Elefanten

Heute:
Babsy Blitzschnell über Elefantöses
Gastbeitrag Michael Amon: The Prince is dead

Liebe Leserleins!

Unter einer Elefantenrunde stellt frau sich die Zusammenkunft von Elefanten vor. Der ORF hat die gestrige letzte Grossdiskussion als Elefantenrunde bezeichnet, was zumindest der grazilen Frau Griss gegenüber ziemlich unhöflich war. Auch bezweifelt Ihre Babsy, dass Elefanten eine Runde bilden. Wenn ich mich richtig erinnere, ich bin da auf meine Kenntnise aus dem Dschungelbuch in der Verfilmung von Walt Disney angewiesen, dann gehen Elefanten eher hinter einander her, Rüssel an Schwänzchen sozusagen. Wenn man Disney glauben darf. (Und hier für Fans die ganze Frühpatrouille!)

Neue Erkenntnisse hat die Diskussionsrunde nicht gebracht. Nur ein paar Ausrutscher. Einmal mehr zeigte sich, dass sich hinter Hofers freundlichem Gesicht Abgründe verbergen, die frau lieber nicht im Detail kennen lernen will. Man soll ja niemanden dämonisieren, aber wenn Hofer in der Hitze des Gefechts wieder einmal einen unbedachten Sager loslässt, wäre es schon interessant, was er damit meint. Über das, was er im HBP-Amt machen könnte, sagt er in bedrohlich-raunenden Worten: „Sie werden sich wundern, was alles gehen wird.“ Was er damit wohl meint? Längst macht in Politzirkeln ein Gerücht über die hidden agenda von Hofer und seiner FP die Runde. Die Erringung des HBP-Amtes sei als Hebel ins Kanzleramt gedacht.

Denn alle reden immer nur davon, dass der HBP den Aufstieg ins Amt des Bundeskanzlers verhindern könne. Aber in Wahrheit ergäbe die Diskussion erst umgekehrt einen Schuh: Ermöglichung des Aufstiegs von Strache und Verhinderung einer Konstellation ohne Strache. Szenario: Hofer nimmt den formalen Rücktritt der Regierung, wie sie nach einem Präsidentenwechsel üblich (aber nicht vorgeschrieben) ist an und bestellt einen anderen Kanzler. Der hat keine Mehrheit im Parlament. Es kommt zu Neuwahlen. Hofer geht bis an die Grenzen der gesetzlichen Möglichkeiten und verhindert alle Koalitionen ohne Strache. Dafür riskiert er zur Not auch eine Staats- und Verfassungskrise.

Inmitten dieser Instabilität, die erst von Hofer geschaffen wurde, präsentieren sich die FP und Strache mitsamt HBP-Hofer als Hüter von Recht und Ordnung und hoffen, mit diesem Trick so stark zu werden, dass Strache mit Hilfe versprengter ÖVPler das Kanzleramt ergattert. Hofer würde auch eine Minderheitsregierung von Strache mit Unterstützung von Teilen der ÖVP akzeptieren. Die Schlacht um den HBP ist somit für die FP und Hofer längst eine Schlacht ums Kanzleramt. Natürlich sollen die Wählerleins das vor der Wahl möglichst nicht schnallen.

Vor dem Hintergrund eines solchen Szenarios wird die Aussage von Hofer, man würde sich noch wundern, was alles möglich sei, auf einmal plausibel, klar und verständlich. Der Mann hat sich in seinem Furor verplappert. Er ist halt, das kann frau drehen und wenden wie sie will, der Chefideologe der FPÖ. Mehr als das: ein durchaus fanatischer Politiker, der sehr weit rechts aussen zu verorten ist. Der Mann ist vermutlich kein Wolf im Schafspelz, sondern vielmehr ein Wolf, der sich sein Wolfsfell auf Schaf umfrisieren hat lassen.

Allerdings gelingt Hofer der rätselhafteste Sager des Abends. Daran anschliessend ein Dialog zwischen Khol und VdB mit surrealer Qualität:
Hofer: „Herr Khol ist der Jörg Haider.“ (????)
VdB zu Khol: „Fahren Sie an Porsche?“
Khol: „Na, an Volkswagen!“
Kabarett at it’s best.

VdB zeigt sich überhaupt locker-humorvoll.
Moderatin Turnher stellt eine extrem bescheuerte Frage in Form einer Feststellung:
„Herr Van der Bellen, Sie kann man sich schwer als Queen vorstellen.“ (Sie will wissen, ob die Kandidaten ihren Job eher wie Klestil oder eher wie die Queen ausüben würden – auch das eine recht blöde Frage.)
Antwort VdB extra dry: „Warum?“
Ja, liebe Leute, Ihre Babsy gibt es unverhohlen zu: Mir ist die Waffe Humor deutlich sympathischer als eine Glock, gell!

