Gmunden auf der Couch

Heute:
Gmunden psychoanalyisiert
Gastkommentar Markus Moser
Einserkasterl Reinhold Kassmannhuber

Liebe Leserleins!

Normalerweise sinken über so ein Feiertagswochenende die Zugriffszahlen ab. Diesmal nicht,was vor allem den anhaltenden Regenfällen geschuldet ist, aber auch der Tatsache, dass die Themen derzeit wirklich bewegen.

Ich weiss ja nicht, wieviele Leute sich bei dem Regen ins Freie gewagt haben um sich am Rathausplatz beschallen zu lassen. Ein Thema für sich, ob diese mit dem Frühjahr einsetzende Lärmberieselung der Innenstadt ein kluges Konzept ist. Da würde man auch gern mal etwas dazu hören von den Regio-Pro-Menschen, die sonst immr sehr laut (und mit gutem Recht) den Autolärm in der Innenstadt beklagen. Aber kaum ist der Autolärm abends im Abflauen, beginnen in der warmen Jahreszeit die Lärmbelästigungen auf dem Rathausplatz. Als ob es nicht andere, schöne Gegenden in Gmunden gäbe, wo die Belästigung der Anwohner ungleich geringer ist. Man stelle sich dieses Pfingst-Wochenende bei Schönwetter vor: die Leute kommen, wollen abends den See geniessen und werden drei Abende lang zugedröhnt. Das kann der Ballermann besser. Wenn schon, dann sollte an solchen Wochenenden nur ein Abend verlärmt werden. Aber scheinbar hält man hierort Quantität auch gleich für Qualität.  Das Salzkammergut ist aber nun einmal eher das Ziel von Leuten, die Ruhe, Beschaulichkeit und stille Schönheit suchen, gell! Vielleicht kapiert das mal jemand in der Politik und im Tourismus.

Heute bringen wir den versprochenen Gastkommentar von Markus Moser, der weniger ein Gastkommentar ist, als eine Erzählung über den Versuch unter der Last einer völlig misslungenen Gemeindepolitik ein Caféhaus nach traditionellen Standards zu betreiben.

Dann hat das Team Gmundl aufgrund eigener Beobachtungen einen Psychoanalytiker befragt, wie das denn nun sei mit den Potenz-Suchern in SUVs und der langen Bim im Ort. Achtung: Satirezone!

Ein Einserkasterl mit ein paar schaurigen Zahlen können wir Ihnen heute auch bieten. Da heisst es für uns Steuerzahlerleins: warm anziehen, nicht nur wegen des kühlen Wetters. Und das wärmende Gewand recht schön festhalten, gell, weil man wird uns nach der Steuer“reform“ ziemlich bald das Fell über die Ohren zu ziehen versuchen, um die öffentlichen Kassen vor dem Kollaps zu bewahren. Ob wir Steuerzahlerleins kollabieren, ist denen da oben und ihren Machthaberern piepegal. Die haben ihre Schäfchen, die früher unsere waren,  im Trockenen. So schauma nämlich aus, um es mit einer berühmten Wiener Fernseh-Serienfigur zu sagen.

Babsy Blitzschnell f. d. Team Gmundl

PS.: Wir hatten ein Computergebrechen, daher sind wir heute später als üblich online gegangen.


 Kostet ja fast nichts

Auflistendes Einserkasterl von Reinhold Kassmannhuber

Es wurden die öffentlichen Gelder für das S+H Bahnprojekt angesprochen.
Zur Erinnerung liste ich die aktuellen Beschlüsse auf; frühere Investitionen (Ausbau Vorchdorferbahn, Straßenbahn Kuferzeile etc) kommen noch dazu:

* Gemeinde Gmunden 2013: 6 Mio für den Bau
* Landtag 2013: 57 Mio Bau und Züge
* Landtag 2014: 72 Mio Betrieb bis 2030
* Investprogramm OÖ 2015: 10 Mio weiterer Ausbau Vorchdorferbahn.

