Politik mit dem Spaten

Heute:
Babsy kommentiert das Zeitgeschehen
Gastkommentar Radlfahrer pro Regio

Liebe Leserleins!

In den Zeitungen nehmen – wenn man mal von derdiedas Conchita Wurst absieht – die Bilder von Menschen in merkwürdiger Körperhaltung überhand: die Hände vor dem Bäuchlein gefaltet, davor ein offensichtlich in die Erde gesteckter Spaten. Was das wohl sein kann? Politiker aller Couleurs auf Spaten-Tour durchs Land. In der letzten Rundschau stolperte man von Bild zu Bild, was da nicht alles noch schnell eröffnet werden muss vor der Wahl, gell! Hat niemand in der Politik den Mut, sich diesem Ritual, das die Bürgerleins nur noch ärgert, zu entziehen?

Langsam stellt sich die Frage: wann hackln die eigentlich die Herrschaften (in der Tat handelt es sich vorwiegend um Männer, obwohl: die Frauen holen dank Quote auch bei den Dummheiten auf), die derzeit mit Spaten und Schere durch die von ihnen verwüstete Landschaft hurteln? Kein Tag ohne Spatenstich ist eine Untertreibung. Kein Tage ohne dutzende Spatenstiche, das scheint die Devise. Was uns da in Wahlvorfreude vorgeführt wird, ist eine schaurige Schmierenkomödie, die uns nach den Wahlen noch teuer zu stehen kommen wird.

Hallstatt ist dafür derzeit dabei, Gmunden in Sachen Hotel und Investorensuche eifrig zu imitieren. Der Verkauf  des ehemaligen Salinen-Amtshauses ist – wie angesichts der Finanzkraft des Salzburger Investors nicht anders zu erwarten war – wieder einmal geplatzt. Dabei wurden auch schon Japaner als Geldgeber auf der Gerüchteböse gehandelt. ‚Touristiker sind der Ansicht, dass Hallstatt zwar einiges richtig gemacht habe, aber mit dem jetzigen Bestand an Betten der Plafond erreicht sei. Auch Hallstatt habe eine sehr kurze Saison, der Standort des Salzamtes sei zudem nicht ideal (während eines Grossteil des Jahres zu dunkel mangels Sonneneinstrahlung, gilt aber für Hallstatt ganz allgemein). Es stellt sich ohnehin die Frage, wieviele Hotelbetten man Hallstatt noch verpassen kann, wieviele Touristen man in der Hochsaison noch durch den Ort schleusen kann, ohne den Ortscharakter endgültig und nachhaltig zu beschädigen.

Auch Ebensee hat so seine Erfahrungen mit Investoren für einen Hotelbau. Scheinbar sind die Orte nicht in der Lage, voneinander zu lernen. Dafür gab es auch dort einen Politikerauflauf mit Spatenstich. Die neue Beschneiungsanlage für den Feuerkogel. Ob das angesichts der Klimaveränderung eine sinnvolle Investition ist, wird sich zeigen. Dass diese Anlagen auch unter Umweltaspekten immer fragwürdiger werden, steht ohnedies im Raum.

Den Vogel aber schiesst wie immer Gmunden ab. Die Touristen-Busse werden vom Stadtplatz verbannt (kann man diskutieren) und müssen in Zukunft vor den Schulen bei den Haltestellen in der Habertstrasse ihre Fracht ausspucken. Unser Bürgermeister-Azubi fantasiert vor sich hin: „Touristen entdecken so zuerst die Schönheiten der Altstadt. Jeder findet in einer anderen Gasse etwas für sich, die Gäste sind zum Shoppen animiert und erst als Finale erwartet sie der Aha-Effekt mit Platz am See und Bergpanorama.“ Äh, wie naiv und ahnungslos darf ein Bürgermeister eigentlich sein? Jeder, der weiss, wie Tagestourimus funktioniert (also fast alle ausser den meisten Gmundner Politikern und dem örtlichen Tourismusdirektor), jeder der also den Tagestourismus kennt, weiss, dass diese Leute nach dem Herdentrieb funktionieren: raus aus dem Autobus und auf dem schnellsten Weg zur angepeilten Sehenswürdigkeit.

