Denk mal Hallstatt

Heute:
Babsy Blitzschnells bunte Rundschau aus Stadt und Land

Liebe Leserleins!

Wer dachte, es ist schon ausreichend komisch, wenn in einem oberösterreichischen Ort überzählige Stimmzetterln in der Rundablage landen, der bzw. die irrt sich.

Im Örtchen Miesenbach, Niederösterreichische Voralpen, hat man deutlich und entschieden Komischeres zuwege gebracht. Dort haben – freundlich beobachtet von den Ortsgranden – sechs Jugendliche unter 16 von ihrem nicht gegebenen Wahlrecht eifrig Gebrauch gemacht. Fehler können natürlich immer geschehen. Aber in einer Monsterstadt wie Miesenbach mit 700 Einwohnern und 580 Wahlberechtigten? Dort kennt doch jeder jeden. Selbst die paar Hasen und Füchse, die sich auf den Feldern Gute-Nacht sagen, kennen sich mit Namen und Anschrift. Da fällt niemandem auf, dass ein paar frisch Pubertierende eher nicht nach den hohen Weihen der Wahlberechtigung aussehen?

Für die Jugendlichen war es vermutlich eine Hetz. Welches Gericht der Welt will die Schlingeln ernsthaft wegen dieser „Straftat“ verurteilen? Obwohl, es gäbe da ein richtig hartes Urteil: regelmässiger Besuch der Sitzungen der diversen Ortsparteien von Miesenbach. Wer das überlebt, dem kann das Leben nur mehr wenig anhaben.

Und jetzt sind wir wieder einmal vor Ort mit kritischem Blick unterwegs.
Wie in den Zeitungen zu lesen war, hat das Bundesdenkmalamt sich jetzt in Sachen „Hallstätter Salzamt wird Hotel“ angeblich „bewegt“. Der Investor schöpft neuen Mut, dass er den Zubau zum alten Salzamt genehmigt bekommt. Aber wie das so ist mit Investoren, frau fragt sich, was da Wahrheit und was Wunschdenken ist. Denn unkritisch kann man auch diese Hotelgeschichte nichts sehen – weder unkritisch in Fragen Investor, noch unkritisch in grundsätzlicher Hinsicht, was die Entwicklung des Hallstätter Tourismus betrifft.

Schon 2014 wurde die Inbetriebnahme für Mitte 2015 versprochen. Ausserdem wurde vom selben Investor damals verkündet, man würde auf dem Gebiet der Gosaumühle ein paar Kilometer vor Hallstattt ein 140-Betten-Hotel mit Wellnessanlage, Hallenbad, Parklandschaft, Schiffsanlegestelle und 10 Chalets errichten. Preisfrage: Was davon wurde realisiert? Richtig! Nix. Wem kommt das bekannt vor? Wem fällt ein Referenzprojekt mit ähnlichem Verlauf ein? Richtig! Gmunden und unser Asamer-Traumhotel.

Zwanzig Millionen sollte das Projekt an der Gosaumündung kosten. Man strebe eine Eigenkapitalquote von 50 % an, 20 % habe man bereits. Sprich: damals. 2014, fehlten läppische 16 Millionen. (Und das Salzamt-Projekt kostet auch noch einmal 10 Mille!) Aber dafür wollte man 2015 mit dem Bau beginnen und 2017 fertig sein. Ja, die schönsten Märchen schreiben heute die sogenannten Investoren.

Die grosse Frage: hat Hallstatt seine Pläne auf Sand gebaut? Aber, und das ist fast die noch wichtigere Frage, wie soll sich ein zusätzliches Ganzjahreshotel für Familien (so der Investor) in Hallstatt rechnen? Die Saison dort ist noch kürzer als in Gmunden. Und vor allem stellt sich die Frage, ob Hallstatt nicht längst an der Grenze dessen angelangt ist (oder sie bereits überschritten hat), was diese kleine Stadt verträgt. Längst bedrohen die Touristenmassen den Ortscharakter. Hallstatt-Lahn (wo das Hotel hinkommt) war nie ein besonderes Juwel, jetzt ist es schlicht nur noch hässlich – vollgemüllt mit Abstellplätzen und grausamen Zweckbauten. Hallstatt-Gefühl stellt sich dort beim besten Willen nicht mehr ein. Die grosse Frage ist, ob Hallstatt anstatt den Versuch einer Expansion zu starten, nicht besser beraten wäre, den Besucherstrom zu limitieren. Nicht umsonst hat sich vor Ort eine auch bei den letzten Wahlen sehr erfolgreiche Bürgerinitiative gebildet: Bürger für Hallstatt (BfH).