Bei der Gerichtsverhandlung vor dem Landesverwaltungsgericht über die Einsprüche der Anrainer kamen die 30 Mio EUR für den Bau der Schienen- Durchbindung zur Sprache. Es wurde festgestellt, dass das Land 80% und die Stadt 20% zahlt. Das veranlasste den Richter, Hofrat Dr. Schön, zur Frage an die Betreiber: “Was zahlen eigentlich Sie?”

Reinhold Kassmannhuber
Sprecher der Bürgerinitiative “Neustart für Gmunden”


Caféhaus – Keine einfache Sache

Gastkommentar/-bericht von Markus Moser

Ein Kaffeehaus in Gmunden zu betreiben, ist keine sehr einfache Sache. Das Wienercafe wurde 1989 von der Familie Schneckenleitner gegründet und ausgestattet. Die Investitionssumme betrug rund 6 Millionen Schilling. Seitdem wird es als Kaffeehaus geführt. 2002 haben Hermann Zemlicka und ich das Kaffeehaus übernommen und ähnlich weiter geführt. Der Rückgang der Besucherfrequenz der letzten 20 Jahre hat es natürlich nicht einfacher gemacht, ein Lokal in dieser Form zu führen.

Bei Eröffnung des Wienercafes im ehemaligen Hotel Austria, gab es im Gebäude ein relativ breites Angebot an Geschäften: Gemüseladen, Nobelfleischer, Parfümerie, Reisebüro, Schuhgeschäft, Möbel- bzw. Buchladen, Bäckerei … Aus vielen dieser Betriebe sind nach und nach Gastronomiebetriebe geworden, die natürlich nicht förderlich für das Geschäft im Wienercafe waren,

Den Grabstein für das Hotel Austria, das von der Besitzergesellschaft offensiv in eine Pleite geführt wurde, hat im übrigen der Gmundner Gemeinderat gelegt, indem dieser bei den bereits verkauften Hotelzimmern rückwirkend eine Umwidmung von touristischer Nutzung auf private Nutzung durchführte. Ähnlich erging es dem Hotel Satori in selbiger Straße.
Der Gemeinderat hätte auch auf touristischer Nutzung bestehen können und eine Rückabwicklung der verkauften Hotelzimmer verlangen können. Leider fehlte es damals an Weitblick und Courage. Somit sind beide Hotelstandorte unwiderruflich zerstört.

Das Rückgang von klassischen Kaffeehäusern hat aber auch andere Gründe. Die Betriebskosten sind aufgrund der größeren Fläche, des damit einhergehenden Personalaufwandes, höherer Heizkosten, Gemeindeabgaben und Instandhaltung um vieles höher. Der Umsatz im Verhältnis zur Quadratmeteranzahl ist um vieles geringer als bei anderen Betriebsformen wie Cafe-Bars oder Restaurants.

Diese Wettbewerbsnachteile haben sogar dazu geführt, dass die Wiener Kaffeehauskultur seit 2011 zum immateriellen Kulturerbe der UNESCO gehört. Wir leben diese Wiener Kaffeehauskultur. Natürlich gäbe es andere Betriebsformen, die lukrativer wären. Auch ein reiner Abendbetrieb ist leichter zu führen als ein Betrieb der 13 Stunden pro Tag ganzjährig geöffnet ist und für seine Gäste offen steht. Ich denke, dass der Charme, den Gmunden nach wie vor hat, auch darauf zurück zu führen ist, dass im Winter nicht die meisten Betriebe geschlossen halten. Betriebswirtschaftlich wäre es natürlich besser, nur von März bis Oktober aufzusperren.

Eine Bilanz kann man auf unterschiedliche Weise lesen. Will man sie Negativ darstellen, stellt man die negativen Zahlen in den Vordergrund, möchte man sie positiv interpretieren, neigt man dazu die positiven Dinge hervor zu heben. Ich hab dies bei Verkaufsgesprächen bereits oft erlebt. Man kann sogar einen Bilanzverlust als positiv darstellen, weil das für einen potentieller Käufer auch sehr angenehme Auswirkungen bezüglich Steuern auf zukünftige Gewinne hat.