Wenn man Griss einen etwas irritierenden Blick auf Nazi-Erfahrungen vorwirft, dann muss man Hofers letzte Äusserung noch deutlich irritierender finden. Auf die Frage, ob der 8. Mai – Tag der Erinnerung an die Kapitulation des Nazi-Staates – für ihn ein Tag der Freude sei, antwortet Hofer: „Es ist kein Tag der Freude, wenn Menschen sterben.“ Wie bitte? Da weicht einer aus, weil das ein sattsam bekanntes Sujet der Rechtsrechten ist: die Kapitulation des Nazi-Staates war für diese ein Tag der Niederlage des deutschen Volkes und der Weg in die Gefangenschaft der Aliierten. So einen Tag kann ein teutscher Kulturzugehöriger nicht feiern. Bevor die Schlagenden Burschis bös auf ihn sind, weicht Hofer dieser Frage lieber schwurbelnd aus. Traurig.

Sonstige neue Erkenntnisse? Naja, dass Hundstorfer beteuert, in seinem Ministerium habe es unter seiner Leitung keine parteipolitischen Besetzungen gegeben. Er wisse nicht einmal, welche Parteibücher seine Sektionschefinnen und -chefs hätten. Da lachten Publikum und alle anderen Kandidätchens. Besonders geschüttelt vor Lachen hat sich übrigens der alte Machtdompteur Khol. Na gut, der weiss all zu gut, wie es läuft. Das war schon recht dreist vom Hundsi. Ich frage mich, wie er es geschafft hat, bei dieser Aussage ernst zu bleiben. Wobei ich sagen muss: Hundsi hat erkennbar schon resigniert. Er wirkte unkonzentriert, versuchte die vorbereiteten Themen durchzubringen und machte ansonst den Eindruck, inzwischen im Geiste bereits an Plan B für seine Zukunft zu arbeiten.

Lugner bewies einmal mehr, dass ein geschickter Baumeister nicht unbedingt ein guter Politiker wäre. Ein Teil seiner Gedanken war eher merkwürdig und unterschied sich wenig von der Alltagsrhethorik der FPÖ. Skurril wurde es natürlich auch wieder. Diesmal antwortete er auf die Frage der Moderatorin nach seinem Umgang mit dem Zeremoniell für den HBP mit der etwas unverständlichen Ansage „Wollen wir Kommunismus?“. Äh, ja, auch die Moderatorin war da etwas verwirrt. Damit nicht genug. Die Erfahrung, die er in der Lugner-City mit Diskont gemacht hat, will er jetzt auch aufs HBP-Amt übertragen. Lugner als Diskont-Bundespräsident: „Ich mache es um 500.000 billiger.“ Na, ob wir Österreicherleins wirklich auf diese Art ein paar Netsch sparen wollen? Wie heisst es doch so wundervoll: wer billig kauft, kauft teuer!

Khol versuchte in einem letzten Anfall von Verzweiflung doch noch einige ÖVP-Wähler abzuschrecken, Griss zu wählen, indem er versuchte, diese links von Van der Bellen einzustufen. Ein recht durchsichtiges Manöver, dass Frau Griss mit dem adjektiv „bösartig“ beantwortete und damit, dass sie ihm, Khol, so eine Bösartigkeit nicht zu getraut hätte. Was wieder einmal die politische Unerfahrenheit von Frau Griss bewies. Dem Vater aller Wahrheiten sollte man so ziemlich jeden politischen Untergriff und so ziemlich jede politische Bösartigkeit zu trauen. Der Mann hat immerhin einmal gesagt, dass er „die roten Gfrieser nimmer sehen kann“. Gutartig sieht anders aus, gell!

Hofer war seiner Zielgruppe adäquat. Die hat er durchaus souverän bedient. Aber über den Kreis der FP-Sympathisanten wird er mit seinen Aussagen nicht hinaus kommen. Das wird zwar wahrscheinlich für den zweiten Wahlgang reichen. Aber dann? Wie kratzt man die Kurve, ohne aus ihr rauszufliegen?

Frau Griess war souverän und langweilig (was ich für einen Vorteil halte, spannend dürfen Krimis sein, nicht eine HBP). Dass sie bei historischen Fragen rund um die Nazi-Zeit eher merkwürdig agiert, ist zwar auffällig. Sie hat da keine tiefen Kenntnisse und gibt halt das wieder, was in manchen bürgerlichen Kreisen so geredet wird. Die armen Verführten und so. Sie täte gut daran, solche Themen mit nur einem klugen Satz abzutun. Denn für eine heutige HBP ist eher relevant, wie der neue, gefährliche Rechtsradikalismus tickt. Dazu braucht man keine tiefen Kenntnisse des Naziregimes, sondern Einblick in gegenwärtige Vorgänge. Da hätte sie sich recht gut gegen Hofer in Stellung bringen können. Gerade im bürgerlichen Lager gibt es ausreichend farbentragende katholische Verbindungen, die mit den Schlagenden Verbindungen des Herrn Hofer nichts zu tun haben wollen und für Frau Griss ansprechbar wären. Aber gut, jetzt ist es ein bisserl spät. Alles in allem lieferte sie einen seriösen und guten Auftritt. Könnte es sein, dass sie Hofer überholt?

