Zynisch? Die OÖN und ihr Umgang mit Postern.

Heute:
Bruno Beinhart über eine fragwürdige Aktion der OÖN

Liebe Leserschaft!

Auch wir vom Team Gmundl sind entsetzt, was sich in den Online-Foren so abspielt. Insbesondere in der Asylfrage ist der Ton nicht einfach nur rau. Er ist verhetzend. Am Rande des Nazismus. Die dumpfbackige Seite der Wutbürgerschaft.

Die Postings bei den OÖN sind besonders bescheuert, besonders hetzerisch. Kommt jedenfalls uns so vor. Schon seit einiger Zeit werden dort Postings gelöscht. Nach welchem System wissen wir nicht. Oft sind wir verwundert. Da stehen Sachen, die wir löschen würden. Nach welchen Kriterien die OÖN vorgehen, ist unklar.

Jetzt haben die OÖN die Reissleine gezogen. Allerdings auf seltsame Art. Korrekt wäre es, unzulässige Postings entweder zu löschen oder gar nicht erst frei zu schalten. Zweiteres würde moderierte Foren verlangen. Das ist den meisten Zeitungen zu teuer. Viele löschen Postings dann, wenn andere Poster sich beschweren. Manche verwenden Wortlisten. Kommen bestimmte Ausdrücke vor, wird das Posting automatisch gelöscht. Diese Methode ist naturgemäss sehr fehlerhaft. Die Süddeutsche Zeitung lässt Postings nur noch zu ausgewählten Artikeln/Themen zu. Die werden dafür moderiert und bewusst frei geschaltet.

Die OÖN haben jetzt aber einen eigenen „Weg“ gefunden, den wir für zynisch erachten. Und als Angriff auf die Pressefreiheit. Selbstmord mit Anlauf. Sozusagen! Man will hetzerische oder beleidigende Poster zuerst abmahnen, und dann rechtlich verfolgen lassen.

Wir halten diese Vorgangsweise für zynisch. Rechtswidrige Postings sind von der Veröffentlichung auszuschliessen. Nicht zuerst zu veröffentlichen und dann rechtlich verfolgen zu lassen. Warum wir das für zynisch halten? Weil die OÖN zwar die Klick-Raten von Dumpfbacken-Postern lukrieren, aber kein Geld für die Kontrolle ausgeben will. Denn natürlich ist die Kontrolle=Moderation teuer. Diese Kosten scheut man. Ausserdem würden die Postings drastisch zurückgehen, wenn man intensiv löscht. Da lässt man lieber die Poster rechtlich verfolgen. Das ist relativ billig für die OÖN. Bei Hetze liegt die Verfolgung und die Kosten beim Staatsanwalt. Kostet also die OÖN nichts. Bei Beleidigungen muss der Betroffene klagen. Es zahlt der Prozess-Gewinner. Sprich: die OÖN geben ihre Leser frei zur Verfolgung. Seriös sieht anders aus. Kommt mir vor wie ein Lehrer, der zuerst duldet, dass die Klasse sich gegenseitig windelweich prügelt, und dann zum Direktor läuft, damit der die Schüler bestraft. Eingreifen und verhindern wäre der korrekte Weg.

Offenbar wird den OÖN der Druck zu gross. Denn die aufgestaute Wut der Leute bringt Politik aber auch Unternehmen schwer ins Rudern. Weshalb man offenbar auch vor hat, die Leser den Firmen zur Verfolgung auszuliefern. Indem man den Firmen ermöglicht, Kreditschädigungsklagen ein zu bringen. Das kann für Betroffene sauteuer werden. Dabei wäre es die Aufgabe der OÖN, dafür zu sorgen, dass solche Sachen gar nicht erst online gehen. Aber wie gesagt: man will die Klick-Raten haben. Denn für die zahlt die Werbewirtschaft. Die Erfahrung zeigt, dass bei moderierten Foren die Zugriffe stark zurückgehen. Das will man nicht. Die OÖN fahren eine Linie des „Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass.“

Wir sehen in dieser Vorgehensweise der OÖN einen Bruch des Redaktionsgeheimnisses. Dieses gilt zwar nicht für strafbare Postings. Aber die werden erst durch die Freischaltung im Forum öffentlich. Es liegt am Betreiber des Forums, zu verhindern, dass solche Postings öffentlich werden. Freischalten und die Leute dann vernadern – das geht nun wirklich nicht zusammen.

Ob hier ein Machtkartell am Werk ist, das jene Bürger, die ihrer Wut freien Lauf lassen, einschüchtern und zum Schweigen bringen will? Manche Poster vermuten das. Beweisen lässt sich ein solcher Vorwurf naturgemäss nicht.

Wie gesagt: der ganze Schund und Mist, all die Hetze, die sich in den Foren finden, sind ungustiös und gehören nicht veröffentlicht. So halten wir es. Es gibt kein Posting, das nicht vorher von uns gelesen und freigeschalten werden muss. Da kann auch was schief gehen. Keine Frage. Aber so ganz allgemein bekommen wir das ganz gut hin. Die Moderation der Postings ist der einzig korrekte und journalistischen Standards entsprechende Weg.

Dass bei den Postings rund um die Asylfrage rechtsradikale Kreise die Foren geentert haben und dort ihr hetzerisches Gift versprühen, ist evident. Da hilft es aber nichts, diesen Mist zuerst posten zu lassen und dann nach dem Staatsanwalt zu rufen. Dieses Zeug gehört von Haus aus nicht veröffentlicht. Wie gesagt: die Klick-Raten. Wir nennen das zynisch. Und eine Selbstaufgabe des Journalismus.

Inzwischen zeigen sich die ersten Folgen dieser zweifelhaften Massnahme: die Poster befetzen sich gegenseitig und verlangen das klagsmässige Einschreiten der OÖN gegen den jeweils anderen Poster. Motto: Kreditschädigung und Hetze begeht immer der andere.

Klar gesagt: das Vorgehen der OÖN ist daneben. Und doppelbödig. Es ist der Versuch, wütende Bürger ein zu schüchtern. Denn wer soll noch berechtigte Kritik etwa an einem Unternehmen üben, das sich z. B. der Verschmutzung des Grundwassers schuldig gemacht hat und dies gemeinsam mit Presse und Politik vertuscht? Die OÖN liefert einen solchen Poster in Zukunft dem Unternehmen aus. Dieses kann den Poster mit Kreditschädigungsklagen überziehen und in den Ruin treiben. Das kommt heraus, wenn die vierte Macht im Staat ihre Funktion nicht mehr wahr nimmt. Weil sie zu parteinahe ist. Weil die Interessen von Wirtschaft und Medium nicht mehr klar getrennt sind. Und weil das Medium nicht auf die Werbeerträge bringenden Klick-Raten verzichten will.

Die einzig korrekte Vorgangsweise bei Hasspostings u. ä. ist, sie nicht frei zu schalten. Das ist der Weg, den wir vom Team Gmundl schon immer beschritten haben und auch weiter beschreiten werden. Wir stehen für journalistische Seriosität. Für journalistischen Anstand. Und für Äquidistanz zu allen politischen Gruppierungen, ohne unsere Meinung zu verhehlen.

Bruno Beinhart f. d. Team Gmundl


 

 

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