Geschäfte mit der Öffentlichkeit
13. Mai 2012

Das „Team Gmundl“ hat eine kleine Pause eingelegt. Aber jetzt sind wir wieder da. Mit Wucht und Bravour gleich mal in die Vollen. Und niemand soll glauben, das sei unaktuell. Die nächsten Folgen einer kleinen Fortsetzungsstory (Titel: Auch Gmunden hat seinen Karl-Heinz) sind schon recherchiert, nur noch ein paar stilistische Feinheiten, und ab gehen die Blogs in den nächsten Wochen. Beginnen wir’s wieder!

Also: Der den Sozialdemokraten nahestehende Schriftsteller Michael Amon, der zeitweise auch in Gmunden lebt, hat in der Online-Ausgabe der OÖN einen Bericht über das AMS kommentiert. Ist zwar schon ein Zeiterl her, aber nicht uninteressant und noch immer hochaktuell, was Amon schreibt – und noch interessanter, was er nicht schreibt. Aber davon weiter unten.

Hier der Bericht der OÖN (15. 2. 2012):

LINZ. Im Großraum Linz und in Teilen Niederösterreichs testet das Arbeitsmarktservice (AMS) eine ungewöhnliche Kooperation. Die gemeinnützige Personalüberlassung Tandem soll mit gewerblichen Leiharbeitsfirmen Langzeitarbeitslose wieder in Beschäftigung bringen.

Funktionieren soll das so: Tandem bekommt von mehreren AMS-Geschäftsstellen (in Oberösterreich aus Linz, Wels, Traun und Steyr) langzeitbeschäftigungslose Menschen zugewiesen. Das setzt eine Arbeitslosigkeit von sechs bzw. von zwölf Monaten voraus. 1700 Personen sollen das im Projektzeitraum bis April 2013 sein. Diese sollen von Tandem mit Kurzschulungen oder Praktika auf einen Arbeitseinsatz vorbereitet werden. 60 Prozent oder rund 1000 Arbeitslose sollen über Personalleasing wieder in einem Job Fuß fassen.

Hier kommen die gewerblichen Überlasser ins Spiel: Sie sollen ihre Marktkenntnis einbringen und die schwerer Vermittelbaren ihren Kunden mit ihrem Personal anbieten. Diese Verleiher kassieren eine Prämie, wenn die Arbeitslosen mehr als drei Monate in einem Vollzeitjob landen.

Für die Beschäftigerbetriebe, die den Arbeitsuchenden eine Chance geben, sind die Tarife viel billiger – um bis zu 40 Prozent. „Wir zahlen den Vermittelten den arbeitsplatzüblichen Lohn. Die Differenz zum billigeren Überlassungstarif ist die Förderung des AMS“, sagt Tandem-Gründer Hermann Zemlicka. 18 Leiharbeitsfirmen haben in den ersten Wochen des Projekts eine Kooperationsvereinbarung unterschrieben.

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Und hier das Posting von Amon:

