Archive for Juni 2016

Verrückt?
30. Juni 2016

Heute:
Babsy Blitzschnell über Verrücktheit
GK AndyB „Zu dumm“
GK XY „Ausgewandert“
GK Wolfgang Neubacher „Paternalistisch“

Liebe Leserleins!

Ich frage mich, ob die Herrschaften in Brüssel, etwa Herr Juncker, jetzt völlig verrückt geworden sind. Sie machen alles, um den Eindruck der Bürgerferne zu vertiefen. Sie wollen noch mehr Brüssel und weniger Nationalstaat zu einem Zeitpunkt, da viele Bürgerleins diese Idee ablehnen. Auch wir hier im Blog sind für mehr Europa und weniger nationale Entscheidungen. Aber mit einer gewichtigen Einschränkung: vorher muss es in Europa eindeutig mehr Demokratie geben, Mitentscheidung der Bürger, ein wirklich selbständig handelndes EU-Parlament und klare Regeln für die Mitentscheidung der nationalen Parlamente.

Jetzt aber ist die Verwendung von Glyphosat wieder um 18 Monate verlängert worden – mit fadenscheinigen, von den Glyphosat-Produzenten beauftragten „wissenschaftlichen“ Gutachten, unter dem Druck der grossindustriellen Landwirtschaftslobby und gegen den massiven Widerstand der Bevölkerung. Bürgernah? Oder Durchsetzunge von Konzerninteressen?
Ebenso erleben wir es gerade mit CETA. Das will man an den nationalen Parlamenten vorbei schummeln. Ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, da die EU ohnehin am Kippen ist, weil ihr das Vertrauen der Bürger verloren gegangen ist. Wer in der gestrigen Nacht-ZiB das Interview mit dem ÖVP-EU-Abgeordneten Karras gehört hat, konnte sich nur noch wundern. Wo lebt dieser Mensch? Nur noch in Brüsseler Wandelgängen und Restaurants? Wir hörten eine grauenerregende Bürokratensprache gefüllt mit Leerformeln.

Juncker meinte lakonisch, der Widerstand gegen CETA sei „österreichischer Klamauk“. So wie für ihn wahrscheinlich der Brexit britischer Klamauk ist.
Auch unser Aussenminister Kunz hat sich nicht mit Ruhm bekleckert. Er meinte, „die Flüchtlingpolitik ist der grösste Fehler der EU“. Was für ein Unsinn. Der grösste Fehler der EU ist, dass sie auf die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit verzichtet und die arbeitenden Menschen in einen gnadenlosen innereuropäischen Wettbewerb mitsamt Reallohnsenkung gejagt hat. Hätte man die Arbeitslosenzahlen nicht explodieren lassen und Millionen Menschen in Niederstlohn-Jobs geschickt, wären die Flüchtlinge für die meisten Menschen kein sehr grosses Problem.

Offenbar wurden aus dem Brexit keine Lehren gezogen. Man will keine Lehren ziehen, jetzt nicht und auch nicht in Zukunft. Wer in dieser Situation noch immer auf noch mehr Zentralismus setzt, auf weitere Verringerung nationaler Souveränität, der arbeitet am Sieg von LePen, Strache & Co. Der arbeitet daran, die EU endgültig in die Luft zu jagen. Man kann für die Vereinigten Staaten von Europa (VSE) eintreten (wir halten die Idee für gut). Aber niemand darf die Bürgerleins dabei überfordern. Die VSE sind ein Projekt für die nächsten hundert Jahre, nicht für die nächsten fünf. Und es muss ein Projekt der und für die Bürgerleins sein. Nicht eines der grossen Konzerne.

Babsy Blitzschnell f. d. Team Gmundl


Zu dumm

Gastkommentar von AndyB

Nachtrag zum Brexit :
Ich bin strikt gegen solche gewichtigen Volksabstimmungen, da ich – um es vorsichtig auszudrücken – die Mehrheit der Bevölkerung „geistig für nicht in der Lage halte“, solche wichtigen Entscheidungen zu treffen. Die Tragweite solcher Entscheidungen erkennen viele erst dann, wenn es schon zu spät ist.

Man denke dabei an die häufigste Google Suche der Engländer NACH der Wahl : „Was ist Brexit“ oder „Was passiert bei einem Brexit“.

Das jetzt schon Ausländer (deutsche, pakistanische, spanische, indische etc.) in England angegriffen werden, das spricht eine deutliche Sprache. Das Ergebnis solcher Hetzkampagnen.

Ich finde auch die Bezeichnung „die Hälfte der Bevölkerung oder der Engländer“ hat sich für/gegen einen Brexit ausgesprochen für falsch. Immerhin hat 28 % der Bevölkerung nicht gewählt. Das nennt man halt Demokratie.

Vielleicht müsste man solche wichtigen Abstimmungen aber auch anders formulieren. Das 50% der Wahlberechtigten für oder gegen eine Sache sein müssen. Was bedeuten würde : jeder müsste wählen gegen, ansonsten würde es als Enthaltung gezählt. Das wäre dann aber immer noch Demokratie …


Ausgewandert

Gastkommentar von XY

nach längerer abwesenheit aus diesem blog bin ich überrascht und erfreut zugleich, dass das thema lärm in gmunden seinen weg in die öffentliche wahrnehmung gefunden hat. ich habe nicht alle beiträge vollständig gelesen aber aus meiner sicht reicht mein unvollständiger kenntnisstand aus um verschiedene poster und leser über ein paar tatsachen zu informieren:
in einem beitrag wurde z.B. die gmundner lärmschutzverordnung angesprochen … diese ist so zahnlos wie ein diabetischer wolf!
1.) wenn ihnen um punkt 22:00 uhr gemessene 100dBA aus ca. 25 meter abstand zum lärmerzeuger um die ohren fliegen dürfen sie sich nicht wundern wenn der stadtamtsdirektor von gmunden nur ungläubig den kopf schüttelt! egal in welcher BGM legislatur!
2.) wenn sie eine beträchtliche datenmenge an tonmaterial über ebensolche vorfälle (keine veranstaltungen … nur PRIVATE!) der stadtwache, auf deren ausdrücklichen wunsch! zur sichtung aushändigen seien sie bitte nicht überrascht, wenn das ihre situation nicht positiv beeinflusst.
3) wenn ihre bemühungen zu einem vernüftigen zusammenleben darin enden, dass sie sich gezwungen sehen ihren, mit viel mühe erschaffenen lebensmitelpunkt, aufzugeben um sich und ihre familie vor solchen eskalationen zu schützen DANN sollten sie sich bitte NICHT beschweren! es könnte unangenehme folgen für sie haben.
4) seien sie z.B. bitte nicht nachtragend, wenn ihnen durch die stadtwache, mit kopfschütteln und achselzucken, betätigt wird, dass ihre beschwerde zwar mehr als gerechtfertigt und nachvollziehbar ist, aber … um gesetzliche übertretungen hätten sie sich gefälligst selbst und privat zu kümmern! … wie gesagt … ihre nachtragung wird ihnen nachgetragen werden:-)

kurzum … die lärmsituation in gmunden ist kein nebenschauplatz der befindlichkeiten, sondern ein ernstes problem hinsichtlich entwicklung der gmunder gesellschaft welches mich/uns dazu gezwungen hat diesen ort zu verlassen.
glücklicherweise haben wir die möglichkeiten dazu und haben diese auch wahrgenommen. schade, dass es zum abschied aus meiner sicht nichts besseres über die gmundner bewohner zu berichten gibt, wohlgleich ich bei passender gelegenheit gerne über den „gmundner“ und seine „parkplatz-vorlieben“ berichten würde.

das credo „echter“ gmunder lautet wohl:
bescheiss’n und hau ea’m am schäd’l … a echta hoi’t des scho aus!

ba ba und ….


Paternalistisch

Gastkommentar von Wolfgang Neubacher

Sehr geehrter Herr Amon!

Menschen treffen in der Emotion (auch) falsche Entscheidungen, die sie später bereuen.
D’accord.

Muss man Menschen davor schützen?

Wahrscheinlich. Den Einzelnen wohl jedenfalls (zB Übereilungsschutz bei Haustürgeschäften etc.)

Ein ganzes Volk auch?

Die Briten wussten über ein Jahr, dass sie abstimmen werden. Ich glaube nicht, dass der Brexit im kollektiven Affekt geschah.
Es war eine Wahl, bei der Emotionen – wie wohl bei fast jeder Entscheidung (man denke nur an Zwentendorf, Wehrpflicht, österreichischer EU-Beitritt) – eine Rolle spielten.
Zugegeben (und hier treffen sich unsere persönlichen Einschätzungen wohl wieder) wurden diese Emotionen von Demagogen geschürt und ausgenutzt.
Der Brexit kostet viel Geld, vielleicht auch die Einheit des Vereinigten Königreichs und möglicherweise noch viel mehr, aber er ist nicht unumkehrbar. Wenn die Briten in ihren Wahlverhalten einen Fehler erkennen, spricht nichts dagegen, erneut einen Beitrittsantrag zu stellen.

Meines Erachtens ist die Gesellschaft nicht vor „rein emotionalen Entscheidungen“ zu schützen. Von wem auch? Von Platon’s gutem Tyrann? Das ist nicht mein Verständnis von „repräsentativer Demokratie“.
Die Gesellschaft ist vor Demagogen, die Emotionen unredlich ausnützen, zu schützen.
Dazu sind aber erhöhte Quoren mE kein guter Weg, denn der Schuss könnte auch nach hinten losgehen. (Was ist, wenn die reine Brexit-Emotion Ihre 66% übersteigt.) Vor allem aber entspricht es nicht meinen Sinn von Demokratie, wenn a) Minderheiten über Mehrheiten bestimmen und b) Eliten – ohne dafür durch das Volk legitimiert zu sein – entscheiden, was gut für das Volk ist.

Besser Werkzeuge sind mE wohl eher Bildung, Presse- und Meinungsfreiheit und Medienvielfalt.

Wieso bei direktdemokratische Entscheidungen „große Minderheiten“ mehr Schutz bedürfen, als bei parlamentarischen Entscheidungen erschließt sich mir nicht. Auch im Parlament gibt es Entscheidungen, die 52:48 ausgehen. Dass Parlamentarier mit ihrem Stimmrecht sorgsamer umgehen als die Gesamtbevölkerung – mag sein – ich glaub es nicht.

Demokratie ist schwierig; Ihrem Paternalismus kann ich mich aber nicht anschließen.

Mit freundlichen Grüßen
Wolfgang Neubacher

Sehr geehrter Herr Neubacher!

Aus Zeitmangel nur eine kurze Antwort.
Ich finde nicht, daß meine Haltung „paternalistisch“ ist. Aber das ist wahrscheinlich Ansichtssache.

99,9% aller Parlamentsentscheidungen sind bei geänderten Mehrheiten leicht zu ändern bzw. zu reparieren. Dazu kommt: in unserer Verfassung sind mit gutem Grund manche Entscheidungen 2/3-pflichtig.
Für mich ist es ein wesentlicher Bestandteil einer Demokratie, über „Minderheiten“ nicht „drüberzufahren“, sondern auch ihre Anliegen zu berücksichtigen. Die Krise der EU beruht auch darauf, daß man eben mit sehr kleinen Mehrheiten Dinge durchgezogen hat. Damit mehrte man das Heer der Unzufriedenen. Es ist eine Frage staatspolitischer Klugheit, sich bei Lebensfragen nicht nur auf „50%+1 Stimme“ zu stützen.

Mit dem Begriff des „Volkes“ fange ich recht wenig an. Dieser Begriff verschleiert, daß es massive Interessensgegensätze innerhalb einer Bevölkerung gibt. Sieht man ja von Brexit bis Bundespräsidentenwahl.
Natürlich gibt es einen Punkt, wo man sagen muß: Mehrheit ist Mehrheit. Etwa bei den von Ihnen angezogenen 66 %. Aber eine „The winner takes it all“-Mentalität hat uns dorthin geführt, wo wir jetzt sind: in ein krisengebeuteltes Europa. Das gebe ich einfach zu bedenken und darüber muss gesprochen werden. Wir brauchen in einer immer komplizierter werdenden Welt bessere demokratische Werkzeuge als ja/nein-Abstimmungen.

Mit besten Grüßen & Dank für die Diskussion
Michael Amon


 

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Brexitlärm lokal global
29. Juni 2016

Heute:
Babsy Blitzschnell ganz schnell
EK AndyB Einwand zu Kammerhofer
GK AndyB Lärmende Lächerlichkeit
GK Wolfgang Neubacher Übersehen?
GK Wilhelm Krausshar Lautes Sprechen verboten

Liebe Leserleins!

Mit der Lärmdebatte haben wir eine Lawine los getreten. Lärm tut den meisten Bürgerleins weh. Wann wird sich diese schmerzhafte Erkenntnis bis zur lokalen Politik durchsprechen? Oder sind dort, dank der Lärmorgien, schon alle derrisch? Auch der Brexit bewegt die Menschen und ist noch immer Tagesthema. Das wird er die nächsten Jahre wohl auch bleiben, auch wenn sich die Anzeichen mehren, dass die Brexit-Befürworter jetzt Angst vor sich selbst bekommen und (auch unter dem Druck der eigenen Wirtschaft und vieler Briten) scheinbar nach einem Exit vom Brexit suchen. Das kann noch spannend werden.

Auf jeden Fall haben wir derzeit eine Unmenge von Kommentaren unserer Leserleins, die sich so als tolle Bürgerleins erweisen. Darum fasst Ihre Babsy sich wieder kurz und macht unseren zivilgesellschaftlichen Mitarbeiterleins Platz. Wir bringen einen Teil der eingetrudelten Beiträge heute und einen Teil dann morgen. Sonst wirds zuviel auf einmal, gell!

Auch die Zugriffe auf unseren Blog sind in Anbetracht der Jahreszeit enorm. Wir treffen halt den Nerv, gell, und zwar so, dass die Leserleins offensichtlich nicht genervt sind, sondern zum Lesen und Diskutieren animiert. So soll es auch sein!

