ÖVP und Nazi-Jargon

Heute:
Gastkommentar von Michael Amon
über
ÖVP und Nazi-Jargon

Liebe Leserleins!

Der heutige Beitrag ist irrtümlich schon mal kurz online gestellt gewesen. Da hat Ihre Babsy gerade daran gearbeitet, den Gastkommentar ins Redaktionssystem zu bekommen. Irgendwas ist dabei schiefgelaufen, und er ging ins Netz, bevor ich ihn fertig bearbeiten und formatieren konnte. Wollte mich nicht mit fremden Federn schmücken, war ein Versehen nach gemütlicher aber ermüdender Feiernacht nach der Fastenzeit. Bitte um Entschuldigung, jetzt kommt der Blog so, wie er richtigerweise gehört. Mit allen Überschriften und dem richtigen Autorennamen.

Wir haben es angekündigt. Heute geht es um einen Skandal, den die ÖVP verursacht hat. Merkwürdig, dass er niemandem aufgefallen ist. Nicht der Lokalpresse (gut, die schnarcht ohnehin immer – und besonders laut schnarcht sie, wenn die ÖVP zu kritisieren wäre), und nicht den anderen politischen Parteien. Auch der Journalistin des Kurier entkam keine Zeile der Kritik, wie es aussieht auch kein kritisch nachfragendes Wort.

Wir danken unserem Gastkommentator Michael Amon dafür, dass er sich die Mühe gemacht hat, uns diesen Kommentar zu schreiben.

Babsy Blitzschnell f. d. Team Gmundl


 Nazi-Jargon in der ÖVP?

Ein Gastkommentar von Michael Amon

Die ÖVP, die sonst sehr wehleidig ist, wenn es um sie selbst geht, gerade hier in Gmunden haben wir das eindrucksvoll erlebt, hat nun die politischen Gegner mit einem Begriff aus dem Nazi bzw. SS-Jargon tituliert. Die ÖVP ist in diesem Fall ihr Landesgeschäftsführer Hattmannsdorfer. Man muß seine Worte also als offizielles ÖVP-Statement einstufen. Es ist die ÖVP, die Unerhörtes ausgesprochen hat. Wie es aussieht im Beisein von LH Pühringer.

In der sonntäglichen OÖ-Beilage des Kurier werden Wortspenden von LH Pühringer und ÖVP-Landesgeschäftsführer Hattmannsdorfer abgedruckt. Es bleibt unklar, ob es sich hierbei um die Wiedergabe eines Interviews der Journalistin mit den beiden Politikern handelt oder um die Wiedergabe von Äußerungen der beiden bei einem Informationsgespräch oder einer Pressekonferenz. Auf jeden Fall werden im Kurier die konkreten Aussagen unter Anführungszeichen wiedergegeben, was eindeutig signalisiert: Originalton des Zitierten.

In dem Artikel geht es um den bereits begonnenen Wahlkampf und die Chancen der ÖVP und um den Widerspruch, daß in einer Umfrage zwar 73 % der Befragten mit der Landesregierung unter Pühringer zufrieden seien, die ÖVP aber nur bei 42 % liege, einem Verlust von 5 %. Laut Kurier wird von beiden (!) als einer der Gründe der „generelle Vertrauensverlust in  die Politik“ genannt. Das Gespräch fand also im Beisein von Pühringer statt. Beide erklärten dann laut Kurier weiter, daß es viel mehr Parteien gebe als früher, 2009 etwa nur deren sieben. Und dann wird Hattmansdorfer persönlich und wörtlich zitiert: „Nun könnten 14 antreten, also doppelt so viele. Jede LAUS beisst. Und den Größten am meisten.“

Hier stockt dem verwunderten und geschichtlich wenigstens minimalst bewanderten Leserchen der Atem. Man liest es noch einmal. Es steht wirklich so da. Die Journalistin gibt diese Aussage völlig unkommentiert wieder, fragt scheinbar auch nicht nach. Wir nehmen an, auch andere haben diese Ungeheuerlichkeit gelesen. Niemand hat reagiert. Nicht einmal eine kleine Verurteilung in den OÖN durch Koll. Brandner, der sich lieber mit machtlosen Bloggern matcht, als mit der ÖVP und deren unerhörter Äußerung.

Darum stellen wir das jetzt klar. Das ist Nazi-Jargon! Niemand komme mit der Ausrede, das sei eine so hingesagte Redensart. In einer Zeit, in der wir auf Teufel komm raus „gendern“ müssen, kann man sich bei einem eklatanten verbalen Fehlgriff durch Verwendung der Sprache der Barbarei nicht still aus dem Staub machen.
Ich darf entsprechende Nazi-Größen zitieren.
Im November 1941 schrieb Propagandaminister Goebbels nach einem Besuch des Ghettos von Wilna in Polen folgende Worte in sein Tagebuch: „Die Juden sind die Läuse der zivilisierten Menschheit. Man muß sie irgendwie ausrotten, sonst werden sie immer wieder ihre peinigende und lästige Rolle spielen. Nur wenn man mit der nötigen Brutalität gegen sie vorgeht, wird man mit ihnen fertig.“
Auch „Reichsführer SS“ Heinrich Himmler äußerte sich in einer Rede vor SS-Korpsführern am 24. 4. 1943 in diese Richtung: „Es ist keine Weltanschauungsfrage, daß man die Läuse entfernt, das ist eine Reinlichkeitsangelegenheit … Wir sind bald entlaust. Wir haben nur noch 20.000 Läuse, dann ist es vorbei damit in ganz Deutschland.“
Auch der katholische Antisemitismus war diesbezüglich deutlich. Ein gewisser Matthias Haegele, Redakteur und Gymnasiallehrer, veröffentlichte im Jahr 1870 ein frommes Traktat namens „Läusekrankheit“.

Die Verleugnung der menschlichen Natur andersdenkender Menschen ist in totalitären Regimen immer der erste Schritt zur Ausrottung der Gegner. Man erklärt sie zu Ungeziefer. Wer Ungeziefer ausrottet, tötet keine Menschen. Ein demokratischer Politiker hat sich solcher Vergleiche und „Redensarten“ nicht zu bedienen. Da kann es keine Diskussion geben.

Es sei also festgehalten: der Landesgeschäftsführer der ÖVP hat – allem Anschein nach in Gegenwart von LH Pühringer – unwidersprochen die politischen Gegner pauschal mit Ungeziefer, nämlich mit Läusen, verglichen. Das ist ein demokratiepolitischer Skandal ersten Ranges. Hier wird die Sprache der Unmenschlichkeit und der Barbarei nonchalant eingesetzt und damit hoffähig gemacht.

Ich will der ÖVP keineswegs unterstellen, daß sie die Ausrottung ihrer politischen Widersacher im Schilde führt. Aber wenn einer ihrer führenden Vertreter offenbar in Gegenwart des Landeshauptmannes unwidersprochen im Nazi-Jargon argumentiert, dann ist das schlimm genug und beweist einen Mangel an Sensibilität und geschichtlicher Bildung. Wobei es eigentlich schon der ganz normale menschliche Anstand verbietet, Menschen mit Ungeziefer zu vergleichen. Genau das ist hier aber geschehen.

Es gibt geringere Gründe für einen Rücktritt. Dieser hier ist aber evident. Bei der österreichischen Rücktrittskultur ist leider ein langes politisches Leben des ÖVP-Geschäftsführers zu befürchten.

Wir erwarten, dass diese Sache nicht totgeschwiegen wird. Wir erwarten eine klare Distanzierung der ÖVP. Gleichzeitig fragen wir uns, ob der nächste Gmundner Gemeinderat, nachdem man dort meinte, harmlose Blogger, bescheuerte Schimpfkanonadenschreiber und angebliche Hassblogger in einem Aufwaschen „verurteilen“ zu müssen, sich in seiner nächsten Sitzung dazu aufraffen wird, eine wirklich schlimme Äußerung zu verurteilen, und zwar einstimmig mit den Stimmen aller Parteien inklusive der ÖVP. Denn mit dem Läuse-Vergleich wurde eine Demarkationslinie überschritten. Vielleicht fällt ja auch Herrn Brandner in den OÖN dazu etwas ein – z. B. eine mindestens ebenso scharfe Verdammung, wie er sie gegen harmlose Blogger und Online-Poster ausgesprochen hat, die vielleicht ärgerliches aber nun wirklich harmloses Zeug jenseits jedweden Nazi-Jargons gepostet haben.

Hätte ein FP-Politiker einen solchen Vergleich gewagt, ein Sturm der Empörung würde (zurecht) durch das Land fegen. Aber bei der ÖVP – Schweigen in Wald und Flur!


 

 

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2 Antworten

  1. Ich kann Herrn Amon eigentlich nur empfehlen sofort eine Anzeige wegen Wiederbetätigung zu erstatten. Bei einer kurzen Suche im Internet findet er dann wahrscheinlich 100 weiter Personen, die er gleich mitanzeigen kann.

    Selten einen so schwachen und unfundierten Kommentar gelesen. Wenn wir schon in der Nazi-Zeit hängenbleiben wollen (ich nicht), so sind Kommentare dieser Qualität wahrscheinlich vor allem im Stürmer erschienen.

    Weiters würde ich auch gleich anregen bei dem armen Tier eine Namensänderung durchzuführen. Derzeit ist es ja offensichtlich gedanklich direkt mit der NS-Diktatur verbunden.