Verrücktheit
Schwer vermittelbare Arbeitslose über Leasingfirmen wieder in Arbeit zu bringen und dabei ordentlich mitzuschneiden ist abartig. Wer erfindet so etwas? Meines Wissens arbeitet das AMS tagtäglich mit Leasingfirmen eng zusammen. Wozu einen zusätzlichen Vermittler dazwischen schalten? Und: Personalvermittler müssen ihr Angebot paßgenau auf die Beschäftiger zuschneiden, um im umkämpften Markt zu bestehen. Über diese Schiene benachteiligte, unvermittelbare Personen in Arbeit zu bekommen, ist eine Illusion. Dem AMS hat minimalste Mittel für individuelle aktive Arbeitsmarktpolitik. Mehr als ein Monat 100% und 3 Monate 40% der Lohnkosten sind normal nicht drin. Warum also „füttert“ man Kurse der Aufsichtsratsmitglieder (BFI, WIFI) oder gar so zweifelhafte Firmen wie „Tandem“, die selbst so gut wie ausschließlich prekäre Arbeitsverhältnisse anbietet? Und seit wann ist eine GmbH gemeinnützig???
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Was Amon nicht schreibt (mit Rücksicht auf einen Parteifreund?): Die Firma Tandem gehört einem Gmunder SPÖ-Gemeinderat, dessen Geschäftsmodell offenbar darauf beruht, sich immer möglichst in der Nähe offener öffentlicher Hände herumzutreiben. We are only in it for the money? Gemeinnützig ist da in der Tat gar nichts. Der Herr hat auch ein paar zigtausend Euro von der Stadtgemeinde kassiert für irgendeine Studie zu UNI-Fragen. Jetzt hat er das Geld, und wir ka UNI. Wo der Mann uns doch einst schon prophezeit hat, dass innerhalb von fünf Jahren 800 Studierende Gmunden stürmen und gleichzeitig pro Kopf ein paar Tausender Studiengebühren hinblattln würden. Wie man weiss, sind es nicht ganz so viele geworden. Aber man wird sich ja noch verschätzen dürfen. Echt pervers: da kämpfen die SPÖ und ihre Jugendorganisationen gegen die Studiengebühren, wollen die Reichen besteuern, und die Gmundner SP hat nichts anderes zu tun, als von unleistbaren Studiengebühren zu träumen. Und jene Reichen nach Gmunden zu locken, die sie eigentlich besteuern will. Aber vielleicht ist das nur eine besonders listige Form, den Gstopften das Geld aus der Tasche zu leiern. Aber so listig, das zu schnallen, sind die Geldsäcke schon lang. Sonst wären sie keine Geldsäcke geworden. Huhu, SP-Gmunden, aufwachen! Weckruf!
Man sollte auch nicht vergessen, bei dem famosen Tandem-AMS-Modell darauf hinzuweisen, dass auf diese Weise der Konkurrenzkampf innerhalb der personalbereitstellenden Firmen gehörig angefeuert wird, und zwar in Form der Lohndrückerei durch die „geförderten“ Arbeitskräfte. Mit dieser Art der „Förderung“ gefährdet man in Wahrheit bestehende, noch halbwegs gut bezahlte Jobs in der Privatwirtschaft und fördert das Prekariat, anstatt es zu bekämpfen. Wahrhaft sozialdemokratisch so ein Tandem: viele strampeln und einer kassiert.
Wenn die Gmundner SPÖ wenigstens bei ihren Stammwählern wieder ein wenig Glaubwürdigkeit gewinnen will (man buchstabiert das: G-L-A-U-B-W-Ü-R-D-I-G-K-E-I-T), dann sollte sie sich endlich von Leuten trennen, deren Geschäftstätigkeit der eigenen Wählerschaft weder zu erklären noch zumutbar  ist.
Weil der Grossvater vom Gmundl würde nämlich im Grab rotieren, wenn er mitbekäme, dass seine Partei von ein paar Geschäftemachern gekapert worden ist, die dann auch noch so tun, als ob sie „visionäre Linke“ wären.Von wegen …
Das mit dem Rotieren wird natürlich ein bisschen schwierig für den Grossvater, weil er hat sich in roter Tradition verbrennen lassen. Wird aus dem Rotieren halt ein Tornado. Ein Aschen-Wirbelsturm in der Urne. Und das haben all unsere roten Grossväter sich nicht verdient. Aber vielleicht kommt die Gmundner SP irgendwann zur Besinnung. Nach der übernächsten Wahlschlappe, wenn der Köppl von den Bürgerinnen und Bürgern spontan zum Bürgermeister auf Lebenszeit ausgerufen worden ist, nachdem sie den Dickinger in der Altmühl getroffen haben. So alt kann der Köppl gar nicht werden, wie ein paar Herren der SP-Gmunden heut schon ausschauen. Wackelts mit dem Popo, möcht man denen zurufen. Aber die wackeln ja ned amal mit den Ohren. Möge der Grossvater-Aschentornado über sie kommen!

