Freiheit versus Sicherheit und ein wenig günstiges Wohnen

18. April 2015 - Eine Antwort

Heute:
Wohnen
Gastkommentar Marge Lila zu Freiheit & Sicherheit

 

Liebe Leserleins!

Das sind heute unsere Themen. Wir sind sowas von glücklich! Gmundl bewegt die Gemüter und die Gehirne. Ja, hier auch Raum und Zeit für ausführlichere Gedanken, die sich unsere Leserleins machen. Oder auch für kurze Gedankensplitter. Im Gegensatz zum Lotto ist hier bei uns wirklich alles möglich. Wir haben nun einmal die besten Leserleins weit und breit. Und aus Leserleins werden manchmal auch Schreiberleins. Wunderbar! Jubeltrubelheiterkeit, kann da Ihre Babsy nur ausrufen.

Das Thema “günstiges Wohnen” war hier schon am Tapet. Erst vor ganz kurzem dank eines erhellenden Inserats der Gmundner ÖVP, in dem sie kundtat, was sie beim Wohnen unter “günstig” versteht. Die ehemalige “Volks”partei präsentiert sich so als die Partei der Geldsäcke. Oder als die Partei von Menschen, die eine Menge Erbtanten, Erbonkels, Onkel Fränks haben oder über geheime Zugänge zu den Kellergewölben der Österreichischen Nationalbank verfügen (dort, wo die ganz grossen Euro-Scheinchen gelagert werden). ÖVP – die Partei der Panzerknacker? Oder glaubt man dort, alle Einwohner Gmundens verfügen über einen Geldspeicher à la Dagobert Duck? Bei den Durchschnittsverdienern Gmundens, und das ist die Mehrzahl der Bevölkerung, kann es schon mal für den offiziösen Azubi-Schal reichen, aber für Wohnungen? Noch dazu günstig? Da flattern doch diese Wolche tatsächlich Werbungen für – tatatata traratrara pauke trompete – GÜNSTIGE Wohnungen in die Gmundner Haushalte. Offensichtlich von der ÖVP inspiriert, wird da etwa “leistbares Wohnen” in Gschwandt angeboten. Ab 219.000 Knöllchen für 78 Quadratmeterchen ist man schon dabei! Öffnet eure Konten, liebe Jungfamilien, geschätzte Alterspensionisten nach ASVG oder GSVG! Keine Scheu, alles locker leistbar. Ja, “leistbar” ist das Schlagwort der Woche. Wer ein paar Scheinchen mehr am Konto hat, eh nur ein paar Scheinchen mehr, der findet “Leistbare Eigentumswohnungen vor den Toren Gmundens” (wo diese Tore stehen, weiss Ihre Babsy natürlich nicht, vielleicht am Sportplatz …). In Ohlsdorf wurden die total leistbaren Wohnungen für jederfrau und jedermann gebaut. 234.000 Eurönchen in der kleineren Variante mit drei Räumen (78 m2 + 33 m2 Terrasse). Noch leistbarer sind nur noch die Vier-Raum-Wohnungen (108 m2 + 90 m2 Terrasse): da muss man halt auch noch die Portokassa ausräumen, damit man den Pappenstiel von 379.000 Euronen aufstellen kann.

Sagen wir so: im kommenden Wahlkampf wird das Thema der Wohnungskosten hoffentlich ein wesentliches sein. Und es werden hoffentlich jene Parteien reüssieren, die hier brauchbare Konzepte und Vorschläge anbieten. Die ÖVP wird da eher nicht dazu zählen.

So, das wars für heute mit dem leistbaren Wohnen. Gell Leute, da ist guter Rat teuer!
Und jetzt noch eine Kurzglosse von AndyB zum Thema. Unser Einserkastl. So heissen bei den Tageszeitungen die kleinen, meist quadaratisch eingerahmten Kurzkolumnen zum Tag.

Daran anschliessend ein längerer Kommentar, eigentlich schon Essay, von Marge Lila zum Thema Freiheit und Sicherheit. Eine wunderbare Wochenendlektüre – noch dazu da nach der Kurzerhitzung ein paar eher kühle Tage kommen. Ein April, wie er im Sagenbüchl steht, gell!

Aber Achtung: im Herbst könnte es sein, dass die eine oder andere Partei nach der Wahl den Wählerleins ebenfalls ein “April, April” entgegenschleudert – etwa die ÖVP, wenn sich doch wieder genügend Leute finden sollten, die dieser Partei zu einer kommoden Mehrheit verhelfen. Da sei der September vor!

Babsy Blitzschnell f. d. Team Gmundl


 

Unser Einserkastl heute von AndyB

Ich gebe es ja zu ….. ich hatte mich für die Wohnung am Brunnenweg einschreiben lassen.
Die Finanzierung mit der Hausbank stand auch schon. In nur 104 Jahren wäre die Wohnung abgezahlt gewesen. Ein überschaubarer Zeitraum ….

Leider stellte sich aber am Ende heraus: unser Verdienst lag 10 Euro über dem Einkommen für das Anrecht auf geförderte Wohnungen.

Man kann eben nicht alles haben ……


Freiheit versus Sicherheit

Eine Betrachtung von Marge Lila

Ein paar Gedanken zum Spannungsfeld zwischen Freiheit und Sicherheit

„Generelles Rauchverbot“ – was stört mich an dieser Forderung? Es ist nicht das Wort „Rauchverbot“. Nein es ist das Wort „generell“. Warum bereitet mir diese Forderung nach totalen, absoluten, generellen Verboten oder Geboten Unbehagen? Gut, totale Verbote wie das, Menschen zu töten, zu verletzen oder zu misshandeln, stehen außer Diskussion. Schwieriger wird es für mich schon, wenn ich als Vermieter mir nicht meine Mieter frei aussuchen darf oder wenn ich als Unternehmer nicht die Mitarbeiter auswählen darf, mit denen ich zusammenarbeiten möchte. Ich gestehe auch, dass es für mich ein Problem wäre, im Gasthaus kein Glas Bier mehr zum Essen trinken zu dürfen, weil ich nur mit 0,0%o mein Auto fahren darf. Ich könnte jetzt noch eine Vielzahl an Regeln und Verboten anführen, deren Einhaltung mir nicht leicht fällt und mir das Gefühl von Entscheidungsfreiheit rauben. Viele Unternehmer und vor allem Gastwirte können von solchen Ge-und Verboten wahrscheinlich ein Klagelied singen.

Wir kennen die freiheitsliebenden Jugendlichen der 70er Jahre. Sicher, viele dieser damaligen großen Freiheiten mussten im Interesse der Gesellschaft und unserer Nachkommen beschnitten werden. Die vielen Verkehrstoten, der verschwenderische Verbrauch von Ressourcen, der hohe Drogenkonsum, das hemmungslose Rauchen auf allen Arbeitsplätzen usw.…. Da gab es schon eine Menge Exzesse. Aber wir sollten doch bitte nicht die große Freiheit durch die große Unfreiheit ersetzen. Bevor Worte wie „total“ und „generell“ vor Regeln und Verbote gesetzt werden, sollte, nein muss sich unser Gesetzgeber sehr genau überlegen ob das Totale und Generelle im Sinne der Allgemeinheit notwendig ist. Wenn er das nicht tut und sich dem Zeitgeist gänzlich beugt, dann beschneidet er willkürlich individuelle Freiheit. Diese ist aber durch unsere Verfassung zu recht geschützt. Unsere Verfassung sagt, dass die persönliche Freiheit nur entzogen werden darf, „wenn dies nicht zum Zweck der Maßnahme außer Verhältnis steht“. Individuelle Freiheit ist für viele Menschen ein hohes Gut und wird, Gott sei Dank, nicht kampflos aufgegeben. Gerade wenn die Verhältnismäßigkeit von Verboten nicht gegeben ist, werden daher Auswege gesucht. Offener Widerstand, Rückzug ins Private, Umgehung von Vorschriften,… da fällt dem Freiheitliebenden so einiges ein und so mancher wird zum Anarchisten und Gesetzesbrecher um diesen staatlichen Erziehungsmaßnahmen zu entkommen.
Aus genau diesem Grund ist es uns überhaupt erlaubt, uns mit motorisierten Fahrzeugen fortzubewegen, obwohl es Tote und Verletzte im Straßenverkehr gibt, Ressourcen verbraucht werden und der Klimawandel forciert wird. Aus diesem Grund ist es uns erlaubt per Flugzeug auf Kurzurlaub zu gehen, obwohl wir die Auswirkungen des überbordenden Flugverkehrs auf unsere Umwelt kennen. Aus diesem Grund ist es erlaubt, mit den Schiern über die winterlichen Pisten zu fahren, obwohl in die Beschneiung viel kostbare Energie fließt, obwohl es alleine in dieser Saison über 6500 Schiunfälle (1300/Monat) in Österreich gab und über 50 Menschen (10/Monat) zwischen November und März ums Leben kamen. Aus diesem Grund ist es in Österreich erlaubt, mit 0,5%o und nicht ausschließlich mit 0,0%o Alkohol im Blut einen PKW zu lenken. Wir würden auch nicht unsere Freiheit aufgeben, um durch generelle Verbote die totale Sicherheit im Umgang mit dem Internet dafür zu ernten, wir möchten keine generellen Verbote von privaten Internetanschlüssen und Fernsehern, um unsere Kinder gänzlich vor den Gefahren dieser Medien zu schützen. Wir möchten keinesfalls, dass es uns per Gesetz verboten wird, unser Handy ständig bei uns zu tragen, obwohl wir damit eine negative Auswirkung auf unsere Gesundheit befürchten müssen, wir trennen nicht einmal unsere Kinder vom unvermeidlichen Handy. Der Gesetzgeber muss abwägen, er muss der Verfassungsbestimmung gerecht werden und darf die individuelle Handlungsfreiheit nicht unverhältnismäßig beschneiden. Ich finde, das ist auch gut so. Wenn nun die Entscheidung des Gesetzgebers hin zur totalen Sicherheit oder zur totalen Freiheit geht, muss dieser entweder die Freiheit oder die Sicherheit des Individuums opfern.

Jetzt zurück zum generellen Rauchverbot. Aus der Sicht eines Nichtrauchers befürworte ich eine gesetzliche Regelung des Rauchverhaltens. Die notwendige Sicherheit der Nichtraucher muss auf Arbeitsplätzen, in öffentlichen Gebäuden und in Lokalen geschützt werden. Das ist ganz klar. Hier muss der Gesetzgeber die totale Freiheit der Raucher zugunsten einer angemessenen Sicherheit der Nichtraucher einschränken. Aber muss der Gesetzgeber jedem Bürger die totale Sicherheit gewährleisten? Nein, denn wenn er es tut, dann muss er immer die individuelle Freiheit anderer in einem nicht notwendigen Ausmaß beschneiden. Davor mögen wir verschont bleiben!
Wie soll nun diese angemessene Sicherheit der Nichtraucher in Lokalen aussehen? Getrennte Nichtraucherbereiche? Gibt es bereits. Eine ausreichende Entlüftung für Raucherbereiche? Gibt es bereits. Wahlfreiheit zwischen rauchfreien Lokalen und solchen mit Raucherbereichen? Gibt es bereits. Das ist gut so. Wie gefährdet sind derzeit die Gäste in einem Lokal in dem es einen abgetrennten Raucherbereich gibt wirklich? Wer von uns fühlt sich im Nichtraucherbereich mehr an Leib und Leben bedroht als etwa im Straßenverkehr, auf überfüllten Schipisten oder abseits der gesicherten Pisten im Tiefschnee, auf seinem Mountainbike über Stock und Stein fahrend, mit seinem Handy in der Hosentasche, …….? Wenn wir ehrlich sind, dann ist unser Sicherheitsbedürfnis derzeit in der Gastronomie ausreichend gedeckt.
Klar, auch die Mitarbeiter im Servicebereich haben ein Recht auf Schutz. Dafür gibt es vorgeschriebene Entlüftungen, Raucher-und Nichtraucherbereiche, Raucher-und Nichtraucherlokale und nicht zuletzt, auch diese haben Freiheit bei der Wahl ihres Berufes und ihrer Arbeitsstelle. Ich persönlich möchte zum Beispiel nicht bei der Bergrettung arbeiten, nicht in schwindelnder Höhe Montagearbeiten ausführen, ich möchte nicht als Bauarbeiter auf einer dicht befahrenden Autobahn arbeiten oder ständig schwere Lasten heben, ich möchte nicht als LKW-Fahrer zigtausende Kilometer im Jahr mit schweren, oft gefährlichen Gütern auf der Straße unterwegs sein, ich möchte auch nicht über viele Jahre im Schichtdienst arbeiten müssen. Es gäbe noch unzählige Berufe, die Gefahren und gesundheitliche Belastungen mit sich bringen. Und doch werden sie von Menschen ausgeübt. Es gibt zwar arbeitsrechtlicher Vorschriften, die Leben und Gesundheit dieser Menschen so weit als möglich schützen, aber niemand würde daran denken, Güter nicht mehr zu befördern, Schichtarbeit abzuschaffen, ……. und somit die 100%ige Sicherheit zu schaffen.
Der Zeitgeist schreibt uns jedoch immer mehr das Verlangen nach totaler Sicherheit vor. Auch die Politik bevorzugt immer mehr Menschen, die Sicherheit vor Freiheit setzen, Bürger, die sich wie unmündige Kinder behandeln lassen.
Dieses neue, verschärfte Regelwerk in der Gastronomie spiegelt diesen Zeitgeist wieder.