Die bringen sogar Jausenbrote und Getränke mit (zur Not wird ein Doserl Bier beim Busfahrer gekauft, kann man jedes Jahr in der Saison auf den Bus-Parkplätzen beim See beobachten, da stellen die Fahrer mitunter sogar kleine Tische auf). Die Leute werden über Kirchenplatz, Marktplatz, Kirchengasse zum Rathausplatz strömen, um möglichst schnell das Schinnakel erklimmen zu können. Dazu kommt: selbst wenn die kauffreudig wären – der Geschäftemix ist nicht gerade so, dass Touristen hier besonders viel kaufen können und wollen. Aber, und das ist der eigentliche Punkt, das Gros der Tagestouristen besteht aus eher älteren Menschen. Die werden sich bedanken, wenn sie nachher die steile Innenstadt hinaufhatschen dürfen. Genau das haben sie immer vermieden. Kaum jemand hat sich in die Innenstadt verirrt. Die Leute werden sich bedanken, wenn man sie jetzt zwangsbeglückt.

Es ist leicht vorherzusagen, was wirklich geschehen wird: die Reisebüros und Busunternehmen werden heftig dagegen protestieren, weil das Geschäft einbrechen wird, sobald die zwangsweise Bergauf-Hatscherei sich herumgesprochen hat. Dann wird man gezwungen sein, die Touristen erst recht wieder unten aussteigen zu lassen. Etwa am geplanten Busbahnhof beim FJ-Platz. Nur von dort ist ein barrierefreier und für ältere Leute müheloser Spaziergang zum See möglich.
Was dem BM-Azubi da vorschwebt, ist eine Art touristischer Orgasmus, den es nicht spielen wird: Vorspiel in der Innenstadt, Aufgeilen beim Hinuntergehen und dann Climax am Rathausplatz. So stellt der kleine Azubi sich sexy Tagestourismus vor! Klingt leider eher nach Coitus interruptus …

Zur ihrer grossen Freude hat Ihre Babsy jetzt aber feststellen dürfen, dass er es kann. Er, der Entholzler. Ja, wirklich, er kann es: sich vor einem Autobus ablichten lassen und dann sogar einsteigen und damit fahren. Mehr noch: er kann ihn sogar als zeitgemässes Verkehrsmittel loben bei  der Einweihung (Spatenseuche!) neuer Busse, kleinerer Busse, die sich besser für den Stadtverkehr eignen. Ja, der Mann hat wirklich ein Verkehrskonzept aus einem Guss. Wobei, liebe Leserleins, ich muss Sie jetzt enttäuschen. Er tat das nicht in Gmunden kund, dort hat er auch nicht die neuen, kleinen Busse gelobt und eingeweiht. Nein, in Gmunden muss es ein Riesenzug sein, ein elendslanger Tatzelwurm.

Aber anderswo, in einer viel kleineren Stadt, dort taugen kleine Busse als Verkehrsmittel. Wo dieser sagenhafte Ort ist? In Oberösterreich natürlich, wir reden ja vom Entholzer, dem OÖ-Landesverkehrsrat. Die niedliche Stadt heisst Braunau. Hat 16.000 Einwohner (Gmunden:  13.000) und eine Bevölkerungsdichte von 659 Einwohnern pro km2 (Gmunden: 206). Ja, dort rechnet sich eine Bim natürlich nicht, hier in Gmunden schon, weil Gmunden ist eben anders. Aber wenn der Neumann-S&H erst Braunau entdeckt, dann wird die RegioBim sicher auch Braunau erreichen. Hier das beweiskräftige Bild: Entholzer (ganz rechts) im Braunauer CityBus mit kleinen Bussen, in die auch Kinderwägen und Fahrräder passen! Die örtliche Politikerriege hat sich in den Bus begeben nach dem Motto (Klicken für Originalgrösse und Vollansicht!):

„Hoffnungsvoll Politiker stets waten
zur Eröffnung mit und ohne Spaten!“

Citybus_Braunau
Man sieht somit: die Richtigkeit eines Verkehrskonzepts ist eine Tochter der Zeit und des Breitengrades.

Heute bringen wir nichts desto trotz einen Gastkommenar von Radlfahrer. Auch wenn er fürchtet „soweit gmundl das zulässt“. Keine Sorge: wir lassen alles zu, solange die guten Sitten halbwegs gewahrt bleiben und keine menschenverachtenden Dinge ablaufen.
Also bitte, bitte, liebe Leserleins, straft den armen Gastkommentator Lügen! Behandelt ihn mit sanfter Nachsicht, wenn ihr Kritik übt. Wir wollen doch dieses eine, scheue Wesen, das sich von der Befürworterseite hierher gewagt hat, nicht gleich wieder verscheuchen, gell! Aber ganz im Ernst: wir freuen uns, dass es auf der Befürworterseite wenigstens irgend jemanden gibt (ausser dem Karl Kammerhofer), der hier auch diesen Standpunkt vertritt.

