Brexitlärm lokal global

Heute:
Babsy Blitzschnell ganz schnell
EK AndyB Einwand zu Kammerhofer
GK AndyB Lärmende Lächerlichkeit
GK Wolfgang Neubacher Übersehen?
GK Wilhelm Krausshar Lautes Sprechen verboten

Liebe Leserleins!

Mit der Lärmdebatte haben wir eine Lawine los getreten. Lärm tut den meisten Bürgerleins weh. Wann wird sich diese schmerzhafte Erkenntnis bis zur lokalen Politik durchsprechen? Oder sind dort, dank der Lärmorgien, schon alle derrisch? Auch der Brexit bewegt die Menschen und ist noch immer Tagesthema. Das wird er die nächsten Jahre wohl auch bleiben, auch wenn sich die Anzeichen mehren, dass die Brexit-Befürworter jetzt Angst vor sich selbst bekommen und (auch unter dem Druck der eigenen Wirtschaft und vieler Briten) scheinbar nach einem Exit vom Brexit suchen. Das kann noch spannend werden.

Auf jeden Fall haben wir derzeit eine Unmenge von Kommentaren unserer Leserleins, die sich so als tolle Bürgerleins erweisen. Darum fasst Ihre Babsy sich wieder kurz und macht unseren zivilgesellschaftlichen Mitarbeiterleins Platz. Wir bringen einen Teil der eingetrudelten Beiträge heute und einen Teil dann morgen. Sonst wirds zuviel auf einmal, gell!

Auch die Zugriffe auf unseren Blog sind in Anbetracht der Jahreszeit enorm. Wir treffen halt den Nerv, gell, und zwar so, dass die Leserleins offensichtlich nicht genervt sind, sondern zum Lesen und Diskutieren animiert. So soll es auch sein!

Wir wünschen einen erkenntnisreichen Tag!

Babsy Blitzschnell f. d. Team Gmundl


Einwand

Einserkasterl von AndyB

Zum Kommentar von Herrn Kammerhofer einen kleinen Einwand :

“Jetzt hat Johnson die jungen Leute in den Dreck geritten“

Meinesartens haben sich die jungen Leute selber in den Dreck geritten, denn nur eine sehr kleine Zahl der Jungen ist wählen gegangen. Also kann ihnen ihre Zukunft nicht so wichtig gewesen sein …


Lärmende Lächerlichkeit

Gastkommentar von AndyB

Ich finde diese „Lärmdiskussion“ völlig lächerlich.

Solchen „Lärm“ gibt es in jeder normalen Großstadt und Gmunden möchte doch sooo gerne eine Großstadt sein, mit einer großen Bimmelbahn.
In jeder normalen Großstadt gibt es Stadtfeste, Straßenfeste, Vereinsfeste, Flohmärkte, andere Märkte und andere Veranstaltungen, die eben „Lärm“ erzeugen. Die finden auch unter „freiem Himmel“ statt, in keiner Halle und auch mitten in der Stadt oder Stadtteilen und mit Bands. Mit „Qualität“ der Stadt oder „gehobenen Tourismus“ hat das wenig zu tun.

„Subkultur“, da muss ich laut lachen. Subkultur können sie manchmal bei Konzerten im Kino Ebensee hören und sehen.

Über die Qualität der angebotenen Interpreten kann man natürlich streiten. Ich habe mich herzlich amüsiert, als ich das Plakat „Gmunden Rocks“ gesehen haben. Was sollte denn da „rocken“? Ein abgehalfterter Komiker, über dessen Witze schon seit 30 oder 40 Jahren keiner lachen kann? Ein abgehalftertes Mitglied der Kelly Family, von denen einer inzwischen schon wieder auf der Straße spielt? Der ehemalige Kindergärtner und Goldmaskenträger Sido?

Sorry, ich muss bei der Diskussion und bei der Auswahl der Interpreten immer denken : „Dorftr…..“. (Sorry, aber denke ich … wenn es zu beleidigend ist, bitte streichen …).

Man sollte mich mal diese drei Tage gestalten lassen, dann sähe die Welt anders aus. Dass man es nicht jedem recht machen kann, ist mir schon klar. Es gibt immer welche, die was zu quaken haben.