Dass mit dem generellen Rauchverbot noch lange nicht das Ende der Fahnenstange erreicht ist, beweist uns die Ministerin Heinisch-Hosek. Sie möchte ein Verbot von Magermodels durchsetzen. Der Regulierungswahn der Ministerin richtet sich jetzt gegen die ihrer Meinung nach zu Dünnen. Warum nicht auch gleich Verbote von öffentlichen Bildern von zu dicken Menschen? Warum nicht einen gesetzlichen Body Mass Index für die Österreicher vorschreiben? Warum nicht gleich eine vom Gesundheitsministerium geeichte Waage vor jedem Gasthaus aufstellen, damit die Wirte nur die jeweils erlaubte oder vorgeschriebene Kalorienmenge servieren? (Selbstverständlich zusätzlich zur Warnung vor sämtlichen Inhaltsstoffen der angebotenen Speisen!)
Der neueste Regulierungstrend der Ministerin erfasst nun auch die amourösen Annäherungsversuche unserer Bürger. Ein konkreter Katalog von verbotenen Körperteilen soll den ÖsterreicherInnen dabei helfen, sich in der politisch korrekten Form dem oder der Angebeteten physisch zu nähern. Sollten die ÖsterreicherInnen, angeregt durch den endlich erwachten Frühling, trotzdem ungehorsam sein, müssen wir wohl auch mit einem totalen Berührungsverbot rechnen. „Brave New World“ lässt grüßen. Unseren Regierungsmitgliedern empfehle ich dringend die Lektüre dieses Buches. Aldous Huxley konnte offensichtlich schon 1932 recht konkret ins Jahr 2015 blicken.


Hier unser heutiges Spezialliedchen für die ÖVP und ihre Vorstellung von leistbarem/günstigem Wohnen. Damit klar ist, wessen Partei diese Partei ist! Ein österreichischer Klassiker dieses Lied!

  https://youtu.be/SQb2qEwBe94

Diese Version ist nur für Leserleins und Hörerleins geeignet, die sich in der Sprache “Hochwienerisch” auskennen:

https://youtu.be/CU1fv9uZhro

 

Ein – sicherlich nur rein fiktiver – Politiker über seine Haltung zu den Bürgerleins??? Wenn ja: welcher Partei würden Sie ihn zuordnen?

https://youtu.be/dIOMzshSyy8


Fehlschläge

17. April 2015 - 2 Antworten

Heute:
Gastkommentar von mitdenkendes Gmundner Bürgerlein
zum Thema Wohnen und Stadtverschandelung

Liebe Leserleins!

Jetzt heisst es seit einigen Tagen für alle, die von Gmunden nach Pinsdorf wollen, einen depperten Umweg zu fahren. Da wird jetzt nicht nur mehr Sprit verbraucht, weil man einen Umweg fahren muss. Das auch. Aber die Verkehrsplanung war total perfekt: man produziert auch noch Staus, die zusätzlichen Dreck produzieren und die Luft noch mehr verpesten. Ein geradezu genialer Schachzug, um das Autofahren noch ökologischer zu gestalten.
Man gibt 45 Mille rund um den Neubau des Bahnhofs aus, aber eine ordentlich ausgebaute Unterführung, die nicht nur zu Fuss oder per Rad benutzbarist, war nicht drin. Brauchen wir nicht. Wozu auch. Die Kreuzungen der Umfahrung sind total überlastet, die Ampeln falsch geschalten, nämlich zu kurz, um keinen Stau zu erzeugen. Gut Luft!
Wann begreift man endlich, dass eben nicht alle Menschen aufs Fahrrad umsteigen werden und auch nicht können? Und zu Fuss nach Pinsdorf ist auch nicht das Gelbe vom Ei, gell! Dass man gleichzeitig eine Art Roboterbahnhof baut, befreit von Menschen und menschlichen Ansprechpartnern, sagt auch einiges.

Man arbeitet systematisch an einer Ausweitung des Autoverkehrs: Schliessung von Postämtern, grenzwertige Umfahrungen, gekappte Bahnlinien für den Güterverkehr (ÖSPAG). Man kann sich nur noch wundern.

Babsy Blitzschnell f. d. Team Gmundl

Preisfrage: Was hat sich mit heutigem Tag beim gmundl-Blog geändert?
Die ersten drei Postings mit der richtigen Antwort bekommen während des kommenden Wahlkampfs vom Azubi-Bürgermeister einen Schal umgehängt.


 

Leistbares Wohnen durch Miet-Kauf und Stadtverschandelung?

Ein Gastkommentar von mitdenkendes Gmundner Bürgerlein

Miet-Kauf soll leistbares Wohnen sein? Es täte mich interessieren, wer von unseren Politikern in Miet-Kauf-Wohnungen haust. Das gesetzliche Miet-Kauf-Modell ist nur von Vorteil für die Wohnungsgenossenschaften. Hier in Gmunden ist man ja sehr verbandelt mit OÖ Wohnbau (ehemalige Wohnungsfeinde, ähh Wohnungsfreunde…). Die knallen hier in Gmunden ein scheußliches Wohnhaus nach dem anderen hin. Schwarz-weisse Klötze, billig und nochmals billiger! Ganz Gmunden wird verschandelt mit diesen Trauerklötzen, trist und nochmals trister!
Bahnhofstraße und gleich vis-à-vis in der Rustonstraße. Ein Graus!
Dann Plentznerstraße, 3 schwarz-weiße Wohnklötze, dicht nebeneinander gebaut, jeder sieht dem anderen in die Wohnung. Herrlich!

Die schöne, noch unverbaute Wiese neben Friedhof – Bräugütlgebiet wird mit Sicherheit auch noch mit diesen Klötzen verschandelt werden. Aber Hauptsache es gefällt ja dem „Azubi-Bürgermeister“.
Und wahrscheinlich werden es auch Miet-Kauf-Wohnungen. Wie schon im Beitrag von gmundl geschrieben, es geht um leistbares Wohnen – für jedes Alter!

Fakt ist, dass das Miet-Kauf-Modell keine günstige Finanzierung einer Eigentumswohnung ist.
Die Miete, die bezahlt wird, reduziert nicht den späteren Kaufpreis.
Man kann zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses nicht absehen, wie hoch der spätere Kaufpreis sein wird.

Fazit: In diesen Klötzen wird es dann ein ewiges Ein- und Ausziehen geben, wenn sich Jungfamilien die monatlichen Belastungen nicht mehr leisten können. Sehr kinderfreundliches Modell!

Zuletzt möchte ich die Herren Politiker ersuchen, einmal nachzudenken, wie viel die Menschen verdienen und auch darüber nachzudenken, einen Stopp der Verschandelung Gmundens zu setzen, indem wirklich einmal überlegt wird, welche Baugenossenschaften in unserem Gebiet bauen sollten, resp. auch einmal Baugenossenschaften aus dem Salzkammergut heranzuziehen, die das Kleinod Salzkammergut noch schätzen. Es gibt nämlich noch Baugenossenschaften, die sich etwas denken, wenn sie eine schöne Landschaft verbauen. Das wäre z. b. die Firma Kieninger.


 

Die ÖVP und leistbares Wohnen

16. April 2015 - Eine Antwort

Heute:
Babsy Blitzschnell über Wohnen und ÖVP

Liebe Leserleins!

Wer haust schon gern unter einer Brücke? Was in Gmunden dank des Fehlens entsprechend geräumiger Brückenunterführungen ohnedies nicht möglich ist.

Wenn es nach der ÖVP geht, müssten aber viele, viele Brücken gebaut werden, unter deren “Dach” die Leute dann Wohnraum finden. Brückenbau ist bekanntlich billiger als Wohnungsbau, weil der ganze unnötige Firlefanz wegfällt: Installationen wie Bad, Küche, Klo. Böden, Türen, Fenster. Ratzfatz, alles eingespart. Unter der Brücke zieht es halt ein wenig, Egal. Was erwarten die Leute von Sozialbauten?

Die ÖVP weiss, was die Leute erwarten! Die ÖVP letztens inseriert. Der Azubi-Bürgermeister von der ÖVP gemeinsam mit dem zuständigen Landesrat von der FPÖ, der sich um drastische Kürzungen im Wohnbaubudget verdient gemacht hat. Der Azubi-Bürgermeister, ein echter Fachmann in Wohnungsfragen, er hat sich damit politisch noch nie beschäftigt, schwallt daher, dass es eine Freude ist und lobt die “erfolgreichen Projekte Pletznerstrasse, Moosgasse, Sonnenpark und Brunnenweg”. Wahrhaft eine gloriose Ahnenreihe leistbaren Wohnens. Am Brunnenweg konnten Durchschnittsverdienerleins bei einer echten Mezzie zuschlagen: die teuerste Wohnung kam auf vernachlässigbare 640.000 Euronen. Das hat man unterm Kopfpolster liegen. Wenn was fehlt, suche man den Rest im Nachtkastl. Schon Köppl hatte ja von preisgünstigen Wohnungen um ungefähr 250.000 Euroleins für Jungfamilien geschwärmt. Er meinte vielleicht Jungmillionäre dank reicher Eltern. Inzwischen scheinbar die Kernklientel der ÖVP. Nur noch als Drohnung des Azubi-Bürgermeisters kann es verstanden werden, wenn er in dieser ÖVP-Werbung ankündigt, diese Politik gemeinsam mit dem schwarzen Wohnungsreferenten Wolfgang Ortner fortzusetzen. Die Tätigkeit des Letztgenannten war in den letzten Jahren ein einziges Scheitern, ein systematisches Versagen. Wohnen in Gmunden ist unerschwinglich geworden. Gleichzeitig steht enorm viel Wohnraum leer. Es kann doch nicht das Ziel der Stadt sein, das gesamte Umland zu verbauen, um Wohnungen zu schaffen. Der Landfrass wächst sich ohnehin immer mehr zu einem grossen Problem aus.

Wir wollen an dieser Stelle noch einmal klarstellen: es geht um leistbares Wohnen für alle. Das ist nicht nur ein Problem für Jungfamlien oder junge Menschen generell. Angesichts von hoher Altersarbeitslosigkeit, sinkenden Pensionen und angekündigten weiteren Rentenkürzungen betrifft diese Problem immer mehr Menschen – ganz unabhängig vom Alter. Wo ist der Wohnraum für jene, die nicht über bessere Einkommen verfügen?

Die Gemeindemehrheit der ÖVP ist seit Jahren nicht willens, an der Misere etwas zu ändern. Stattdessen gibt es dumme Propaganda für Wohnraum, den sich Normalverdienerleins niemals leisten können.