Wir wünschen einen erkenntnisreichen Tag!

Babsy Blitzschnell f. d. Team Gmundl


Einwand

Einserkasterl von AndyB

Zum Kommentar von Herrn Kammerhofer einen kleinen Einwand :

“Jetzt hat Johnson die jungen Leute in den Dreck geritten“

Meinesartens haben sich die jungen Leute selber in den Dreck geritten, denn nur eine sehr kleine Zahl der Jungen ist wählen gegangen. Also kann ihnen ihre Zukunft nicht so wichtig gewesen sein …


Lärmende Lächerlichkeit

Gastkommentar von AndyB

Ich finde diese „Lärmdiskussion“ völlig lächerlich.

Solchen „Lärm“ gibt es in jeder normalen Großstadt und Gmunden möchte doch sooo gerne eine Großstadt sein, mit einer großen Bimmelbahn.
In jeder normalen Großstadt gibt es Stadtfeste, Straßenfeste, Vereinsfeste, Flohmärkte, andere Märkte und andere Veranstaltungen, die eben „Lärm“ erzeugen. Die finden auch unter „freiem Himmel“ statt, in keiner Halle und auch mitten in der Stadt oder Stadtteilen und mit Bands. Mit „Qualität“ der Stadt oder „gehobenen Tourismus“ hat das wenig zu tun.

„Subkultur“, da muss ich laut lachen. Subkultur können sie manchmal bei Konzerten im Kino Ebensee hören und sehen.

Über die Qualität der angebotenen Interpreten kann man natürlich streiten. Ich habe mich herzlich amüsiert, als ich das Plakat „Gmunden Rocks“ gesehen haben. Was sollte denn da „rocken“? Ein abgehalfterter Komiker, über dessen Witze schon seit 30 oder 40 Jahren keiner lachen kann? Ein abgehalftertes Mitglied der Kelly Family, von denen einer inzwischen schon wieder auf der Straße spielt? Der ehemalige Kindergärtner und Goldmaskenträger Sido?

Sorry, ich muss bei der Diskussion und bei der Auswahl der Interpreten immer denken : „Dorftr…..“. (Sorry, aber denke ich … wenn es zu beleidigend ist, bitte streichen …).

Man sollte mich mal diese drei Tage gestalten lassen, dann sähe die Welt anders aus. Dass man es nicht jedem recht machen kann, ist mir schon klar. Es gibt immer welche, die was zu quaken haben.

Ich kann die saufenden Jugendlichen ja irgendwie verstehen. In Gmunden ist ja sonst nichts los. Um 18 Uhr werden hier die „Bürgersteige hoch geklappt“, und es ist völlig tot. Die Sauferei haben sie eh von den Alten gelernt, die bei jedem Bierzelt oder Volksfest sich die Kante geben. Die hohen Zahlen der Unfälle mit Alkohol kommen ja nicht von irgendwo.

Was ich schon länger mal loswerden wollte, wenn ich z.B. unsere Politiker bei Neueröffnungen in der Zeitung sehe. Brauchtum heißt nicht, im Trachtenanzug zu Neueröffnungen oder ins Bierzelt zu gehen!

Na, aber das Lichterfest gehört natürlich zur Tradition und der Keramik-Markt.

Das Lichterfest ist, wie die anderen Seefeste auch, eine riesige Abzockerei (genau wie der Weihnachtsmarkt). Man „darf“ Eintritt zahlen, um dann für überhöhte Preise etwas zu konsumieren. Keramik Markt? Jedes Jahr die gleichen Händler, mit dem gleichen Gelumpe. Das mag beim ersten Besuch eine nette Sache sein, auch noch beim zweiten Besuch, aber jedes Jahr?!

Zum Abschluss muss ich aber die österreichischen Politiker auch mal loben.
Dieses Wettbewerb, wo Studenten ein paar Monate Außenminister spielen dürfen, das finde ich eine tolle Sache.
Diesen Kurz, der da gewonnen hat, den habe ich neulich im Fernsehen gesehen, das ist schon Klasse. Ok, wenn sich die Erwachsenen unterhalten, dann muss er natürlich den Mund halten, und zu Treffen der Außenminister darf er ja auch nicht mit. Er schwafelt halt auch oft Unsinn, aber an sich ist das eine gute Sache. Wo kann man sich da eigentlich bewerben?


Übersehen?

Gastkommentar von Wolfgang Neubacher

S.g. Hr. Amon,

bei Ihrer Idee: „Bei der Abstimmung über solche Fragen müßten hohe Anforderungen gestellt werden: Teilnahme von mindestens drei Vierteln der Wahlberechtigten und eine qualifizierte Zwei-Drittel-Mehrheit.“ übersehen Sie zumindest zwei Argumente.

1. Bei so einer Vorgehensweise bestimmen 25% zumindest 33,3%, bei Wahlpflicht unter Sanktionen, das Schicksal aller.
Denn die 25,x% legen durch ihr Fernbleiben von der Wahl ein Veto ein und bestimmen so den Ausgang der Wahl.

Wenn man für den Austritt aus der EU derartig hohe Anforderungen verlangt, müsste man diese auch für den Beitritt verlangen. Österreich wäre – hätte man nach Ihren Vorstellungen gewählt – nicht Mitglied der EU. (Knapp, aber es hätten fast 4000 Stimmen gefehlt.)
Daraus erkennt man auch sehr schön den Sinn von derartigen erhöhten Quoren – nämlich Bestandsschutz. (So ist gesichert, dass wir nicht nach jeder NRW mittels einfacher Mehrheit eine neue Verfassung bekommen.)

2. Wer bestimmt, welche Fragen so wichtig sind, dass diese zu ihrer Änderung höhere Anforderungen erfüllen müssen?
Eine solche Bestimmung muss mE noch höhere, zumindest aber gleiche Anforderungen erfüllen. Um beim Beispiel zu bleiben, bedürfte es eines Volksentscheids mit mindesten den obigen Quoren zur Frage, ob die EU-Mitgliedschaft ein so wichtige Frage darstellt, daß ein Austritt nur mittels der obigen erhöhten Quoren möglich ist.
Ich würde es einen Taschenspielertrick (nach dem Motto: lass ma’s Volk mitabstimmen, 33% werma scho darenna.) nennen, wenn die Politik (zB einfach Mehrheit im Parlament) bestimmen könnte, welche Fragen nur mittels erhöhten Quoren geändert werden können.

Mit freundlichen Grüßen
Wolfgang Neubacher

Wir haben Michael Amon um eine Stellungnahme ersucht. Hier ist sie.

Sehr geehrter Herr Neubacher!

Übersehen habe ich diese Probleme nicht, aber darauf im Detail einzugehen, hätte den Rahmen meines Kommentars gesprengt.
Ihre Einwände sind berechtigt. Sie ändern aber nichts an der Problematik, daß es Fragen gibt, die sinnvollerweise nur mit qualifizierten Mehrheiten entschieden werden sollten. Allerdings führt das dazu, daß manche Entscheidungen schwierig und Strukturen „einzementiert“ werden und nur schwer zu ändern sind. Das ist der Nachteil. Der Vorteil: es gibt einen Puffer gegen all zu emotionale Entscheidungen, die meist aus dem Bauch getroffen werden und am nächsten Tag ganz anders ausgehen können. Gerade die Entwicklung rund um den Brexit zeigt deutlich, daß die angebliche „Stimme des Volkes“ (was bei 52%-Quoren ein fraglicher Begriff ist) sehr wankelmütig ist. Wetten, daß eine Brexit-Abstimmung in dieser Woche anders ausgehen würde?

Demokratie ist schwierig und in der Regel nicht perfekt (was in der Natur der Sache liegt). Aber eine Diskussion darüber, wie man die Gesellschaft vor rein emotionalen Entscheidungen schützt, wird uns nicht erspart bleiben. Gerade aus der Brexit-Abstimmung und den sie begleitenden Umständen sollten wir etwas lernen: daß es einen guten Grund hat, warum die meisten demokratischen Verfassungen mittels „repräsentativer Demokratie“ einen Schutz gegen „Volkserregungen“ eingebaut haben. Wir müssen einerseits die Balance zwischen Parlamentarismus und direkter Demokratie neu überdenken, aber gleichzeitig dafür sorgen, daß bei direktdemokratischen Entscheidungen die Interessen großer „Minderheiten“ gewahrt werden. Fürwahr keine leichte Aufgabe, aber wir werden sie auf irgend eine Weise lösen müssen.

Mit besten Grüßen
Michael Amon


Lautes Sprechen verboten

Gastkommentar von Wilhelm Krausshar

Noch eine allerletzte Anmerkung zu den Veranstaltungen in Gmunden.
Ich werde mich hüten, zur künstlerischen Qualität Stellung zu nehmen. Für die ist ausschließlich das Kulturamt und dessen persönliches Umfeld zuständig.
Sollte hier jemand etwas ändern wollen, muss er bis zur nächsten Gemeinderatswahl warten und dann eine absolute Mehrheit verhindern.
Leider sind halt um den Fußballplatz auch Wohngebiete, und daher innerhalb von Gmunden kein Areal, das für größere Feste und Veranstaltungen im Sinn der Ruhebedürftigen geeignet ist.
Dass allerdings am Marktplatz ein Lokal mit vier Tischen am Gehsteig ein Schild anbringen muss, auf dem steht „lautes Sprechen verboten“, ist denn doch übertrieben. Vor allem, wenn dann die Anrainer mit ihren SUVs an den Tischen vorbeibrausen trotz Fahrverbot.

Anm. d. Red.:
Das mit dem „lauten Sprechen“ ist doch in der Praxis mitunter wirklich ein Ärgernis. Selbst in einer Grossstadt wie Wien wird heftig über die „Schanigärten“ diskutiert, weil die dort lebenden Anrainer unter der monatelangen nächtlichen „Ruhestörung“ leiden. Auch blosses Sprechen kann unbeteiligte und unfreiwillige Zuhörer nerven, wenn sie damit stundenlang konfrontiert sind. Also gibt es klare Regeln und strenge Vorschriften zur Sperrstunde. Wenn wir alle immer länger arbeiten und möglichst spät in die Pension gehen sollen, dann ist die gesellschaftliche Güterabwägung wohl eindeutig: Ruhe und Erholung geht vor den Bedürfnissen einer immer mehr ausufernden rücksichtslosen Spassgesellschaft. Wir müssen die Prinzipien einer neoliberalen Ellbogen-Gesellschaft nämlich keineswegs auf alle Lebensbereiche übertragen. Im Gegenteil.
Babsy Blitzschnell f. d. Team Gmundl


 

Ausgeträumt
28. Juni 2016

Heute:
Babsy Blitzschnell zum Tag
GK von Michael Amon „Brexit ernsthaft?“

GK von Karl Kammerhofer „Ausgeträumt“
GK Hugo von Wald und See zu Wahlauszählungen
GK Lärmgeplagte Innenstadtbewohnerin „Lärm-Müll“

Liebe Leserleins!

Der Brexit wird uns alle noch lange Zeit beschäftigen. Er betrifft uns alle – mehr als wir wahrscheinlich im Moment ahnen. Dass sich in dieser Frage der Innenpolitiker Strache abwartend gibt, während der auf Staatsmann getrimmte Hofer innenpolitisch zündelt, ist bemerkenswert und etwas unorthodox, so rein politstrategisch betrachtet. Denn Hofer, auf Wahlwiederholung hoffend, müsste den ausgleichenden Staatsmann geben und Strache den angriffigen Innen- und Oppositionspolitiker. Neue Arbeitsteilung? Oder der verzweifelte Versuch Hofers, im Fall eines zweiten Wahlgangs einen Anti-EU-Wahlkampf zu führen?

Das Lärm-Thema werden wir in diesem Sommer mit Sicherheit weiter behandeln. Es ist ein Thema, das die Bürgerleins sichtlich am Nerv trifft. Ob die Gmundner Politik wirklich gut beraten ist, auf qualitätslose Massenevents zu setzen? Wir halten das für eine schlechte Idee. Auch wenn der Hois’n jetzt auf einen Ausbau mit Hallenbad setzt (wohl leider nur während der Saison und für Hotelgäste zugänglich), wäre es angesagt, auch politisch in touristische Qualität zu investieren.

Wir wünschen einen schönen Tag.

Babsy Blitzschnell f. d. Team Gmundl


Brexit- im Ernst?

Gastkommentar von Michael Amon

Ich möchte heute auf einige Aspekte rund um den Brexit und die Reaktionen darauf hinweisen.

War das ein »Volks«entscheid, der den Willen des »Volkes« widerspiegelt? Kommt darauf an, was man darunter versteht. Eine derart knappe Entscheidung kann man wohl nicht als »Volks«willen interpretieren. Demokratie kann nicht in einem System à la »The winner takes it all« bestehen. Eine Entscheidung, die praktisch 50:50 ausging, ist bei Lebensfragen schwer verdaulich. Hier kommen demokratische 50%+1-Stimme-Entscheidungen an ihre Grenzen. Was bei alltäglichen Fragen kein Problem ist, wird bei kaum reversiblen Entscheidungen in Lebensfragen zum Problem. Die Entscheidung, einen Tunnel zu bauen oder nicht, kann jederzeit revidiert werden, wenn sie sich als falsch herausstellt. Ein EU-Austritt stellt auf Jahrzehnte Weichen, die niemand einfach umstellen kann, wenn sich der Austritt als Blödsinn erweist.