Ich kann die saufenden Jugendlichen ja irgendwie verstehen. In Gmunden ist ja sonst nichts los. Um 18 Uhr werden hier die „Bürgersteige hoch geklappt“, und es ist völlig tot. Die Sauferei haben sie eh von den Alten gelernt, die bei jedem Bierzelt oder Volksfest sich die Kante geben. Die hohen Zahlen der Unfälle mit Alkohol kommen ja nicht von irgendwo.

Was ich schon länger mal loswerden wollte, wenn ich z.B. unsere Politiker bei Neueröffnungen in der Zeitung sehe. Brauchtum heißt nicht, im Trachtenanzug zu Neueröffnungen oder ins Bierzelt zu gehen!

Na, aber das Lichterfest gehört natürlich zur Tradition und der Keramik-Markt.

Das Lichterfest ist, wie die anderen Seefeste auch, eine riesige Abzockerei (genau wie der Weihnachtsmarkt). Man „darf“ Eintritt zahlen, um dann für überhöhte Preise etwas zu konsumieren. Keramik Markt? Jedes Jahr die gleichen Händler, mit dem gleichen Gelumpe. Das mag beim ersten Besuch eine nette Sache sein, auch noch beim zweiten Besuch, aber jedes Jahr?!

Zum Abschluss muss ich aber die österreichischen Politiker auch mal loben.
Dieses Wettbewerb, wo Studenten ein paar Monate Außenminister spielen dürfen, das finde ich eine tolle Sache.
Diesen Kurz, der da gewonnen hat, den habe ich neulich im Fernsehen gesehen, das ist schon Klasse. Ok, wenn sich die Erwachsenen unterhalten, dann muss er natürlich den Mund halten, und zu Treffen der Außenminister darf er ja auch nicht mit. Er schwafelt halt auch oft Unsinn, aber an sich ist das eine gute Sache. Wo kann man sich da eigentlich bewerben?


Übersehen?

Gastkommentar von Wolfgang Neubacher

S.g. Hr. Amon,

bei Ihrer Idee: „Bei der Abstimmung über solche Fragen müßten hohe Anforderungen gestellt werden: Teilnahme von mindestens drei Vierteln der Wahlberechtigten und eine qualifizierte Zwei-Drittel-Mehrheit.“ übersehen Sie zumindest zwei Argumente.

1. Bei so einer Vorgehensweise bestimmen 25% zumindest 33,3%, bei Wahlpflicht unter Sanktionen, das Schicksal aller.
Denn die 25,x% legen durch ihr Fernbleiben von der Wahl ein Veto ein und bestimmen so den Ausgang der Wahl.

Wenn man für den Austritt aus der EU derartig hohe Anforderungen verlangt, müsste man diese auch für den Beitritt verlangen. Österreich wäre – hätte man nach Ihren Vorstellungen gewählt – nicht Mitglied der EU. (Knapp, aber es hätten fast 4000 Stimmen gefehlt.)
Daraus erkennt man auch sehr schön den Sinn von derartigen erhöhten Quoren – nämlich Bestandsschutz. (So ist gesichert, dass wir nicht nach jeder NRW mittels einfacher Mehrheit eine neue Verfassung bekommen.)

2. Wer bestimmt, welche Fragen so wichtig sind, dass diese zu ihrer Änderung höhere Anforderungen erfüllen müssen?
Eine solche Bestimmung muss mE noch höhere, zumindest aber gleiche Anforderungen erfüllen. Um beim Beispiel zu bleiben, bedürfte es eines Volksentscheids mit mindesten den obigen Quoren zur Frage, ob die EU-Mitgliedschaft ein so wichtige Frage darstellt, daß ein Austritt nur mittels der obigen erhöhten Quoren möglich ist.
Ich würde es einen Taschenspielertrick (nach dem Motto: lass ma’s Volk mitabstimmen, 33% werma scho darenna.) nennen, wenn die Politik (zB einfach Mehrheit im Parlament) bestimmen könnte, welche Fragen nur mittels erhöhten Quoren geändert werden können.

Mit freundlichen Grüßen
Wolfgang Neubacher

Wir haben Michael Amon um eine Stellungnahme ersucht. Hier ist sie.