Initiativen und Anregungen gab es mehr als genug.
Schon vor Jahren liess SP-Vzbgm. Dickinger einen Antrag im GR beschließen, Zweitwohnungsbesitzer mögen in Hinkunft eine „Infrastrukturabgabe“ entrichten, eine Art Zweitwohnsitz-Abgabe – Mittlerweile ist dies ein Thema auf Landesebene, initiiert durch SP-Sadt/Bezirk Gmunden.
Ebenfalls auf Initiative der Roten wird im GR beschlossen, 2014 solle das „Jahr des leistbaren Wohnens“ in Gmunden werden. Geschehen ist nichts. Der schwarze Bürgermeister und Finanzreferent (damals noch Köppl) und der Wohnungsreferent (Ortner) zeigen keinerlei diesbezügliche Aktivitäten.
Die ÖVP lehnt eine Einladung von SP-Vzbgm. Dickinger an alle Fraktionen zu einer Herbstklausur 2014 ab. Schwerpunktthema sollte sein: Leistbares Wohnen! Dafür setzt es jetzt ÖVP-Propaganda.
Die Grünen und die SPÖ verlangen im Februar 2012, Gmunden möge hinsichtlich Zweitwohnungsbesitzern zum „Vorbehaltsgebiet“ zu erklären (inzwischen ist es 2015, nichts ist geschehen, aber auch die FPÖ ist nun auf diesen Zug aufgesprungen)
Seit kurzem gibt es eine neue, konkretisierte Forderung der SPÖ: die Anzahl der Zweitwohnsitze – gemessen an Erstwohnungssitzen – darf 20 % nicht übersteigen (Schweizer Modell).

Die Behauptung der ÖVP, man forciere das Miet-Kauf-Modell, damit die Begründung von Wohnungseigentum “für junge Familien mit geringem Einkommen erleichtert wird”, ist blanker Zynismus. Geringes Einkommen und Wohnungseigentumspreise ab 200.000 werden keine glückliche Verbindung eingehen. Da kann die ÖVP uns erzählen, was immer sie will.

Man muss vermuten, dass die ÖVPler keine Ahnung mehr haben, über welche Einkommen junge Menschen, Jungfamilien aber auch viele ältere Mitbürgerleins verfügen. Von “verfügen” kann ohnedies meist keine Rede sein, die Fixkosten fressen 95 % oder mehr auf. Zur “freien Verfügung” bleibt da kaum mehr etwas.

Die Vermutung, dass die ÖVP und ihre Repräsentanten keine Ahnung von der sozialen Realität im Land haben, ist berechtigt. So sieht die schwarze Politik dann auch aus. Das Wohnungsproblem wird die ÖVP jedenfalls nicht lösen.

Babsy Blitzschnell f. d. Team Gmundl


 

 

Auch Asamer bewegt …

15. April 2015 - Eine Antwort

Heute:
argusauge zu Asamer und HotelFragen des lesenden borgare
Aussenaicht hat konstruktive Fragen zu Grünberg-Downhill

Liebe Leserschaft!

Wir witzeln hier im Blog immer: die Regio bewegt die Gemüter, sonst nichts. Nun, wie es aussieht, könnte man statt der Regio die Asamers verkehrstechnisch nutzbringend einsetzen. Denn die bewegen auch die Gemüter. Wir sehen es an den Zugriffen. Wären wir eine kommerzielle Seite, müssten wir sagen: Asamer und Regio – they sell!

Heute daher zwei Gastkommentare rund um die Asamerschaften und ein produktiver, wenngleich fragender Beitrag zum Downhill am Grünberg.

You better move on!

Bruno Beinhart f. d. Team Gmundl


 

Asamer, Parteien, Wählerschaft

Ein besinnlicher Gastkommentar von Argusauge

Den Nagel auf den Kopf getroffen, lieber Bruno Beinhart!

Allerdings der Titel “Ein Imperium zerbröckelt” ist meiner Meinung nach zu hoch gegriffen. Ein bauernschlauer Schotterausbeuter (übrigens der Schotter, der eigentlich Allgemeingut wäre, kostet den Schotterausbeuter in Österreich nichts – schlaue Gesetze zugunsten der ÖVP!) hat 2 Jahrzehnte eine alte ehrenwerte Stadt für seine Interessen mittels zu vorauseilendem Gehorsam neigenden Lokalpolitikern benützt. Er hat eine ganze Stadt verarscht und natürlich eine Bevölkerung, die sich verarschen lassen hat, indem sie seinen ihm dienenden Bürgermeister (ÖVP) und den alten ÖVP-Machthaberer bei den Wahlen mehrmals und kritiklos zur absoluten Mehrheit verholfen hat.

Auch die anderen Parteien wie SPÖ und FPÖ sind nicht nicht unschuldig, denn auch sie haben sich lange vor dem Asamer in tiefer Ehrerbietung verneigt und ahnungslos (oder vielleicht war auch Kalkül dabei) die für die Stadt fatalen Entscheidungen im Gemeinderat bezüglich der Seebahnhofgrundstücke mitgetragen. (Manche Bürger haben ein gutes Gedächtnis!!)

Dank wachsamer Bürger, die auf europäischer Ebene interveniert haben (das muß man auch einmal können, hahaha!!), konnte das unglückliche Hotelprojekt so lange hinausgezögert werden, bis der Pleitegeier sich beim Asamer einnistete und die Bevölkerung vor dem Schllimmsten rettete. (Anm. d. Redaktion: der Pleitegeier dürfte chez Asamers schon seit gut zehn Jahren ein stetig wachsendes Nest gehab haben!) Hotel hin oder her, der Asamer wäre sowieso pleite gegangen, aber vorher hätte er natürlich noch gerne die Förderungen kassiert. Wohin die geflossen wären, kann man sich vorstellen. Nicht umsonst haben sich die Asamers vor der Firmenpleite noch schnell luxuriöse Residenzen am Traunsee errichtet. Von Armut und Not war bei den Asamers angesichts der Firmenpleite keine Spur zu sehen. (Auch nicht von Demut, Anm. d. Red.) Die uneinbringlichen Schulden zahlen sowieso wieder die Steuerzahler und Bürger.

Warum sich die FPÖ zusammen mit der ÖVP bis heute sträubt, das Seebahnhofgrundstück wieder ins Gemeindeeigentum zurückzuführen, läßt nichts Gutes ahnen und es riecht nach einer neuerlichen Packelei.

Was die Kritik am derzeitigen Bürgermeister betrifft, ist er natürlich politisch unbedarft und vielleicht gutgläubig. Das würde sogar für ihn sprechen, denn so leicht wäre er nicht korrumpierbar. Er hätte es auch nicht so notwendig, schließlich hat er ja einen Beruf mit hoher Ethik, und ich glaube nicht, dass er diesen aufs Spiel setzen würde. Dass hinter dem Bürgermeister die alten Machthaberer ihre Fäden ziehen, ist klar, aber wie kriegt man die wieder los? (Das fragen wir uns auch. Aber es liegt, siehe nächster Absatz, an der Bürgerschaft und ihrem Wahlverhalten, das zu ändern. Anm. d. Red.)

Die Gmundner Bevölkerung hat es in der Hand bei den nächsten Gemeinderatswahlen dafür zu sorgen, dass es eine Diversität im Gemeinderat gibt und keine absoluten Mehrheiten mit einer oder – genauso gefährlich – mit zwei Parteien. Dann wären Packeleien nicht mehr so einfach, wenn man mehrere Parteien für Entscheidungen bräuchte.


Fragen eines lesenden Bürgerleins

Gastfragen von borgare

Wäre recht interessant zu wissen: wie geht’s den ”Asamerischen” eigentlich so? Nach all den Pleiten und Pannen? Nach all dem, was sie uns jetzt schon kosten und wohl noch kosten werden.
Wo leben sie? Was machen sie? Welche Verfahren sind anhängig usw.?
Hat die Öffentlichkeit nicht ein Recht, darüber etwas zu erfahren?
Vielleicht hat GMUNDL hier bessere Quellen als die von der ÖVP in der veröffentlichen Meinung zugemüllten Bürgerleins.

Anm. d. Red.: Fragen über Fragen. Wir haben zwar einige Infos, können die hier aber nicht veröffentlichen. Der Informanten-Schutz geht leider vor. Sagen wir so: Es ist noch nicht aller Tage Abend, und es ist nicht gesagt, dass die Asamers nicht doch noch den Weg gehen müssen, den “normale” kleine Pleitiers ohne Polit-Verschränkung gehen müssen: Verlust des privaten Eigentums, Privatkonkurs, viele Jahre Existenzminimum. Aber die Wahrscheinlichkeit für dieses “normale” Pleitierschicksal ist gering. Einige sind halt gleicher als die anderen. Bei den Banken in der Krise galt: too big to fail. Bei den Asamers gilt: sie wissen zuviel, um zu fallen (too much knowledge to fail). Wir werden aber natürlich jene Sachen veröffentlichen, die wir bringen können, ohne unsere internen Informanten zu gefährden.


 

Downhill Grünberg

Konstruktive Fragen von Aussensicht

Liebes Gmundl Team,

passt zwar nicht ganz zum Artikel – aber brennt mir auf der Zunge: Die Downhill-Strecke am Grünberg, welche nun beschlossen ist. Gepriesen und gefeiert – es werden Heerscharen an Gästen kommen, unter anderem auch aus Niederösterreich und von überall. Grundsätzlich ist es eine gute Sache. Allerdings gebe ich zu bedenken, dass der klassische Downhiller mit seinem Bus anreist, meist in dem auch nächtigt. Klassischer Tagestourist also. Wo ist der Nutzen? Wo parken 70 VW Busse mit Radlern? Am Parkplatz der Seilbahn? Oder am Sonnenhang – am besten bei den Anrainern am Gehsteig ?

Nicht falsch verstehen: Ich bin seit 15 Jahren in der “Szene” und freu mich über die Strecke in Gmunden. Das ist keine Suderei – mir wäre lediglich wichtig, dass man von Anfang an auch das Umfeld betrachtet und entsprechend mit bedenkt.


Ramona und die Musik

Lobender Gastkommentar von Ramona

Ein paar Worte zu den Musik-Links!

I’m impressed!
So viele wunderbare Variationen von einem Traditional, einem Volkslied.
Schade, dass in Österreich die öffentlich-rechtlichen-Sender keinen Platz für Musik abseits des Mainstream haben (Ausnahme: Klassik). Nicht einmal in “Nischenprogrammen“ (Ausnahme: Ö1 – sehr sehr selten, aber doch). Wieviel Kultur und wieviel Freiheit (auch im Kopf) geht verloren, einfach weil man etwas nicht weiß, nicht hört, nicht informiert wird? “Man” will es offenbar so. Ahnungslose Bürgerleins machen keine Scherereien! Also liebes Team Gmundl, bitte unbedingt weitermachen!!!
Möchte bei dieser Gelegenheit auch mal dem Freien Radio Salzkammergut danken. Habe schon viele schöne Stunden mit eurem(n) musikalischen Nischenprogramm(en) erlebt.


To Ramona & You better move on!

Also gut, ein paar Versionen speziell für Ramona!

Bob Dylan mit Jery Garcia (Greatfull Dead) im Jahr 1980, typisch Dylan live, aber trotzdem ist der Song erkennbar:

Und hier nuschelt sich der Meister im Jahr 2000 durch sein Lied:

Und nun noch einmal His Bobness mit dem originalen Original aus den 1960ern (eine frühe Studioversion):

“You better move on” liebe Bürgerleins!

 

Im Gedeken an Percy Sledge – der im Schatten einiger noch Größerer wie Otis Redding oder Solomon stand:

Natürlich nicht das erstklassige, aber abegedroschene “Whan a man loves a woman”, sondern:

sowie

Und zum Abschluss und R. I. P.:

Get ready & listen!


 

 

 

 

Ein Imperium bröckelt

14. April 2015 - Eine Antwort

Heute:
Bruno Beinhart über ein zerbröckelndes Imperium

 

Liebe Leserschaft!

Wiederum ist nicht nur ein Ziegelstein, sondern ein grosser Brocken aus dem Gemäuer des ehemaligen Asamer-Imperiums herausgebrochen. Immer deutlicher wird, dass dieses vermeintliche Imperium nicht auf Beton, auch nicht auf Schotter, sondern vor allem auf Sand gebaut war. Insbesondere auf dem Kies (norddeutsch für Geld) anderer Leute.

Es gilt eine neuerliche, unerquickliche Pleite eines in Ohlsdorf beheimateten Asamer-Unternehmens zu vermelden: die HA Schlossverwaltungs GmbH ist fulminant pleite. Das HA dürfte für “Hans Asamer” stehen, und es handelt sich um die ehemalige Schloss Mondsee-Firma. Die Muttergesellschaft ist die RVG Revitalisierungs GesmbH, die wiederum der Asamerschen “Traunstein Privatstiftung” gehört.