Also bitte durchaus um Kritik, aber im Ton sachlich und freundlich, gell! Wir sind nämlich keineswegs die Höhle des Löwen in Sachen RegioTram, sondern schnurrende Kätzchen, die sich Sorgen um die Zukunft dieser Stadt machen, und denen es egal ist, ob sie von der Autolawine oder der Regio überfahren werden. Beide haben nämlich in der Stadt nichts zu suchen – das wird gern übersehen!
Nur eines gleich vorweg: wir waren anfangs keineswegs Gegner der RegioTram. Aber je mehr Fakten wir kennen, umso mehr verblassten die wenigen Pro-Argumente, umso deutlicher wurde, was alles dagegen spricht, und dass die Regio eher ein Projekt der Marke „Absurdistan“ ist. Im Grunde wäre das ein klassisches Thema für eine Entscheidung durch Befragung der Bürgerleins gewesen.

Babsy Blitzschnell f. d. Team Gmundl

In den nächsten Tagen bei uns zu lesen:
Karl Kammerhofer über Gmundner Sumpfblüten
Interview mit Dr. Koitu S. Freud, einem angesehen japanischen Psychoanalytiker, über  Traumdeutung und RegioTram
Markus Moser über die Geschichte des Wiener Cafés
Gespräch mit einem (anonym bleibenden) Wiener Star-Architekten über die Verschandelung Gmundens
Ja, und auch Ohlsdorfs Deponie wartet auf ihren Bericht von Bruno Beinhart, aber uns ist soviel unmittelbar Aktuelles dazwischen gekommen.


 Radfahren mit der RegioTram!

Ein Gastkommentar von Radlfahrer

Ein Kommentar pro Strassenbahn in der Höhle des Löwen (gmundl)

Ich werde hoffentlich nicht von Bloggern des gmundl zerfleischt, wenn ich es wage, einige Argumente für die Strassenbahn vorzubringen, die mir eingefallen sind:

1. Als Innenstadtbewohner geniesse ich tagtäglich den Massendurchzugs-Schwerverkehr über die Traunbrücke, durch die Innenstadt, entlang Graben und Bahnhofstrasse. Dieser Schwerverkehr schadet der Altbausubstanz durch Erschütterungen mehr als die von Zeit zu Zeit dahingleitende Strassenbahn. Zusätzlich nagen die Abgase an den Fassaden der Altstadt, ja sie zerfressen sie förmlich. Haben die Gegner der Strassenbahn dies auch bedacht?

2. Neulich sass ich auf einem Bankerl am Stadtplatz zum Entspannen, aber man konnte das Rauschen des Springbrunnens nicht mehr hören vor lauter Verkehrsgetöse. Kein Politiker hat es bis heute gewagt, diesen überbordenden Verkehr aus der Stadt zu verbannen. Die Strassenbahn erschüttert viel weniger die Altbausubstanz als z. B. ein tonnenschwerer stinkender Autobus, der am Stadtplatz hält, meist noch den Motor laufen läßt, während die Touristen zum “Schwan” zum Pinkeln gehen. Dazwischen kreisen immer wieder verirrte und Parkplatz suchende Autos am Stadtplatz herum etc.

3. Ich fahre oft und gern mit der Bahn nach Ischl, weil dort haben sie eine echte Fußgängerzone, wo die Touristen überall gemütlich in den Strassencafés sitzen können und ich beneide diese Stadt um ihre Fußgängerzone.

4. Da ich gerne mit dem Rad fahre, freue ich mich schon, wenn ich mein Rad in die RegioTram verladen kann um z. B. entlang der Laudach ohne lebensgefährlichen Autoverkehr radeln zu können. Macht mir dies auch der CityBus möglich??

5. Warum ist es den Strassenbahngegnern bis heute nicht gelungen, ein E-City-Bus Netz auf die Beine zu stellen? Bis jetzt haben sie nur geredet, getan haben sie bis heute nichts. Und dabei wird es wohl bleiben. Man kann urteilen wie man will, ausser S&H konnte noch niemand wirklich etwas im öffentlichen Verkehr realisieren (dabei bin ich weder mit den Neumanns verwandt, verschwägert oder befreundet….).