Sehr geehrter Herr Neubacher!

Übersehen habe ich diese Probleme nicht, aber darauf im Detail einzugehen, hätte den Rahmen meines Kommentars gesprengt.
Ihre Einwände sind berechtigt. Sie ändern aber nichts an der Problematik, daß es Fragen gibt, die sinnvollerweise nur mit qualifizierten Mehrheiten entschieden werden sollten. Allerdings führt das dazu, daß manche Entscheidungen schwierig und Strukturen „einzementiert“ werden und nur schwer zu ändern sind. Das ist der Nachteil. Der Vorteil: es gibt einen Puffer gegen all zu emotionale Entscheidungen, die meist aus dem Bauch getroffen werden und am nächsten Tag ganz anders ausgehen können. Gerade die Entwicklung rund um den Brexit zeigt deutlich, daß die angebliche „Stimme des Volkes“ (was bei 52%-Quoren ein fraglicher Begriff ist) sehr wankelmütig ist. Wetten, daß eine Brexit-Abstimmung in dieser Woche anders ausgehen würde?

Demokratie ist schwierig und in der Regel nicht perfekt (was in der Natur der Sache liegt). Aber eine Diskussion darüber, wie man die Gesellschaft vor rein emotionalen Entscheidungen schützt, wird uns nicht erspart bleiben. Gerade aus der Brexit-Abstimmung und den sie begleitenden Umständen sollten wir etwas lernen: daß es einen guten Grund hat, warum die meisten demokratischen Verfassungen mittels „repräsentativer Demokratie“ einen Schutz gegen „Volkserregungen“ eingebaut haben. Wir müssen einerseits die Balance zwischen Parlamentarismus und direkter Demokratie neu überdenken, aber gleichzeitig dafür sorgen, daß bei direktdemokratischen Entscheidungen die Interessen großer „Minderheiten“ gewahrt werden. Fürwahr keine leichte Aufgabe, aber wir werden sie auf irgend eine Weise lösen müssen.

Mit besten Grüßen
Michael Amon


Lautes Sprechen verboten

Gastkommentar von Wilhelm Krausshar

Noch eine allerletzte Anmerkung zu den Veranstaltungen in Gmunden.
Ich werde mich hüten, zur künstlerischen Qualität Stellung zu nehmen. Für die ist ausschließlich das Kulturamt und dessen persönliches Umfeld zuständig.
Sollte hier jemand etwas ändern wollen, muss er bis zur nächsten Gemeinderatswahl warten und dann eine absolute Mehrheit verhindern.
Leider sind halt um den Fußballplatz auch Wohngebiete, und daher innerhalb von Gmunden kein Areal, das für größere Feste und Veranstaltungen im Sinn der Ruhebedürftigen geeignet ist.
Dass allerdings am Marktplatz ein Lokal mit vier Tischen am Gehsteig ein Schild anbringen muss, auf dem steht „lautes Sprechen verboten“, ist denn doch übertrieben. Vor allem, wenn dann die Anrainer mit ihren SUVs an den Tischen vorbeibrausen trotz Fahrverbot.

Anm. d. Red.:
Das mit dem „lauten Sprechen“ ist doch in der Praxis mitunter wirklich ein Ärgernis. Selbst in einer Grossstadt wie Wien wird heftig über die „Schanigärten“ diskutiert, weil die dort lebenden Anrainer unter der monatelangen nächtlichen „Ruhestörung“ leiden. Auch blosses Sprechen kann unbeteiligte und unfreiwillige Zuhörer nerven, wenn sie damit stundenlang konfrontiert sind. Also gibt es klare Regeln und strenge Vorschriften zur Sperrstunde. Wenn wir alle immer länger arbeiten und möglichst spät in die Pension gehen sollen, dann ist die gesellschaftliche Güterabwägung wohl eindeutig: Ruhe und Erholung geht vor den Bedürfnissen einer immer mehr ausufernden rücksichtslosen Spassgesellschaft. Wir müssen die Prinzipien einer neoliberalen Ellbogen-Gesellschaft nämlich keineswegs auf alle Lebensbereiche übertragen. Im Gegenteil.
Babsy Blitzschnell f. d. Team Gmundl


 

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