Verbindlichkeiten von 5,8 Millionen Euro steht die ansehnliche Summe von 0,12 Millionen Forderungen gegenüber. Das nennt man Geschäftspolitik der leeren Taschen. Auf den Betrieb des Mondsee-Hotels hat das keinen Einfluss mehr, da dieses im Vorjahr verkauft worden ist. Offensichtlich mit schwerem Verlust.

Immer deutlicher wird also, warum die Asamers gar nicht in der Lage waren oder sind, das Lacus Infelix selbst zu finanzieren. Dafür sind sie der Stadt und den Stadtpolitikern viele Jahre hindurch auf der Nase herumgetanzt.

Angesichts des unglaublichen Scheiterns der Asamer-Gruppe muss man einiges feststellen und manches einfordern.

Erstens ist der Verlust, der nun über die Pleite “realisiert” wird, keineswegs die Privatsache der Asamers, auch wenn ein Grossteil der Verbindlichkeiten innerhalb des Konzerns angefallen ist. Aber von irgendwo muss das Geld hergekommen sein. Man darf annehmen überwiegend von der Raiffeisen OÖ. Und wer zahlt die Rechnung? Die kleinen Sparer, die keine Zinsen bekommen. Die kleinen Nutzer von Girokonten, die das über hohe Spesen abstottern dürfen. Statt das Sandimperium mit einem grossen Knall untergehen zu lassen, hat man im Rahmen eines Sanierungsverfahrens (wer immer da saniert wird, wer immer sich da saniert) dem Anschein nach in der RLB beschlossen, den Zusammenbruch in “kleinen” Raten zu vollziehen. Das wirbelt etwas weniger Staub auf.

Zweitens haben die Herrschaften von und zu Asamer ewig lang die grosse Lippe geführt, aber wie man jetzt sieht, da war nicht viel dahinter. Kein Wunder, dass man jetzt mit allen Mitteln versucht, das lukrative Seebahnhofgrundstück, das zu einem Pappenstiel erworben wurde, mittels Klage von der Gemeinde zurückzubekommen. Hätten sie ein Mindestmass an Interesse am Wohlergehen der Stadt, würden sie nicht länger alles mit ihren Klagen blockieren. Sonst jammert die ÖVP immer lauthals, wenn wer seine Rechte einklagt. Egal ob die Grünen eine Sachverhaltsdarstellung bei der Staatsanwaltschaft abgeben oder ob Anrainer gegen das Verfahren bei der Regio-Tram klagen, die ÖVP ist schnell damit, dann das Blockierertum anzuprangern. Wo ist die ÖVP mit ihrer Kritik, wenn die Asamers auf Teufel komm raus gegen die Interessen und das Gedeihen der Stadt agieren?

Das führt zu drittens: die Gemeinde möge sich endlich von den Träumen rund ums Lacus Infelix lösen. Das war und ist ein Trugbild, nicht einmal eine Fata Morgana, sondern einfach nur ein Rauschzustand. Der Kater ist inzwischen beträchtlich. Fast alle haben das bereits kapiert. Bloss die Gmundner ÖVP nicht. Man kann nur vermuten, warum die ÖVP das nicht kapieren will oder darf. Dass ihr neuer Azubi-Bürgermeister das nicht schnallt, wundert uns nicht. Der Mann ist so ahnungslos wie Parsival. Wenn er aber das Spiel der alteingesessenen ÖVP-Machthaberer brav mitspielt, und danach sieht es aus, wird er im Gegensatz zu Parsival seine in diesem Fall politische Unschuld schnell verloren haben. Keine Rede kann dann mehr sein vom “reinen Tor”. Da nützt auch kein Dauergrinser mitsamt Burberry-Schal. Ebensowenig die im Vergleich zum Vorgänger besseren Umgangsformen. In der Sache gilt: was es wiegt, das hats.

Viertens nicht zu vergessen: die Stadtpolitik muss sich endlich aus der Umklammerung durch Familienclans, die auf diese Art ihre einträglichen Geschäfte befördern, endlich lösen. Klarerweise. Auch die politischen Parteien. In Richtung Asamer dürfte dieses Umdenken bei allen Parteien ausser der ÖVP bereits stattgefunden haben oder gerade stattfinden.
Das letzt Wort wird die Wählerschaft haben. Es wird an der Bürgerschaft liegen, jene abzuwählen, die diese Stadt den Interessen einiger weniger ausgeliefert haben. Das war in letzter Konsequenz die ÖVP, auch wenn die anderen Parteien viel zu lange zugeschaut oder teilweise auch mitgespielt haben.

So aber harren wir weiterer Pleiten im Reiche Asamers und ihres inzwischen auf Minimundus-Grösse geschrumpften Möchtegern-Reichs und warten wahrscheinlich ergebnislos auf einen Erkenntnisprozess in der ÖVP. Die wähnt sich momentan in Sicherheit und lässt ihren Bürgermeister-Azubi ahnungslos durch die Welt stolpern, bis er sich so viele blaue Flecken geschlagen hat, dass auch der längste Schal der Welt sie nicht mehr verhüllen kann.

Gute Nacht Gmunden – Wählerschaft bitte aufwachen!

Bruno Beinhart f. d. Team Gmundl


“Gute Nacht” als Variantenfahren.

https://youtu.be/gASQ1_HEEHA

https://youtu.be/My2u2QyvyF4

https://youtu.be/VJNTrzVi2TQ

https://youtu.be/CZm96PKwtHc

https://youtu.be/wmvCAzLseu8

Das Original:

https://youtu.be/-Y0VhPXOooQ

Wahlen und Hallenbäder

13. April 2015 - Leave a Response

Heute:
Bruno Beinhart über Wahlkampfzeiten und Badsanierungen

Liebe Leserschaft!

Unübersehbar nahen Wahlen, wenn wir mit Umfragen und Politikerauftritten zugedröhnt werden. Es ist wahrscheinlich auch kein Zufall, dass die ÖVP, Entschuldigung, das Land OÖ gerade jetzt ankündigt, das Konzept für die landesweite Sanierung der Hallenbäder endlich vorzulegen. Insider behaupten, das sei schon seit zwei Jahren fertig in der Schublade, werde aber erst jetzt vor den Wahlen präsentiert. Als Wahlzuckerl. Als ob die Leute wirklich noch auf solche Tricks hereinfallen würden. Ein paar vielleicht. Aber wahlrelevant? Da habe ich meine Zweifel.

Interessant wird es trotzdem. Denn man darf davon ausgehen, dass die Reihenfolge der Sanierung, mithin die Finanzierungshilfe durch das Land, nicht nach ökonomischer Logik oder regionalen Erfordernissen erfolgen wird, sondern nach den Wahlkampfnotwendigkeiten der ÖVP. Dort, wo die Sanierung schon bald erfolgen soll, sind die “Battlegrounds” der ÖVP, die Orte bzw. Gegenden, in denen die ÖVP besonders viel Terrain gut machen will. Also entweder Städte, in denen sie besonders schwächelt oder in denen sie eine gute Chance sieht, den roten Bürgermeister zu kippen. So finanzieren wir Steuerzahler den Wahlkampf mehrfach: über die Parteienförderung und über mal sinnvolle, mal sinnlose öffentliche Ausgaben.

So wird es höchst interessant sein, ob das wichtige Hallenbad in Ebensee endlich und in absehbarer Zeit saniert werden kann. Die acht Millionen kann die Gemeinde natürlich nicht aufbringen. Sie hängt da vollkommen vom Land ab. Man wird also sehen, wie die ÖVP es anlegt. Es könnte sein, dass man die Ebenseer verhungern lässt, weil man sich keine Chance ausrechnet, den beliebten und “neuen” Ebenseer Bürgermeister aus dem Amt zu heben. Oder man verspricht sich eine Schützenhilfe für die Orts-ÖVP und öffnet die Steuerschatulle. Dritte Möglichkeit: man tut so, als ob man die Sanierung bald angehen würde, aber nach der Wahl ist halt doch alles wieder anders. Soll schon vorgekommen sein. Auch hier im Salzkammergut. Unsere Experten sind noch dabei, einen Werbespot aus dem letzten Wahlkampf aufzubereiten. Der ist nämlich zum Wiehern. Wäre man ein Pferd. Manchmal wünscht man sich das nämlich, ein Pferd zu sein. Angesichts der Politik, die hier betrieben wird.

Wir Bürgerleins müssen stark sein in den nächsten Monaten. Man wird uns zudeckeln, überschwemmen, traktieren mit allen Arten von Wahlkampf-Slogans, Aussendungen, Plakaten, unbeschreibbaren Auftritten im noch unbeschreibbareren Lokal-TV. Rette sich wer kann! Die Restpapierverwertung bekommt auf jeden Fall jede Menge Material.

Natürlich ist eine Wahlauseinandersetzung wichtig. Aber was man bisher gesehen hat und was sich in manchen Politikeräusserungen andeutet, lässt Schlimmes befürchten. Der Wiener Bügermeister Häupl hat nicht umsonst von “Wahlkampf ist Zeit fokussierter Unintelligenz” gesprochen. Die Beweise für die Stimmigkeit dieser Aussage werden wir bundesweit in den nächsten Monaten und bei den kommenden Wahlkämpfen eindrucksvoll bestätigt bekommen.

Bruno Beinhart f. d. Team Gmundl


Postings. Umgekehrte Chronologie.

ramona
Gesendet am 12.04.2015 um 10:18 vormittags

Nachtrag: Super-coole links!!!!! Danke!!!!
Ramona


ramona
Gesendet am 12.04.2015 um 10:14 vormittags

Kommentar zum Herrn Höchtl: der ist einfach nur peinlich
Ramona


 

Glücksfälle & Blues

12. April 2015 - 2 Antworten

Geschätzte Leserschaft!

Wir haben Glück und sind glücklich. Zwei Beiträge von Gastkommentator Michael Amon in einer Woche sind ein seltener Glücksfall für uns und unsere Leserschaft. Angriffig und ohne Scheu nennt er die Dinge beim Namen. Kein raunendes Geschwurbel wie es zuletzt der Kommentator in den OÖN von sich gab. Der schrieb raunend von “anonymen Hetzern, Denunzianten und Blog-Leitern”, ohne zu sagen, was oder wen er damit meint. Auch eine Art von Tapferkeit.
Unter “anonymen Hetzern” können wir uns etwas vortellen. Die gibt es und werden bei uns z. B. nicht freigeschalten. So wie es sich gehört. So wie es auch seriöse Zeitungen handhaben.
Mit dem Wort “Blog-Leiter” suggeriert der Blog-Wart, wie Amon Brandner ironisch und boshaft bezeichnet hat, ein Insider-Wissen, das er nicht hat und nicht haben kann. Bei uns etwa gibt es etwas wie Leiterin oder Leiter nicht. Mag sein, einige autoritär geführte Redaktionen verfügen über so etwas. Die Sitten bei der Regionalausgabe und insgesamt bei den Nachrichten kennen wir nicht. In normalen Redaktionen gibt es zwar “Leiter”, aber auch eine demokratische Diskussion. Bei uns wird alles besprochen, diskutiert und dann mehrheitlich entschieden. Über einen Leiter oder eine Leiterin verfügen wir nicht. Wollen wir nicht verfügen. Es zählt die Kraft der Argumente. Aus der Tatsache, dass in der Gedankenwelt von Brandner ausserdem offenbar nur Blog-Leiter aber keine Leiterinnen vorkommen, möge jede und jeder eigene Schlüsse ziehen.

Wir bringen zwei Beiträge aus den Postings, die sich mit Amons Bericht und Kommentar über die Verwendung des Nazi-Jargons durch die ÖVP beschäftigen. Die Nichtverwendung bestimmter belasteter Wörter oder Wortkombinationen hat sich noch nicht zu allen durchgesprochen. So ist heute das ehemals eher harmlose Sprichwort “durch den Rost gefallen” nach den Ereignissen in Auschwitz et al nicht mehr verwendbar. Die Assoziation ist zu schrecklich und wurde nach dem Krieg auch gern für überlebt habende Juden verwendet.

Ein Mindestmass an sprachlicher Sensibilität ist von Politikern einzufordern. Andernfalls sollen sie ihren Job niederlegen. Das hat überhaupt nichts mit political correctness zu tun. Die sehen wir auch als sehr problematisch an. Hinter der verbirgt sich oft schleichende Zensur und frömmelnde Heuchelei. Man sagts nicht, aber man tut es trotzdem. Aber es gibt Aussagen, Wortfolgen und Worte, die wurden durch ihren Gebrauch obsolet.

