Hochschaubahn

Heute:
Baby Blitzschnell
über die EU
über die Regio

Liebe Leserleins!

Der seit Wochen zur Lösung der Flüchtlingskrise hoch stilisierte EU-Gipfel ist bestenfalls eine Hochschaubahn der Egoismen und Nationalismen geworden. Selten war ein EU-Treffen derart absurd und ergebnislos. Österreich profiliert sich weiterhin als nationalistischer Scharfmacher. So wie am Wochenende der total überschätzte Politschnösel Kurz sich im deutschen Fernsehen wieder darin gefiel, Griechenland als den Schuldigen am Flüchtlingschaos darzustellen. Die Suche nach Schuldigen ist längst völlig lächerlich: die gesame europäische Politik, die Regierungen aller 28 Staaten haben versagt – jede auf ihre Weise.

Von einer einheitlichen Linie bei diesem EU-Gipfel kann keine Rede sein. Die Österreicher und ein Teil der Ex-Ostblockstaaten will im Schlussbericht unbedingt die Wörter „Balkan-Route geschlossen“ stehen haben, Deutschland legte sich quer. Ergebnis: ungewiss. Europa als politisches Gebilde existiert nicht. In der Gipfelerklärung steht jetzt: „Irreguläre Ströme von Migranten entlang der Route des westlichen Balkans müssen nun enden.“ Merkel spricht von einem Durchbruch bei den Verhandlungen. Naja. Auch ein Magendurchbruch ist ein Durchbruch, gell!

Die Balkanroute ist nur scheinbar geschlossen. Inzwischen ist das eingetreten, was viele Experten voraus gesagt haben: wenn erst alle Länder ihre Zäune aufgestellt haben, wird sich erweisen, dass Ungarn in Wahrheit seine Grenzen nicht dicht machen kann. Inzwischen kommen täglich rund 200 Flüchtlinge illegal nach Ungarn, Tendenz steigend. In rechtsstaatlich fragwürdigen Schnellgerichten, die im Viertelstundentakt Urteile sprechen, werden illegale Einreisende abgeurteilt. Die anschliessende Abschiebung nach Serbien funktioniert nicht, weil die Serben die Leute nicht zurücknehmen. Sie werden dann einfach an der Grenze stehen gelassen.

Entlang Europas Schengen-Grenzen bilden sich jetzt Massenlager des Elends. Die beschworenen europäischen Werte sind keinen Eurocent wert. Was werden diese Polit-Scharlatane machen, wenn die echte Völkerwanderung einsetzt, die wir dank Klimawandel und Überbevölkerung zu erwarten haben? Solange nicht das Bewusstsein vorherrscht, dass wir alle Schicksalsgenossinnen und -genossen sind, die in einer winzig kleinen Nussschale namens Erde durchs Universum rasen, wird es keine humane Lösung geben. Und das Wort „Mensch“ wird für Inhumanität und bodenlose Dummheit stehen. Denn, und das haben viele noch nicht kapiert, mit der inhumanen Art, in der das Problem jetzt „gelöst“ wird, unterminieren wir die eigenen Lebensgrundlagen. Die Verwendung des Wortes „human“ in positiv besetzter Weise ist zu überdenken. Der Mensch ist des Menschen Wolf, sagten die alten Römer. Sie sind bis heute nicht nachhaltig widerlegt.

Ungarns Halbdiktator Orbán ist gegen jede Form von Flüchtlingsquoten und Verteilung von Flüchtlingen in Europa und hat ein Veto gegen Verteilungspläne und Vereinbarungen mit der Türkei angekündigt. Frankreich legt sich – wir meinen zu recht – gegen die Visafreiheit für türkische Staatsbürger quer. Zypern lehnt beschleunigte Beitrittsverhandlungen mit der Türkei ab. Die Türken ihrerseits verlangen eine Menge Geld: von sechs bis fünfzehn Milliarden für die nächsten fünf Jahre ist die Rede. Dafür wolle die Türkei dann verhindern, dass Schlepperboote überhaupt von der türkischen Küste ablegen können. Die bisherige Erfahrung legt die Annahme nahe, dass das nicht funktionieren wird.