Souverän auch Van der Bellen, der es schaffte, weit über das grüne Publikum hinaus zu wirken. Sein Auftritt war mehr als gelungen. Da stand einer, der so locker agierte, als ob er das Amt schon hätte. Hier stand ein HBP, den viele, vielleicht sogar eine Mehrheit der Österreicherleins sich wünschen: cool ohne distanziert zu sein; die nötige Portion Witz, wie sie in Österreich geschätzt wird; unaufgeregt und sachlich firm. VdB präsentierte sich glaubhaft als würdiger Nachfolger von Heinz Fischer.

Alles in allem: wir vom Team würden in einem zweiten Wahlgang Griss gg. VdB die eigentliche ideale Alternative sehen. Zwei Kandidätchens, die seriös und verantwortungsvoll sind, das Amt realistisch sehen, eine gute Figur machen und doch zwei sehr verschiedene Arten der Amtsausübung erwarten liessen. Bei diesen beiden hätten die Wählerleins eine wirklich gute Alternative, ohne sich über eine etwas undurchsichtige Person mit einer undurchsichtigen Agenda wie FP-Hofer den Kopf zerbrechen zu müssen.

Aber in weniger als als sechzig Stunden werden wir mehr wissen!
Leute, holt die Mäntel aus dem Kasten. Es wird huschikalt an diesem Wochenende. Auch in so mancher Parteizentrale, gell!

Babsy Blitzschnell f. d. Team Gmundl


The Prince is dead!

Ein Beitrag von Michael Amon

Er war keiner der Heroes meiner Jugend, dafür war ich schon zu „alt“, denn als der Stern von Prince Mitte der 1980er aufging war ich dreißig. Aber nach dem öden musikalischen Beginn der 1980er-Jahre war er mehr als nur ein Lichtblick. Gerade als „Gegenspieler“ von Michael Jackson war er für mich von Bedeutung. Bei Jackson waren die schwarzen Wurzeln bis zur Unkenntlichkeit wegretuschiert – nicht nur in der Musik. Jackson schreckte auch nicht davor zurück, seinen Körper so bearbeiten zu lassen, dass man von seiner schwarzen Herkunft möglichst wenig erkennen konnte. Auch wenn viele Schwarze Prince ebenfalls vorwarfen, vor allem das weisse Mainstream-Publikum bedienen zu wollen, so war das grundfalsch.

Prince stand immer zu seinen schwarzen Vorbildern und verleugnete sie auch in seiner Musik nicht. Zuallerst zu nennen wäre da „Godfather“ James Brown, dessen frühe Form des Funk er aufnahm und weiterentwickelte. Besonders auffällig seine Affinität zur Gitarren-Arbeit von Jimi Hendrix. Auch Einflüsse von Maceo Parker oder Miles Davis sind unüberhörbar. Eine Musik, die zwischen Funk, Rock, Pop, Blues, Jazz und psychodelischer Elektronik chargiert – und doch klingt wie aus einem Guss. Das Prinzip seiner Musik war Eklektizismus. Doch er schaffte es, daraus unverkennbare Prince-Musik zu machen.

Dass Prince sich mehr und mehr mit dem herkömmlichen Musik-Business überwarf, ist eine spezielle Facette seiner Persönlichkeit und auch heute noch schwer deutbar. Was ihn dabei wirklich umtrieb, lässt sich kaum beurteilen. Letztlich landete er doch wieder bei Warner Brothers. Angeblich mit einem Vertrag, der ihm die Kontrolle über sein Werk wieder zurückgab. In den vertragsfreien Jahren war er „The Artist formerly known as Prince“ (TAFKAP).

Im Anhang einige Videos von Prince. Ich habe versucht, nicht das auszusuchen, was ohnehin alle kennen bzw. nicht so bekannte Versionen zu nehmen. Das war nicht leicht, da viele Titel für das Internet gesperrt sind. Die Auswahl soll einige der Facetten von Prince zeigen. Für mich das beste Album von Prince ist nicht „Purple Rain“, sondern „Sign O’The Times“, einfach weil sich dort das ganze musikalische Universum von Prince offenbart.

Noch ist ungeklärt, wie Prince wirklich starb. Nach einer scheinbar übergangenen Grippe wurde er am Wochenende noch drei Stunden im Spital untersucht und dann heimgeschickt. Gestern wurde er in seinem Haus, in dem sich auch die Studios befanden, tot im Aufzug aufgefunden. Wiederbelebungsversuche blieben ohne Erfolg. Inzwischen gibt es Gerüchte, Prince habe einen für Rockmusiker arttypischen Tod erlitten: eine Überdosis Drogen. Bestätigt ist das derzeit noch nicht.

Prince wäre im Juni 58 Jahre alt geworden. Die Queen wurde gestern 90.

Erneut ist einer der Grossen der letzten Jahrzehnte gegangen.
„One by one they perished and died“ singt Eric Burdon in „Black Plague“.
Wir sitzen und zählen die Verluste. Die Welt wird leerer.
Die Platten und die Musik, die bleiben.
Zumindest ein Weilchen noch.



 

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