Das ist das große Problem bei jeder Art von Abstimmung über einzelne Themen. Wenn man die Schweizer jetzt etwa über das »bedingungslose Grundeinkommen« befragt hat, sicherlich auch die Entscheidung über eine Lebensfrage, dann ist das NEIN der Schweizer eine revidierbare Entscheidung. Wenn sich die Ansicht der Mehrheit zu dieser Frage ändert, kann man den Beschluß relativ leicht widerrufen. Ein Beitritt zum Euro und die Aufgabe des Schweizer Franken (oder in Österreich eine Rückkehr zum Schilling) ist jedoch eine Lebensfrage, und die Antwort darauf praktisch kaum in absehbarer Zeit widerrufbar. Bei solchen Fragen genügt es nicht, mit einer Stimme Mehrheit zu agieren und sich dann noch auf den »heiligen Volkswillen« zu berufen (wie das eben der FP-EU-Abgeordnete Vilimsky in Sachen Brexit getan hat). Bei der Abstimmung über solche Fragen müßten hohe Anforderungen gestellt werden: Teilnahme von mindestens drei Vierteln der Wahlberechtigten und eine qualifizierte Zwei-Drittel-Mehrheit.

Man sollte auch als Befürworter des Brexit zurückhaltend mit dem Jubel sein. Denn eine ziemlich kleine Mehrheit (1,1 Millionen Mehrstimmen bei rund 65 Millionen Einwohnern) hat die Lebensentwürfe von vielen Millionen Menschen schwer beeinträchtigt oder gar vernichtet. Das ist kein Grund zum Jubeln, sondern ein Grund für Nachdenklichkeit. Nachdenklichkeit und Nachdenken über die Frage, ob wir bei angeblichen Volksentscheiden nicht in ein System der Diktatur knapper Mehrheiten geraten. Demokratie besteht im Interessenausgleich, im Kompromiß. Angebliche Volksentscheide entziehen sich durch ihre Ja-Nein-Fragestellung diesem Interessensausgleich. Vergessen wir nie: die stalinistischen Ostblock-Diktaturen nannten sich selbst »Volksdemokratien«.

Aber kommt der Brexit jetzt wirklich? Man wird sehen. Man muß jedoch darauf hinweisen, daß die Aufforderungen der EU-Spitzen, Cameron möge schon diese Woche die Austrittserklärung abgeben, den britischen Noch-Premier zum Gesetzesbruch auffordert. In der britischen Konstitution ist das Parlament die einzige Entscheidungsinstanz. Nur das Parlament kann einen EU-Austritt beschließen. Die Abstimmung ist nicht rechtsverbindlich. Es muß also erst eine Mehrheit im Unterhaus den Austritt beschließen. Hier besteht aber das freie Mandat. Kein Parlamentarier ist an das Ergebnis der Volksbefragung gebunden. Es ist keineswegs gesagt, daß es eine Mehrheit der Abgeordneten für den Brexit gibt.

Was ebenfalls übersehen wird: es gibt komplizierte Regelungen innerhalb des UK, was die Beziehungen von Wales, England, Irland und Schottland zueinander und zum britischen Parlament betrifft. Die Schotten können, so sagen Verfassungsrechtler, wahrscheinlich einen Brexit mit einem Veto gegen einen diesbezüglichen Parlamentsbeschluß verhindern. Die Frage ist, ob die schottische Regierung diesen Weg geht oder lieber erneut versucht, aus dem UK auszutreten. Dazu kommt das Recht, daß eine Petition mit mehr als 100.000 Stimmen im Parlament behandelt und abgestimmt werden muß. Brexit-Gegner haben eine Petition gestartet (schon vor der Abstimmung), daß mindest 75 % der Wahlberechtigten mit einer Mehrheit von 60 % entscheiden müssen. Derzeit hat diese Petition schon fast vier Millionen Unterzeichner. Es ist nicht undenkbar, daß diese Petition im Parlament eine Mehrheit bekommt. Dann stellt sich die Frage des Brexit gänzlich neu.

Es ist nicht auszuschließen, daß es zu einem ganz anderen Szenario kommt. Die Konservativen müssen einen neuen Parteichef wählen. Daß dies der ehemalige Bürgermeister von London, Boris Johnson sein wird, ist keineswegs sicher. Es kann durchaus sein, daß jemand ganz anderer zum Zug kommt, der dann sofort in Neuwahlen geht. Neuwahlen bringen neue Parlamentsmehrheiten. Wenn etwa jene Parteien eine Mehrheit erhalten, die gegen den Brexit sind (Liberale und Labour), kann es ebenfalls sein, daß das Unterhaus den Brexit nie beschließt. In diesem Fall durchaus demokratisch legitimiert durch die Unterhauswahlen.

Man soll auch ganz klar sagen, daß die Brexit-Befürworter ein schweres Glaubwürdigkeitsproblem haben, das die Legitimität des Abstimmungsergebnisses in Frage stellt. Sie haben die Bevölkerung angelogen. Das Zuwanderungsproblem ist im UK kein EU-Problem, sondern ein selbst produziertes: jeder Bewohner des ehemaligen Commonwealth hat das Recht, sich auf der Insel niederzulassen. Das Pakistani-Problem schlägt das Polen-Problem um Längen.

Bei den Beträgen, die man nach Brüssel überweist, hat die Propaganda gelogen. 4,9 Milliarden Euro (Nettoleistung, also Zahlungen nach Brüssel abzüglich Rückflüsse) im Jahr ergeben pro Woche 94 Millionen, die »nach Brüssel« überwiesen werden. Keine Rede von jenen 445 Millionen Euro (350 Millionen Pfund), die man behauptet hat. Und von denen man versprach, sie bei einem Brexit statt dessen dem National Health Service zur Verfügung zu stellen. Noch in der Wahlnacht ist Herr Farage von der UKIP von dieser Idee schnell abgerückt.
Auch in Fragen Zuwanderung wurde sofort klar, daß auch die Brexit-Befürworter weiterhin Billigarbeitskräfte ins Land lassen würden. Ironie am Rande: durch die Brexit-Abstimmung ist das Pfund stark gefallen. Dank dieser grandiosen Leistung der Austritts-Befürworter zahlen die Briten (als Nicht-Eurozonen-Mitglied) bis zum möglichen Austritt (man rechnet mindestens vier Jahre, die zwei Jahre sind Theorie) unter Umständen bis zu 30 % mehr – dank der Abwertung des Pfundes infolge der Abstimmung, ohne daß Europa dadurch einen Euro mehr erhält.

Aus all diesen Gründen ist es europa- und demokratiepolitisch klug, den Briten Zeit mit ihrer Entscheidung zu lassen. Wie die letzten Endes ausfällt, wissen wir nicht. Auf einen tatsächlich vollzogenen Brexit würde ich derzeit nicht wetten.


Ausgeträumt!

Britannien hat ausgeträumt und ist jetzt mit einem ordentlichen Kater aufgewacht

Gastkommentar von Karl Kammerhofer

Es gibt im Norden Britanniens den Hadrian Wall, der klar die Engländer von den Schotten trennt. Die wollen das so. Es gibt aber auch eine Art demografischen Hadrian Wall:  der trennt die erwerbstätige junge Bevölkerung von den älteren Menschen/Mindestrentnern in Britannien. Dieser demografische Hadrian Wall trennt aber auch jenen Menschen, die in der Lage waren, durch Auslandsreisen, Zeitungen und Bücher sich selbst zu informieren, von jenen älteren Briten und SUN-Lesern am Land, die auf verhaltensorginelle Demagogen wie Johnson (ehemals Londoner BgM mit dotterfarbenen Haaren) leicht hineinfallen konnten.

Dieser neue Hardian Wall trennt aber auch die Leute aus London, Manchester, Liverpool, Cambridge, Schottland und Nordirland, also Leute, die viel mit der EU und Ausländern zu tun haben, von den Leuten am flachen Land, die zwar den Polen gerne die dreckige/nasse (wet &dirty jobs) Arbeit machen lassen, aber sonst mit ihnen nicht viel zu tun haben wollen.

Alles erinnert hier in der Brexit-Wahl in Britannien an den Wahlkampf zwischen VdB und Hofer in Österreich. Auch in Österreich gibt es diese Hardian Wall: Auf der einen Seite die gebildeten, städtischen, jungen und weiblichen Österreicher in Vorarlberg, Tirol, Oberösterreich und Wien, die für sich eine positive Zukunft sehen, und auf der andern Seite eher die Krone-Leser am Land, Menschen aus Kärnten, Burgenland, NÖ und Steiermark, die eher älter bis alt sind, Männer sind und eher Menschen, die laut Meinungsumfragen keine erfreuliche Perspektiven in der Zukunft für sich mehr sehen. Das ist halt so, und diese Tatsachen kann man nicht wegdiskutieren, auch wenn anonyme, feige (Hass)Poster-Schreiber das anders sehen. Umso erfreulicher war es, dass in Gmunden die Bevölkerung zu 60% (inklusive Wahlkarten) VdB gewählt hat. Das macht Mut, dass sich diese Haltung auch künftig in der Politik in Gmunden niederschlagen.

Zurück zu Britannien. Noch vor einem Jahr war dem Johnson der Brexit blunzenegal. Er hat aber vor gut einem halben Jahr als abgehalfteter Politiker und Cambridge Burschenschafter erkannt, wie er der alten und in vieler Weise benachteiligten Bevölkerung am Land einen Außenfeind vorgaukeln kann.  Junge Leute in Britannien – um deren Zukunft es ja letztlich geht – wollten aber zu 75%(!) in der EU verbleiben. Jetzt hat Johnson die jungen Leute in den Dreck geritten, und seit gestern hat er es aber gar nicht mehr so eilig sich von der EU zu trennen. So sind halt Demagogen: in Britannien und in Österreich.

Inzwischen haben die Brexit Befürworter gleich gestern schon zwei weitere Versprechen gebrochen: es wird weiter Zuzug aus der EU geben (denn wer sonst soll die Drecksarbeit in Britannien sich antun?), und es fließen die 5 Milliarden EU Geld doch nicht in das britische Gesundheitssystem. Wie sollten sie das auch: wenn die Briten ungehinderten Zugang zum Europäischen Binnenmarkt haben wollen, müssen sie zahlen. Satt und ordentlich. Genau so wie die Schweizer und Norweger. Zusätzlich sind tausende bilaterale Verträge dann auch noch abzuschließen. Die Regionalpolitiker mit den hübschen Vorgarten in Cornwell sind jetzt auch plötzlich nüchtern aufgewacht. Sie sind darauf gekommen, dass künftig jährlich die halbe Milliarde EU Geld als Regionalförderung nicht mehr nach Cornwall fließen werden und fordern zum Ausgleich jetzt das Geld vom britischen Schatzkanzler. Für diesen Exit hat diese Region votiert – aber ohne die Folgen erkennen zu wollen.

Nachbemerkung: Während der Herrschaft der Konservativen in den letzten Jahren – die das Finanzkapital und die Vermögenden exzessiv begünstigen – sind  die Immobilienpreise in Britannien  exzessiv gestiegen. Jenes Haus meiner damaligen englischen Firma in einem Dorf namens Kingston Deverill, dass ich vor 20 Jahren in der Grafschaft Whiltshire wieder an einem Engländer verkaufte, wird heute bei einem Immobilienmarkler exakt um das Vierfache(!) von damals wieder angeboten. Die nicht so wohlhabende Bevölkerung Britannien, die sich Wohnen jetzt nicht mehr leisten kann – auch dort gibt es riesige Spekulations-Leerstände – erkennt nicht die wahren Verursacher und Nutznießer der Wohnungsnot.


Wahlauszählungen

Gastkommentar von Hugo von Wald und See

Antwort auf Karl Kammerhofer

Nein ich war noch nie in England und werde auch nie hinkommen und auch nicht
in die USA. Dafür war er in Moskau. Allerdings vor 1990 . jetzt kommt er auch nicht mehr nach Moskau.
Den Medien zufolge ergibt sich die Meinung das es in Österreich der Verbesserung bedarf. Dies bestätigt auch persönliche Wahrnehmungen bei der
Wahlkartenübernahme.
Bis jetzt gabes jedenfalls keine Wahrnehmungen bezüglich Schwierigkeiten in
bei Wahlkartenin englischen Medien.
Fest steht, daß der Wählerwille von vielen Politikern ignoriert wird und die
Kommentare darüber haltlos und unsachlich sind. Es kann doch nicht sein, daß eine Minderheit Zeugnis über Mehrheit abgibt.


Lärm-Müll

Gastkommentar von Lärmgeplagte Innenstadtbewohnerin

Lärm-Müll in der Innenstadt: Antwort auf Ohropax und Herrn Kraushaar.
Diese Mega-Veranstaltungen einer Subkultur gehören auf die grüne Wiese, so wie z. B. der Zirkus Roncalli (der gehört aber nicht zur Subkultur!). Man könnte auch die einstmals teuer angeschaffte Sporthalle benützen, mit Basketball allein ist sie sicher nicht ausgelastet.
Mit dieser Lärm-Zumüllung macht man endgültig dem Qualitätstourismus, aber auch den Einwohnern von Gmunden den Garaus. Ich z. B. verbringe den ganzen Monat August nicht in Gmunden trotz der herrlichen Landschaft, denn ich kann es nicht mehr ertragen, nächtelang um meinen Schlaf gebracht zu werden. Desgleichen sieht man am Wochenende kaum einen einheimischen Gmundner auf dem Stadtplatz oder auf der Esplanade, die Ortsässigen halten es anscheinend hier nicht mehr aus bei dem Massenansturm des Tagestourismus. Ich würde als Tourist sicher nicht länger als einen Tag in Gmunden verbringen wollen.
Weiters möchte ich nicht wissen, wie viel Steuergeld die Stadtgemeinde zuschiessen muss, falls so eine Mega-Veranstaltung kein Geschäft ist und es nicht genug zahlende Besucher gibt. Der Veranstalter bekommt auf jeden Fall sein Geld. Also, was nützt es? Cui bono? Die Lebensquaiität der Innenstadtbewohner wird kaputt gemacht, übrig bleibt für die Stadtgemeinde die Müllbeseitigung und die Bezahlung eines fast wahrscheinlichen Verlustes.


 

Lärm, Lärm nur du allein …
27. Juni 2016

Heute:
Babsy Blitzschnell merkt an
GK Wilhelm Krausshar über ein Missverständnis
GK Marge Lila „Viel Lärm um (für) nichts“
GK Ohropax über Lärmräume
GK Da rote Stepanski über Lärmgesetze
GK Unbeschönigt über Agrarförderung
GK Karl Kammerhofer über Wahlauszählung in Ö und GB

Liebe Leserleins!