Anschliesssend ein Kommentar, den mir ein Freund geschickt hat und den ich unbedingt einbringen möchte, da er so treffend ist.

“Über die Entwicklungen der Änderung des Mobilitätsverhaltens werden wir auch in Gmunden wirklich noch nachdenken müssen. Die Antwort kann nicht lauten: noch breitere und bequeme Strassen für noch breitere und schwere motorisierte PKWs bis zu 2,5 Tonnen Stahl, Alu, Elektro/Elektronikbauteile und Plastik (täglich 15.000 motorisierte Fahrten über die Traunbrücke), Gratisparkplätze und vorgeschriebene Tiefgaragenpätze bei Neubauten zum Preis bzw. auf Kosten eines Zimmers für ein Kind. Dies ist Retropolitik der individuellen Motorisierung von vorgestern, wird aber auf Ebene der Gemeinden, des Landes und des Bundes jährlich in Milliardenhöhe gefördert. Über die Kosten der Feinstaubbelastung, Kollateralschäden (Menschen und Tiere) durch die individuelle Motorisierung und den Beitrag zur Klimawärmung ganz zu schweigen. Aber bei 60 täglichen Fahrten einer Straßenbahn in Gmunden zucken manche Bürger völlig aus. Vor allem jene, die sich SELBST so gut wie NIE in einen „Elektro-Hybridbus“ in Gmunden setzen würden……”

Schlussbemerkung:
Ich erwarte mir, daß ich von Gmundl Bloggern für diesen Beitrag zerfleischt werde. Aber da bis jetzt immer nur Strassenbahngegner im gmundl sich zu Wort gemeldet haben (warum wohl?) , diese immer im eigenen Saft schmorren und immer dieselben Argumente bringen, und ich dies schon langweilig, ja sogar unerträglich fand, mußte ich auch einmal meiner Meinung Ausdruck verleihen (soweit dies gmundl zuläßt). Lauter Trottel können die Strassenbahnbefürworter ja auch nicht sein, denn es gibt verdammt gescheite Leute unter ihnen….

Lesen Sie den Artikel im Standard vom 20.5. 2015 “Bewegung ist emotional besetzt”. Dies erweitert den Horizont so mancher engstirnig Denkender.


Zu obigem Beitrag von Radlfahrer passend verlinken wir auf die DISTEL, ein neues Online-Medium der Gmundner Grünen (über das wir uns freuen, denn nur über den durchaus auch kontroversen Dialog kann die Zivilgesellschaft zu neuen, guten Lösungen finden):

http://gruene-distel.net/wordpress/weltfremd/


Liebe Gmundner Grüne, seids uns bitte nicht bös, aber manchmal drängt sich ein Scherz auf, den man einfach nicht für sich behalten will (fürs nächste Mal: ihr werdet doch wenigstens eine Person in euren Reihen finden, die ein bisserl jünger ist, als der Gmundner Bevölkerungsdurchschnitt). Um uns nicht misszuverstehen: da die Gesellschaft sich insgesamt in Richtung eines hohen Anteils über 65-jähriger entwickelt, werden die auch entsprechend in der Politik vertreten sein müssen, das ist ok. Aber ganz ohne die Jungen wirds halt auch nicht gehen, gell! Wie andere Bilder auf eurer Homepage zeigen, könnt ihr das ja: ein paar Junge auch ins Bild zu rücken.
Hier also ein Bild der Gmundner Grünen, das die ersten schnuppernden Anwärter auf ein Platzerl in der Seniorenresidenz zeigt, die den Standort der Residenz besichtigen (so sich diesen Luxus leisten können):

grune_sen_residenz


Und nun noch das unvermeidliche Tagessujet „Ich freu mich …“, das den sozialkrischen Ton der SPÖ aufnimmt, wie sie ihn ja zuletzt auch in der Steuerreform-Debatte angeschlagen hat („Millionärssteuer“, auch wenn sich jetzt im Endeffekt die Klein- und Mittelverdiener die Steuerreform selbst brennen müssen). Heute nehmen wir Bezug auf einen wahrhaft umverteilenden Aspekt der RegioTram.

ich_freu_mich_sageder_umverteilt


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