Als Betreiber und als alleiniger Gesellschafter, der seinen Betrieb verkaufen möchte freue ich mich natürlich nicht, wenn Sie in ihrem Blog nur die negativen Zahlen hervorheben und sich nicht mit mir über die positiven Entwicklungen freuen.

Das Gros der Verluste der Wienercafe Gastronomie GmbH entstanden in den Jahren 2005-2011 (Übernahme einer Filiale die sich wenig gut entwickelte, zu hohe Personalkosten und vielleicht zu wenig Einsatz meinerseits).

Nach dem Tod von Hermann Zemlicka übernahm ich sein Anteile und musste leider, oder jetzt zum Glück, einen Frankenkredit in Euro konvertieren und den Verlust auch realisieren. Bilanztechnisch geschah dies in der Bilanz 2011.
Seit drei Jahren versuche ich das Unternehmen mit Nachdruck auf die veränderten Rahmenbedingungen in Gmunden einzustellen. die Gewinne 2012 und 2013 bestätigen meinen Weg und sind auch in den Bilanzen zu lesen.

Ich bin mit der negativen Entwicklung in Gmunden, wie viele meiner Kollegen, nicht zufrieden. Einiges davon ist hausgemacht, einiges ist aber auch nicht von uns beeinflussbar.
Trotz allem bin ich davon überzeugt, dass ein Ort wie Gmunden in dieser wirklich einzigartigen Lage, das Potential hat, wieder ein sehr spannendes Provinzstädtchen zu werden.
Diese Stadt ist seit knapp 740 Jahren Stadt und Einkaufszentrum und wird es auch dann noch sein, wenn die Einkaufszentren in der Peripherie sich wieder in Grünflächen wandeln. Es gab Brände, Überschwemmungen, Seuchen und Plünderungen und trotz allem gibt es Gmunden nach wie vor. Ich denke, die Stadt wird auch dieses Wellental überstehen. .

In Zeiten wie diesen mit ungezählten Krisenherden, einer humanitären Flüchtlingskatastrophe im Mittelmeer, eines ungebremsten Bevölkerungswachstums, eines ungeniert prolongierten Ressourcenverbrauchs der Länder des Nordens, einer immer kritikloseren Gesellschaft, die sich trotz allem, wieder in die Fänge des Finanzkapitalismus begibt, in dem nur Wachstum zählt, koste es, was es wolle, gehen mir Diskussionen über meine Pipi Bilanz manchmal gepflegt auf die Nerven.
In diesem Sinne wünsche ich weiterhin fröhliches recherchieren liebe Babsy.

Markus Moser ist Eigentümer und Betreiber des Wiener Cafés


Anmerkung der Redaktion:
Was in Bezug auf unsere Recherchen zu sagen ist, haben wir im wesentlichen bereits gesagt.
Dass angesichts der Probleme der Welt unsere Gmundner Probleme recht schnell auf Minimundus-Format schrumpfen, ist keine Frage. Aber wir leben halt hier und regen uns über das auf, was hier geschieht oder nicht geschieht. Wir können nicht jeden Tag die ganze Welt retten – leider! Wir täten es gern und sofort, wenn es denn ginge.
Dass eine Welt, die sich in den Klauen einer finanzkapitalistischen Clique befindet, keine gemütliche ist, mehr noch: eine reichlich unmenschliche, kann man jeden Tag beobachten und teilweise auch am eigenen Leib erfahren. Niemand mit Herz und Hirn will das. So wie niemand, der halbwegs bei Sinnen ist und nicht alle humanitären Werte über Bord geworfen hat, sich eine extrem konkurrenzorientierte Gesellschaft wünscht, in der alle Menschen jeden Tag um ihr Leben laufen müssen, als ob ihnen der Säbelzahntiger im Nacken sässe. Konkurrenz kann beleben, ab einem bestimmten Grad wird sie allerdings zum Hemmschuh der Entwicklung. Auch die Evolutionsforscher sind längst vom simplen Modell der „Auslese“ durch „survival of the fittest“, diesem zynischen Sozialdarwinismus, abgerückt. Längst hat sich herausgestellt, dass eine sinnvolle Symbiose von eingehegter Konkurrenz und sinnvoller Kooperation wesentlich bessere Ergebnisse zeigt. Genau das aber gelingt in Gmundner leider so gut wie gar nicht. Die Konkurrenz wird von Monopolisten zu Lasten der Steuerzahler ausgeschaltet (Stern & Hafferl-Verkehr!!!), die Symbiose entsteht leider nur zwischen Machthaberern in Politik und Wirtschaft. Die kleinen Gewerbetreibenden bleiben dabei ebenso auf der Strecke, wie die „normalen“ Arbeitnehmer.

