Nachdenklichkeit …

Liebe Leserleins!

Nachdenklich macht uns vom Team dieser Bericht, hochaktuell, in der Presse. Er zeigt, zu welchem Desaster überhöhte Erwartungen und falsche Prognosen führen können. Auch bei diesem Projekt an der Nordsee ging es natürlich auch um private Profitinteressen vermischt mit staatlicher Förderung. Ein Vergleich mit der Lage rund um die RegioTramBahn lohnt sich auf jeden Fall. Auch im Hinblick auf die Hoteldebatte sollte dieser Artikel vielleicht eine gewisse Nachdenklichkeit im Hinblick auf falsche Erwartungen hervorrufen. