Glücksfälle & Blues

Geschätzte Leserschaft!

Wir haben Glück und sind glücklich. Zwei Beiträge von Gastkommentator Michael Amon in einer Woche sind ein seltener Glücksfall für uns und unsere Leserschaft. Angriffig und ohne Scheu nennt er die Dinge beim Namen. Kein raunendes Geschwurbel wie es zuletzt der Kommentator in den OÖN von sich gab. Der schrieb raunend von „anonymen Hetzern, Denunzianten und Blog-Leitern“, ohne zu sagen, was oder wen er damit meint. Auch eine Art von Tapferkeit.
Unter „anonymen Hetzern“ können wir uns etwas vortellen. Die gibt es und werden bei uns z. B. nicht freigeschalten. So wie es sich gehört. So wie es auch seriöse Zeitungen handhaben.
Mit dem Wort „Blog-Leiter“ suggeriert der Blog-Wart, wie Amon Brandner ironisch und boshaft bezeichnet hat, ein Insider-Wissen, das er nicht hat und nicht haben kann. Bei uns etwa gibt es etwas wie Leiterin oder Leiter nicht. Mag sein, einige autoritär geführte Redaktionen verfügen über so etwas. Die Sitten bei der Regionalausgabe und insgesamt bei den Nachrichten kennen wir nicht. In normalen Redaktionen gibt es zwar „Leiter“, aber auch eine demokratische Diskussion. Bei uns wird alles besprochen, diskutiert und dann mehrheitlich entschieden. Über einen Leiter oder eine Leiterin verfügen wir nicht. Wollen wir nicht verfügen. Es zählt die Kraft der Argumente. Aus der Tatsache, dass in der Gedankenwelt von Brandner ausserdem offenbar nur Blog-Leiter aber keine Leiterinnen vorkommen, möge jede und jeder eigene Schlüsse ziehen.

Wir bringen zwei Beiträge aus den Postings, die sich mit Amons Bericht und Kommentar über die Verwendung des Nazi-Jargons durch die ÖVP beschäftigen. Die Nichtverwendung bestimmter belasteter Wörter oder Wortkombinationen hat sich noch nicht zu allen durchgesprochen. So ist heute das ehemals eher harmlose Sprichwort „durch den Rost gefallen“ nach den Ereignissen in Auschwitz et al nicht mehr verwendbar. Die Assoziation ist zu schrecklich und wurde nach dem Krieg auch gern für überlebt habende Juden verwendet.

Ein Mindestmass an sprachlicher Sensibilität ist von Politikern einzufordern. Andernfalls sollen sie ihren Job niederlegen. Das hat überhaupt nichts mit political correctness zu tun. Die sehen wir auch als sehr problematisch an. Hinter der verbirgt sich oft schleichende Zensur und frömmelnde Heuchelei. Man sagts nicht, aber man tut es trotzdem. Aber es gibt Aussagen, Wortfolgen und Worte, die wurden durch ihren Gebrauch obsolet.

Im Anschluss an die Postings wollen wir heute mit ein paar Links den 100sten Geburtstag von Billie Holiday feiern. Eine bedeutende Sängerin des Blues. Eine Sängerin, die das Unglück, das sich im klassischen Blues ausdrückt, tatsächlich gelebt hat. Wer dies tut, verbrennt. Ähnlich wie Schauspieler, die ihre Rollen wirklich leben und nicht nur spielen. Man denke an Oskar Werner. Wäre er im Mississippi-Delta geboren worden, voilà, er wäre wahrscheinlich Blues-Musiker geworden. Und hätte sich genauso verbrannt wie als Schauspieler.

Bruno Beinhart f. d. Team Gmundl


Postings in der Reihenfolge des Eintreffens. Thema: ÖVP und Nazi-Jargon.

ÖVP und Nazi-Jargon
Anton Höchtl
Gesendet am 11.04.2015 um 1:53 nachmittags

Ich kann Herrn Amon eigentlich nur empfehlen, sofort eine Anzeige wegen Wiederbetätigung zu erstatten. Bei einer kurzen Suche im Internet findet er dann wahrscheinlich 100 weitere Personen, die er gleich mitanzeigen kann.

Selten einen so schwachen und unfundierten Kommentar gelesen. Wenn wir schon in der Nazi-Zeit hängenbleiben wollen (ich nicht), so sind Kommentare dieser Qualität wahrscheinlich vor allem im Stürmer erschienen.

Weiters würde ich auch gleich anregen, bei dem armen Tier eine Namensänderung durchzuführen. Derzeit ist es ja offensichtlich gedanklich direkt mit der NS-Diktatur verbunden.