Versteht jemand, worin der Sinn einer Übereinkunft mit der Türkei besteht, nach der folgendes zu geschehen hat: die Türkei fischt die Flüchtlinge aus dem Meer und führt sie zurück in die Türkei. Für jeden so „Geretteten“ übernimmt die EU einen Flüchtling aus den türkischen Lagern. Dafür zahlen wir dann sechs oder zehn oder fünfzehn Milliarden an das korrupte Erdogan-Regime? Ein teures Nullsummenspiel, was die Flüchtlinge betrifft. Da kommt Nichtstun billiger und zeitigt das idente Ergebnis.

Schon vor Beginn des EU-Gipfels hat die türkische Regierung mit Polizeigewalt die grösste oppositionelle Tageszeitung des Landes unter Kontrolle gebracht, den Chefredakteur und wichtige Mitarbeiter fristlos entlassen. Man werden ab sofort „noch objektiver“ berichten. Man merke sich, was das Wort „objektiv“ in den Händen rechter Autokraten zu bedeuten hat. Man erinnere sich an den Sager des in den Tod gerasten Jörg Haider über die Redaktionsstuben, in denen man Ordnung schaffen werde.
In der Nacht auf heute – noch während die EU tagte, wurde auch die regierungskritische Nachrichtenagentur CIHAN unter staatliche Kontrolle gestellt. Der beim EU-Gipfel anwesende türkische Premier Davutoğlu feierte das dann zynisch ab: Meinungsfreiheit sei ein „Grundwert“ der türkischen Demokratie. Weder er noch seine Regierung hätten darauf Einfluss gehabt, behauptete Davutoğlu ungeniert. Und dann wörtlich: „Die Meinungsfreiheit ist unser gemeinsamer Wert, und sie wurde und wird in der Türkei geschützt.“
Die Wertegemeinschaft EU schweigt in der Gipfelerklärung belämmert und beschämend. Man habe „mit dem türkischen Staatschef die Situation der Medien in der Türkei diskutiert“. Liebe Leute, diskutieren ist ein bisserl wenig, gell! Wer sich mit solchen Regimen gemein macht, nimmt mit der Zeit ein Gerüchle an, gell!

Auch Erdoğans Vorschlag, eine Stadt an der Nordgrenze zwischen Syrien und der Türkei für die Flüchtlinge zu errichten, ist mehr als nur vergiftet und keineswegs human. Dort sind nämlich in Wahrheit Kurden zu Hause. Diese neue Stadt müsste von internationalen Truppen gegen IS und sonstige Heerscharen gesichert werden. Die Europäer mitsamt NATO würden dann also für Herrn Erdogan die Drecksarbeit erledigen, die darin besteht, das Entstehen eines Kurdenstaates im Syrien zu verhindern, der sich mit den autonomen Kurdengebieten im Irak vereinigen könnte. Um unser Flüchtlingsproblem zu lösen, würden wir – merks Mikl-Kurz und Fayman-Doskozil – den Türken beim Völkermord an den Kurden den Rücken freihalten. Was derzeit als christlichsozial und sozialdemokratisch durch die Gegend läuft, ist nur noch zum Speiben.

Ein Europa, das die Lösung seiner Probleme von einem grössenwahnsinnigen Sultan à la Erdogan erwartet, ist zum Scheitern verurteilt. Die EU wird an dieser Frage nicht einfach zerbrechen, sondern auf das reduziert werden, was sie die längste Zeit schon ist:

  • eine Freihandelszone, in der die Konzerne unkontrolliert ihre Geschäftchen betreiben können, ohne sich um Steuern Sorgen machen zu müssen;
  • eine Freihandelszone, in der die Menschen hilflos angeblichen Marktkräften ausgeliefert werden;
  • eine Freihandelszone, in der die einzelnen Länder ihren egoistischen, nationalistischen Zielen nachgehen, ohne sich ums grosse Ganze zu kümmern.

Und Faymann (mitsamt der ganzen Bundesregierung) wird auf Kosten der Ärmsten der Armen grosse Töne in der Flüchtlingspolitik spucken, um vorzutäuschen, man habe Leadership und einen Plan. Beides ist die Vorspiegelung falscher Tatsachen.

Dabei, liebe Leute, ist das derzeitige Flüchtlingsproblem eine relativ leicht lösbare Aufgabe, wenn man denn ernsthaft an einer Lösung interessiert wäre. Irgend wie setzt sich aber in Ihrer Babsy der Eindruck fest, dass die Flüchtlingsfrage weit über ihre Bedeutung hochgespielt wird, um die Bevölkerung von einem viel ernsteren Problem abzulenken: der desaströsen Lage der europäischen Wirtschaft, dem katastrophalen Mangel an Arbeitsplätzen und dem geplanten Kahlschlag im Sozialbereich. Da beschäftigt man die Bürgerleins lieber mit der Angst vor Flüchtlingen anstatt das Problem zu lösen. Gute Politik, liebe Leute, die sieht anders aus.