Der Verkauf des Salzamts an den „Investor“ wurde gegen die vier Stimmen der BfH beschlossen. Die BfH hat folgende Anfrage an den Bürgermeister gerichtet, die dieser mit einem schlichten „Ja“ beantwortet hat:

Sehr geehrter Herr Bürgermeister,

In der Onlineausgabe der Tageszeitung „Der Standard“ findet sich unter http://derstandard.at/1322424/Von-Freund-zu-Freund folgender Artikel.

„5. Juni 2003, […]

Die „Wörthersee-Bühne“ Veranstaltungs- Betriebs- und Verwertungsgesellschaft m.b.H., der ganze Stolz des Kärntner Landeshauptmannes [Jörg Haider] und dessen Kunstfreundes Siegmund Kahlbacher wird nicht in Konkurs gehen, nicht etwa, weil sie nicht Pleite wäre, sondern weil sie so Pleite ist, dass sie nicht einmal die Verfahrenskosten aufbringen kann […]. Der [2003] 43-jährige Ex-FPÖ-Parteisekretär Kahlbacher ist identisch mit jenem, der 1998 mit der „Universe of Opera“-Pleite seiner ART Production GmbH […] im Wiener Stadion Kunsterfahrung gesammelt hat. Auch in das Ausgleichsverfahren der „Brauchl Haus-Produktions Gesellschaft m.b.H.“ […] und in die Pleite der Historyworld Betriebs-GmbH. […] involviert, ist er konkurssachverständig.“

Deshalb richte ich in diesem Zusammenhang gem. §63a OÖGemO und §11 Geschäftsordnung für Kollegialorgane folgende Anfrage an Sie:

Ist der in diesem Artikel genannte Siegmund Kahlbacher identisch mit jenem, der die Mehrheitsanteile der Hallstatt Hotelerrichtungs GmbH (Heritage Hotel) erworben hat und der, welcher mit der ihm mehrheitlich gehörenden K.Y.A.T.T. Immobilien Entwicklungs GmbH, das Amtshaus in Hallstatt, Lahn 1 erwerben will?“

Das alles kommt einem bekannt vor. Eine Gemeinde verkauft günstig ein Grundstück an einen „Investor“ zweifelhafter Qualität. Den Versprechungen folgen nur wenige Taten.

Die Haltung und die Forderungen der BfH sind leicht nach vollziehbar:

Unsere Forderungen
Der Verein „Bürger für Hallstatt“ tritt für den Erhalt der Lebensqualität im UNESCO-Welterbe-Gebiet „Hallstatt – Dachstein/Salzkammergut“ ein.
Wir lehnen die fortschreitende Vermarktung unseres Lebensraums ab.
Wir lehnen die Förderung des Massen-Tourismus in Hallstatt ab.
Wir treten für die Förderung eines sanften Tourismus ein, dessen Erträge in Hallstatt bleiben.
Wir sind gegen die geplante Nutzung des historischen Amtshauses als Hotel.
Wer sich detailliert informieren will: http://www.bfhallstatt.at/

Hallstatt geht derzeit einen gefährlichen Weg. Eines Tages könnte genau das auf der Strecke bleiben, was die Einzigartigkeit Hallstatts ausmacht. Und ein Grossteil der dortigen Bürger wird nichts davon gehabt haben als eine Verschlechterung der Lebensqualität zum Nutzen einiger Weniger.

Babsy Blitzschnell f. d. Team Gmundl


 

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