Nochmals: wir wollten das Wiener Café natürllich nicht „vorführen“, sondern Probleme aufzeigen. Eien Teil unserer Kritik an den Umständen bestätigt Moser ja im obigen Bericht. Das Versagen der Politik auf vielen Ebenen (Raumplanung, sinnvoller Mitteleinsatz, fehlende Courage) ist offenkundig, und die daraus resultierenden schlechten Rahmenbedingungen erschweren den Menschen das Leben.
Wir wünschen Markus Moser jedenfalls, dass die Gewinne von 2012 und 2013 wirklich nachhaltig sind und das Wiener Café – dem widrigen Umfeld zum Trotz – den Einwohnern der Stadt und ihren Besuchern erhalten bleibt.


Gmunden auf der Couch

Ein satirisches Interview

Wir vom Team Gmundl (TG) haben einen Experten gefunden, der in unserem Namen und Auftrag ein längeres Gespräch mit dem aus Freudscher Denkschule stammenden Psychoanalytiker Dr. Koitu S. Freud (KF) geführt hat, das wir hier ungekürzt wiedergeben.

TG: Herr Doktor, was fällt ihnen bei einem Rundgang durch Gmunden auf den ersten Blick auf?
KF: Überall ragen Kräne in die Höhe. Beängstigend, diese Ansammlung von Phallussymbolen in einer so relativ kleinen Stadt. Aber wissenschaftlich höchst interessant und aufschlussreich.
TG: Wieso beängstigend?
KF: Weil diese so auffällig zur Schau gestellten Symbole männlicher Potenz, wie wir wissen, das genaue Gegenteil ausdrücken: Potenzängste und bereits eingetretene Potenzverluste. Die Manneskraft Gmundens schwächelt, wenn ich das so vereinfachend sagen darf.
TG: Was bedeutet das?
KF: Die Flucht in die Grösse. Man kompensiert die nachlassende Manneskraft durch sinnlose aber megalomane Projekte und hofft, damit über die schwächelnde Potenz hinwegtäuschen zu können.
TG: Aber gerade den Gegnern der neuen Zugsdurchbindung durch die Innenstadt, also jenen, die gegen ein solches megalomanes Projekt sind, wurde von Regio-Befürwortern genau das vorgeworfen: sie würden mit ihren SUVs nur Ihre Sexualorgane erweitern und vergrössern, ihre Potenzkraft solchermassen in symbolhafter Form öffentlich vorführen und …
KF fällt dem Interviewer heftig ins Wort: Nein, nein, nein und nochmals nein! Grundfalsch! Ein Auto ist die Vergrösserung des eigenen Wohnzimmers. Man erweitert jenen Bereich, den man zu überschauen und kontrollieren zu können glaubt über die eigenen vier Wände hinaus. Natürlich sind hohe PS-Zahlen auch als Aphrodisiakum zu interpretieren, keine Frage. Aber ich erkenne hier in Gmunden grundsätzlich eine zutiefst sexualisierte Stadt, die sich dieser ihrer inneren Triebstruktur in keiner Weise bewusst ist. Das ist das Tragische. Nicht erfüllte Triebwünsche führen zu seelischer Verlotterung.
TG: Woran erkennen Sie diese Sexualisierung?
KF: Was Sie mir im Vorgespräch über die letzten Äusserungen des Bürgermeisters bezüglich seiner Stratgie der Autobus-Parkplätze erzählt haben, war für mich als Psychoanalytiker extrem erhellend. Ich meine damit seine Beschreibung des Wegs der Touristen durch die Stadt. Sie haben das ganz richtig erfasst. Der Tourist wird in das Dunkel der kleinen Gassen gezwungen, eine Art Vorspiel, die Überwindung der eigenen Sexualängste. Dann soll er in den Geschäften einkaufen, also seine Lust langsam steigern. Da stellt sich natürlich die Frage, ob das Angebot der Innenstadt tatsächlich luststeigernd ist, ich wage das zu bezweifeln, aber gut, wir lassen das mal so stehen. Hahaha! Kleiner Scherz. Und dann, solchermassen erregt, kommen die Touristen am Rathausplatz angesichts des Panoramas zum Orgasmus. Das ist die klar sexualkonnotierte Botschaft des Bürgermeisters. Natürlich verbirgt sich dahinter der Wunsch des Stadtoberhaupts, dass auch die Wählerschaft, angesichts des Rathauses in eine orgiastische Stimmung verfällt und als Akt der sexuellen Selbstbefriedigung dann am Wahltag ihm die Stimme gibt.
