Willkür

Heute:
Bruno Beinhart über Bullen und Willkür
GK von Gmundner Totenglöckchen „Der Mystery Shopper“

Liebe Leserschaft!

Die Entsolidarisierung der Gesellschaft geht munter weiter. Sehr munter. Leider. Selbst die Solidarität im unmittelbaren Umfeld geht verloren. Was ziemlich dumm ist.

Diesmal vorgeführt vom Gesöff-Autokraten Mateschitz. Weil ein Teil der Belegschaft einen Betriebsrat gründen wollte, platzte ihm die Dose. Oder sonstwas. Ohne mit den Leuten zu sprechen. Er hat einfach mal den Betrieb abgedreht. Meldete alle Mitarbeiter zur Kündigung an. Ende des Betriebs von Servus-TV. Par ordre du mufti. Weil der hohe Herr keine Lust mehr hatte. Keine Lust auf einen Betriebsrat. Der würde Politik in den Betrieb bringen, wie im ORF. Welch eine scheiss Argumentation. Der ORF unterliegt dem ORF-Gesetz. Mittels dessen haben sich die Parteien ihren Einfluss auf den ORF gesichert. Von diesem Gesetz kommt die Macht der Betriebsräte im ORF. Ein normaler Privatbetrieb wie Servus-TV unterliegt nicht dem ORF-Gesetz, sondern dem Arbeitsverfassungs-Gesetz. Da haben Parteien im Betrieb nichts zu melden.

Aber das ist halt eine billige Ausrede vom Herrn Mateschitz. Er will einfach nicht, dass nicht er allein die Entscheidungen trifft. Sondern dass er gar in sozialpartnerschaftlicher Weise mit der Belegschaft reden muss. Nee, das will er nicht. Er ist Autokrat. Wie der Stronach. Das Geld macht die Regel. So sind sie die Autokraten. Die jetzt leider auch in der Politik ankommen. So nebenbei hat Herr Mateschitz mit seinem Handeln gezeigt, warum diese Art autokratischer Unternehmer in der Politik immer scheitert. Siehe Stronach und seine verhaltensauffällige Truppe. Politik ist ein schwieriges Geschäft. Braucht Gespräche und Kompromisse. Einsame Entscheidungen gehen nicht. Funktionieren nicht.

Rund fünfzig Mitarbeiter haben sich für einen Betriebsrat ausgesprochen. Offenbar der hellere Teil der Belegschaft. Rund 200 haben nach dem Schliessungsbefehl einen unterwürfigen Brief an den grossen Zampano unterschrieben. Sie würden eh keinen Betriebsrat wollen. Die Schafe werden zur Schlachtbank getrieben und blöken noch freudig. Klar, es ist das Recht der Belegschaft, keinen Betriebsrat zu wählen. Aber wie freiwillig ist diese Entscheidung, wenn zur Strafe der Betrieb geschlossen wird? Bei der derzeitigen Arbeitsmarktlage mit tausenden arbeitslosen Journalisten und Medienmitarbeitern? Genau null freiwillig.

Der Betrieb sei ohnehin total sozial. Je, eh. Aber nach dem Motto: Der Herr hats gegeben, der Herr hats genommen. Die Leute sind sowas von geschichtsvergessen. Warum wurden Betriebsräter erfunden? Oder Genossenschaften? Um die Kräfte zu bündeln, um ein wenig Mitsprache bei Entscheidungen zu erhalten. Nicht dankbar vor dem grossen Gönner auf den Knien rutschen müssen, sondern auf Augenhöhe über Probleme und innerbetriebliche Fragen diskutieren. Keine Willkürherrschaft des grossen Geldes. Nicht ausgeliefert sein den Launen und Neurosen eines selbstherrlichen Autokraten.