Im Anschluss an die Postings wollen wir heute mit ein paar Links den 100sten Geburtstag von Billie Holiday feiern. Eine bedeutende Sängerin des Blues. Eine Sängerin, die das Unglück, das sich im klassischen Blues ausdrückt, tatsächlich gelebt hat. Wer dies tut, verbrennt. Ähnlich wie Schauspieler, die ihre Rollen wirklich leben und nicht nur spielen. Man denke an Oskar Werner. Wäre er im Mississippi-Delta geboren worden, voilà, er wäre wahrscheinlich Blues-Musiker geworden. Und hätte sich genauso verbrannt wie als Schauspieler.

Bruno Beinhart f. d. Team Gmundl


Postings in der Reihenfolge des Eintreffens. Thema: ÖVP und Nazi-Jargon.

ÖVP und Nazi-Jargon
Anton Höchtl
Gesendet am 11.04.2015 um 1:53 nachmittags

Ich kann Herrn Amon eigentlich nur empfehlen, sofort eine Anzeige wegen Wiederbetätigung zu erstatten. Bei einer kurzen Suche im Internet findet er dann wahrscheinlich 100 weitere Personen, die er gleich mitanzeigen kann.

Selten einen so schwachen und unfundierten Kommentar gelesen. Wenn wir schon in der Nazi-Zeit hängenbleiben wollen (ich nicht), so sind Kommentare dieser Qualität wahrscheinlich vor allem im Stürmer erschienen.

Weiters würde ich auch gleich anregen, bei dem armen Tier eine Namensänderung durchzuführen. Derzeit ist es ja offensichtlich gedanklich direkt mit der NS-Diktatur verbunden.

Anton Höchtl

Sorry, Sie wollen nicht verstehen, worum es geht. Wir sprechen hier nicht von Wiederbetätigung, sondern von einer Wortwahl, wie sie in Diktaturen verwendet wird, um Gegner einzuschüchtern und Genozide vorzubereiten. Herr Amon sagt ja deutlich, dass er das der ÖVP nicht unterstellt, er aber eine solche Wortwahl für völlig unangemessen hält. Der Konnex Mensch-Ungeziefer ist in der Geschichte immer fatal gewesen. Politiker in einer Demokratie sollten das wissen und sich entsprechend verhalten. War die Wortwahl Absicht, ist es schlimm. Geschah sie aus Dummheit oder Unwissen, ist es auch nicht respektabler. Wenn hier etwas schwach und unfundiert ist, dann Ihre Ausführungen. Sprachwissenschaftlich ist die Sache ohnedies glasklar.
Dass sich im Internet auf einschlägigen Seiten Sachen finden, die deutlich schlimmer und krasser sind, macht die zitierte Äusserung eines regionalen ÖVP-Spitzenpolitikers auch nicht besser. Menschen, in diesem Fall andere Parteien (die ja von Menschen getragen werden), mit Läusen zu vergleichen ist ein absolutes No-go! Das sollte man eigentlich leicht begreifen können.
Mich selbst haben Sie hier im Blog schon einmal als “blitzdumm” bezeichnet. Auch nicht vornehm oder gar “fundiert”.
Auffällig ist, dass Sie uns hier im Blog schon mal wie folgt vorgeworfen haben: “Ihre beleidigende und pauschalierende Ausdrucksweise gefällt mir gar nicht. Sie zeugt in meinen Augen von Überheblichkeit und wahrscheinlich genau von der “Herabgekommenheit” und dem “Hinterwäldlertum” die Sie ganz pauschal vielen vorwerfen.” Kritik an der ÖVP mögen Sie halt nicht, während Sie der ÖVP dem Anschein nach alles durchgehen lassen. Soll sein. Ist Ihr Problem, nicht unseres.
Aber wenn es Ihrer mentalen Gesundheit hilft, sich an diesem Blog zu reiben, dann leisten wir der Gesellschaft gern auch diesen Dienst. Unser Standpunkt ist bekannt: missratene oder dumme Postings dienen der Psychohygiene einer demokratischen Gesellschaft, fungieren als Ventil für alle Arten von Frust. Das senkt die Kosten der Sozialsysteme. Sie sehen, wir unterstützen nach Kräften den von der ÖVP gestellten Finanzminister.
Babsy Blitzschnell f. d. Team Gmundl


ÖVP und Nazi-Jargon

Bonaventura
Gesendet am 12.04.2015 um 8:25 vormittags | Als Antwort auf Anton Höchtl .

Ich bin kein großer Poster, aber die Insolenz des Postings von Herrn Höchtl macht mich wütend und treibt mich zur “Ersttäterschaft”.

Bei diesem unsäglichen Posting des Herrn Höchtl frage ich mich, ob es Ignoranz oder geschichtliche Unbildung ist, die ihn diesen haarsträubenden Blödsinn schreiben lässt. Vielleicht beides zusammen, gemischt mit Ressentiment gegen kritische Geister.
Hat Herr Höchtl jemals den “Stürmer” gelesen? Dem Kommentar von Herrn Amon das Niveau des Stürmers zu unterstellen, zeugt von stupender historischer Ahnungslosigkeit, geradezu ein Armutszeugnis. “Lernen Sie Geschichte, Herr Höchtl!” möchte man da ein Kreisky-Zitat abwandeln.

Wer jemandem anderen unfundiertes Schreiben vorwirft, sollte selbst über ein Fundament verfügen, das zutreffende, intelligente und faktenbasierte Kritik ermöglicht. Ich schlage Herr Höchtl den Besuch der Nationalbibliothek vor, um sich dort einige Nummern des “Stürmer” zwecks Quellenstudiums ausheben zu lassen. Das könnte, wenn er nicht ein völliger Ignorant ist, seinen Wissenshorizont deutlich erweitern. Dann würde ihm der eklatante Niveauunterschied zwischen dem Geschmiere im Stürmer und dem präzise argumentierenden Kommentar von Herrn Amon auffallen. Abgesehen davon wird im Stürmer eine menschenverachtende Hetze betrieben, während Amon in seinem Kommentar sehr genau abwägend der ÖVP keineswegs “Wiederbetätigung” vorwirft, sondern die gedankenlose Verwendung des Nazi-Jargons. Eine Handlung, die auch in meinen Augen die Rücktrittsaufforderung an den Landesgeschäftsführer der ÖVP rechtfertigt, der mit dem Wort “Läuse” über die anderen wahlwerbenden Parteien sprach.

Wer anderen einen “schwachen” Kommentar vorwirft, sollte über ausreichend intellektuelle Tiefe verfügen, es selbst besser zu können. Wie schon “innerstädter” in seinem Beitrag diese Woche schrieb: Amons Kommentare sind “pulitzerpreisverdächtig”. Ich füge noch hinzu: qualitativ das Beste, was man nicht nur hier in der Gmundner Provinz, sondern in Österreich ganz allgemein zu lesen bekommt. Daß das den einen oder anderen Kleingeist in Rage bringt, ist offenkundig und nichts Neues.


 

Das vielleicht erschütterndste Lied von Billie Holiday überhaupt. Über schwarze Körper, die als “Strange Fruit” von den Bäumen baumeln.

https://youtu.be/h4ZyuULy9zs

 

Ein Lied aufs “Stehachterl” wie man “one for the road” bei uns nennt:

https://youtu.be/R7llu2aQRSQ

 

God bless the child
Yes, the strong gets more
While the weak ones fade
Empty pockets don’t ever make the grade
Mama may have, Papa may have
But God bless the child that’s got his own
That’s got his own

https://youtu.be/Z_1LfT1MvzI

Und hier die moderne Instrumental-Version des Keith Jarret Trios (Keith Jarret, piano / Gary Peacock, bass / Jackk DeJohnette, drums))

https://youtu.be/n31jaGy7hmk

 

Zum abrundenden Schluss Odetta und die New Orleans Piano-Legende Dr. John alias Mac Rebbenack und “Brother Can You Spare a Dime”.

https://youtu.be/p3KoJj4dz2I

und Odetta allein:

https://youtu.be/KPyCJIPtJps

 

Good listening wünscht das Team Gmundl!


 

 

ÖVP und Nazi-Jargon

11. April 2015 - 2 Antworten

Heute:
Gastkommentar von Michael Amon
über
ÖVP und Nazi-Jargon

Liebe Leserleins!

Der heutige Beitrag ist irrtümlich schon mal kurz online gestellt gewesen. Da hat Ihre Babsy gerade daran gearbeitet, den Gastkommentar ins Redaktionssystem zu bekommen. Irgendwas ist dabei schiefgelaufen, und er ging ins Netz, bevor ich ihn fertig bearbeiten und formatieren konnte. Wollte mich nicht mit fremden Federn schmücken, war ein Versehen nach gemütlicher aber ermüdender Feiernacht nach der Fastenzeit. Bitte um Entschuldigung, jetzt kommt der Blog so, wie er richtigerweise gehört. Mit allen Überschriften und dem richtigen Autorennamen.

Wir haben es angekündigt. Heute geht es um einen Skandal, den die ÖVP verursacht hat. Merkwürdig, dass er niemandem aufgefallen ist. Nicht der Lokalpresse (gut, die schnarcht ohnehin immer – und besonders laut schnarcht sie, wenn die ÖVP zu kritisieren wäre), und nicht den anderen politischen Parteien. Auch der Journalistin des Kurier entkam keine Zeile der Kritik, wie es aussieht auch kein kritisch nachfragendes Wort.

Wir danken unserem Gastkommentator Michael Amon dafür, dass er sich die Mühe gemacht hat, uns diesen Kommentar zu schreiben.

Babsy Blitzschnell f. d. Team Gmundl


 Nazi-Jargon in der ÖVP?

Ein Gastkommentar von Michael Amon

Die ÖVP, die sonst sehr wehleidig ist, wenn es um sie selbst geht, gerade hier in Gmunden haben wir das eindrucksvoll erlebt, hat nun die politischen Gegner mit einem Begriff aus dem Nazi bzw. SS-Jargon tituliert. Die ÖVP ist in diesem Fall ihr Landesgeschäftsführer Hattmannsdorfer. Man muß seine Worte also als offizielles ÖVP-Statement einstufen. Es ist die ÖVP, die Unerhörtes ausgesprochen hat. Wie es aussieht im Beisein von LH Pühringer.

In der sonntäglichen OÖ-Beilage des Kurier werden Wortspenden von LH Pühringer und ÖVP-Landesgeschäftsführer Hattmannsdorfer abgedruckt. Es bleibt unklar, ob es sich hierbei um die Wiedergabe eines Interviews der Journalistin mit den beiden Politikern handelt oder um die Wiedergabe von Äußerungen der beiden bei einem Informationsgespräch oder einer Pressekonferenz. Auf jeden Fall werden im Kurier die konkreten Aussagen unter Anführungszeichen wiedergegeben, was eindeutig signalisiert: Originalton des Zitierten.

In dem Artikel geht es um den bereits begonnenen Wahlkampf und die Chancen der ÖVP und um den Widerspruch, daß in einer Umfrage zwar 73 % der Befragten mit der Landesregierung unter Pühringer zufrieden seien, die ÖVP aber nur bei 42 % liege, einem Verlust von 5 %. Laut Kurier wird von beiden (!) als einer der Gründe der “generelle Vertrauensverlust in  die Politik” genannt. Das Gespräch fand also im Beisein von Pühringer statt. Beide erklärten dann laut Kurier weiter, daß es viel mehr Parteien gebe als früher, 2009 etwa nur deren sieben. Und dann wird Hattmansdorfer persönlich und wörtlich zitiert: “Nun könnten 14 antreten, also doppelt so viele. Jede LAUS beisst. Und den Größten am meisten.”

Hier stockt dem verwunderten und geschichtlich wenigstens minimalst bewanderten Leserchen der Atem. Man liest es noch einmal. Es steht wirklich so da. Die Journalistin gibt diese Aussage völlig unkommentiert wieder, fragt scheinbar auch nicht nach. Wir nehmen an, auch andere haben diese Ungeheuerlichkeit gelesen. Niemand hat reagiert. Nicht einmal eine kleine Verurteilung in den OÖN durch Koll. Brandner, der sich lieber mit machtlosen Bloggern matcht, als mit der ÖVP und deren unerhörter Äußerung.