Der EU-Gipfel ist in der vergangenen Nacht ohne erkennbares Ergebnis zu Ende gegangen. Man werde in den kommenden Tagen weiterverhandeln. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann tafeln sie noch heute …

Babsy Blitzschnell f. d. Team Gmundl


Der Regio-Dichter?

Ein besonders empörender Aspekt der Regio-Debatte ist der Versuch, einen verstorbenen Schriftsteller als Zeugen für die Zugsdurchbindung einzuspannen. Die wiederholte Berufung auf einen Leserbrief von Thomas Bernhard ist nicht nur ärgerlich, sondern auch noch strohdumm.

Der Brief, wenn er in voller Länge zitiert wird, macht klar, dass Bernhard eindeutig nur von der putzigen kleinen Bim schreibt, nicht von Zugsmonstern, die mit riesigen, überdimensionierten Garnituren durch die alte Innenstadt rattern:
„Ein größeres Unglück könnte dieser von mir geliebten Stadt gar nicht widerfahren! Gerade diese Straßenbahn ist eines der markantesten Wahrzeichen der Stadt und ich benutze sie regelmäßig mit dem größten Vergnügen bei meiner Ankunft auf dem Bahnhof. Diese Straßenbahn ist ein Kleinod und unersetzbar und Gmunden würde mit ihr eine seiner allerersten Attraktionen bei Jung und Alt verlieren.“
Denn: was bleibt von diesem Wahrzeichen, diesem „Kleinod“? Eine Bim, wie es sie überall auf der Welt in Grossstädten gibt, ist keine besondere „Attraktion“, kein „Kleinod“ und schon gar kein „Wahrzeichen“. Das traf nur auf jene alte Nostalgiebim zu, die gleichzeitig die kürzeste/kleinste Strassenbahn der Welt war. Jetzt ist es bloss noch die dümmste. Aber allein die bewusste Miss- und Umdeutung dieses Briefs durch die Regio-Fanatiker ist nicht entscheidend.

Wer das Werk von Thomas Bernhard nur halbwegs kennt, ahnt, dass Bernhard für die nunmehrigen Umtriebe rund um die Regio wahrscheinlich nur höhnische Worte gehabt hätte. Wir können das natürlich nicht beweisen, aber das Werk legt es nahe. Und zwar mit deutlich höherer Wahrscheinlichkeit als das Gegenteil.

Dazu kommt die Persönlichkeit von Thomas Bernhard. Er war in seinen Haltungen eher schwankend, unsicher, hat seine Meinungen über bestimmte Dinge und Vorgänge oft innerhalb kürzester Zeit mehrmals geändert. Diese Wankelmütigkeit von Bernhard war einer der wesentlichen Gründe der Testamentsvollstrecker, sich über das Aufführungsverbot seiner Werke in Österreich, das Bernhard in seinem Testament festgelegt hat, hinweg zu setzen. Sein Leibregisseur Paymann argumentierte damit, dass man das bei Bernhard nicht so ernst nehmen dürfe, er sei eben grossen Stimmungsschwankungen unterlegen und hätte Verdikte oft schon wenige Tage nach ihrer Verhängung wieder zurückgezogen.

Die Schlagzeile der OÖN, Berhard hätte an dem Zug mitten durch Gmunden „seine Freude gehabt“ ist von bodenloser Ahnungslosigkeit, eine unglaubliche Ignoranz gegenüber Werk und Person, ein übler Missbrauch seines Namens. Diese Schlagzeile ist eine unverzeihliche Schandtat und eine pietätlose Leichenschändung. Schade, dass Bernhard nicht ein Dramolett auf Gmunden schmettern kann. Da würden sich einige wohl ordentlich ins Hoserl machen, gell!

Babsy Blitzschnell f. d. Team Gmundl


bim_offiziell_alt_kl

bim_villa_altDie Nostalgie-Bim, von der Bernhard schrieb

Und das fährt in Zukunft wirklich (der Bernhard hats nichts gsehn!):
bim_villa_neu

Wiederholung aus der beliebten Reihe
„Alfred E. Neumann freut sich“

ich_freu_mich_buch_der_rekorde


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