Der 2. Mai

Heute:
Babsy Blitzschnells Rückblick auf den 1. Mai 2016

Liebe Leserleins!

Oberflächlich betrachtet könnte frau nach diesem Ersten Mai sagen: Gut is es gangen, nix is geschehn. Pfiffe für Wernerlein, der sich abbeutelt wie ein Hund, der aus dem Wasser kommt. Und dann trabt der Tross weiter. Allerdings gibt es bemerkenswerte Nebenereignisse.

Das Pfeifkonzert für Wernerlein hatte sich gewaschen. Das war wirklich innovativ an der sonst ziemlich angestaubten Veranstaltung, die inzwischen den Charme von Moskau anno 1980 hat. Aber gut, das stört weniger und fällt halt unter Traditionspflege. Da geht es manchmal retro zu. Niedlich aber waren die Versuche der Parteiführung, die Pfiffe als von einer „Minderheit“ stammend zu erklären. Unsere Beobachter vor Ort nahmen das anders wahr. Gut drei Viertel der Menschen am Rathausplatz gaben während Wernerleins Rede ihrem Unmut lauthals Ausdruck. Wenn in der Sicht der SP-Führung 75 % eine Minderheit sind, dann versteht man erst, warum dort die 35 % vom Hofer niemanden aufregen. Eine krasse Minderheit, mehr nicht, gell! Man muss nur mit Zahlen gut umgehen können, gell.

Besonders humorig wie immer der Bundesgeschäftsführer der SPÖ Schmidl-Schmid. Der erkannte klar: „Da waren sicher auch Leute dabei, die mit der SPÖ nichts zu tun haben“. Alles klar. Die FP-Wähler haben den Ersten-Mai-Aufmarsch der SPÖ gekapert und sind dann beim Wernerlein in Buhrufe ausgebrochen. Fragt sich nur: sind die vorher in den Bezirksparteisekretariaten eingebrochen? Denn woher hatten die Buhrufer die traditionellen SPÖ-Fahnen, deren Fahnenstange noch das alte Parteisysmbol mit den drei Pfeilen ziert?

Nicht schlecht auch der rote Chef des Gewerkschaftsbundes Foglar, dessen Name wahrscheinlich nicht einmal den meisten Gewerkschaftsmitgliedern geläufig sein dürfte. Auch er eine der intellektuellen Stützen der Sozialdemokratie. Glasklar donnerte er in die Menge: „Wir können die 35 Prozent Hofer-Wähler nicht ins rechte Eck rücken.“ Nun, ein Eck wird für die 35 Prozent eher nicht reichen, gell. Da wird es schon ein grösseres Platzerl brauchen. Und wir werden uns das merken. Ab sofort rücken wir die FP-Wählerleins ins linke Eck.

Ziemlich verloren wirkten die paar treuen Genösschens aus Wernerleins Heimatbezirk Liesing. Die hielten tapfer ihre winzig kleinen Taferln mit der Aufschrift „Werner, der Kurs stimmt“ gegen ein Meer von Schildern mit der Aufschrift „RÜCKTRITT!“ und „PARTEITAG JETZT!“. Über allem wehte ein riesiges Transparent „Obergrenze für Wahlniederlagen – Faymann Rücktritt jetzt!“. Hier waren nicht verknöcherte Funktionäre des Mittelbaus am Werk, sondern die Basis der Wiener SPÖ. Wer sich umhörte, war mit heftiger Kritik konfrontiert. Wenn es nach der überwältigenden Mehrheit am Rathausplatz geht, dann ist Faymanns Zeit abgelaufen. Die Frage ist, ob beim reichlich undemokratischen Wahlritus der SPÖ, der die Meinung der einfachen Mitglieder wirkungslos lässt, diese Stimmung in voller Stärke bis auf einen Parteitag durchschlägt. Aber dann werden eben bei der nächsten NR-Wahl die Wählerleins Faymanns Leben als Bundeskanzler beenden.