Wie nötig Servus-TV einen Betriebsrat brauchen würde, hat Herr Mateschitz ja bewiesen. Gestern noch zusperren. Heute nach dem Kotau eines Teils der Belegschaft geht es wieder weiter als ob nichts geschehen wäre. Irre! Wann bekommt der Bullen-Sultan den nächsten Anfall und sperrt den Laden wieder zu? Man kennt das vom einstigen Krone-Mitbegründer, einem gewissen Herrn Falk. Der hat, ähnlich Herrn Red Bull, Milliarden in ein niemals rentables Medienunternehmen gesteckt. In die erste bunte Tageszeitung „Täglich alles“. Eines Tages hat es ihn nicht mehr gefreut. Laden zugedreht. Ende. So sind sie, die Autokraten. Auch Herr Falk wollte keinen Betriebsrat. Keine Gewerkschaften.

Es ist ganz einfach. Bei hohen Arbeitslosenzahlen trauen die Leute sich nicht einmal mehr, ihre Rechte wahr zu nehmen. Jetzt dürfen die Servus-Mitarbeiter einzeln bei der Unternehmungsleitung antanzen. Man werde mit jedem einzeln über die weitere Zusammenarbeit reden. Ja, jetzt darf jeder kleine Angstellte sich allein und ohne Beistand (keine Gewerkschaft, keine AK, kein Betriebsrat) mit einer übermächtigen Geschäftsleitung herumschlagen. So haben sie es gern, die Autokraten.

Intelligente Unternehmer aber wissen, dass ein Betriebsrat immer auch die Interessen des Gesamtunternehmens im Auge hat. Haben muss. Oft wissen Betriebsräte besser darüber Bescheid, was im Betrieb läuft, als die Leute oben in der Führungsetage. Weil sie nahe an den Leuten dran sind. Ein Betriebsrat ist in einem intelligent geführten Unternehmen ein Korrektiv für die Geschäftsleitung. Eine kluge Geschäftsführung ist froh, wenn es einen klugen Betriebsrat gibt. Der notwendige Interessensausgleich kann so in geregelten Bahnen und für alle Beteiligten zufriedenstellend geregelt werden.

Es wird immer Leute geben, die glauben, sie allein könnten es sich besser regeln. Eine Selbsttäuschung! Das wussten schon unsere Vorfahren und haben diese Rechte erkämpft. Ach ja: was sagt die neue Arbeiterpartei FPÖ zu solchen Vorgängen? Wie steht sie dazu, dass eine Belegschaft gezielt eingeschüchtert wird, damit sie ihre gesetzlichen Rechte ja nicht wahrnimmt? Da würde man gern was dazu hören von der „sozialen Heimatpartei“.

Es sind die neoliberalen „Freiheiten“ der EU, die den europäischen Arbeitsmarkt zerstört haben. Die eine „industrielle Reservearmee“ geschaffen haben, die natürlich auch den Dienstleistungssektor umfasst. Jene Reservearmee, die Herrn Mateschitz & Co. die Möglichkeit gibt, die Arbeitnehmer aus zu manövrieren. Sie gegen einander aus zu spielen. Was sagt die FPÖ eigentlich dazu? Würde man gern wissen. Denn Herr Haimbuchner schreibt das neue Wirtschaftsprogramm der FPÖ. Der „sozialen“ Heimatpartei. In seinem Beraterstab sitzen lauter Neoliberale. Etwa die Chefin des Hajek-Instituts, DER neoliberalen Lobbying-Organisation. In Haimbuchners Beraterstab sitzen lauter Leute, die genau jene neoliberalen Ideen predigen, die in der EU umgesetzt werden. In jener EU, die von der FPÖ so heftig bekämpft wird. Wird die FPÖ die Arbeitnehmer und kleinen Unternehmer von den neoliberalen Auswüchsen der EU befreien – mit Hilfe neoliberaler Berater? Na, wird sind gespannt. Wie gesagt: die Schafe wählen mitunter ihre Schlächter.

