Sickerwitz

Heute:
Bruno Beinhart über das Sickern
Extrem leerer Fotoessay über die Regio

Liebe Leserschaft!

Sie wissen, was ein Sickerwitz ist? Jemand erzählt einen Witz. Niemand lacht. Alle denken nach. Suchen die Pointe. Peinliche Stille im Raum. Ein paar werden dann doch laut. Versuchen, den Witz zu erklären. Was scheitert. Weil sie selbst die Pointe auch nicht kennen. Aber dann, nach einigen Minuten, fällt bei einer Person der Cent. Ein einzelnes, rauhes Lachen schallt durch den Raum. Die anderen Anwesenden fallen in das Lachen ein. Erleichterung allerseits. Der Witz ist kapiert. Er ist langsam aber doch gesickert. Wie Regenwasser in den Boden.

So ähnlich ergeht es uns jetzt mit dem Wahlsieg von VdB. Mit den enormen Stimmenanteilen von Hofer. Wir sitzen still und fragen: Was ist die Pointe? Wir kennen sie nicht. Aber wir werden sie kennen. Eines Tages. Wenn sie gesickert ist. Das kann ein paar Tage dauern. Eher ein paar Wochen. Am wahrscheinlichsten ein paar Monate. Oder gar zwei Jahre. Der Cent wird fallen, wenn der Nationalrat neu gewählt wird. Dann werden wir wissen, worin die eigentliche Pointe bestand.

„Man muß die FPÖ nicht mögen, um sie hassen zu können.“ – hat ein guter Bekannter nach der Bekanntgabe des Endergebnisses gesagt. Gelächter in der Runde. Dieser Cent ist sofort gefallen. Die Point schwebte – zwar nicht elegant, aber flugsicher – durch den Raum. Aber ich weiss, was mein Bekannter gemeint hat.

Die FPÖ fährt weiter ihre Doppelstrategie aus dem NLP-Lehrbuch. Zuerst eine Wahlmanipulation in den Raum stellen. Dann zur Mässigung aufrufen. Zuerst jahrelang alle Nicht-FP-Wähler als Systemerhalter verunglimpfen. Als linkslinke Vaterlandsverräter brandmarken. Aber sich dann wundern, wenn auf Straches Facebook-Seite zur „Bandenbildung“ aufgerufen wird. Und zur Vernichtung der Andersdenkenden. Es ist gut, dass Strache die entsprechenden Kommentare pauschal gelöscht hat. Aber die Leute, die sowas schreiben, einfach nur mit „Narren“ ab zu tun? Das ist sehr billig. Die FPÖ zündelt seit drei Jahrzehnten. Bringt Menschen gegen Menschen auf. Und wundert sich jetzt, dass die Saat aufgeht. Bei der FPÖ muss man das Sprichwort vom gesäten Wind, der zum Sturm wird, ja ohnehin neu formulieren. Wer Sturm sät, wird Tornados ernten. Das kommt im Fall der FPÖ der Realität näher.

Die FPÖ macht munter weiter mit Weltverschwörungstheorien. Man setzt Gerüchte in die Welt. Wahlkartenmanipulation. Die eigenen Anhänger glauben es. Weil sie nichts wissen. Es gilt das Motto der Science-Busters: Wer nichts weiss, muss alles glauben. FP-Wähler wissen oft sehr, sehr wenig. Inzwischen sind die FP-Foren voll mit Verschwörungstheorien. Die „Bilderberger“ hätten schon vor Monaten beschlossen, wie die Wahl ausgehen wird. Die logische Frage, warum die ominösen „Bilderberger“ dann nicht gleich einen ordentliche Wahlsieg von Vdb, sagen wir: 55 % oder so, beschlossen haben, damit es sich auch auszahlt? Diese einfache Frage stellt sich ein einfacher FP-Wähler nicht. Man schunkelt sich lieber – vollgesoffen vom Freibier – in die allgemeine Weltverschwörung.

Wir sind auch für den Dialog mit den FP-Wählern. Aber ehrlich: wie soll man mit jenen von ihnen, und das sind nicht wenige, ins Gespräch kommen, die an die grosse Weltverschwörung glauben? An Chem-Trails? Wie soll man mit jenen reden können, die zur „Bandenbildung“ aufrufen?

Strache hat jetzt die strafbaren Eintragungen auf seiner Facebook-Seite entfernt. Das ist nur eine Art Pflaster auf einer stark blutenden Wunde. Er wird dafür sorgen müssen, dass es diese Wunde nicht mehr gibt. Das heisst: er wird auch die eigene, entgleiste Sprache korrigieren müssen. Harte inhaltliche Auseinandersetzung ist ok. Aber Menschen gegen andere Menschen zu emotionalisieren? Das geht gar nicht. Herr Strache und seine FP werden gegensteuern müssen. Der FPÖ geht es wie Goethes Zauberlehrling: sie haben böse Geister gerufen, jetzt werden sie die nicht los.

Die FPÖ wird in der Zeit bis zur nächsten NR-Wahl zeigen müssen, dass sie auch zivilisiert kann. Glauben wir, dass sie das schaffen wird? Demagogie macht süchtig nach mehr. Die FPÖ-Führung braucht eine Entziehungskur. Wenn die nicht gelingt, dann war der Erfolg Hofers nicht nur der grösste Erfolg in der Parteigeschichte, sondern auch ein nie wieder erreichbarer. Will die FP wirklich zur Partei der rechten Mitte werden? Dann wird sie erkennen, was für ein verdammt harter Job es ist, eine Partei der breiten Mitte zu sein.

Ja, seien wir ehrlich, wir brauchen durchaus eine seriöse Mitte-Rechts-Partei. Jenseits der ÖVP. Wir brauchen mitte-links Alternativen zur SPÖ. Erst dann kommen wir aus dem unseligen und ewig gleichen rot-schwarzen Koalitionsproblem heraus. Wir brauchen mehrere seriöse Parteien. Quer durch die politische Landschaft. Nicht Polit-Sonderlinge wie das Team Stronach. Oder so manchen FP-Abgeordneten. Wir brauchen politische Parteien, die das gesamte, heute sehr breit gefächerte Meinungssprektum widerspiegeln. Mit freien Mehrheitsbildungen im Parlament. Je nach Thema und Meinungslage. Das wäre tatsächlich eine demokratische Weiterentwicklung. Im Gegensatz zum Plebiszit-Terror.

Bruno Beinhart f. d. Team Gmundl


Extrem leerer Fotoessay zur Regio

Eines frühen Vormittags in der SRT

Regio_leer_Mai_2016I’m travelling with the Regio-Tram –
ein wahrhaft exklusives Vergnügen um nur 3,50 Euro


 

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