Darum stellen wir das jetzt klar. Das ist Nazi-Jargon! Niemand komme mit der Ausrede, das sei eine so hingesagte Redensart. In einer Zeit, in der wir auf Teufel komm raus “gendern” müssen, kann man sich bei einem eklatanten verbalen Fehlgriff durch Verwendung der Sprache der Barbarei nicht still aus dem Staub machen.
Ich darf entsprechende Nazi-Größen zitieren.
Im November 1941 schrieb Propagandaminister Goebbels nach einem Besuch des Ghettos von Wilna in Polen folgende Worte in sein Tagebuch: “Die Juden sind die Läuse der zivilisierten Menschheit. Man muß sie irgendwie ausrotten, sonst werden sie immer wieder ihre peinigende und lästige Rolle spielen. Nur wenn man mit der nötigen Brutalität gegen sie vorgeht, wird man mit ihnen fertig.”
Auch „Reichsführer SS“ Heinrich Himmler äußerte sich in einer Rede vor SS-Korpsführern am 24. 4. 1943 in diese Richtung: “Es ist keine Weltanschauungsfrage, daß man die Läuse entfernt, das ist eine Reinlichkeitsangelegenheit … Wir sind bald entlaust. Wir haben nur noch 20.000 Läuse, dann ist es vorbei damit in ganz Deutschland.”
Auch der katholische Antisemitismus war diesbezüglich deutlich. Ein gewisser Matthias Haegele, Redakteur und Gymnasiallehrer, veröffentlichte im Jahr 1870 ein frommes Traktat namens “Läusekrankheit”.

Die Verleugnung der menschlichen Natur andersdenkender Menschen ist in totalitären Regimen immer der erste Schritt zur Ausrottung der Gegner. Man erklärt sie zu Ungeziefer. Wer Ungeziefer ausrottet, tötet keine Menschen. Ein demokratischer Politiker hat sich solcher Vergleiche und “Redensarten” nicht zu bedienen. Da kann es keine Diskussion geben.

Es sei also festgehalten: der Landesgeschäftsführer der ÖVP hat – allem Anschein nach in Gegenwart von LH Pühringer – unwidersprochen die politischen Gegner pauschal mit Ungeziefer, nämlich mit Läusen, verglichen. Das ist ein demokratiepolitischer Skandal ersten Ranges. Hier wird die Sprache der Unmenschlichkeit und der Barbarei nonchalant eingesetzt und damit hoffähig gemacht.

Ich will der ÖVP keineswegs unterstellen, daß sie die Ausrottung ihrer politischen Widersacher im Schilde führt. Aber wenn einer ihrer führenden Vertreter offenbar in Gegenwart des Landeshauptmannes unwidersprochen im Nazi-Jargon argumentiert, dann ist das schlimm genug und beweist einen Mangel an Sensibilität und geschichtlicher Bildung. Wobei es eigentlich schon der ganz normale menschliche Anstand verbietet, Menschen mit Ungeziefer zu vergleichen. Genau das ist hier aber geschehen.

Es gibt geringere Gründe für einen Rücktritt. Dieser hier ist aber evident. Bei der österreichischen Rücktrittskultur ist leider ein langes politisches Leben des ÖVP-Geschäftsführers zu befürchten.

Wir erwarten, dass diese Sache nicht totgeschwiegen wird. Wir erwarten eine klare Distanzierung der ÖVP. Gleichzeitig fragen wir uns, ob der nächste Gmundner Gemeinderat, nachdem man dort meinte, harmlose Blogger, bescheuerte Schimpfkanonadenschreiber und angebliche Hassblogger in einem Aufwaschen “verurteilen” zu müssen, sich in seiner nächsten Sitzung dazu aufraffen wird, eine wirklich schlimme Äußerung zu verurteilen, und zwar einstimmig mit den Stimmen aller Parteien inklusive der ÖVP. Denn mit dem Läuse-Vergleich wurde eine Demarkationslinie überschritten. Vielleicht fällt ja auch Herrn Brandner in den OÖN dazu etwas ein – z. B. eine mindestens ebenso scharfe Verdammung, wie er sie gegen harmlose Blogger und Online-Poster ausgesprochen hat, die vielleicht ärgerliches aber nun wirklich harmloses Zeug jenseits jedweden Nazi-Jargons gepostet haben.

Hätte ein FP-Politiker einen solchen Vergleich gewagt, ein Sturm der Empörung würde (zurecht) durch das Land fegen. Aber bei der ÖVP – Schweigen in Wald und Flur!


 

 

Wann fährt der nächste Schwan?

10. April 2015 - Leave a Response

Heute:
Babsy zum Hotel
Rudi Elch berichtet

 

Liebe Leserleins!

Wenn wir den ersten Email-Reaktionen glauben dürfen, die uns erreicht haben, dann haben unsere beiden gestrigen Gastkommentare nicht nur den Nagel auf den Kopf getroffen, sondern vielen Bürgerleins aus dem Herzen gesprochen. Die Misere des Lokalschurnalismus bleibt sicher ein Thema. Auch wenn wir uns nicht gleich wieder so umfangreich damit beschäftigen werden. Wir nehmen an, dass der qualitative Downsizing-Prozess der lokalen Medien weiterhin stattfinden wird. Da werde wir hin und wieder unseren Senf dazugeben.

Possierlich auch die “neuesten” Nichtentwicklungen rund ums Hotel “Lacus Infelix”. Man kann es nicht oft genug wiederholen: das Projekt scheiterte nicht an den Gegnern, sondern daran, dass sich bisher kein Investor gefunden hat, der hier sein Geld verplempern will. Wenn nun unser Bürgermeister-Azubi erneut eine Klausur einberuft und dort “soll jeder sagen, was er gerne hätte”, dann fragt man sich, ob das Hilflosigkeit ist, oder Beschäftigungstherapie für Gemeinderatmitglieder sein soll. Seit langer Zeit liegen die Vorstellungen der einzelnen Fraktionen auf dem Tisch. Im Prinzip ist man sich einig, ein Hotel zu wollen. Ja, eh. Wir auch. Nur sind das Briefe ans Christkind. Am besten gefällt uns hier die Idee der Grünen, das Hotel wieder am Standort des alten Parkhotels zu errichten und das Gebiet wieder zurück auf Tourismus zu widmen. Dazu Teile des Seebahnhofs für eine öffentliche Nutzung (Parkanlage) zu verwenden. Wie es aussieht, kann auch die FPÖ sich vorstellen, den Bereich Parkhotel wiederum für ein Hotel zu nützen. Warum die anderen Fraktionen sich der Forderung der SPÖ nicht anschliessen, die Grundstücke endlich aus der Vereins-KG herauszulösen und wieder ins direkte Eigentum der Gemeinde zu überführen, bleibt unverständlich. Denn nur dadurch wäre gesichert, dass die weitere Entwcklung dieser Grundstücke in den Händen des Gemeinderats bleibt und neue Tricksereien über die KG verhindert werden. Noch immer zu prüfen ist auch die Option des Landschlosses, auch wenn wir skeptisch sind. Die Kosten eines Umbaus und der Modernisierung sprechen eher gegen dieses Objekt, überhaupt angesichts der schwierig zu erreichenden Rentabilität. Jede Form von Zusatzkosten wirkt hier doppelt stark und für Investoren abschreckend. Das Hotelgespinst von Sigi John scheint ohnehin eher mit einem Leintuch über dem Kopf durch die Dunkelheit der Wälder zu geistern.

Tatsache ist, dass derzeit die Klagen der Asamers gegen den Rückkauf durch die Gemeinde laufen. Wie das ausgeht, wird man sehen. Soweit wir die Verträge beurteilen können, war es ausdrückliche Absicht der Gemeinde und der Verträge, dieses Rückkaufsrecht zu haben. Es ist ein integraler Bestandteil der Verträge. Wir gehen daher davon aus, dass Asamer mit diesen Klagen keinen Erfolg haben wird.

Trotzdem nützt der Wille zum Hotel nicht sehr viel. Den gab es in den letzten 25 Jahren mehrmals, es wurde gebaut und dann der Betrieb eingestellt. Viel wichtiger wäre es, sich zuerst einmal darauf zu verständigen, wie Gmunden sich definiert. Wir schaffen als noch immer ziemlich reiche Bezirkshauptstadt nicht einmal ein Hallenbad, stattdessen basteln wir um viel Geld an zweifelhaften Verkehrsprojekten herum.

Wir glauben nicht, dass man Gmunden in absehbarer Zeit zu einer echten Tourismusstadt ummodeln kann. Wir sind bis auf weiteres auf den Tagestourismus orientiert, der besonders viele Schäden und besonders wenig Geld generiert. Da hilft auch die neue Seilbahn nichts, die ein klassisches Ziel für den Tagestourismus und den lokalen Ausflugsverkehr darstellt. Ein neues Hotel wird es in Gmunden nur geben, wenn den Investoren ein realistisches und langfristiges Entwicklungsziel der Stadt plausibel bemacht wird. Dazu müsste man sich aber einmal auf ein solches einigen. Ansätze dazu gibt es.

Worüber alle einmal ernsthaft nachdenken müssten: Hotel, Konferenzzentrum und Hallenbad gehören organisch zusammen, also auch örtlich. Das spricht für ein Konzept auf der Toskana. Oder man macht im Bereich das Parkhotels ein neues “Viertel” mit Hotel, Bad und Veranstaltungszentrum. Da stellt sich dann aber die Frage der Finanzierung umso drängender. Es wird Zeit, dass in Gmunden eindeutige Prioritäten gesetzt werden.

Nun noch zu etwas anderem.
Uns ist bekannt, dass viele unserer Leserleins morgens neben Kaffee und Kipferl oder Müsli nicht die Tageszeitung aufschlagen, sondern mal den Gmundl lesen. Da wir auch der Satire verpflichtet sind, die leider immer zu kurz kommt, haben wir nun einen neuen Mitarbeiter, der hier in Zukunft gelegentlich seine Spässe (mit ernstem Hintergrund) treiben wird. Gerade die Satire boomt derzeit im Internet – in einem Ausmass, das niemand vermutet hätte. Heute gibt es den ersten Beitrag von Rudi Elch, dem hurtigen Reporter. Er wird nach Lust, Laune und Einfall liefern, vor allem Weltexklusives. Besser noch: ausschiesslich Weltexklusives!!!! Da kann der Fellner einpacken mit seinem Sensationsschurnalismus! Denn wie wahren Sensationen finden hier statt. Punktum.

Babsy Blitzschnell f. d. Team Gmundl

Morgen beschäftigen wir uns mit einem unerhörten Skandal aus dem Bereich der ÖVP-OÖ, der offenbar von niemandem bemerkt worden ist. Von uns schon. Denn hier bei uns geht die Post ab, immer im Dienste der Bürgerleins. Wir bringen ans Licht, was sonst verboren bleibt!


 NEU: Der ELCH-REPORT

Weltexklusiv!!!

Längste Hängebrücke der Welt für Gmunden

elch_haengebruecke_1

Es berichtet Rudi Elch, der hurtige Reporter

Sage noch einmal jemand, in Gmunden könne man keine Projekte umsetzen, weil alles zerredet wird. Über dieses Projekt wurde nie gesprochen, nie berichtet. Es ist einfach mit einem Schlag da. Das nennt man Umsetzungesqualität!

Die Sensation ist perfekt: Gmunden bekommt die längste Fußgängerbrücke Europas. Sie führt vom Gmundner Stadtteil Weyer direkt auf den Grünberg. Die Besucher haben künftig die Möglichkeit entweder mit der Seilbahn auf den Grünberg zu fahren oder gegen eine geringe Mautgebühr mit der neuen Hängebrücke zu Fuß auf den Grünberg zu gehen. Diese Brücke soll aber eine reine Fußgängerbrücke bleiben. Mitnahme von Fahrrädern ist verboten. Abend wird sie jedoch als (Rollen)Rodelbahn freigegeben.

Der Tourismuschef von Gmunden, Murray, jubelt: “Damit ist die Hängepartie rund ums Hotel beendet. Wir werden auch erstmals Bänke und Schlafstätten mitten auf der Hängebrücke errichten. Ein weltweites Alleinstellungsmerkmal. Nach den Plänen werden wir damit Raum für ungefähr 500 Gästebetten im Freien schaffen. Fliesswasser ist vorhanden, man muss nur von der Brücke in den See springen. Eine Kooperation mit Rotem Kreuz und Arbeitersamariterbund wird dafür sorgen, dass Abspringende möglichst schnell geborgen und medizinisch versorgt werden können. Später ist daran gedacht, die Hängebrücke hinüber auf den Traunstein zu erweitern.”