Der ganze Vorgang rund um Servus-TV ist irr. Und ein Akt der Willkür. Der unkontrollierten Machtausübung. Erinnert irgend wie an die Machtgelüste von Herrn Hofer für seine Amtsausübung in der Hofburg. Gestern noch war die Fortführung des Unternehmens wirtschaftlich nicht mehr argumentierbar. Es hiess, „Wir haben uns der Sorgfaltspflicht eines ordentlichen Geschäftsmannes entsprechend entschlossen, den Betrieb von ServusTV einzustellen.“ Was schliessen wir daraus? Ab heute ist Herr Mateschitz kein ordentlicher Geschäftsmann mehr. Er verstösst ab heute gegen die Sorgfaltspflicht.

Wird die neue Arbeiterpartei FPÖ gemeinsam mit den Arbeitnehmern dafür kämpfen, dass solche Erpressungen nicht mehr vorkommen? Bisher ist sie ja recht freundlich zu solch selbstherrlichen Autokraten.

Ich gebe es zu. Ich kann Red Bull nicht trinken. Ein unglaublich grausliches Gesöff. Aber gut, wems schmeckt. Mich nervt aber die Durchflutung aller Lebensbereiche mit Red Bull-Werbung. Die Durchflutung mit Demokratie wäre mir lieber. Die Durchflutung mit Denkvermögen. Ich habe auch Servus-TV nur ein paar Mal geschaut. Die Art, wie dort Werbung umgesetzt wird, hat mich nur genervt. Unterbrecherwerbung ist schlimm genug (washalb ich Privatsender für normal nicht schaue). Aber da kann man wenigstens aufs Klo gehen. Bei der eingeblendeten Dauerwerbung auf Servus-TV während Dokus geht mir der Hut hoch. Da pfeif ich auf die beste Doku. Wenn ich während der Doku auf einem Viertel des Bildschirms mit Werbung belästigt werde. Und soooooo gut waren die Dokus auch wieder nicht. Bei den beliebten Pinguin-Dokus wurde das immer gleiche Filmmaterial in immer wieder neuen Umschnitten verbraten. Immer das Selbe, nur anders sortiert. Kein Wunder, dass Servus-TV nie zu nenneswerten Seherzahlen gekommen ist. Da hat auch die Zusammenarbeit mit der Krone nichts gebracht.

Mir geht das ganze System „Red Bull“ auf die Nerven. Allein das bescheuerte Red Bull-Magazin, das mir regelmässig gegen meinen Willen aus dem Standard entgegen purzelt, wäre ein Grund, Red Bull nicht zu trinken. Wie komme ich dazu, diesen Mist auch noch selbst entsorgen zu müssen? Eine doofe Macho-Zeitung. Mit Sportarten, die mehr Anleitung zum Selbstmord sind als Sport. Dazu dieser Ungustl Baumgartner, der sich unter grossem Trara und Red-Bull-gesponsert vom Himmel fallen hat lassen. Wissenschaftlicher Wert entgegen der Red-Bull-Werbe-Verdummung exakt null. Nichts anderes als ein Massenverdummungs-Spektakel. Wie alles von Red Bull.

Noch kurz zu was Anderem. Wir, Griechenland und dessen Errettung durch die EU.
Was wir auch hier immer geschrieben haben: Das war keine Griechenlandrettung. Sondern eine Bankenrettung. Die erfolgte auf Kosten der Allgemeinheit. Der Beweis liegt jetzt auf dem Tisch. Eine Studie der European School of Management and Technology (ESMT). Dort wird es glasklar vorgerechnet und belegt. Von den bisher 216 Milliarden Euro Rettungsgeld landeten nur rund fünf Prozent in Griechenland. Im griechischen Staatshaushalt. Nicht einmal elf Milliarden. „Die europäischen Steuerzahler haben die privaten Investoren herausgekauft“, so das kühle Resumee von ESMT-Präsident Jörg Rocholl.
Griechenland aber, das muss erst gerettet werden. Die Marktgesetze gelten nur für die Kleinen. Egal ob Arbeitnehmer oder Unternehmer. Die hat man den „Märkten“ zum Frass vorgeworfen.