    Anton Höchtl

    Sorry, Sie wollen nicht verstehen, worum es geht. Wir sprechen hier nicht von Wiederbetätigung, sondern von einer Wortwahl, wie sie in Diktaturen verwendet wird, um Gegner einzuschüchtern und Genozide vorzubereiten. Herr Amon sagt ja deutlich, dass er das der ÖVP nicht unterstellt, er aber eine solche Wortwahl für völlig unangemessen hält. Der Konnex Mensch-Ungeziefer ist in der Geschichte immer fatal gewesen. Politiker in einer Demokratie sollten das wissen und sich entsprechend verhalten. War die Wortwahl Absicht, ist es schlimm. Geschah sie aus Dummheit oder Unwissen, ist es auch nicht respektabler. Wenn hier etwas schwach und unfundiert ist, dann Ihre Ausführungen. Sprachwissenschaftlich ist die Sache ohnedies glasklar.
    Dass sich im Internet auf einschlägigen Seiten Sachen finden, die deutlich schlimmer und krasser sind, macht die zitierte Äusserung eines regionalen ÖVP-Spitzenpolitikers auch nicht besser. Menschen, in diesem Fall andere Parteien (die ja von Menschen getragen werden), mit Läusen zu vergleichen ist ein absolutes No-go! Das sollte man eigentlich leicht begreifen können.
    Mich selbst haben Sie hier im Blog schon einmal als „blitzdumm“ bezeichnet. Auch nicht vornehm oder gar „fundiert“.
    Auffällig ist, dass Sie uns hier im Blog schon mal wie folgt vorgeworfen haben: „Ihre beleidigende und pauschalierende Ausdrucksweise gefällt mir gar nicht. Sie zeugt in meinen Augen von Überheblichkeit und wahrscheinlich genau von der “Herabgekommenheit” und dem “Hinterwäldlertum” die Sie ganz pauschal vielen vorwerfen.“ Kritik an der ÖVP mögen Sie halt nicht, während Sie der ÖVP dem Anschein nach alles durchgehen lassen. Soll sein. Ist Ihr Problem, nicht unseres.
    Aber wenn es Ihrer mentalen Gesundheit hilft, sich an diesem Blog zu reiben, dann leisten wir der Gesellschaft gern auch diesen Dienst. Unser Standpunkt ist bekannt: missratene oder dumme Postings dienen der Psychohygiene einer demokratischen Gesellschaft, fungieren als Ventil für alle Arten von Frust. Das senkt die Kosten der Sozialsysteme. Sie sehen, wir unterstützen nach Kräften den von der ÖVP gestellten Finanzminister.
    Babsy Blitzschnell f. d. Team Gmundl

    • Ich bin kein großer Poster, aber die Insolenz des Postings von Herrn Höchtl macht mich wütend und treibt mich zur “Ersttäterschaft”.

      Bei diesem unsäglichen Posting des Herrn Höchtl frage ich mich, ob es Ignoranz oder geschichtliche Unbildung ist, die ihn diesen haarsträubenden Blödsinn schreiben lässt. Vielleicht beides zusammen, gemischt mit Ressentiment gegen kritische Geister.
      Hat her Höchtl jemals den “Stürmer” gelesen? Dem Kommentar von Herrn Amon das Niveau des Stürmers zu unterstellen, zeugt von stupender historischer Ahnungslosigkeit, geradezu ein Armutszeugnis. “Lernen Sie Geschichte, Herr Höchtl!” möchte man da ein Kreisky-Zitat abwandeln.

      Wer jemandem anderen unfundiertes Schreiben vorwirft, sollte selbst über ein Fundament verfügen, das zutreffende, intelligente und faktenbasierte Kritik ermöglicht. Ich schlage Herr Höchtl den Besuch der Nationalbibliothek vor, um sich dort einige Nummern des “Stürmer” zwecks Quellenstudiums ausheben zu lassen. Das könnte, wenn er nicht ein völliger Ignorant ist, seinen Wissenshorizont deutlich erweitern. Dann würde ihm der eklatante Niveauunterschied zwischen dem Geschmiere im Stürmer und dem präzise argumentierenden Kommentar von Herrn Amon auffallen. Abgesehen davon wird im Stürmer eine menschenverachtende Hetze betrieben, während Amon in seinem Kommentar sehr genau abwägend der ÖVP keineswegs “Wiederbetätigung” vorwirft, sondern die gedankenlose Verwendung des Nazi-Jargons. Eine Handlung, die auch in meinen Augen die Rücktrittsaufforderung an den Landesgeschäftsführer der ÖVP rechtfertigt, der mit dem Wort “Läuse” über die anderen wahlwerbenden Parteien sprach.

      Wer anderen einen “schwachen” Kommentar vorwirft, sollte über ausreichend intellektuelle Tiefe verfügen, es selbst besser zu können. Wie schon “innerstädter” in seinem Beitrag diese Woche schrieb: Amons Kommentare sind “pulitzerpreisverdächtig”. Ich füge noch hinzu: qualitativ das Beste, was man nicht nur hier in der Gmundner Provinz, sondern in Österreich ganz allgemein zu lesen bekommt. Daß das den einen oder anderen Kleingeist in Rage bringt, ist offenkundig und nichts Neues.

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