:
Vom Flair der grossen Stadt
und sonstige Hochstapeleien

Ausgabe 21. & 22. 2. 2015

Liebe Leserleins!

Mit der Zeit bekommen wir eine Ahnung davon, wie manche hierorts so ticken. Es ist banale Grossmannssucht, was viele umtreibt. Andere nennen es Hochstaplei. Eine Gmundner Erbkrankheit: manche Leute wollen höher hinaus als die Fusserln sie tragen.

Auf Facebook gibt es folglich eine Bejubelungsseite für die „Strassenbahn“. Soll sein. Jeder darf seine Zeit verschwenden, womit immer er oder sie will. Nur sollte man auch bei Jubelchören das Hirn ein wenig eingeschaltet lassen, oder sich wenigstens kurz überlegen, ob man weiss, wovon man redet bzw. worüber man in welchen Worten jubelt.

Also steht auf der Bejubelungsseite bei einem Bild vom Klosterplatz mit Strassenbahn der erhellende Satz zu lesen: „Endlich Grossstadtflair in Gmunden.“
Liebe Leute, wer sowas schreibt, sollte sich vorher überlegen, ob er weiss, was das überhaupt ist, und ob er vielleicht Attnang-Puchheim für eine Grossstadt hält. Oder Gmunden. Genau das ist nämlich das Problem: Gmunden ist eine kleine Bezirksstadt, mehr nicht. Was ja nichts Schlechtes ist und seinen eigenen Charme haben kann. Aber Grossstadt-Flair, liebe Leute, das kann es in Gmunden naturgemäss gar nicht geben. Dieser wirklich bescheuerte Ausspruch wurde zu folgenden Bildern abgegeben (und stammt vom Fotografen der nächsten drei Bilder):

Vorstadt_25

Vorstadt_26

Vorstadt_27

Liebe Leute! Da ist man nur noch sprachlos. Der gute Mann kann noch nie in einer Grossstadt gewesen sein. Jedenfalls nicht dort, wo sie Metropolenflair hat. Hier wird Grossstadt mit Vorstadt verwechselt. Denn genau so schaut es auf dem Klosterplatz aus: entrische Vorstadt, mehr nicht. Von städtischem oder gar grossstädtischem Flair keine Spur. Zum Beweis ein paar Bilder aus der Wiener Vorstadt, die Ähnlichkeit ist verblüffend:

Vorstadt_05

Vorstadt_08

Linie 26Vom Flair der grossen Stadt kann keine Rede sein – weder in der Wiener Vorstadt noch am Gmundner Klosterplatz, gell!

Hier ein paar Bilder zwecks Herstellung einer kleiner Ahnung davon, was man unter dem Flair einer Metropole verstehen kann (alle Bilder zeigen Wiener Perspektiven):

Vorstadt_16

Vorstadt_17

Vorstadt_18

Vorstadt_19

Vorstadt_21

Vorstadt_23

Also, liebe Mitmenschen, fahrt bitte nach Paris, London oder wenigstens nach Wien, bevor ihr so einen Quatsch behauptet. Denn so wie eine Schwalbe noch keinen Sommer macht, gell, so macht eine überdimensionierte Strasseneisenbahn noch keine Grossstadt, gell!

Genau hier liegt leider eines der Gmundner Probleme: man will so gern mondän sein, grosse Stadt spielen, am besten Paris, London, Rom und Barcelona in einem sein, aber man schaffts halt oft nicht einmal bis zur Urbanität von Gschwandt. Es ist diese Grossmannssucht, die uns immer wieder dumme und hypertrophe Projekte beschert. Statt die Vorzüge Gmundens zu erkennen, versucht man, sich grösser zu machen als man ist. Das kostet Geld, viel Geld, vor allem letzten Endes viel verschleudertes Geld. Anstatt sich darauf zu besinnen, wo die eigenen Stärken liegen, äfft man Grossstädte nach. Also muss die Eisenbahn-Bim quer durchs Dorf fahren. Über 30 Meter lang, gut 50 Tonnen schwer. Wegen dem Grossstadtflair.

Wahrscheinlich bauen wir demnächst auch ein neues Rathaus. Eines für mindestens 2.000 Beamte (ein entsprechendes Schätzgutachten über die explosionsartige Entwicklung der Bevölkerungszahlen Gmundens in den nächsten 5.000 Jahren erbringen wir gerne, kein Problem, wir schätzen jeden Betrag, der gewünscht ist, das ist nur eine Frage des Auftragshonorars).
Dazu eine U-Bahn, bei der wir gleich die neue Londoner Linie (45 km, 40 Milliarden Euro) übertreffen werden. Wir bauen 500 Meter um 50 Milliarden, weil wir gleich auch den Rest der Stadt vom Land neu gebaut bekommen werden. Die ideale Begegnungszone weil dauerüberdacht. Man muss halt achtgeben, wenn ein leerer Zug heranbraust.
Des weiteren zehn Brücken über die Traun, ein bisserl eng wirds halt dort werden vor lauter Brücken, aber der Fortschritt verlangt Opfer von uns allen, gell! Es ist halt um des Flairs willen.
Ein mindestens 1.200 Meter hohes Hochhaus gehört auch noch her. Damit wir endlich bis Ebensee sehen und besser kontrollieren können, was die Ureinwohner dort treiben. Dann schauen wir wirklich mal zurecht auf alle anderen von oben herab. Hauptsache das Land zahlt 70 %, den Rest bleiben wir schuldig. Und vom letzten Stock spannen wir ein Tragseil für eine Seilbahn hinüber auf den Traunstein. Ultimative Lösung! Gmunden braucht eine Skyline! First we take Manhattan …
Für den richtigen Flair, den Duft der grossen, weiten Welt, dafür ist nichts zu teuer – wenn man Politiker im Dauerwahlkrampf ist. Zahlen müssens ohnehin die Bürgerleins tun, gell!

Babsy Blitzschnell f. d. Team Gmundl


 

 

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