Verarschen kann ich mich selbst!
29. November 2011

Wissen Sie was ein Swap ist? Nein? Na gut, macht nichts. Der Linzer Bürgermeister weiß es auch nicht. Blöderweise hat er aber geswoppt! Er natürlich nicht. Bei unbedeutenden Beträgen, affigen 200, 300 oder 400 Millionen Eurönchen, den genauen Betrag scheint niemand zu kennen, kann man sich nicht selbst kümmern. Dafür hat man Unterläufeln. Und wer kann den genauen Betrag schon nachrechnen. Nicht einmal die paar Streber unter uns, die in Mathe nicht eingeschlafen sind, sondern aufgepasst und immer brav das Pfoterl gehoben und nachgefragt haben.

Dabei ist die Formel ganz einfach, rechnet man locker mal runter:

Wer jetzt ein grimmiges Gefühl im Bauch hat, so in der Art: wenn ein Ding so eine Formel hat, mache ich lieber einen großen Bogen rum, dem gehts wie Gmundl. Um sowas macht er einen Bogen. Einen riesigen Bogen. Einen riesigen Riesenbogen. Weil da fliegt einem glatt das Blech weg, weil man nicht durchsteigt. Man muß halt auf ein paar Kröten verzichten. Ist nicht der Job vom Bürgermeister in der Bank zum bunten Casino das Geld der Bürger (manche nennen es Steuergeld) zu vermehren. Klappt nämlich meist nicht und das Pinkepinke wird weniger. Zaster her, sagt dann nicht nur eine ausgeflippte Innenministerin (hat die der Muhri, einst KPÖ-Vorsitzender, jetzt scheinbar Untoter=Vampir, gebissen?). Zaster her, sagt die Bank. Aber man war nur dann ein guter Politiker, wenn man ein cleverer Politiker war. Ein cleverer Politiker war man aber nur dann, wenn man den Tanz ums Goldene Kalb mitgemacht hat – an den Börsen, beim Anlegen von Steuergeldern. Da war man richtig clever und gut. Solange es gut gegangen ist. Blöd gelaufen. An der Börse läuft es nämlich irgendwann immer blöd. Dann bist du der Blöde. Oder der Bürgermeister. Aber am Ende doch wieder du selbst, weil du brennst wie ein Luster. Steuern. Oder sie reissen dir zwecks Einsparung das Spitalsbett unter dem wundgelegenen Arsch weg.

Weil die Gemeinde mit dem cleveren Bürgermeister nicht zahlen will, wir reden von Linz, aber Linz ist überall, dackelt der rote Exchef der exroten Bank zum roten Bürgermeister. Um einen Vortrag zu halten. Über den Swopp, wie wir Lateiner den Swap aussprechen. Ein ziemlich spät kommender Vortrag. Wurscht! Versteht ohnedies jeder nur Bahnhof, wenn überhaupt. Und der rote Exbanken-Chef weiß auch nichts Genaues. Es hat nämlich die vierte Entscheidungsebene unter ihm entschieden. Dort hockt scheinbar ein Mathe-Genie und entscheidet. Weil der Exbank-Chef, jetzt Notenbankboss, auch nicht weiß, was fj ist.

Jetzt kratzt sich Herr Gmundl zweifelnd am Kopf. Wozu braucht man diese Kerle noch, einen Bürgermesiter, einen Bankdirektor, all diese Oberläufel, wenn sowieso die Unterläufel entscheiden? Die Gemeinderatsabgeordneten haben dafür gestimmt, weil es der jeweilige Klubobmann angeschafft hat. Der muss wissen, was sie tun. Weiß er aber nicht, denn ihm hat der Unterläufel angeschafft, was er anzuschaffen hat. Und ganz oben galt: nichts sagen, nichts hören, nichts sehen.

Für normal brauchst dazu drei Affen:

Hier haben zwei gereicht.

Und dem Herrn Gmundl reichts auch. Verarschen kann er sich selbst. Und demnächst haben wir in Biologie den Default Credit Swap. Da werden die Bürger erst Augen machen. Verzweifelt die Taschenrechner zücken. Während die Oberläufel den Schlaf der Cleveren schlafen.

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