Uns hat es das geplante Programm total durcheinander gebracht. Viele Bürgerleins schreiben zum Thema Lärm. Also ziehen wir das vor. Die Bombe, die wir in lokaler Sache platzen lassen wollen, kommt im Laufe der Woche. Keine Sorge, der Trichter, den sie schlagen wird, ganz friedfertig natürlich, wird trotzdem riesengross sein. Auch die noch offene Freisitz-Sache ist noch nicht aus dem Visier. Kommt ebenfalls demnächst. Und mit dem Brexit setzen wir uns diese Woche auch noch einmal auseinander. Also jede Menge Lesestoff. Mächtig viel Lesestoff für einen Montag. Weshalb Ihre Babsy sich auch heute kurz hält und den Bürgerleins das Wort überlässt.

Eine wunderschöne Woche in Stille und Harmonie, das wünschen wir vom Team, gell! Auch wenn es nicht immer leicht fällt: gestern haben wir vom Tod Götz Georges erfahren, heute vom Ableben von Manfred Deix. Dieses Jahr hat der Tod schon einige der Besten erwischt. Was für ein Scheissjahr!

Babsy Blitzschnell f. d. Team Gmundl


Missverstanden

Gastkommentar von Wilhelm Krausshar

Ich wollte nicht mehr, aber leider muss ich:
Das Mißverständnis besteht darin, dass mir vorgeworfen wird, für Lärm in der Stadt zu sein.
Ich habe festgestellt, dass die größten Lärmerreger im ganzen Sommer die meist noch unter das Jugendschutzgesetz fallenden Brandl-Besucher sind.
Darum kümmert sich niemand! Keine Kontrollen, keine Abmahnungen, kein aktiver Kampf gegen die etablierte Drogenszene.
Das ist es, was mich hier wirklich stört.
Der Rathausplatz bietet sich allein wegen seines Ambientes als Ort für Konzertveranstaltungen einfach an, genauso wie der Toscanapark.
Mich wundert nur, wo Ohropax wohnt, dass sie/er sich von beiden Orten klanglich belästigt fühlt.
Dass nach solchen Veranstaltungen gesoffen und gegrölt wird, scheint die größere Gmunden-Tradition zu sein. Dies abzustellen, wäre wieder einmal Aufgabe der Sicherheitsorgane der Gemeinde.
Also, wie ist das mit der Festkultur und dem Ruhebedürfnis?

Anm. d. Red.:
Also dass Sie für den Lärm sind, war von mir doch erkennbar ironisch gemeint, oder? Und dass man beim Brandl mit allen kommunalen Äugerln wegschaut, ist leider lange bekannt. Wir wissen nicht, wo genau Ohropax wohnt, aber was wir wissen ist, dass man den Stadtlärm am ganzen gegenüberliegenden Seeufer mehrfach verstärkt (Schallwellen breiten sich über die Seeoberfläche aus) wahrnimmt, dazu noch der Rückschall vom Grünberg. Ich persönlich durfte das mehrmals auf der Terrasse des Freisitz Roith geniessen, als ich (mit ausländischen Gästen von mir) dortselbst einen schönen und idyllischen Abend an den Gestaden des Traunsees verbringen wollte. Andere Mitglieder des Teams berichten von ähnlichen Erlebnissen hin bis zur Ramsau.
Babsy Blitzschnell f. d. Team Gmundl


Lärmräume

Gastkommentar von Ohropax

Geschätzter Herr Krausshar,
ganz falsch liegen Sie nicht: ja, für grössere Musikveranstaltungen brauchen wir eine ordentliche Mehrzweckhalle. Oder eine entsprechend gelegene Sportarena, in der man Freiluftkonzerte ohne Störung der Mitmenschen veranstalten kann.

Warum, glauben Sie, gibt es in Gmunden eine Lärmschutzverordnung, die privaten Haushalten sogar das Abspielen lauter Musik zwischen 1. 4. und 31. 10. in der Zeit von 20h bis 8h untersagt? Dazu noch zwischen 12h und 14h sowie ohne zeitliche Beschränkung an Sonn- und Feiertagen? Warum gilt das nur für Privathaushalte? Warum darf ein „Veranstalter“ im öffentlichen Raum das tun, was man bei Privathaushalten mit Recht für verbotenswert hält? Weil es um Profite geht? Aha. Geld geht vor Gesundheit.

Der Hinweis auf andere Lärmerreger (Randale nach für Jugendliche verbotenem Alkoholkonsum im Brandl) ist nicht so besonders elegant. Man kann ein Übel nicht durch ein anderes rechtfertigen. Ausserdem ist in meiner Wahrnehmung der Nach-Brandl-Krawall deutlich weniger schlimm als die Dauerbeschallung nicht nur der Stadt, sondern auch der Bewohner des Ostufers: die haben das Privileg, den Gesamtlärm der Innenstadt voll über den See geballert zu bekommen. In 3D-Dolby-Stereo sozusagen.

Der Hinweis auf Ischgl ist komisch. Warum sollte ich nach Ischgl gehen? Ich bin doch nicht verrückt! Ischgl ist für mich der Inbegriff von Wahnsinns-Tourismus im Dienste von Gott Mammon und einiger, weniger Profiteure. Hören Sie sich mal in Ischgl um. Da murrt längst ein Teil der Bevölkerung. Kein Wunder. Im Sommer sind die Almen und Wiesen in schrecklichem Zustand (dank winterlicher Chemie und künstlichem Schnee). In Ischgl wird eine der übelsten, landschaftszerstörendsten Formen von Tourismus zelebriert, die man sich denken kann. Ohne Rücksicht auf kommende Generationen. Ohne Nachhaltigkeit. Mit einem Maximum an Schaden für alle und Gewinnen für ganz Wenige. Ein Tourismus zum Speiben. Ballermann der Alpen.


Viel Lärm um (für) nichts

Gastkommentar von Marge Lila

Im krassen Gegensatz zu Shakespeares Komödie entlockt mir der allsommerliche Lärmpegel in Gmunden keine Lacher. Im Gegensatz zu Shakespeares Meisterwerk werden wir alljährlich über Wochen hinweg nicht mit Kultur, sondern mit kommerzieller Musik in Megalautstärke zwangsbeglückt. Kurz vor dem drohenden Karriereende verirren sich diverse Spaßmacher und Sänger auf unseren Rathausplatz. Die Besucherschar muss aus allen Ecken des Landes gesammelt und nach Gmunden gekarrt werden, die Lautsprecher müssen hochgefahren werden, die Stadtgemeinde muss sponsern. Nur so wird aus einer mäßig guten Idee, mit mäßig bekannten Darstellern eine „Event“, an dem die Organisatoren gutes Geld verdienen können.
Es stellt sich immer mehr heraus, dass auch Laufen, Radfahren, Ballspielen als „Event“ daher kommen muss. Ohne Lautsprecher und Verstärker fließt auf Gmundens Rathausplatz kein Tropfen Sportlerschweiß mehr.

Lautstärke bringt Menschenmassen. Mag sein, dass das so ist. Aber ich frage mich ernsthaft- ist dieses Rezept passend für eine Kleinstadt mit gerade einmal 13000 Einwohnern? Ist dieses Rezept das richtige für einen Ort, der seine touristische Zukunft in einem 4 Sterne Hotel und im Qualitätstourismus sieht? Nein, diese touristische und kulturpolitische Strategie macht Gmunden zum Ballermann des Salzkammergutes. Für dieses touristische und kulturpolitische Ziel brauchen wir kein 4 Sterne Hotel, keine gehobene Gastronomie und ganz sicher keine öffentliche Kulturförderung. Für dieses Ziel brauchen wir viel eher eine Menge Mistkübeln, Dixi-Klos, Plastikbecher, Pappteller, ausreichend Straßenreiniger, Feuerwehr – Rettungs- und Sicherheitskräfte und eine Menge Parkplätze. Für die Bewohner der Innenstadt bitte auch noch gratis Ohropax!
Geben wir doch besser den Jugendlichen dieser Stadt einen Ort, an dem sie ihre Musik (die sich-Gott sei Dank- erheblich von der dieser Konzerte unterscheidet) in voller Lautstärke hören können, ohne den Rest der Bewohner zu beschallen. Geben wir den Menschen dieser Stadt Qualität und fördern wir nicht Massenware. Verzichten wir auf Plastikbecher und Dixi-Klos und holen uns Gäste nach Gmunden, die Qualität und Originalität schätzen. Überlassen wir diese Mega-Events den großen Städten, die die notwendige Infrastruktur und die passenden Hallen und Plätze bieten können.

Eine Anekdote zum Schluss: letzten Sommer im Gastgarten beim „Schwan“. Ein herrlicher Sommernachmittag, entspannte Gäste, dann – Stunden vor Beginn des Konzertes -Beginn des Sound-Checks. Es quietscht und kracht ohrenbetäubend. Der Schaum am kühlen Bier ist ernsthaft in Gefahr, die Ohrstöpsel leider nicht zur Hand. Ein beherzter Gast steht auf, steuert zielstrebig die Sound-Anlage an und …….. zieht den Stecker. Stille! Dankbarer Applaus von vielen Gästen.


Lärmgesetze

Gastkommentar von Da rote Stepanski

Bezüglich Lärm gibt es in OÖ klare Gesetze. Nur die werden nicht eingehalten
Polizei verucht ganz abzuwimmeln weil sie viel Freude mit der Arbeit haben.
Tun Richter spielen, als Anzeigen aufzunehmen. Gemeinepolizei sowie für nichts
machen ausgezeichnet. Verantaltungsamt alles gut, immer alles gut. Gesetz gut
Bewilligung gut. Das meiste leider nur Meldeplichtig.
Dank den Roten schwarzen Politikern die das ganze gemacht haben und danke
den Grünen und lauen Noes die nichts dagegen tun
Jetzt muß man schauen das man die Kom. von Graz raufholt, dann geschiet eventuell etwas aber nur eventuell.


Nochmals Agrarförderung

Gastkommentar von Unbeschönigt

Lieber Gmundl,
Betrifft: EU Agrarförderung für Telekom= Carlos Slim, reichster Mann der Welt: zu Ihrer Bemerkung, dass Sie die Ziffer nicht verifizieren konnten: Zu Ihrer Information, ich habe sie aus dem Internet „aktien-portal.at, Media Monitoring: Meldung vom 13.6.2016: 19.5 Millionen Euro Agrarförderung für Telekom Austria.
Was die Förderung der Queen von 8.6 Millionen Euro anlangt, finde ich , dass sich diese Monarchen schämen müssen, von Untertanen Geld zu nehmen, die sich selbst kaum das Leben leisten können. Wenn sie schon Queen sein möchte, dann könnte sie das ehrenamtlich sein, bei dem Reichtum den sie über Generationen durch Ausbeutung des Volkes und der Kolonien angehäuft hat. Aber diese Superreichen haben keinen Genierer, die können den Kragen nie voll bekommen. Wenn sich das restliche England diesen Luxus der Monarchie noch leisten will ist das seine Sache, die EU hat einen Schmarotzer weniger, nämlich die Queen mit ihrem ganzen Clan.

Anmerkung d. Red.:
Danke für den Hinweis. Jetzt haben wir es auch gefunden – in der nicht sehr transparenten europäischen Datenbank für Agrarföderungen. Es sind genau € 19.458.121,00, die Herrn Slim indirekt über die A1 in den ….. geschoben werden.
Zur von Ihnen angesprochenen Förderung der A1-Telekom fanden wir dort folgende, sehr aufschlussreiche Erklärung des Subventionsgrundes:
„Grunddienstleistungen für die Wirtschaft und ländliche Bevölkerung (M321)
Im Rahmen dieser Maßnahme werden die Verbesserung von Dienstleistungen für die Grundversorgung, wie beispielsweise der Zugang zur Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) vor Ort und die Durchführung von Investitionen gefördert. Die Maßnahme betrifft Unterstützung für den Aufbau von Dienstleistungseinrichtungen einschließlich kultureller und Freizeitaktivitäten zur Grundversorgung eines Dorfes oder von Dorfverbänden und die entsprechende Kleininfrastruktur. (Verordnung (EG) Nr. 1698/2005, Titel IV, Art. 56)“
So funktioniert die angeblich so tolle Landwirtschaftsförderung der EU, während Klein- und Bergbauern schauen können, wo sie bleiben, und mit lächerlichen Beträgen abgespeist werden.


Wahlauszählungen

Gastkommentar von Karl Kammerhofer

Über das Stimmenauszählen in Britannien
Gastkommentar Karl Kammerhofers über Ahnungslosigkeit. Der Vergleichs des Stimmenauszählens in Gmunden und London

Ich musste schallend lachen, als ein anonymer Gmundl Poster über das perfekte auszählen der Stimmen in Britannien gegenüber der österreichischen Methode schrieb. Sorry lieber Mann oder lebe Frau, sie haben keine Ahnung. Wirklich keine. Waren Sie schon selbst einmal Wahlbeisitzer in Österreich oder/und in Britannien? Ich kann nur sagen ich kenne beide Systeme und der Vergleich macht mich sehr sicher. Wir in Österreich und speziell in Gmunden haben das – mit Abstand – das bessere und sichere System dem Wählerwillen gerecht zu werden.