Kein Wunder, wenn allerorts die Rattenfänger erfolgreich sind.

Bruno Beinhart f. d. Team Gmundl

Was haben wir nicht befreit aus geatmet! Die gleich am Beginn des regulären Betriebs schwer havarierte Regio-Garnitur „Laudach“ ist wieder im Einsatz. Die Hofberichterstattung des lokalen Lobhudel-Blatts hat es freudig gemeldet. Weil das ist wirklich eine weltbewegende Information. Ab sofort geht es mit Gmunden vorwärts und aufwärts. Entert die Laudach. Füllt die Sitzbänke! Helft S&H, die brauchen dringend Fahrgäste für die Statistik.

Nur zur Erinnerung: der Inhalt von Gastkommentaren muss sich nicht mit der Meinung des Teams Gmundl decken.
Heute wieder ein Kommentar in Bernhardscher Schimpftradition von „Gmundens Totenglöckchen“.


Der Mystery Shopper

Gastkommentar von Gmundens Totenglöckchen

Sehr erfreulich, dass Altmünster auch bei Wetterstation – nicht nur bei Wahl 2015 – Nase vorne hat. Bringt Gmunden bei der Bevölkerung überhaupt noch etwas auf die Reihe? Ich helfe nicht, nur höchstens noch weiter vom Niveau runter. Ich wusste bis vor kurzem gar nicht, wie sehr Menschen im Universum abgeschreckt sind, sage ich, ich wäre ein echter Gmundner & vergleichen mich mit dem tatsächlichen Status Quo. Diese Poleposition weide ich gründlich aus.

Die sich selbst für wichtig haltenden Gmundner sind zu dämlich zu allem – siehe Wahl 2015 auf Kommunalebene. Statt Parität bei den antretenden Gruppierungen herzustellen, wurde die seit vielen Jahren Untergangssippe Gmunden-ÖVP noch gestärkt mit Zuwachs zur weiteren Absoluten.

Ja, liebe Depperlgrinsergmundner – ich würde mir starke Sorgen machen bei DEM Status Quo. Selbst im „SEP“ habe ich schon die Hosen an. Erscheine ich irgendwo, springen selbst Handerlheberwitwen hinter Regale oder wird bei Merkur-Erdensackverladung unaufgefordert ein Merkurmitarbeiter aktiv. Für mich wird überall schon Sonderbehandlung aktiviert, dass ich – & in meinem Windschatten noch andere echte Gmundner, geächtet von der Dummerlbevölkerung – noch kaufen und zur Antideppenbevölkerung beitragen.

Erscheine ich in der „Varena“ als echter Gmundner, wird mir bereits roter Teppich ausgerollt. Kürzlich erschien ich dort in Begleitung und bekam Frage serviert, wer liegt da vor Dir im Staube – naja, Krötzl, Centerleiter der „Varena“, der mich namentlich sicher nicht kennt, sondern nur von Face to Face Gesprächen am 24. Dezember jeden Jahres, seitdem es die „Varena“ gibt. Irgendwo muss man an dem Tag doch ein freundliches Gesicht sehen – früher fuhr ich nach Wels.

Sehr toll war auch an dem Tag, dass ich in einem Shop, den es auch im Gmundner „SEP“ gibt, von einer Verkäuferin, die vorher in Gmunden war, offeriert bekam, dass ich 25 % Rabatt auf die Ware bekomme. Vor mir, hinter mir schreckten an der Kasse Kunden hoch, warum bekommt die Person das und ich nicht. Meine Begleitung – Shoppingmäuse wie ich – hängten sich doch glatt mit ihren Käufen an mich an bei dem Rabatt -> gut für „Varena“, schlecht für „SEP“.


 

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