Anton Höchtl

Sorry, Sie wollen nicht verstehen, worum es geht. Wir sprechen hier nicht von Wiederbetätigung, sondern von einer Wortwahl, wie sie in Diktaturen verwendet wird, um Gegner einzuschüchtern und Genozide vorzubereiten. Herr Amon sagt ja deutlich, dass er das der ÖVP nicht unterstellt, er aber eine solche Wortwahl für völlig unangemessen hält. Der Konnex Mensch-Ungeziefer ist in der Geschichte immer fatal gewesen. Politiker in einer Demokratie sollten das wissen und sich entsprechend verhalten. War die Wortwahl Absicht, ist es schlimm. Geschah sie aus Dummheit oder Unwissen, ist es auch nicht respektabler. Wenn hier etwas schwach und unfundiert ist, dann Ihre Ausführungen. Sprachwissenschaftlich ist die Sache ohnedies glasklar.
Dass sich im Internet auf einschlägigen Seiten Sachen finden, die deutlich schlimmer und krasser sind, macht die zitierte Äusserung eines regionalen ÖVP-Spitzenpolitikers auch nicht besser. Menschen, in diesem Fall andere Parteien (die ja von Menschen getragen werden), mit Läusen zu vergleichen ist ein absolutes No-go! Das sollte man eigentlich leicht begreifen können.
Mich selbst haben Sie hier im Blog schon einmal als “blitzdumm” bezeichnet. Auch nicht vornehm oder gar “fundiert”.
Auffällig ist, dass Sie uns hier im Blog schon mal wie folgt vorgeworfen haben: “Ihre beleidigende und pauschalierende Ausdrucksweise gefällt mir gar nicht. Sie zeugt in meinen Augen von Überheblichkeit und wahrscheinlich genau von der “Herabgekommenheit” und dem “Hinterwäldlertum” die Sie ganz pauschal vielen vorwerfen.” Kritik an der ÖVP mögen Sie halt nicht, während Sie der ÖVP dem Anschein nach alles durchgehen lassen. Soll sein. Ist Ihr Problem, nicht unseres.
Aber wenn es Ihrer mentalen Gesundheit hilft, sich an diesem Blog zu reiben, dann leisten wir der Gesellschaft gern auch diesen Dienst. Unser Standpunkt ist bekannt: missratene oder dumme Postings dienen der Psychohygiene einer demokratischen Gesellschaft, fungieren als Ventil für alle Arten von Frust. Das senkt die Kosten der Sozialsysteme. Sie sehen, wir unterstützen nach Kräften den von der ÖVP gestellten Finanzminister.
Babsy Blitzschnell f. d. Team Gmundl


ÖVP und Nazi-Jargon

Bonaventura
Gesendet am 12.04.2015 um 8:25 vormittags | Als Antwort auf Anton Höchtl .

Ich bin kein großer Poster, aber die Insolenz des Postings von Herrn Höchtl macht mich wütend und treibt mich zur “Ersttäterschaft”.

Bei diesem unsäglichen Posting des Herrn Höchtl frage ich mich, ob es Ignoranz oder geschichtliche Unbildung ist, die ihn diesen haarsträubenden Blödsinn schreiben lässt. Vielleicht beides zusammen, gemischt mit Ressentiment gegen kritische Geister.
Hat Herr Höchtl jemals den “Stürmer” gelesen? Dem Kommentar von Herrn Amon das Niveau des Stürmers zu unterstellen, zeugt von stupender historischer Ahnungslosigkeit, geradezu ein Armutszeugnis. “Lernen Sie Geschichte, Herr Höchtl!” möchte man da ein Kreisky-Zitat abwandeln.

Wer jemandem anderen unfundiertes Schreiben vorwirft, sollte selbst über ein Fundament verfügen, das zutreffende, intelligente und faktenbasierte Kritik ermöglicht. Ich schlage Herr Höchtl den Besuch der Nationalbibliothek vor, um sich dort einige Nummern des “Stürmer” zwecks Quellenstudiums ausheben zu lassen. Das könnte, wenn er nicht ein völliger Ignorant ist, seinen Wissenshorizont deutlich erweitern. Dann würde ihm der eklatante Niveauunterschied zwischen dem Geschmiere im Stürmer und dem präzise argumentierenden Kommentar von Herrn Amon auffallen. Abgesehen davon wird im Stürmer eine menschenverachtende Hetze betrieben, während Amon in seinem Kommentar sehr genau abwägend der ÖVP keineswegs “Wiederbetätigung” vorwirft, sondern die gedankenlose Verwendung des Nazi-Jargons. Eine Handlung, die auch in meinen Augen die Rücktrittsaufforderung an den Landesgeschäftsführer der ÖVP rechtfertigt, der mit dem Wort “Läuse” über die anderen wahlwerbenden Parteien sprach.

Wer anderen einen “schwachen” Kommentar vorwirft, sollte über ausreichend intellektuelle Tiefe verfügen, es selbst besser zu können. Wie schon “innerstädter” in seinem Beitrag diese Woche schrieb: Amons Kommentare sind “pulitzerpreisverdächtig”. Ich füge noch hinzu: qualitativ das Beste, was man nicht nur hier in der Gmundner Provinz, sondern in Österreich ganz allgemein zu lesen bekommt. Daß das den einen oder anderen Kleingeist in Rage bringt, ist offenkundig und nichts Neues.


 

Das vielleicht erschütterndste Lied von Billie Holiday überhaupt. Über schwarze Körper, die als „Strange Fruit“ von den Bäumen baumeln.

 

Ein Lied aufs „Stehachterl“ wie man „one for the road“ bei uns nennt:

 

God bless the child
Yes, the strong gets more
While the weak ones fade
Empty pockets don’t ever make the grade
Mama may have, Papa may have
But God bless the child that’s got his own
That’s got his own

Und hier die moderne Instrumental-Version des Keith Jarret Trios (Keith Jarret, piano / Gary Peacock, bass / Jackk DeJohnette, drums))

 

Zum abrundenden Schluss Odetta und die New Orleans Piano-Legende Dr. John alias Mac Rebbenack und „Brother Can You Spare a Dime“.

und Odetta allein:

 

Good listening wünscht das Team Gmundl!


 

 

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2 Antworten

  1. Nachtrag: Super-coole links!!!!! Danke!!!!
    Ramona

  2. Kommentar zum Herrn Höchtl: der ist einfach nur peinlich
    Ramona

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