Beispiel Gmunden:
( dort war ich zweimal Wahlbeisitzer und musste mich immer ausweisen. Eine bestimmte Partei hat mich vorher der Wahlbehörde gemeldet)

1)    Zuerst wird die Gesamtanzahl der Stimmen in einem Wahlsprengel erfasst und schriftlich mit Uhrzeit festgehalten. Mindestens 10 Personen schauen zu. Alleine im Gmunden haben wir rund verschiedene 20 Wahlsprengel. Also werden in jedem Wahlsprengel immer nur ein paar hundert Stimmen von mindestens 10 Personen ausgezählt.
2)    Jedes Auszählungspaar erhält eine bestimmte Anzahl verschlossener Kuverts
3)    Dann werden Stößchen gemacht (Partei bzw Kandidaten) und abgezählt und notiert.
4)    Dann wird das von einem anderen Paar gegengeprüft und wieder notiert.
5)    Dann werden alle Stimmen zusammengezählt. Summe aller Stimmen aller Parteien müssen mit der Summe der Kuverts zusammenstimmen. Natürlich erfolgt auch di Darstellung der Wahlberechtigten und ungültigen Stimmen.
6)    Stimmt es auch nur um eine Stimme nicht, fängt die Wahlbehörde mit der Zählerei wieder von vorne an. Das stimmt super in Gmunden. Danke auch den Beamten die hier so toll arbeiten

Beispiel London in einem nord/östlichen Wahlbezirk
( dort war ich einmal bei einer britischen Parlamentswahl „Wahlbeisitzer“. Es galt in einem Wahlkreis ab 22 Uhr Ortszeit rund 60.000 Stimmen(!) auszuzählen. Eine Parlamentspartei nominierte mich als „Wahlbeisitzer“. Kein Mensch fragte nach meiner Staatszugehörigkeit oder gar nach meinen Ausweis in einer großen Turnhalle mit ein paar hunderten Stimmenauszählern. Stimmenauszähler – mehr waren wir nicht. Genau so gut hätte ich auch Fische zählen, entgräten und in eine Dose schlichten können).

Also da sitzt man an langen Tischen immer paarweise zusammen. Mein Gegenüber war eine Inderin (auch keine britische Staatsbürgerin wie ich) die aber im selben Haus wie ich wohnte. Die habe ich mir selbst als Gegenüber ausgesucht. Man kippte uns alle 10 Minuten einen Sack nicht ausgezählter Stimmen auf den Tisch den wir auszuzählen hatten. Das Ergebnis notierten wir und warfen dann sie ausgezählten Stimmen dann samt den Kuverts wieder in einen größeren Sack hinter uns. Die Inderin und ich hatten also viel Spaß, auch die Frauen und Männer auf den Nebentischen mit uns selbst aber auch untereinander.  Nach 2 Stunden war die Zählerei vorbei. Kein Mensch kontrollierte was wir zählten und zusammenzählten. Stolz übergaben wir unsere Liste dann einen Beamten der am Tisch kam und die Listen abholte. Nach einer weiteren halben Stunde (offensichtlich wurden alle Zettel zusammengezählt) wurde der Sieger im Wahlkreis bekanntgegeben der für den Wahlkreis nach Westminster einziehen wird. Der hielt eine keine Rede, die einen klatschten Beifall und die andern, auch die Inderin und ich, drückten unseren Missfallen aus. Wie in der Fischhalle wenn die Fangquote nicht stimmt. Dann standen die Inderin und ich auf und gingen in ein Pub. Wer sich um die ausgezählten Säcke mit Stimmzettel unter den Tischen dann gekümmert hat, weiß ich bis heute nicht.

Also nochmals, in Britannien werden 60.000 bis 100.000 Stimmen innerhalb von zwei bis vier Stunden gleichzeitig in einer Turnhallen ausgezählt. Ich habe im Fernsehen bei dieser Wahl in einem englischen Wahlkreis ebenfalls so eine Stimmenauszählerei  in einer großen Halle mit hunderten Stimmenauszählerinnen gesehen. Es war wie damals als ich britischer Stimmenauszähler mit österreichischen Pass war. Es war mir auch diesmal nicht klar wie bei einem solchen Stimmzettelsauhaufen eine effiziente Kontrolle erfolgen kann.

Ich gehe davon aus, dass die Briten in diesem Punkt Pragmatiker „der großen Anzahl“ und nicht Erbsenzähler sind. Auch wenn ein paar Leute bei hunderten Auszählern bei der Auszählung Unfug machen, gleicht sich das bei den Parteien aus und bei 60.000 bis 100.000 Stimmen ist der Unterschied zumeist mehrere tausend Stimmen Unterschied zwischen den Kandidaten. So geht’s auch und die haben als älteste Demokratie Erfahrung was der Sache und der Demokratie selbst gut tut.

Aber sorgfältiger und ernsthafter machen wir das  Stimmenauszählen, sogar in Kärnten und in der Südsteiermark immer auch dann noch, wenn FPÖ Wahlbeisitzern zwar unterschreiben aber nicht Uhren ablesen können.

Karl Kammerhofer
(als ehemaliger Wahlbeisitzer in London und in Gmunden)


 

Was bewegt
26. Juni 2016

Heute:
Babsy Blitzschnell leitet ein
EK Odysseus „Kein Stein auf dem anderen“
GK Unbeschönigt über Schwächen der EU
GK Hugo von Wald und See über Brexit, Exit und so

GK Wilhelm Krausshar zu Brandl & Lärm

Liebe Leserleins!

Natürlich bewegt der Brexit die Gemüter. Heute daher dreimal Leserleins zu diesem Thema. Und Wilhelm Krausshar verteidigt die Freiheit des Lärms. Gut so. Denn die Diskussion über die Nutzung des öffentlichen Raums ist wirklich eine wichtige, gell. Wir nehmen an, dass diese Debatte nicht vorbei ist. Auch das ist gut so. In der Nacht von Samstag auf Sonntag sind wieder gröhlende Menschen bis drei Uhr früh wie die Vandalen durch diverse Ortsteile von Gmunden gezogen.

Die erste ziemlich heftige Hitzewelle ist mit ebenso heftigen Unwettern zu Ende gegangen. Wer ist schuld? Die FPÖ? Die Wahlkartenwähler? Die Flüchtlingswelle? Oder vielleicht gar der Klimawandel? Den man mit einer bescheuerten Freihandelsideologie (extrem viele Transportvorgänge) auch noch fördert. Ich sage nur: Deutsches Joghurt von Hamburg nach Athen und von dort als griechisches Joghurt zurück.

Den heutigen Sonntag wird Ihre Babsy alkoholfrei verbringen. Die Leber braucht eine Pause nach Brexit und dem Live-Kabarett vor dem Verfassungsgerichtshof.

Babsy Blitzschnell f. d. Team Gmundl

PS.: Morgen wird es wieder sehr lokal. Und, liebe Leute, schnallt euch an, es wird so heftig wie die Hitzewelle und die nachfolgenden Unwetter.


Kein Stein auf dem anderen

Einserkasterl von Odysseus

Es wird kein Stein auf dem anderen bleiben, diesen Worten von S. Kurz schliesse ich mich an. In der Realität wird es noch ein Weiterwursteln in der EU geben, mit beschönigenden Parolen wie „Reformen“, die niemand mehr hören kann. Die Unfähigkeit der Politiker und Bürokraten ist offensichtlich, Lösungen und Voraussagen derzeit nicht möglich. Basta.


Schwächen der EU

Gastkommentar von Unbeschönigt    

Solange die EU nur Großstrukturen fördert, die Kleinstrukturen auf der Strecke bleiben, z. B. am Agrarsektor, die sogenannten Agrarinvestoren in Rumänien Gen-Mais pflanzen und dafür noch Förderungen erhalten, während der arme Schafbauer seine Bio-Schafe auf diesen Maisstoppeln grasen lassen muß, wird sich in dieser EU nichts ändern.
Die Liste könnte endlos fortgeführt werden, z. B. die Agrarförderung für Carlos Slim, reichster Mann der Welt, Hauptaktionär der Telekom Austria, von 20 Millionen Euro!!! Was soll dieser Scherz?
(Anm. d. Red.: Die 20 Mille für Carlos Slim konnten wir nicht verifizieren. Die EU-Datenbank ist da nicht sehr transparent. Aber eine andere interessante und belegbare Zahl: 8,6 Millionen Euro von 2006-2016 für die reichste Frau Großbritanniens, good old Queen Elizabeth. Für die Windsor-Familie wird der Brexit teuer, die waren nämlich Netto-Empfänger.)
Tausende Lobbyisten tummeln sich in Brüssel und setzen ihre Interessen durch, während der sogenannte normale EU Bürger auf der Strecke bleibt.
Flüchtlinge:
Ich habe eine Doku über Burkina Faso gesehen. Es würde sehr wenig Investitionen benötigen, um den Hunger zu mildern, z. B. Getreidesilos und Getreide. Medikamente für die Augenkrankheiten, um die zahlreichen Behinderten zu reduzieren . Warum wird in Afrika nicht geholfen? Es wurde immer nur Geld an irgendwelche korrupten Politiker verteilt, die dann Waffen kaufen! Warum stellt die stinkreiche Pharmaindustrie nicht kostenlos Medikamente zur Verfügung ?
Solange sich in Afrika nichts ändert, wird auch der Flüchtlingsstrom nicht versiegen, sondern anschwellen.

Anm. d. Red.: Das ist wohl eine der ganz grossen „Sünden“ der EU. Man hat die Mittel für Afrika (übrigens auch Österreich tat das) drastisch gekürzt, nachdem man jahrzehntelang üble Dikatoren finanziert hat. Auch das Export-Dumping von Milch und Getreide nach Schwarzafrika zerstört dort die kleinbäuerlichen Strukturen mit fatalen Folgen.


Brexit, Exit und so

Gastkommentar von Hugo von Wald und See

Das Austritt Englands zeigt, dass Demokratie wirklich funktionieren kann.
Offensichtlich hat es dort bei den Wahlkarten keine Unkorrektheiten gegeben.
Die Wahlverantwortlichen dort sind eben gewissenhafter als diese bei uns.
Wo man schon bei der Abholung bedrängt wird die Wahlkarte sofort wieder
abzugeben. Einzelne Beamte versuchen in Österreich die Wahlkarte gleich nach
der Aushändigung wieder zurückzubekommen. Dies ohne Zeugen. Da kann
man nicht von ‚Demokratie im Wahlrecht sprechen.
Jetzt nach einem Volksentscheid durch Abstimmung. Das Beste was es in
einer Demokratie geben kann. Gibt es natürlich viele Politiker die sich negativ
über die Entscheidung äußern. Diese sollten sofort den Rücktritt erklären, weil
sie die Demokratie nicht verstanden haben und werden.
Es ist doch beschämend wenn eine Mehrheit eine Entscheidung trifft, daß sich
da Politiker die überhöhte Gehälter die durch Tricks gegen die Bevölkerung
entstanden sind, negativ äußern. Diese haben aus dieser Entscheidung Politik
zu machen , natürlich für die Bevölkerung. Keinesfalls dagegen.
Alles andere wird als Hetze empfunden.


Brandl & Lärm

Gastkommentar von Wilhelm Krausshar

Noch ein letztes Mal zu Ohropax:
Solange sich niemand aufregt, dass den ganzen Sommer die volltrunkenen 14-Jährigen, die aus dem Brandl heraustorkeln, am Rathausplatz grölen und solange sich niemand um die zahlreichen Gesetzesverstöße, die dabei entstehen, kümmert, solang soll keiner über die Gmundner „Eventszene“ motzen.
Wenn ich ihrer Idee folge, sollte in der Nähe der Umfahrung eine schalldichte Halle für 3000 Menschen gebaut werden, in die alle Veranstaltungen eingesperrt werden. Das entspricht ungefähr der Idee, in Vorchdorf eine Mautstelle einzurichten, alle abzukassieren und dann an Gmunden vorbeileiten.
Veranstaltungen gehören nun einmal zu einer „Tourismus“Stadt wie Gmunden.
Sie können aber gerne nach Ischgl übersiedeln, da geht es das ganze Jahr rund.


 

Lärm & Brexit
25. Juni 2016

Heute:
Babsy Blitzschnell fasst sich ganz kurz
GK Booomerang über Brexit – I have a dream
EK Ohropax über Toscanapark

Liebe Leserleins!

Noch stehen wir alle unter dem Schock des Brexit. Die einen freudig, die anderen traurig. Wie das so ist im Leben. Heute noch ein Brexit-Kommentar von einem Leserlein. Und Ohropax erinnert sich an vergangenen Lärm.

Die Nacht von Freitag auf Samstag war die erste Tropennacht dieses Jahres in Gmunden. Und das schon zu Sommerbeginn. Diese Art von Nacht (Temperatur sinkt nicht unter 20°) gab es bisher erst Ende Juli/Anfang August während der Hundstage. Wer noch immer glaubt, dass es keinen Klimawandel gibt, sollte jetzt mal schweissgebadet aufwachen und nachdenken.

Möge der Wetterwechsel ohne Unwetter vor sich gehen. Mögen unsere wackeren Feuerwehrleute ein arbeitsfreies Wochenende haben!

Babsy Blitzschnell f. d. Team Gmundl


Events auf der Toscana?

Einserkasterl von Ohropax

Zur Idee mit der Toscana für Events fällt mir nur ein: das löst kein Problem, solange der Lärm im Freien stattfindet. Vielen Mitbürgern ist sicher noch die Krawallorgie „Toscana Carneval“ in Erinnerunhg, eine Veranstaltung der ÖVP. Da sind die Besucher bis in den frühen Morgen gröhlend und saufend durch die Stadt marodiert. Der halbe Traunsee (also: die Bewohner dort) kam in den „Genuss“ dieses „Events“.


Brexit … I have a dream:-)

Gastkommentar von Booomerang

Jetzt ist er da … Der Gottseibeiuns der EU-Bonzokratie. Die Briten waren immer schon etwas – na ja britisch-anders, als wir. Haben sich nichts gepfiffen und mehrheitlich Brüssel den Stinkefinger gezeigt.
LEAVE … Oh mei – wie sind sie zu beneiden. Auf ihrer Insel da.
Wir haben auch so was – gerade noch so eine Insel der Seligen hier im Alpenzoo. Trotz desaströser und amateurhafter Bundes-, Länder- und Gemeindepolitiker (Ausnahmen auf Gemeindeebene gibt es selbstverständlich … aber leider nicht hier am Traunseeufer).
Diesen ebenfalls abgehobenen Politikerchens geht es in Wahrheit nicht ums Wohl der Menschen. Sondern nur um persönliche Macht kombiniert mit der Festzementierung der Einflusssphäre ihrer jeweilgen roten, schwarzen, blauen oder grünen Parteien.
Für uns in good old Austria gibt’s kein LEAVE – siehe das überraschende ÖVP Wahlergebnis 2015 hier in Gmunden.