TG: Ist das nicht eine doch etwas zu waghalsige Interpretation?
KF: Keinswegs. Das Leben ist waghalsig. Und die Seele ist ein weites Land, wie der Psychoanalytiker unter den österreichischen Autoren es formuliert hat.
TG: Wie lautet also Ihre Einschätzung des Projekt Regio-Tram?
KF: Kolossal! Phänomenal! Pyramidal! Ich überlege schon, mein beliebtes Uni-Seminar „Alltägliche Phallussymbole in der zeitgenössischen Stadtplanung“ nach Gmunden zu verlegen.
TG: Es gibt da Pläne von wegen UNI-Stadt …
KF: Die sind vielleicht doch etwas zu hochstaplerisch angelegt. Aber mein erwähntes Seminar könnte hier stattfinden. Wir sind hier abolut von Phallussymbolen umstellt. So viel praktisches Anschauungsmaterial auf einem Fleck findet man kaum noch sonst wo. Die fast vierzig Meter langen Züge: ein Kampf um die Vorherrschaft des Machthabers mit dem grösseren, längeren, dickeren Glied. Dieses bewegliche Glied wird wiederum von weit in den Himmel ragenden Strommasten gesäumt, die ihrerseits nichts anderes sind, als eine endlose Kette von Penissen, die quer durch die Innenstadt aufgestellt werden und von der Potenz der Machthaber künden, die ihre körperliche Kleinheit auf diese Art überspielen. Merke: je kleiner der Mann, umso grösser muss sein Spielzeug sein. Bitte missverstehen Sie das nicht: es geht nicht darum, kleine Menschen zu diskriminieren, aber die Erkenntnisse der Psychoanalyse sagen uns, dass aus männlicher Kleinheit mitunter bestimmte Folgen resultieren können. Wir müssen diese Gedanken also in unser Kalkül mit einbeziehen.
TG: Nun, der zuständige Verkehrsstadtrat passt aber nicht zu Ihrer Theorie. Der ist eher hoch augeschossen.
KF: Papperlapapp! Der glaubt nur, dass er etwas sagen darf. Aber der eigentliche Machthaber, der ist grössenordnungsmässig  eher bei Pippin dem Kurzen anzusiedeln. Dieser war, wie wir wissen, der Vater von Karl dem Grossen. Durch seine Kleinheit hat er seinen Sohn unbarmherzig zur Grösse gezwungen. Gnadenlos! Der Sohn musste jene Grösse erreichen, die dem Vater rein körperlich verwehrt war. Die Problematik der kleinen Männer in patriarchalischen Gesellschaften kennen wir ja schon von Alexander dem Grossen, der auch zu den Kleinwüchsigen gezählt worden ist. Sagen wir so: der kleine Machthaber hat sich einen grossen, in diesem Fall hoch aufragenden, Verkehrsstadtrat zum Mitstreiter erkoren, um die eigene Untergrösse zu kompensieren. Und zusätzlich müssen die eingesetzten Verkehrsmittel zum Phallussymbol taugen. Ich sehe da klare Zusammenhänge. Wir verstehen diese Vorgänge nur, wenn wir verstehen, wie sie von einer tieferen, inneren Triebstruktur geprägt und dominiert werden. Wir dürfen auch nicht übersehen, dass dieser riesige, fahrende Penis sich durch die engen Öffnungen des Kammerhofes, der Vulva Gmundens, drängen muss. Quasi eine