Krippenspiele

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Heute:
Babsy & das Team wünschen was
Michael Amon über Krippenspiele
Einzeiler von Wilhelm Krausshar

Liebe Leserleins!

Machen wir es kurz und schmerzlos: wir wünschen unserer treuen Leserschaft das Allerbeste fürs nächste Jahr und davor auch noch ein schönes Weihnachtsfest.
Jenen, die uns nicht so mögen, wünschen wir innere Einkehr und Besserung, was ihre mentale Einstellung zu uns betrifft. Gmundl hilft nämlich total, gell. Gmundl macht Lahme gehfähig, Blinde hellsichtig und stärkt ganz allgemein das Wahrnehmungsvermögen. Wenn jemand Gmundl nicht mag, dann liegt es an diesen jemands, nicht an uns, gell!

Mögen die Weihnachtbäume leuchten, aber nicht brennert werden!

Babsy Blitzschnell & das auch sonst rundum nüchterne Team Gmundl

Achtung: Auch wir machen Urlaub. Wir sind wieder da ab Montag, 28. 12. 2015.


Krippenspiele

Ein Text von Michael Amon

Wenn man viele Jahre in einem katholischen Internat im echten Wortsinn interniert war, wird man früh mit der Geschichte der weihnachtlichen Herbergssuche konfrontiert. Ob die Geschichte wahr ist oder nicht, weiß kein Mensch. Eine gute Story ist es allemal.

Religiöses Erweckungsbedürfnis und der absolute Wille zum dilettantischen Theatermachen gingen bei uns im Internat eine bedrohliche Liaison ein. Jedes Jahr wurde nach sprachlich ziemlich bescheidenen Texten, verbrochen von diversen Lehrkräften, ein großes, dramatisches Krippenspiel im Turnsaal aufgeführt. Einmal als Generalprobe vor den Heiminsassen, also vor uns selbst. Ein weiteres Mal vor der zwangsversammelten Elternschaft. Für mich endete die erste Teilnahme als Schauspieler ziemlich plötzlich, gleichwohl ein derart abruptes Ende meiner diesbezüglichen Laufbahn von mir wohlwollend eingeplant war.

Es lag an der von den Lehrkräften praktizierten Rollenverteilung bei den Weih­nachtsspielen Ich – und viele mit mir – empfanden diese Rollenverteilung als einigermaßen schräg, genau gesagt als hochgradig ungerecht. Denn die großen Rollen im traurigen Spiel, also Josef und Maria, bekamen immer die schwäch­sten Schüler aller Klassen (nur Volksschüler spielten mit!). Wir, die guten Schüler, wurden mit Vierzeilern abge­speist. Manche, darunter ich, auch bloß mit einem Zweizeiler. Am großen Theater nennt man solche Rollen „Bäume“. Und auf Bäume verstand sich die dichtende Volksschullehrer-Gemeinschaft. Vor lauter Bäumen war der Wald nicht mehr zu sehen.

Natürlich diente diese Rollenzuteilung einem pädagogischen Zweck, der Ermunterung schwächerer Schüler. Im zarten Alter von acht Jahren war mein Denken ungetrübt von solche zweifelhaften pädagogischen Überlegungen. Ich stand denen mit großer Skepsis gegenüber. Woran sich bis heute, pardon, nichts geändert hat.

Ich mußte bei meinem ersten und letzten Antreten einen Bettler spielen, eine Rolle mit zwei Zeilen Text. Zuerst hatte ich einen der Heiligen Drei Könige anzubetteln: »Bitte um eine milde Gabe.« und dann in höchsten Tönen zu loben: »Habt Dank, hoher Herr, für das großzügige Geschenk!«. Diese mickrige Rolle gefiel mir gar nicht. Das stank mir, und es stank zum Himmel.

Die Generalprobe habe ich geschmissen, denn nach meiner Bitte um eine milde Gabe, begann der angesprochene Königs-Darsteller, auch recht angefressen ob seiner fast textlosen Rolle, aber immerhin aufwendig verkleidet, in seinen unter einem weißen Umhang verborgenen Hosentaschen zu wühlen und zog nach einiger Zeit ein Zwei-Groschen-Stück heraus, das er mir mit großzügiger Geste in die Hand drückte. Ich war so verärgert über Rolle und die zwei Groschen, daß ich Text und Hand­lung kurz ent­schlossen abänderte, denn was scheren mich Texte von Volksschullehrern! Das war mein bescheidener Anfang als Autor. Ich besah die Münze von allen Seiten und drückte sie dem Spender mit den Worten »Die kann­st behalten!« wieder in die Hand. Dann murmelte ich noch etwas von Geiz und so. Ich fühlte mich im Recht. Zwei Groschen, das war gar nicht großzügig. Und zwei Zeilen Text ebenso­wenig. Ich war nicht bereit, an einer Lüge mitzuwirken, und eine Gabe von zwei Groschen auch noch lauthals zu belobigen. Diese für manche etwas sture, für das Leben nicht unbedingt vorteilhafte Haltung, habe ich bis heute nicht angebracht. Oder sagen wir, weitgehend nicht angebracht.

Es war mein Ende beim Krippenspiel. Ich hatte zwar die Lacher im Saal auf meiner Seite, aber die Rolle, die war ich los. Künstlerrisiko. Wer nicht an seine Grenzen geht, wird es zu nichts bringen. Wobei natürlich galt, daß hier in diesem Spiel die Grenzen ziemlich eng gezogen waren. Volksschullehrer sind humorlos, insbesondere wenn man ihre kümmerlichen Theatertexte gering schätzt.

Ich weinte meiner Rolle nicht nach, denn ich fand die jährliche Krippenspielerei ohne­dies lächerlich. Weiß eh jeder, daß die kein Zimmer bekommen und im Stall landen werden. Und jetzt komme mir niemand mit dem Fuchs und den sauren Trauben. Außerdem, und das weiß ich heute, hat die Bevorzugung der schwachen Schüler denen auch nich­ts gebracht. Du wirst kein besserer Schüler, wenn du den Josef oder die Maria spielen darfst. Es macht niemanden schlauer und heilt keine Kranken.

Auf jeden Fall faßte ich daher schon in früher Kindheit den Entschluß, niemals ein Krippenspiel oder gar eine Passion zu verfassen. Stur, wie ich manchmal bin, habe ich mich bis heute an diese frühkindliche Entscheidung gehalten. Mir hat es gut getan, und der Welt fehlt es, zumindest diesbezüglich, an nichts. Nur die Volksschullehrerschaft … aber das ist eine andere Geschichte und gehört nicht hierher. Nicht an einem 24. Dezember.

Anm. d. Red.: Dieser Text ist eine vom Autor für uns überarbeitete, neue Version einer Textstelle aus seinem autobiografischen Roman „Fromme Begierden“.


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Einzeiler von Wilhelm Krausshar

Zum Einserkastl: Könnte das nicht auch “Asamer Hans” heißen?


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