Weil z.B. die Vermachthaberung hierorts viel tiefer geht als sonst wo, haben wir die Superschuldenmacher der letzten 20 Jahre wieder im Rathaus sitzen … und die fuhrwerken da jetzt wie eh und je.

Doch zurück zu den tapferen Insulanern:
Ein netter 5 Milliarden Nettozahler ist für die EU jetzt weg. Und Tschüss haben sie gesagt. Womit? Mit Recht.
Weil Typen wie Schulz, Juncker und Co. ganz einfach eben jedes Gspür für die Menschleins da unten verloren haben.
Das kommt davon, wenn Politiker zu lange, völlig abgehoben und zum eigenen Vorteil wie in einem Selbstbedienungsladen agierend, die Bedürfnisse der Menschen ignorieren und jede Bodenhaftung verloren haben.

Vielleicht passiert es ja, dass bei den nächsten Gemeinderatswahlen in Gmunden ein LEAVE DAS RATHAUS für die Schwarz/Rot/Grün/Blaue Unfähigkeitstruppe hier am See gewählt wird. Und jede leere Zugsgarnitur, die bis dahin Gmunden bei der Durchfahrt sinnlos verschandeln wird, die GmundnerInnen daran erinnert, mit wieviel Hirnlosigkeit hierorts Politik gemacht wird. Schau ma mal …
Die Hoffnung dafür stirbt zuletzt …


 

BREXIT
24. Juni 2016

Heute:
Babsy fasst sich kurz
GK von Michael Amon über den Brexit
EK von Annstrasse
GK von Innenstädter „Baustelle Innenstadt entglitten“
EK von Wilhelm Krausshar „Toscana“

Liebe Leserleins!

Jetzt haben sie es doch getan, die Briten und die EU verlassen. Auch wenn der echte Austritt erst in zwei Jahren erfolgen wird, die Erschütterung werden wir alle spüren. Niemand kann die folgen im Detail abschätzen. Wir haben Michael Amon ersucht, uns seine Sicht der Konsequenzen als GK zu überlassen. Mit heisser Nadel gestrickt, noch heute Morgen und unter dem frischen Eindruck der Geschehnisse. Darum gehen wir heute auch etwas später online.

Wir wollten den Sommer gemütlich angehen hier im Blog. Aber auch vor Ort hier in Gmunden tut sich einiges. Daher heute wieder Bürgerleins und ihre Beiträge zur Diskussion der Lage in Gmunden.

Babsy Blitzschnell f. d. Team Gmundl


Europa – was jetzt?

Gastkommentar von Michael Amon

Die meisten Menschen habe nicht wirklich geglaubt, daß die Briten (oder besser: die Waliser und Engländer, nicht aber Iren und Schotten) mit dem Brexit ernst machen würden. Jetzt ist es doch geschehen. Das noch »United Kingdom« verläßt die EU. Nicht sofort, aber der Prozeß ist in Gang gesetzt und nicht mehr zu stoppen. In zwei Jahren ist Großbritannien nicht mehr Teil der Europäischen Union.

Ich will diese Entscheidung weder bewerten noch im Detail zu erklären versuchen. Nur soviel: Cameron hat sich als extrem verantwortungsloser Politiker erwiesen, der aus persönlichen Machtgründen (Ruhigstellen seiner EU-kritischen Gegner innerhalb der Konservativen) eine Abstimmung vom Zaun gebrochen hat, die er letzten Endes nicht kontrollieren konnte. Es ist müßig, darauf hinzuweisen, daß die Probleme Großbritanniens nur wenig mit der EU zu tun haben, sondern mit früheren Wahlentscheidungen der Briten: die Ära Thatcher hat das Land sozial zerstört, während der Blair-Jahre setzte der Abstieg sich ungebremst fort. Stattdessen hat man auf eine grotesk überdimensionierte Finanzwirtschaft gesetzt, die mit ihren enormen Spekulationen nichts zum wirklichen Wohlstand des Landes beigetragen hat.

Daß die Regierung dann auch noch bei der Osterweiterung jede Übergangsfrist für die Arbeitsmärkte abgelehnt hat, führte dazu, daß Großbritannien voll die erste Welle der Arbeitsmigranten erwischt hat. England ist in vielen Bereichen aufgestellt wie ein Dritte-Welt-Land. Wer es nicht glaubt, fahre dort mit dem Zug oder sehe sich die Probleme bei der Wasserversorgung an.
All diese Probleme wurden der EU angelastet – bis hin zum Nichtfunktionieren des National Health Service.
Wen wundert das, angesichts einer arroganten, bürgerfernen Kommission in Brüssel, die seit Jahren selbst auf einem Haufen ungelöster Probleme sitzt. Stichwort Flüchtlingsfrage.

Was sind die Folgen des Austritts? Niemand kann das wirklich beantworten. Man kann nur einige Überlegungen anstellen und auf ein paar Fakten verweisen.

Großbritannien ist drittgrößter Nettozahler (rund 5 Milliarden Euro pro Jahr) und trägt zwanzig Prozent zur Wirtschaftleistung der EU bei. Zirka eine Million Kontinentaleuropäer (vorwiegend Polen) werken als Billigstarbeitskräfte auf der Insel.
Der unmittelbare Einfluß des Brexit auf die europäische Wirtschaft ist verkraftbar. Aber die mittel- bis längerfristigen Folgen können fatal sein. Denn die Investitionen in GB wurden schon bisher zurückgehalten und werden jetzt ganz ausbleiben. Damit fehlen Aufträge für die westeuropäische Industrie. Ob diese Investitionen nach Kontinentaleuropa umgeleitet werden und damit eine Kompensation erfolgt, weiß niemand. Sicher ist, daß im Laufe der nächsten zwei Jahre eine Million Arbeitskräfte zurück auf den Kontinent fluten wird. In ein Resteuropa, das bereits unter hoher Arbeitslosigkeit stöhnt. Die langfristige Stagnation, die sich in Großbritannien abzeichnet, wird sich negativ auf den Kontinent auswirken, insbesondere die deutsche Wirtschaft könnte schwer getroffen sein – und damit alle anderen Wirtschaften, die von der BRD abhängen, etwa Österreich.

Wenn eine Wirtschaft trudelt, die bisher zwanzig Prozent der europäischen Wirtschaftsleistung ausgemacht hat, dann bleibt das jedenfalls nicht ohne Auswirkungen. Denn niemand der EU-Verantwortlichen hat heute sagen können, worin denn die nun anzustrebenden »Reformen« bestehen sollen. Eine reine Reform der Institutionen wird nichts bringen. Ohne Änderung der Grundphilosophie – also einer grundlegenden Änderung der europäischen Verträge – wird es keine Änderung der EU geben, die von den Bürgern positiv für ihre konkreten Lebensverhältnisse wahrgenommen werden kann.

Auch politisch kommen unsichere Zeiten auf uns zu. Europa hat sich gespalten: in Leute, die sich von der Globalisierung bedroht fühlen und zu nicht geringen Teilen es auch tatsächlich sind. Und in Leute, die hoffen, in einem gemeinsamen Europa der Globalisierung besser standhalten zu können. Das Absurde daran: beide Haltungen erfordern in Wahrheit die selben Reformen – weg von der neoliberalen Ausrichtung der »vier Freiheiten«, ein autonomeres Europa, das nicht jeden Globalisierungsschwachsinn mitmacht. Ein Europa, das der Währungsunion endlich eine Sozial- und Finanzunion hinzufügt. Das sind zwar Notwendigkeiten, aber wie sollen die in einem sich renationalisiernden Europa umgesetzt werden? Noch immer sind die europäischen Länder weit davon entfernt, auf einem halbwegs gemeinsamen ökonomischen, politischen und ideellen Level zu sein. In dieser Stimmung ist eine Vertiefung der EU undenkbar. Die Briten, diesbezüglich ohnehin immer skeptisch, haben gerade gegen diese eigentlich nötige Vertiefung abgestimmt.

Die EU-Politiker der letzten zwanzig Jahre haben jetzt die Quittung für eine falsch konzipierte Osterweiterung, für ihre sozialdarwinistische Konkurrenz-Idee, für Bürgerferne und Unbelehrbarkeit erhalten. Man hat ein Europa erschaffen, von dem über weite Strecken nur eine kleine Elite profitiert hat. Auch dafür hat man jetzt die Rechnung bekommen. Das Problem: diese Rechnung zahlen die europäischen Bürger.

Und noch ein massives Problem hagben wir: weder Linke noch Rechte oder Politiker der Mitte haben ein tragbares Konzept für den Umbau Europas. Möglich, daß am Ende vom Traum eines politisch geeinten Europas das überbleibt, womit man begonnen hat: eine Freihandelszone ohne darüber hinaus gehende Visionen. Ob damit auch das Friedensprojekt Europa scheitern wird, hängt davon ab, welche politischen Kräfte aus diesem Wirrwarr als Sieger hervorgehen werden.


„Gastkommentar Ohropax“ hat recht!

Einserkasterl von Annagasse

Schluss mit EVENT GAGA !! Es stehen jetzt noch Seebahnhofkrawall, meist zu Schulschluss und die wöchentlichen Feuerwerke, gerne jeden Samstag, 22.00 Uhr, bevor!

Bewohnerin der Annastraße


Entglittene Baustelle Gmunden

Gastkommentar von Innerstädter

DIE ZUGBAUSTELLE ENTGLEITET DEM GMUNDNER RATHAUS IMMER MEHR.

Beispiel 1) TELEKOMARBEITEN AM RH-PLATZ
Am Montag,20.6.,erfolgten am nordöstlichen Seitenteil des RH-Platzes Grabungsarbeiten zur Telefonkabelverlegung, nach Aussage des dortigen Betriebes ohne Vorankündigung. Befahren unmöglich. Tags darauf fuhr vormittags fröhlich ein Bagger zwischen den
Wochenmarktbesuchern herum!

Beispiel 2) WOCHENMARKT MIT BAUFAHRZEUGEN
Am selben Tage um 9.30 traute man seinen Augen nicht:
Ein Muldenkipper fuhr völlig ungeniert auf den Gängen zwischen den Ständen des Wochenmarktes! Diese Fahrzeuge der Firma Held + Franke pendeln übrigens seit Monaten zwischen Michlgründen und RH-Platz ( öffentliche Straße !! ) und zwar z.T. ohne Kennzeichen!!
Beispiel 3) FUSSGÄNGER – IRRWEGE
Im Zuge der Oberflächengestaltung der Theatergasse und des RH-Platzes gab es anfangs eine Beschilderung der Fußgänger-Umleitungen. Das war einmal! Der Fußgänger landet nun in nicht angezeigten Sackgassen und ist gezwungen , zurückzugehen!

Das sind nur die letzten Glieder einer Kette.
Weitere Beispiele:

Beispiel 4)ABRIEGELUNG DER KIRCHENGASSE
Die geplante Ausweichroute für Anrainer in der Kirchengasse wurde – angeblich auf Wunsch des Bauwerbers – urplötzlich gesperrt. Seither fahren diese unmittelbar vor der Eingangstüre des SPAR-Marktes durch. Eine wahrhaft geniale Route! Es ist verwunderlich, dass sich die Firma SPAR dies gefallen läßt.
Beispiel 5)OSTERRUMMEL AM RH-PLATZ
In der Osterwoche war der RH-Platz von MO bis DO (21.-24.3.) ein Tummelplatz von Baumaschinen. Aufgrabungen an mehreren Stellen, Schmutz und Höllenlärm. Fremdenverkehrsstadt Gmunden in der Karwoche!

Die Stadtgemeinde Gmunden ist Eigentümer des Großteils dieser Flächen – sie ist als Behörde aber auch für die Zustände im öffentlichen Raum zuständig.
Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren , daß sie sich BEI DIESEM PROJEKT von jeglicher Kontrolle im Sinne einer geordneten Bauabwicklung komplett zurückgezogen hat.
SIE HAT KAPITULIERT !
Es geschieht offenbar nur das , was der Bauwerber und die Baufirmen wollen. Bei Hinweisen hört man vom Rathaus dann etwa: „Wir wissen es ohnehin , sind auch nicht glücklich darüber, aber wir können nichts machen ! “

SOUVERÄNITÄT SIEHT ANDERS AUS !

PS:
Wenn die Gerüchte stimmen:
Der im Jahre 2007 für die Landesausstellung 2oo8 schön und aufwendig ge-
staltete Museumsplatz wird im Rahmen der Zugbaustelle komplett zerstört!
LUSTIG , NICHT ??


Toscana

Einserkasterl von Wilhelm Krausshar

Ich bin auch der Meinung, dass das Toscana-Areal und die beiden Schlösser der ideale Ort für Großveranstaltungen wäre, aber die durchwachsenen Besitzverhältnisse (Stadt, Land und BIG) machen das fast unmöglich.
Das Gegröle am Stadtplatz gibts übrigens auch an Tagen im Sommer, wo keine Veranstaltung ist.


 

Viel Lärm um viel?
23. Juni 2016

Heute:
Babsy Blitzschnell mit Kurzanmerkungen
Gleich zwei GK von Wilhelm Krausshar zum Lärm

Liebe Leserleins!

Den für heute versprochenen weiteren Bericht zum Freisitz verschieben wir auf Montag. Wir müssen uns noch ein paar Details anschauen. Wir wollen ja nichts Falsches schreiben, gell!

Dafür also heute gleich zwei Mal Wilhelm Krausshar. Einmal direkt zur Lärmdiskussion, einmal eine Klarstellung von Positionen der NEOS.

Jetzt heisst es, vorerst die britische EU-Abstimmung und die erste Hitzewelle zu überleben. Gehen wirs an!