In den ersten vier Wochen können sich alle Hängebrücken-Wanderer vor dem Abmarsch im Rathaus gratis ein Jausenpackerl (1 Rollmops, eine leere Dose Red Bull, einen Schwanenbusserl, ein Sacki-fürs-Gacki) abholen. Achtung: Wasserlassen von der Hängebrücke ist verboten und wird streng geahndet (zehn Fahten mit der Sommerrodelbahn im Winter). Die Mitnahme von Hunden ist nur erlaubt, wenn es sich um Flughunde handelt (siehe auch Sacki-fürs-Gacki!!!).

elch_haengebruecke_2Die ersten euphorisierten Wanderer auf der längsten Hängebrücke der Welt


Schurnalismus in Gmunden

9. April 2015 - Leave a Response

Heute:
Gastkommentare zu einer Glosse in den OÖN
einmal von Michael Amon
und noch einmal von Innenstädter

Liebe Leserleins!

Wir haben bewusst ein wenig Zeit seit dem Erscheinen eines merkwürdigen Kommentars in den OÖN verstreichen lassen. Es gibt Sachen, die soll man in aller Kühle und mit Abstand beurteilen. Dass der örtliche Lokalschurnalismus am Sand ist, nun, das ist keine Neuigkeit. Dass er stets bemüht ist, regelmässig neu zu beweisen, wie sehr er am Sand ist, erstaunt allerdings. Wenn nun Herr Brandner sein Süppchen anrührt, gemischt aus ein paar Tropfen Wahrheit und einer grossen Flasche Demagogie, sollte man einerseits den Ball flach halten. Die Bedeutung dieser Art von Schurnalismus geht gegen null. In fast jedem Gespräch, bei dem es um den Lokaljournalismus geht, fallen bittere Beschwerden über dessen Niveau und über den fast völligen Verzicht auf Kritik. Und zwar von Leuten aus allen Parteien mit Ausnahme der ÖVP. Die vielen Ereignisse, die Fragen aufwerfen und nach gut recherchierten Antworten rufen, locken diesen Schurnalismus nicht aus der Hängematte.
Umso gewagter ist es, wenn man dann jene attackiert, die diese Lücke füllen. Noch gewagter, wenn man einen Anlass nimmt, der nichts, aber auch schon gar nichts mit der ordentlichen Diskussion der Zivilgesellschaft zu tun hat, wie er hier stattfindet. Ein schurnalistisches Angstbeissen, das wir hier erleben, denn dieser Schurnalismus sitzt in der Klemme. Einerseits zeigen die lokalen Gratiskäsblätter, dass es immer noch ein wenig anspruchsloser und kritikfreier geht, auf der anderen Seite entwickeln sich im Internet neue Formen, die den Anbetungsschurnalismus ziemlich alt aussehen lassen. Aber so ist das eben: wer sich ausser betulichem Hofieren der Machthaberer nichts traut, wird in der Medienlandschaft der Zukunft nicht überleben. Die Zukunft ist teilweise bereits Gegenwart.

Nun, mit einem gewissen Abstand, bringen wir zwei Gastkommentare zum Thema. Sie werden für Diskussionen sorgen. Das ist gut so. Nur so kann die Zivilgesellschaft sich wehren gegen einen erstarrten, lahmen Verlautbarungsschurnalismus im Dienste mächtiger Interessensgruppen, die eng mit der Politik verwoben sind.

Wir ersuchen um Nachsicht für die Länge des ersten Beitrags, aber der Autor wollte auf ein paar grundsätzliche Fragen eingehen. Das benötigt Platz.

Babsy Blitzschnell f. d. Team Gmundl


Letzter l’amour-Hatscher

Ein Gastkommentar von Michael Amon

Ich gestehe gerne ein, daß ich mir schwer damit tue, auf den inkommensurablen OÖN-Kommentar von Edmund Brandner zu replizieren. Auf jenen Kommentar, der seit seinem Erscheinen große Teile der örtlichen Zivilgesellschaft erbost, teilweise allerdings auch erheitert hat. Ich neigte, auch das sei eingestanden, zuerst einmal dazu, diesen Kommentar zu ignorieren und mir nur mit dem Zeigefinger auf die Stirn zu tippen. Gemäß einem Sager von Tucholsky, auf manches verweigere er eine Antwort, denn »so tief könne er nicht«. Trotzdem habe ich mich dazu überwunden, Stellung zu beziehen. Aus einem einfachen Grund: der Kommentar von Brandner ist journalistisch unsauber und intellektuell unredlich. So etwas soll man nicht unerwidert lassen, und ich werde im folgenden ausführen, was ich damit meine.

Meine Hemmung beruhte darauf, daß ich Brandner nicht nur persönlich kenne, sondern auch so was wie eine gute Bekanntschaft pflegte. Landläufig würde man vielleicht Freundschaft dazu sagen, aber ich persönlich gehe mit diesem Wort sehr vorsichtig um. Da bin ich konservativ erzogen worden. (Auch beim »Du«-Wort bin ich sparsam unterwegs, das eine oder andere »Du« läßt sich leider aus Traditionsgründen nicht immer vermeiden.) Ich habe mir aber eines zum Grundsatz gemacht: in Ausübung meiner publizistischen Tätigkeit schone ich niemanden. Nicht Bekannte, nicht Freunde, nicht mich selbst. (Wer Letzteres nicht glaubt, dem empfehle ich die Lektüre zweier meiner Bücher: »1968 – Ein kurzes Lächeln im langen Mai«, autobiographische Essays sowie »Fromme Begierden«, ein autobiographischer Roman.) Wer diese Courage nicht aufbringt, sollte die Finger vom Schreiben und von der Tastatur lassen, denn das wird nichts. Höchstens Beschönigungspublizistik. Oder nur über Mode berichten.
Moderne Publizistik hat für mich im Dienste der Aufklärung zu stehen – im doppelten Wortsinn. Aufklärung im Sinne Kants, den Menschen Wege aus der »selbstverschuldeten Unfreiheit« zu zeigen, und Aufklärung im ganz alltäglichen, banalen Sinn: aufklären darüber, was geschieht, was die Hintergründe und die Motive bestimmter Handlungen sind. Dazu gehört manchmal auch, die Ereignisse mit Namen zu verknüpfen. Je kleiner die Stadt, in der man lebt und das versucht, umso schwieriger ist es, dieses Verständnis der schreiberischen Tätigkeit in die Praxis umzusetzen. Ich habe also durchaus Verständnis für die Lage, in der sich lokale Journalisten befinden können, wenn sie ihren Job ernsthaft betreiben wollen.

Aber jetzt kommt das große ABER. Brandner erklärte mir im persönlichen Gespräch, er könne den Sowieso (den Namen des damals Gemeinten lasse ich jetzt mal weg) schwer in der Zeitung kritisieren, wenn er ihm dann am nächsten Tag in der Stadt über den Weg laufe. Wenn dem so ist, dann hätte er einen anderen Beruf wählen sollen. Ein Richter kann auch nicht sagen, ich brumm jemandem keine Strafe auf, weil der sonst bös auf mich ist, und wenn ich ihm danach in der Stadt über den Weg laufe … Das kann man beliebig auf viele andere Berufe übertragen. Polizisten, Staatsanwälte. Die intellektuelle Unredlichkeit offenbart sich hier grandios: Brandner weiß um die Problematik der persönlichen Nähe, verkneift sich die notwendige scharfe Kritik, bittet aber anonyme Kritiker vor den Vorhang zwecks Namensnennung. Ich nenne das Doppelmoral.

Es geht aber noch deutlicher und noch doppelbödiger. Und ich habe hier jetzt einen der seltenen Fälle, in denen man gezwungen ist, das Nähkästchen weiter zu öffnen, als man eigentlich will. In einem Gespräch, er saß bei meiner Frau und mir in der Küche (ich plaudere nur deshalb aus der Schule, weil es für die Beweisführung notwendig ist), beteuerte er, daß er eine Familie habe, ein Haus gebaut, Kredite, er könne es sich nicht leisten, da etwas zu riskieren. Ich verstehe das gut. Man kann von niemandem verlangen, ein Held zu sein. Noch weniger kann man verlangen, daß jemand existentiellen Selbstmord mit Anlauf begeht. Wer bin ich, einen solchen Selbstmord von Brandner einzufordern? Würde ich niemals tun. Aber Herr Brandner entblödet sich nicht, einen solchen Selbstmord von »anonymen Bloggern« einzufordern – mit all seinem Wissen um die wahren Machtverhältnisse und die Brutalität, mit der die Macht mitunter eingesetzt wird. Zu einem solchen Verhalten fielen mir noch deutlichere Worte ein als »intellektuelle Unredlichkeit«. Das Wort »Doppelmoral« erscheint da noch eindeutig zu harmlos. Genaugenommen ist es infam, von Bloggern de facto die Lüftung ihrer Identität zu verlangen, wenn man selbst nur zu gut weiß, welche Folgen das haben kann, und wenn man aus genau diesem Grund einen – gemessen an journalistischem Ethos – abgrundtief schlechten Affirmationsjournalismus betreibt.

Leider spielt Brandner schon länger dieses journalistisch bedenkliche Spiel. Er hat mich trotz meines Dementis als »Schreiber des Gmundl »geoutet« – mit Bild und vollem Namen, ohne vorherige Rücksprache. Ich habe ihm und der Lokalredaktion damals einen langen Brief geschrieben. Man hatte nichteinmal den Anstand, mir zu antworten oder sich zu entschuldigen. Daher hier ein paar Auszüge aus meinem damaligen Schreiben, sie sind nach wie vor gültig (die Namen unbeteiligter Dritter habe ich ebenso entfernt wie Bezüge zu damals aktuellen Ereignissen):

Als Schreibender in der Öffentlichkeit habe ich eine hohe Schmerzschwelle, halte was aus und bin auch nicht gleich beleidigt. In meinen Kommentaren (die ich immer persönlich zeichne) lege ich mich mit Leuten an, die ein etwas anderes Kaliber haben, als ein kleiner, unbedeutender Provinzpolitiker. Wenn ich etwas schreibe, setze ich meinen Namen darunter. Und wenn Du, Edmund, mir sagst, das ist etwas anderes, als hier vor Ort Leute, die man persönlich kennt und dauernd trifft, zu kritisieren, hast Du schon recht, aber dann ist Deine Kritik an gmundl.com noch unberechtigter, als sie es so schon ist. …
Hierorts geht manches halt leider nur, indem die Schreibenden in Deckung gehen, weil alles andere Selbstmord wäre. Kritik dampft hier nur in den Postings der online-Foren (auch immer anonym). Sobald dort die Anonymität fällt, werden nicht nur “tiefe” Postings verschwinden, sondern auch jene mit berechtigter Kritik.
Die angeblichen Ähnlichkeitsmerkmale zwischen meinem Schreiben und der gmundl-Glosse sind lächerlich und journalistisch manipulative Spekulation. Ich gebe zwar zu, daß es meine Eitelkeit befriedigt, wenn man mir als Einzigem in Gmunden zutraut, einen solchen Blog zu schreiben. Aber leider, leider, Gmunden ist eine Schulstadt mit hunderten gebildeten Lehrern, die Deutsch beherrschen und gut formulieren können …
Wie gesagt: ich bin nicht wehleidig. Aber die Art, wie der gmundl-Artikel sowohl im Print als auch online aufgemacht war, die war wirklich jenseitig: mein Bild, darüber “anonymer Blogger” (und gedruckt war es nicht viel besser). Ihr wißt so gut wie ich, daß Bilder stärker sind als Worte. Das war journalistisch nicht in Ordnung und schwer manipulativ. Eine Vorverurteilung im klassischen Sinn (die bekanntermaßen sogar dann strafbar ist, wenn danach eine Verurteilung stattfinden würde). Kein Hinweis auf die Unschuldsvermutung, nur der lapidare Satz, ich würde das “vehement” von mir weisen. Ihr erweckt außerdem den Eindruck, als hättet ihr anläßlich der Vorkommnisse mit mir gesprochen. Das war nicht der Fall. …
Auf der Journalistenschule gäbe es für diese Berichterstattung jedenfalls keine Bestnoten.
Ich könnte euch natürlich auf Vorverurteilung (vielleicht auch üble Nachrede und Verleumdung) klagen. Dazu noch eine einstweilige Verfügung, Entgegnungen etc. Ich mache das aus vielen, vor allem grundsätzlichen Erwägungen nicht. … Ich bin Vertreter einer sehr weit gehenden Pressefreiheit, solange es nicht um höchst private Dinge geht. Ich will niemanden, der schreibt, kriminalisieren. Außerdem halte ich nichts davon, politische Fragen (und das alles ist ein ganzer Komplex politischer Fragen) vor Gericht zu “lösen”. …
… Fragen zu stellen, wäre schon eine Aufgabe der vierten Macht/Kraft im Staat (auch auf lokaler Ebene, gerade in einer Zeit, in der die Printmedien gehörig unter Druck kommen). Zur vierten Macht gehören aber inzwischen auch anonyme Blogger, ob es einem gefällt oder nicht (und was die angeblich “aggressive Polemik” bei gmundl betrifft – schaut euch mal Freitag nachts die “heute show” im ZDF an, dagegen verteilt der gmundl-Blog Streicheleinheiten).
In der Bürgerschaft brodelt es gewaltig. Völlig unabhängig von der politischen Orientierung. Die Reaktionen auf die gmundl-Story beweisen es. Hier kommt etwas hoch, was sich über Jahre aufgestaut hat.