Inbesitznahme des Weiblichen durch das Männliche. Ein gar nicht sehr sublimer, im Viertelstunden-Takt stattfindender Gewaltakt gegen alles Weibliche. Ein Aufbäumen der patriarchalischen Gesellschaft gegen den Aufstieg der Frauen. Und natürlich beredter Ausdruck der Kastrationsängste im Patriarchat. Man muss bedenken: bei jeder Einfahrt in die Unterführungen des Kammerhofs werden die Männer mit ihren Kastrationsängsten konfrontiert und lernen, dass diese Kastration mittels eines überdimensionierten Gliedes in Form des Zugs abgewehrt werden kann. Die Angst vor dem Zugriff der weit geöffneten Vulva, also hier der Tore des Kammerhofs, die Angst vor dem Verlust des primären männlichen Geschlechtsmerkmals, wird mit diesem Glied aus Stahl bekämpft. Dann wird dieser mobile aber schienengebundene Penis quer durch die enge Innenstadt geführt, gleitet quasi durch die enge Vagina hindurch und orgasmiert beim Erreichen des sich öffnenden Franz-Josefs-Platzes. Die Schienen sind notwendig, um die Macht des Sexuellen, die man hier instrumentalisiert, zu bändigen, in Bahnen, auf Schienen zu halten. Mehr Sexualität geht nicht, glauben Sie mir.
TG: Wir können nur noch staunen, Herr Professor!
KF: Danke, aber das Staunen liegt ganz bei mir. In so konzentrierter Form findet man das selten. Ich will bei dieser Gelegenheit nicht verabsäumen, darauf hinzuweisen, dass die gesamte Konstruktion der Regio auf die Aufrechterhaltung der männlichen Dominanz über die erwachende Frauenbewegung angelegt ist. Besonders deutlich sehen wir das am Klosterplatz. Hier finden sich deutliche Hinweise, dass die männliche Dominanz, ausgedrückt durch die hohen, den Penis repräsentierenden Strommaste, den Platz prägt und die Frauen in die unterrangige, dienende Funktion verweisen. Sie erkennen das deutlich an der Haltestelle. Lange wurde gerätselt, was die merkwürdige Ausformung des Daches der Haltestelle darstellen solle. Nun, ich kann das Geheimnis lüften: beim Dach handelt es sich unzweifelhaft um eine riesige, überdimensionierte Slipeinlage für Damen. Die Frauen werden mit diesem Slip-Dach eindeutig in die Schranken gewiesen, symbolhaft auf ihre dienende Rolle in der Gesellschaft verwiesen, dargestellt mittels einer Slipeinlage, die als Dach die wartenden Fahrgäste vor dem Regen schützen soll. Die Slipeinlage ragt auch nicht in Konkurrenz zu den Penis-Masten hoch auf, sondern liegt dienend und in Erwartung des Mannes regungslos auf dem Haltestellen-Hütterl.
TG: Herr Professor, wir sind überwältigt und danken Ihnen für dieses aufschlussreiche Gespräch.
KF: Das Überwältigtsein liegt ganz auf meiner Seite. Ich denke meine Entdeckung wird das oberösterreichische Verkehrssystem, hahah, Verkehr, wie doppeldeutig, wird das Verkehrssystem revolutionieren.

slip_dach_montage


Passend zu unserem Satire-Interview heute wieder ein Slogan, den wir einem Leserlein des Blogs verdanken.

ich_freu_mich_ferrosex

 

ferrum (lat.) = Eisen
ferrosexuell = ironische Bezeichnung für Menschen, die Modelleisenbahnen aber auch der „richtigen“ Eisenbahn über alle Massen zugetan sind. Wenn sie von „Triebwagen“ sprechen, scheint ihre Leidenschaft intensiver und lustvoller, eben: ferrosexuell, eine Spielart der Objektsexualität.


 

 

 

 

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