Babsy Blitzschnell f. d. Team Gmundl


Gmundner Traditionen

Gastkommentar von Wilhelm Krausshar

Liebe Leute, die mich hier so nett kritisieren!
Ich möchte meine Meinung hier in zwei Punkten festlegen.
1. Toscanalauf und Lichterfest gehören meiner Meinung nach zur Gmundner Tradition. Sie ziehen jedes Jahr hunderte und tausende Menschen an, die sonst nicht nach Gmunden kommen würden. Was wäre, wenn man den Linz-Marathon, den Wiener Citylauf, die Eröffnung der Wiener Festwochen, das Donauinselfest und viele andere öffentliche Veranstaltungen in Steinbrüche, auf Autobahntrassen und andere „positiv“ wirkende, weil menschenleere Gegenden verlegt? Ich glaube, der Zulauf wäre sehr übersichtlich.
2. Dass es kein touristisches und kulturelles Konzept zur Belebung Gmundens gibt, davon rede ich schon seit etwa 20 Jahren. Ich habe auch Vorschläge gemacht, die mangels Mitgliedschaft bei einer entscheidenden Partei nie angehört und in ihrer Gesamtheit auch durch den Tourismus nicht verstanden wurden. Ich habe es inzwischen aufgegeben.
Es gibt in Gmunden zwei Mentalitäten: „I wüü mei Ruah hobn und nix soll si ändern“ oder „Host gheat, des woa guat, do geh ma nexts Joa hin“, wenn es um neue Veranstaltungen geht.
Es gibt einen schönen Spruch, der heißt: „Die Gmundner konnst net dazahn“.
Also viel Spaß weiterhin im ruhigen, wunderschönen Gmunden.

PS: Dass viele Junge gehörgeschädigt durch Disco etc. sind, bedeutet, dass sie bei Veranstaltungen auch eine stärkere Lautstärke wollen.
Ich erinnere mich an ein Klangfeuerwerk in Altmünster, wo zwei Leute auf den Tontechniker zugestürmt sind. Der eine schrie „zu laut“, der andere „zu leise“. Und als sie aufhörten, sich zu streiten, war das Feuerwerk vorbei.

Anmerkung der Redaktion:
Es ist schon in Ordnung, wenn Leute den Wunsch nach grosser Lautstärke und Gehörschädigungen haben. Das ist ihre freie Wahl. Aber die anderen, die diesen Lärm mithörenh müssen, haben diese freie Wahl nicht. Also: Lärm ok, aber dort, wo er niemanden anderen schädigt, die/der es sich nicht aussuchen kann. Im übrigen kann man die Situation in Grossstädten, wo eine Art Dauerlärm herrscht, nicht vergleichen. Wir sehen die Chancen von Gmunden eher in einer ortspezifischen Variante des sanften Tourismus, der passt besser zum Salzkammergut. Gegen ein oder zwei jährliche Grossveranstaltungen im Zentrum spricht nichts. Aber die dauerhafte Verrummelplatzung Gmundens kann nicht zielführend sein. Das ziegen die bisherigen Ergebnisse.
Babsy Blitzschnell f. d. Team Gmundl


Kurze Zusatzbemerkung zu Ohropax

Gastkommentar von Wilhelm Krausshar

Ich habe jetzt mit Wien und mit Linz telefoniert. Es kam die klare Aussage: NEOS spricht sich für flexible Arbeitszeiten und längere Durchrechnungszeiten INNERHALB des Kollektivvertrags der Industriearbeiter aus. NEOS hat die Forderung der IV nicht bejubelt.
Eigentlich wäre eine Verteilung des Arbeitsbedarfs auf mehr Arbeitnehmer in der derzeitigen wirtschaftlichen Situation sinnvoller.
Das nur am Rande.
Es ist halt in Österreich so: Wenn ein neuer Mitbewerber am Markt erscheint, werden ihm Meinungen unterschoben, die ihm schaden können. Denn wir intrigieren nicht, damit wir weiterkommen, sondern wir intrigieren, dass der andere nix wird.


 

Gmunden und die Welt
22. Juni 2016

Heute:
Babsy Blitzschnell über Gmunden und die Welt
GK von Zugedröhnt „Antwort an Herrn Krausshar“
GK von Ohropax zu „Pensionistenstadt Gmunden?“

Liebe Leserleins!

Wenn heute in der Überschrift steht „Gmunden und die Welt“, dann soll das heissen: wir behandeln heute Lokales und Internationales, das auch die kleine Gmundner Welt betrifft.

Zuerst mal freuen wir uns über die heftige Online-Debatte bei den OÖN, bei der auch unser Blog von den Posterleins sowohl lobend als auch kritisch erwähnt wird. Dass uns ein Posterchen dort als „Wegwerfblattl“ bezeichnet, ist echt süss, liebe Leute, weil es uns gedruckt gar nicht gibt. Wer uns nicht mag, kann uns nur wegklicken oder gleich gar nicht ansörfen, gell!

Auch dass wir als Grüneos-Chaoten bezeichnet werden, hat uns erheitert. Offenbar soll das heissen: hier schreiben Grüne, Neos und Chaoten. Echt? Na gut, jeder hat halt seine eigenen Wirklichkeit. Wir sagen so: es gibt Sozi-Fresser, Grünen-Hasser, ÖVP-Verabscheuer, Neos-Fresser, FPÖ-Erzfeinde. Warum also soll es nicht auch Gmundl-Verächter geben? Wir danken auf jeden Fall all jenen, die uns in den diversen Foren immer verlinken und gegen dumme Anwürfe verteidigen. Wir bemühen uns wirklich darum, ojektiv zu sein, aber auch unsere eigene Haltung nicht zu verleugnen.

Wenn jetzt ein paar Leute nicht verstanden haben, dass unser Bericht über manche Abläufe in der Gmundner Gemeinde nichts mit dem Bericht unseres Lieblingsschurnalisten in den OÖN zu tun hatte, ist das auch ok. Auch wir sind ja für ein gutes Gesprächsklima, geben aber BM Krapf recht: am Ende gibt es eine Entscheidung, und nicht immer werden da alle einer Meinung sein. Worum es geht, ist eine offenere Diskussionskultur, Information und Diskussion vor Beschlüssen etc. Auch wir sind der Ansicht, dass BM Krapf hier einiges bewegt hat – aber eben mit der Einschränkung: lieb zueinander sein, das ist zu wenig.

Man wird sehen, ob die ÖVP in Zukunft darauf verzichtet, bei besonders umstrittenen Projekten ihre letztlich doch sehr knappe Mehrheit einzusetzen. Aber allein das Aufatmen, das durch die Gmundner Beamtenschaft geht, seit Köppl abgetreten ist, zeigt schon, dass es ehrliches Bemühen gibt. Dass das wiederum nicht alle (schon gar nicht alle in der ÖVP) erfreut, liegt in der Natur der Sache.

Was sich in den letzten beiden Tagen in der öffentlichen Verhandlung des Verfassungsgerichtshofs in Sachen HBP-Wahl abgespielt hat, war Realsatire aus Österreich. Was haben wir erfahren: Zeugen bezeugten Dinge, von denen sie nichts wussten, weil sie gar nicht dabei waren. Wahlbeisitzer verschwanden nach Kassierung der Tagesentschädigung von 45 Euronen auf nimmer Wiedersehen. Rechtlich sind 99 % der Beisitzer völlig unbeleckt. Das Sagen haben die Beamten der Bezirkshauptmannschaften, und die haben halt versucht, ein offenbar nicht lebbares Gesetz irgendwie zu administrieren. Oft vorbei an den gesetzlichen Vorschriften, die offenbar total lebensfremd sind. Das ist zwar Gesetzesbruch, aber eine sehr österreichische Vorgangsweise: Wir wearn kan Richter brauchn, ka Protokoll und ka Gesetzerl. Das Wunderbare an dieser sehr lebensnahen Haltung der Österreicherleins: das Ganze sieht schlampig aus, ist es auch irgend wie, aber, und das ist der Punkt, das Ergebnis wäre bei Anwendung höchster Akkuratesse auch nicht anders ausgefallen. Es lebe Österreich! Die FP sollte ihren Slogan „Österreich zuerst“ endlich an die Realität anpassen: „Österreichische Schlamperei zuerst!“.

Ob die FP sich, ihren Anhängern und Aktivisten sowie dem Land mit der Wahlanfechtung einen Dienst erwiesen hat, kann man stark anzweifeln. Ihre eigenen Leute stehen nicht nur als Deppen da, die nicht wissen, was sie unterschreiben (oder im schlimmsten Fall als Intriganten, die auf Weisung der Partei Meineide geleistet haben). Was aber echt arg ist: die FP hat ihre Leute voll „reingelassen“. Denn denen drohen jetzt nicht nur Anzeigen wegen Meineid (da würde es bedingte Strafen geben, sprich: Leumund ist für eine Zeit lang weg), sondern noch weitaus Schlimmeres. Sollte es zu einer Wahlwiederholung kommen, könnten sie als Verursacher dieser Wiederholung von der Republik auf Schadenersatz geklagt werden, und das geht bei geschätzten zwanzig Millionen Kosten ordentlich ins Geld. Selbst wenn man von ein paar hundert Beisitzer ausgeht, kommen da pro Kopf locker mal 10.000 Euronen zusammen. Liebe Leute, nicht das System hat euch dann in die Pfanne gehauen, sondern der HC und sein treuherziger Kumpel Hofer. Es wird zwar auch das nicht so heiss gegessen, aber selbst ein oder zwei Tausender sind viel Geld, gell!

Aber wir vom Gmundl glauben ohnehin nicht recht an eine Wahlwiederholung. Denn das letzte diesbezügliche Urteil über die Wiener Bezirksvertretungswahl in der Leopoldstadt, die jetzt wiederholt werden muss, gibt einen klaren Rahmen vor: Es muss nicht nur Manipulation möglich gewesen sein (wie manche Verfassungsrechtler behaupten), sondern es muss auch zahlenmässig eine Manipulation möglich gewesen sein, die das Ergebnis gedreht hätte. Beispiel Leopoldstadt: 20 Stimmen Vorsprung der Grünen vor der FPÖ bei einem Bezirksratsmandat, 23 irreguläre Stimmzettel. Also klarer Fall: das Ergebnis hätte anders aussehen können. Da es bei der HBP-Wahl aber keine derartigen falschen Stimmzettel gibt und alle Beisitzer aller Parteien eine Manipulation dezidiert ausgeschlossen haben, ist es unwahrscheinlich, dass die Wahl wiederholt wird. Wir rechnen eher damit, dass der VfGH dem Gesetzgeber einige Änderungen beim Wahlgesetz und bei der Briefwahl sowie bei den Beisitzern auftragen wird. Auch das sei erwähnt: es gibt keine Anwesenheitspflicht von bzw. für Wahlbeisitzer. Logisch, denn da wären Wahlen nicht mehr durchführbar. Die kleinen Partei sind ja oft gar nicht in der Lage, genügend Wahlbeisitzer zu stellen.

Morgen gibt es die grosse Abstimmung über den Verbleib der Briten in der EU. Wie es ausgehen wird? Wir tippen auf drin bleiben. Aber wie immer es wirklich ausgeht: diese Abstimmung zeigt eine der grössten Schwächen der EU – und die liegt an der Politik. Viele Regierungschefs haben keine Idee von Europa. Auch Herr Cameron nicht – der hat diese Abstimmung ursprünglich nur dazu verwendet, die EU-Gegner innerhalb seiner eigenen Partei kalt zu stellen, weil sie ihn „absägen“ wollten. Also ein EU-Referendum allein aus innenpolitisch-parteitaktischen Gründen. Liebe Leute, so kann aus dem gemeinsamen Europa nichts werden. Leider ist zu fürchten, dass der Schock über die Abhaltung des Referendums nicht zu einem Überdenken so mancher EU-Wirrnisse führen wird. Unsere Politik ist, schade aber wahr, extrem erkenntnis-resistent.

Siehe etwa TTIP. Jetzt hat die Konsumenten-NGO „Food Watch“ ein Gutachten veröffentlicht, das nachweist, dass in den TTIP- und CETA-Verträgen das Vorsorgeprinzip ausgehebelt werden soll. Also jenes europäische Prinzip, dass Produzenten vorab (also vor Markteinführung) die Unschädlichkeit ihrer Produkte nachweisen müssen. Im Gegensatz zum US-Prinzip, dass erst jemand abkratzen muss, bevor ein Produkt vom Markt muss. In der Präambel von TTIP steht zwar drin, dass es zu keiner Absenkung des Konsumentenschutzes kommt, die einzelnen Vertragspunkte unterlaufen das aber. Politiker, die trotz des massiven Widerstandes der Bevölkerung diese Verträge durch ziehen wollen, haben die Zeichen der Zeit nicht verstanden.

So, liebe Leute, morgen kümmern wir uns wieder um den Freisitz. Da gibt es noch einige interessante Details öffentlich bekannt zu machen, gell! Und ausserdem arbeiten wir an einer ganz heissen Story, Gmundner Gschichtl natürlich, die Sie nur im Gmundl  zu einem Zeitpunkt zu lesen bekommen, an dem es noch nicht zu spät ist. Stop smoking, fasten seat belts! Die Story hat es in sich. Kicher, ich freu mich schon sowas drauf, ehrlich!

Ihre Babsy hat es wie die meisten im Gmundl-Team nicht so mit der Hitze. Also heute die noch halbwegs angenehme Temperatur geniessen. Am Donnerstag und Freitag helfen nur noch Eisbeutel und ein Hupfer in den doch noch sehr kalten Traunsee, gell! Bei sechsunddreissig angesagten Graderln im Juni sollen die Leugner des Klimawandels mal ihre Meinung überdenken, gell!

Babsy Blitzschnell f. d. Team Gmundl


Lärm in the City

Gastkommentar von Zugedröhnt

Weil es immer schon so war … wird’s auch weiterhin so sein!

Zum Kommentar von Wilhelm Krausshar

Es gibt eindeutig Erquickenderes, als am Sonntag um 08.00 Uhr mit Sprechproben und dann anschließedem Guetta-Gewummere beglückt zu werden.