Erschreckend die gestrige Diskussion in der ORF-Sendung „Im Zentrum“. Der ehemalige SP-Innenminister Löschnak, ein ideenloser Bürokrat, hat sich einst ja schon mit Ruhm bekleckert und so sonderbare Wortschöpfungen wie „Schübling“ hervorgebracht. Er ist der Stammvater jener Politiker, die dem Irrglauben verfallen sind, es genüge, die FP zu imitieren und ihre Forderungen zu erfüllen, um die FP-Wähler zur SPÖ zurück zu holen. Nicht nur HBP-Ergebnisse im Burgenland beweisen das Gegenteil. Auf den Trick, den Bundesgeschäftsführer der SPÖ auf „Schmid“ zu taufen, statt ihn „Schmiedl“ zu nennen, sind die Wäherleins bis jetzt auch noch nicht hereingefallen.

Der Josef Cap, er schwelgte in seiner aufmüpfigen Vergangenheit, die ihn zu einem der zynischsten Parteikarrieristen in der SP machte, also der Cap schrieb die hohe Arbeitslosigkeit vor allem dem Flüchtlingszustrom zu. He is a dedicated follower of FP-Fashion. Denn wenn schon, dann liegt das Problem in der falsch umgesetzten Osterweiterung und einem falschen Verständnis von „Personenfreizügigkeit“ (auch so ein EU-Wortmonster).

Den schlimmsten Auftritt in dieser Sendung hatte der burgenländische LH und Rechtsverbinder Niessl. Der Mann war weder willens noch intellektuell in der Lage, den Ausführungen von Politologie-Professor Pelinka zu folgen. Dabei war an denen nichts komplex oder unverständlich. Mit Denkern wie Niessl wird die SP es nie schaffen, den Parteikahn wieder seetüchtig zu machen. Aber denken ist ohnehin nicht gefragt, denn der bereits zitierte ÖGB-Chef Foglar erkannte glasklar: „Nicht analysieren. Machen.“ Eh, die Frage ist nur: was machen? Da ist guter Rat eher nicht billig. Aber mit dem Motto „Ned denkn – hackln!“ wird das Schiff auch nicht flott gemacht werden können, gell!

Für Niessl reduziert sich alles auf die Frage: Koalition mit der FPÖ. Damit kann man sich an der Macht halten. Wenn er sich da nur nicht irrt. Wenn die SPÖ so weiter macht, wird sich das nämlich, wenn es ganz schief läuft, gar nicht mehr für eine gemeinsame Mehrheit ausgehen. Und wie stark könnte ein Juniorpartner SPÖ mit 20 % in einer Koalition mit einer 35%-FPÖ sein?

Wer die Stimmung am Rathausplatz miterlebt hat, dem wurde klar: die Wiener SPÖ würde bei einer Parteispaltung wohl mehrheitlich „links“, jedenfalls links von Niessl stehen. Eine SPÖ, der ein Grossteil der Wiener Basis verloren geht (teils in Richtung Grüne, teils in Richtung einer neuen Partei links der Mitte), hätte keine Chance, jemals wieder mehrheitsfähig zu werden. Ade, ihre liebegewordenen Pöstchens! Dann droht der Gesamtpartei das Schicksal der OÖ-SPÖ. Kann aber auch noch schlimmer kommen, denn die Vorarlberger und Tiroler Genössleins, die wissen, wie tief hinunter es gehen kann. So rein prozentuell gesehen, gell!

Die Erbschleicher sind unter uns, ich will sagen: die politischen Erbschleicher. Hat doch HCStrache am Ersten Mai laut gedonnert: „Wir sind inzwischen mit unserem sozialdemokratischen Bewusstsein die Erben von Bruno Kreisky!“
Wahrscheinlich mangelts beim HC ein bisserl am historischen Wissen. Merkmal der Sozialdemokratie ist ihr Internationalismus. Leute wie Niessl sind Nationale Sozialisten. Bestenfalls. Und Bruno Kreisky war ein Flüchtling, gell. Leider kann er sich nicht mehr gegen Leute wehren, die sich sein Erbe erschleichen wollen.

Babsy Blitzschnell f. d. Team Gmundl


 

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