Soweit mein damaliges, unbeantwortet gebliebenes Schreiben.

Wenn Brandner jetzt in einer wüsten Vermischung von Hassbriefen mit anonymen Blogs und ironischer bis mitunter durchaus »böser« Kritik eine Glosse bastelt, ist das journalistischer Pfusch, sehr freundlich formuliert. Da geht es nur noch darum, kritische Menschen in einen Topf mit Hasspredigern zu werfen. Jede Form von Kritik zu verunglimpfen. Allen miteinander wird ohne Unterschied ein »Aggressionspotential« attestiert, »das sich im Schutz der Anonymität ungehemmt entfalten darf«. Man kann etwa dem Gmundl-Blog schon mal vorwerfen, daß die eine oder andere Wortwahl schräg ist; daß zwischen den Diskutanten oder in Richtung Politik manchmal ordentlich geholzt wird. Aber »ein ungehemmtes Aggressionspotential«? Nichts von dem, was ich bisher im gmundl-Blog gelesen habe, überschreitet den Rahmen des Zulässigen. Keine Ahnung, was Brandner so liest. Aber wenn Brandner das mit den Aggressionen ernst meint, könnte ich ihm mit selbem Recht vorwerfen, daß seine Glosse »hetzerisch« ist. Was ich ausdrücklich nicht mache. Sie ist vor allem dumm, doppelbödig und nicht korrekt recherchiert.

Denn da ist noch eine journalistische Auffälligkeit: der Vorfall, den er zum Anlaß seiner Tirade nimmt, hat mit Haß oder Aufhetzung überhaupt nichts zu tun. Da der Öffentlichkeit bis heute nicht bekannt gegeben wurde, wer da eigentlich was beschlossen hat, was der genaue Anlaß war, habe ich mich ein wenig schlau gemacht. Der Anlaß war ein anonymes Schreiben an den neuen Bürgermeister (das scheinbar auch an andere Leute zwecks Kenntnisnahme verteilt worden ist), dessen Inhalt von den Personen, mit denen ich sprach und die es kannten, vor allem als geschmacklos und saublöd bezeichnet worden ist. Im Prinzip eine Aneinanderreihung von wenig lustigen Beschimpfungen. Angeblich kein Vergleich zu den Briefen, mit denen Köppl bombardiert worden ist. Die sollen teilweise wirklich grauenvoll gewesen sein. Das eine ist so wenig in Ordnung wie das andere.

Nun soll man solche Beschimpfungsbriefe auch nicht kleinreden und herunterspielen. Die gibt es leider. Das hat mit den modernen Medien nichts, aber schon gar nichts zu tun. Dieser Mist kam und kommt mit der Schneckenpost. Allerdings war der Bürgermeister, ein Neuling im Fach, schwer schockiert. Ich kann das nachvollziehen. Mir ging es nicht besser, als ich das erste Mal in einen »Shitstorm« geriet. Das war nicht einfach nur ein saudummer Brief. Vor einigen Jahren hatte ich im Standard einen Artikel gegen Kampfhunde geschrieben. Nicht nur, daß eine erbitterte, teils tatsächlich haßgesättigte Online-Diskussion zwischen Befürwortern und Gegnern von Kampfhunden losbrach, die sich über viele Tage und mehr als 1.200 Postings hinzog, wurde auch mein Mailkonto zugemüllt. Da waren Sachen vom Feinsten dabei: von Ohrfeigen, über Hunde auf mich hetzen bis hin zur Vergasung in einem, leider, leider nicht mehr existierenden KZ, wurde mir so ziemlich alles angedroht. Gutes Gefühl war das keines. Aber man lernt damit umzugehen. Als ich in meinem Roman »Sonnenfinster« auch das Heim der SS-Organisation Lebensborn in Oberweis literarisch verarbeitete, bekam ich die Morddrohung direkt ins Haus. Jemand hatte sich die Mühe gemacht, sie mir persönlich unter Umgehung der Briefpost direkt ins Fach zu werfen. Auch nicht besonders angenehm. Macht ein mulmiges Gefühl. Ein paar weitere, ziemlich bedrohliche Unappetitlichkeiten erspare ich der Leserschaft an dieser Stelle. Psychopathen gibt es leider auch immer und überall.
Auf jeden Fall wurde dann von den Gemeinderäten (dem Gemeinderat?) beschlossen, daß man solche Briefe an den Bürgermeister verurteile. Ein typisches Politritual. No-na-net, dafür wird man sein. Für Differenzierung bleibt in einer solchen Stimmung natürlich kein Raum mehr. Wobei es auffällig ist, daß man bis heute weder den Beschluß noch den Anlaß öffentlich gemacht hat, damit die Bürger sich selbst ein Bild machen können, worum es eigentlich geht. Auch ich bin da auf unüberprüfbare Aussagen angewiesen.

Die Vermischung von Denunzianten, anonymen Hetzern und »Blog-Leitern« (wer immer das sein soll), die Blog-Wart Brandner hier betreibt, ist schauderhaft. Daß er auf entsprechende Einträge auch im Online-Forum der OÖN verweist, sagt ohnehin alles. Was hindert die OÖN daran, sowas nicht freizuschalten? Es ist halt so: vielen Zeitungen sind die Kosten für eine Kontrolle der Postings zu hoch, außerdem wollen sie natürlich sehr wohl die Klick-Raten auch der Verhaltensoriginellen generieren, denn da geht es um Werbeeinnahmen. Eine wirtschaftlich fundierte Doppelmoral.

Herr Brandner spielt das Spiel der Mächtigen. Diese ganze Aufregung hat vor allem ein Ziel: jede Art von Kritik als »hetzerisch«, »denunzierend« oder gleich als »hasserfüllt« in Mißkredit zu bringen. Klar, denn nachdem sich neue Medien entwickelt haben, funktioniert das alte Spiel der Macht nicht mehr so gut. Es hilft nicht viel, wenn in den Lokalmedien nicht recherchiert, nicht aufgeklärt, nicht kritisiert wird; wenn die Journalisten sich ausschweigen über den Mißbrauch der Macht. Denn es gibt neue Medien, die diese Lücke füllen. Sie sind dabei nicht immer perfekt, es gilt auch noch viel zu lernen. Gerade der von Brandner so gern denunzierte gmundl-Blog ist ein Musterbeispiel für einen Lernprozeß, wie jeder unvoreingenommene Leser leicht feststellen kann, wenn er die Beiträge der letzten zwei Jahre überfliegt. Aber solche Blogs erschüttern das Meinungsmonopol von meinungslosen Meinungsmachern. Darum geht es nämlich im Kern dieser Auseinandersetzung.

Wenn schon von Haß die Rede ist. Besonders groß ist immer der Haß derjenigen, die sich selbst geknebelt haben auf jene, die sich nicht knebeln lassen. Es ist der Neid der Gefängnisinsassen auf die in Freiheit Lebenden. Denn die Insassen ahnen, daß die Mauern imaginäre sind, von ihnen selbst errichtet. Das ist nichts Neues und gab es immer schon. Der Selbstgeknechtete liebt die Freien und die Freiheit nicht. Lies nach bei Ringel. Seien wir daher froh, daß Brandner seinen Frust mit einer mißratenen Glosse – hoffentlich nachhaltig – abbauen darf. So wie wir alle froh sein sollten, daß mitunter halt auch Verhaltensgestörte Briefe und Postings absondern. Online natürlich besonders gern. Ich halte beides – mißlungene Glossen und depperte Postings – für positiv im Sinne der demokratischen und gesellschaftlichen Hygiene. Solange die Hunde bellen, beißen sie nicht. Mein Mitleid mit einem bestimmten Typus von Schreibenden, die um ihre Jobs fürchten, hält sich sehr in Grenzen. Sie selbst haben nämlich jene Lücken im öffentlichen Diskurs verursacht, die jetzt von Bloggern genutzt werden. Diese Blogs spiegeln eine Stimmung in der Gesellschaft wider, die vorhanden und real ist, während die Lokalpresse noch eng umschlungen mit den Mächtigen ein letztes Tänzchen, einen l’amour-Hatscher auf der schon sinkenden Titanic, aufs Parkett legt. Hauptsache, die Bordmusik spielt.

 


Lokalzeitungen und Diskussionskultur?

Ein Gastkommentar von innenstädter

Leserbrief zur Glosse der OÖN ”Anonymer Hass” vom 25.3.2o15

Sehr geehrter Herr Brandner !

Mit Interesse habe ich Ihre Glosse in den OÖN vom 25. 3. gelesen, in der Sie sich über anonyme Postings im Internet-Forum ”Gmundl” beklagen. Sie meinen, durch diese “….gehe die Diskussionskultur vor die Hunde “.
Herr Brandner, Sie können beruhigt sein: DIESE Gefahr besteht nicht! Denn die Diskussionskultur ist in Gmunden schon längere Zeit nicht mehr vorhanden – kann es nicht sein, weil es nämlich keine Diskussion mehr gibt.
Diskussion setzt Bereitschaft, ja den Wunsch voraus, über die Ideen anderer nachzudenken. Und die Größe, manchmal einzusehen, daß diese besser sind als die eigenen. Diese Eigenschaft hat das Gmundner Rathaus seit 1998 immer mehr verloren.

Beispiele gefällig?
Die drei Monsterprojekte Seetunnel, Seebahnhofhotel und Straßenbahn.
Statt EHRLICHE und RECHTZEITIGE Information und Einbeziehung zu bieten, wurde die Bevölkerung mit einem Konglomerat aus Nichtinformation und Indoktrinierung überhäuft – die mangelnde Diskussion(sbereitschaft ) ging jeweils von ”oben” aus!

Verschärfend wirkt(e) dabei die traurige Rolle der Medien in Gmunden:
Die OÖN bieten keine kritische Lokalberichterstattung. Von der unsäglichen Trivialität der beiden Gratisblätter und der beiden Lokal-TV-Sender ganz zu schweigen. Statt ausgewogener Information findet man dort nur Hofberichterstattung, die wahrscheinlich wirtschaftlich erzwungen wird.
Wenn die Politik Grüppcheninteressen vertritt, statt jene der breiten Mehrheit und die Medien dies decken, wird die Demokratie mit Füßen getreten!
In dieser Situation ist für Gmunden die Existenz des Internet-Forums “Gmundl” ein nicht hoch genug einzuschätzender Glücksfall.

Ich genieße die interessanten , gut geschriebenen und Insiderwissen verratenden Berichte seit Jahren täglich. Sternstunden dabei die “pulitzerpreisverdächtigen” Kommentare Herrn Amons!
Nicht zu wissen, wer hinter dem Blog steht, stört mich dabei keinesfalls – ja, vielleicht würde die Kenntnis der Personen sogar ablenken.
Ich bin an den INHALTEN interessiert!

Und was schließlich die von Ihnen beklagte Aggressivität der Poster betrifft:
Die Gmundner Lokalpolitik seit 1998 treibt halt vielen Gemeindebürgern die Wut in die Adern!
Mir auch!

Mit freundlichen Grüssen

innenstädter


 

 

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