„Bloss weil das immer schon so war …“
Das ist genau die Gmundner festzementierte Denk- & Handlungsweise, die aus dieser einstmals herrlichen Stadt am Traunsee eine – von Politikerchens aller Farben – leider auch noch geförderte sinn- & planlose Eventbühne gemacht hat.

Nicht nur das.
Auch noch eine wirtschaftlich und verkehrstechnisch ebenso sinn- & planlose Baubühne für Privatunternehmen, die sich wegen der Unfähigkeit der Politik auf Jahrzehnte hinaus mit leeren Zügen quer durch die Innenstadt ein goldenes Naserl verdienen werden.

Es wird noch spannend werden.
Bereits jetzt keucht die Kaufmannschaft und Gastrononomie (nicht nur im Zentrum, sondern auch an der Ostuferstraße) unter dem dramatischen Besucherschwund Gmundens, der nicht nur wegen der Monsterbaustelle im Zentrum, sondern auch in Anbetracht des visionslosen Touristikmanagements, das leider eine Verwaltungs- statt Gestaltungsdienststelle hier vor Ort – und das seit Jahrzehnten – bedauerliches Faktum ist.

Werter Herr Krausshar:
Nennen Sie mir eine Veranstaltung mit Strahlkraft, die innovativ und weitsichtig geplant, Gmunden eine neue Positionierung auch nur ansatzweise geboten hätte.

Nennen Sie auch nur ein Konzept (außer dem Keramikmarkt und dem Lichterfestl), das nicht nur ein paar Wenigen mit viel Stadt- & Steuergeld dient, sondern ein breites Publikum so begeistert hätte, dass daraus eine nachhaltige – auch der Wirtschaft Wertschöpfung generierende Sache geworden wäre.

Bin gespannt auf Ihre Beispiele.

Ein Toskanalauf, der nervtötendes Guetta-Dröhnen am Sonntag vormittags als Rahmen braucht, ist sicher besser draußen in der Toskana augehoben als mitten im Zentrum. Da, wo einige restverbliebene Anwohner und Touristen nur mehr den Schallwellen in ihren Frühstückskaffees – verbunden mit dem Wunsch es möge die Erleuchtung über diese Stadt kommen – statt den Traunseewellen am an der Esplanade zusehen müssen.

Die Stadtpolitik der letzten 20 Jahre und leider auch die neue Riege im Rathaus, welche die Schreiberin dieser Zeilen frappant an den hochgejubelten „Neo-Superkern“ samt seinem angekündigtem, neuen Stil in der Politik in der Bundesregierung erinnert (Fazit heute: „Er hat viel gequackt – und nix ist dahinter…“), hat das Denken und Handeln in Gmunden an Baufirmen und Eventfuzzis delegiert.

Und dem werden auch Sie, verehrter Herr Kraushar, doch nicht wirklich widersprechen können … und wollen …!


Pensionistenstadt Gmunden?

Gastkommentar von Ohropax

Lieber Herr Krausshar,
so sehr ich sonst Ihre Beiträge schätze. Diesmal haben Sie sich schwer vertan. Lärm im Ortszentrum hat nichts mit einer „lebendigen Stadt“ zu tun. Das ist Uralt-Denken. Oder Ballermann-Denken. Modernität und Lebendigkeit manifestieren sich nicht in sinnlosem Lärm. Die Alternativen sind nicht, wie Sie schreiben, eine „gemütliche Pensionistenstadt“ versus „lebendige Stadt“. Lebendigkeit äussert sich nicht in Lärm, sondern ist eine Sache des Kopfs und des Denkens. Der Ideen. Da scheint mir der Gmundner Tourismus eher eine Symbiose von Ideenlosigkeit und Altertümlichkeit (Alterdümmlichkeit?) zu sein.

Polemisch entgegne ich Ihnen jetzt: Pensionisten brauchen keine leise Stadt. Die können es sich einteilen, wann sie schlafen. Die senile Bettflucht trägt das ihre dazu bei, dass Pensionisten von den Lärmorgien weniger betroffen sein könnten. Somit habe ich den Eindruck, die derzeitige Art der Events ist eher auf Pensionisten zugeschnitten. Aber Scherz beiseite. Auch für Pensionisten  ist es eine Zumutung, ihre Schlafzeiten nach den Fehlplanungen des Tourismus auszurichten. Es ist für alle Menschen mit Schlaf- und Erholungsbedürfnis eine Zumutung. Wäre ich Gast im Schwan, bedanke ich mich, wenn ich permanent zugedröhnt werde. Die Dauernutzung des Rathausplatzes für Lärm-Events ist endlich einmal in Frage zu stellen.

Was Sie aber völlig übersehen: es gibt auch arbeitende Menschen in Gmunden. Gerade verlangt die IV (bejubelt von den Neos, für die Sie kandidiert haben, wenn ich mich richtig erinnere) den 12-Stunden-Tag und völlige Flexibilisierung der zeitlichen Lagerung der Arbeitszeiten. Wann also, bitte, sollen arbeitende Menschen Ruhe und Schlaf finden, wenn sie dauerbeschallt werden? Früh am Morgen schon, oft bis spät in die Nacht hinein! Lärmige Events gehören entweder weitab von Siedlungsgebieten oder in geschlossene Hallen. Der öffentliche Raum muss mit Rücksicht auf alle Menschen genutzt werden. Wobei diese Rücksicht sich – wie bei Bergwanderungen – sich an den Schwächsten und Schutzbedürftigsten zu orientieren hat, nicht an denInteressen einer ausgerasteten und minoritären „Spass“gesellschaft.

Aber wie der Millionen-Erbe und IV-Chef Kapsch als Leistungsträger so schön gesagt hat: „Die Leute werden es doch noch aushalten, zwölf Stunden durchzuarbeiten.“ Man könnte noch hinzufügen: „Sie werden den Lärm schon aushalten. Schlaf brauchen nur alte Säcke. Und Hackln bis 68 oder 70 ist auch total ok. Auch wenn man nie Ruhe finde.“ Wie sollen Menschen unter diesen Bedingungen weit über 65 hinaus arbeitsfähig bleiben? Längst wissen wir, dass Lärm eine der gesundheitsschädlichsten Begleiterscheinungen des modernen Lebens ist (weit vor falscher Ernährung oder Bewegungsmangel!).

Schöne neue Welt!
Rummdatumm bummms wummerwummer.


ohropax_gm


 

Es asamert!
21. Juni 2016

Heute:
Babsy Blitzschnell über das Asamern
GK Wilhelm Krausshar über Zugedröhnt

Liebe Leserleins!

Uns ist gestern bei der Verlinkung auf den offenen Brief von Stefan Moser leider ein Fehler unterlaufen. Wir haben das korrigiert, aber hier zur Sicherheit nocheinmal der Link: https://gmundl.com/2016/05/23/zitterpartie/
Dort finden Sie den Brief, auf den BM Krapf gestern in seiner Antwort repliziert hat. Somit sind jetzt Frage und Antwort hoffentlich gut vergleichbar.

Aber jetzt widmen wir uns wieder einmal dem Asamerismus.
Eine Frage, die aus der Leserschaft an uns heran getragen worden ist, war die, wie Frau Wenger-Petereder, die sich bereits als rechtsgültige Käuferin sah, es anstellen wollte, aus dem Freisitz, bisher ein Fass ohne Boden, ein halbwegs profitables Hotel zu machen. Noch dazu, wo Einigkeit herrscht, dass mit der momentanen Bettenzahl Rentabilität nicht zu erreichen ist.

Nun, bei informellen Gesprächen mit der Gemeinde, genauer gesagt mit Gemeindemandataren aus allen Parteien, hat ein Vertreter von Frau Wenger die Pläne erläutert. Dabei kam man auf die Wünsche der Asamers zur Umwidmung zweier Grundstücke hinter dem Hotel zu sprechen, über die es im Wirtschaftsblatt hiess: „Die beiden Grundstücke hinter dem Schloss sind nicht betriebsnotwendig, haben aber eine touristische Widmung. Da eine Umwidmung dieser Grundstücke auf Wohnwidmung von der Gemeinde Gmunden abgelehnt wurde, eröffnete Asamer, dass es für eine Kaufabwicklung nur eine Gesamtlösung geben könnte – das heisst, inklusive der zwei Grundstücke.“ (Frau Wenger hat laut eigener Aussage auch für diese beiden Grundstücke ein Kaufangebot nachgereicht, das Manfred Asamer telefonisch angenommen habe.)

Der Wunsch der Asamers auf Umwidmung dieser zwei Grundstücke stiess auf einhellige Ablehnung aller Fraktionen oder zumindest der anwesenden Fraktionsvertreter. Diese Grundstücke waren nämlich unter BM Köppl auf Betreiben der Asamers als strategische Reserve für das Hotel entsprechend gewidmet worden, eine neuerliche Umwidmung würde der Spekulation Vorschub leisten.
Zum Zeitpunkt dieser informellen Besprechung war laut dem Vertreter von Frau Wenger  „die neue Küche für Roith bereits bestellt, die alte schon entfernt“.

Das Konzept der Fam. Wenger sah vor, die Anzahl der Hotelzimmer dadurch zu erhöhen, dass man dafür die momentan noch in einem Teil des Gebäudes befindlichen Wohnungen nutzt. Man wollte die Wohnrechte ablösen und so auf die wirtschaftlich notwendige Zimmerzahl (40 bis 44) kommen. Geplant war ein Hotel der Vier-Sterne-S-Kategorie, das an 365 Tage im Jahr offen sein sollte . Man nehme dabei Mass am eigenen „Hotel Grüner Baum“ in Hallstatt, das sehr erfolgreich ist und eine Auslastung von 85 % hat. Dieses Hallstätter Erfolgsmodell sei Vorbild für den geplanten Betrieb im Freisitz. Da man in Richtung eines Romantik-Hotels denkt, sei man von Seiten der Familie Wenger an einem Neubau eines Bettentraktes auf besagten Grundstücken nicht sehr interessiert.

Bei einer weiteren informellen Besprechung wurde das Thema Widmung noch einmal angesprochen, wie man hört diesmal auf Wunsch der Sparkasse Linz (die Belastungen der Liegenschaft laufen zugunsten der Linzer Sparkasse, ausnahmsweise nicht RAIKA-OÖ). Wiederum stiess die Idee einer Umwidmung auf einhellige Ablehnung. Ein Mandatar stellte in den Raum, solange nicht alle rechtlichen Schritte gegen die Stadt Gmunden in Sachen Seebahnhof eingestellt sind, könne es aus seiner Sicht keine die Asamers begünstigenden Handlungen geben. Wie man hört, war die Stimmung unter den Mandataren nicht gerade von Begeisterung geprägt, die Wünsche der Asamers – so wie in der Vergangenheit – zu erfüllen.
Da spielt wohl auch die Angst mit, dass die Bevölkerung es wenig goutieren würde, wenn man wieder einmal an den Widmungen dreht, und die Asamers sind die Profiteure. Insbesondere in der ÖVP, so hören wir von einigen ihrer Mandatare, hat man Angst, damit den Neustart unter BM Krapf in Misskredit zu bringen und unglaubwürdig zu machen. Ein ÖVP-Mandatar hat uns auch bestätigt, dass es in der ÖVP noch immer eine kleine aber einflussreiche Minderheit gäbe, die sich dem neuen, offeneren Kurs von BM Krapf widersetzt.

Die Asamers haben im Wirtschaftsblatt behauptet, dass die Umwidmung der beiden Grundstücke „von der Gemeinde abgelehnt worden ist“. Offenbar leben die Asamers in ihrer eigenen Wirklichkeit. Denn bis heute gibt es weder ein offizielles Ansuchen auf Umwidmung noch gar eine Entscheidung des Gemeinderats in dieser Frage. Wie eine tatsächliche Abstimmung im Gemeinderat ausgehen würde, ist – trotz der negativen Stimmung dazu in den informellen Gesprächen – völlig offen. Aber es ist ohnehin schon bisher nicht die vorrangige Strategie der Asamers gewesen, auf normalen, demokratischen Wegen zu wandeln und auf kommunalpolitische Entscheidungen der offiziellen Gremien zu warten.

Wie man aus der Vergangenheit weiss, wurden Zusagen praktisch immer in „Hinterzimmern“ ausgehandelt (heutzutage nennt man das „netzwerken“). Die Devise war: erst in intransparenten Seilschaften ausmauscheln, und dann sorgt Ex-BM Köppl dafür, dass diese „Beschlüsse“ der nicht legitimierten Mauschelrunden im Gemeinderat durch gewunken wurden. Wir können nur hoffen, dass mit dieser Praxis jetzt endlich Schluss ist. Auch das wäre nämlich ein wichtiger Teil einer neuen Politikkultur in Gmunden – nur lieb zu einander zu sein, ist zu wenig.

Immerhin hört man von Mandataren der FPÖ (aber auch anderer Fraktionen) hinter vorgehaltener Hand, dass vereinzelte ÖVP-Mandatare die klimatischen Änderungsversuche von BM Krapf nicht nur nicht mittragen, sondern im Hintergrund durchaus auch zu torpedieren versuchen.

Babsy Blitzschnell f. d. Team Gmundl


Zugedröhnt

Gastkommentar von Wilhelm Krausshar

Zum Thema zugedröhnt:
Der letzten Sonntag gewesene Toscanalauf ist zum 26.oder 27. Mal veranstaltet worden, und zwar von keinen Eventfuzzies, sondern von einem Sportverein. Und die morgendliche Beschallung zu dieser Veranstaltung war immer die gleiche zur gleichen Zeit. Gmunden sollte doch eine lebendige Stadt sein, wird immer gewünscht. Alle jammern, dass die Innenstadt tot ist, und dann kommen viele Besucher zum Toscanalauf, und dann ist es wieder nicht recht.
Vielleicht sollte sich Gmunden entscheiden, ob es eine gemütliche Seniorenresidenz sein will oder eine moderne, lebendige Stadt.


 

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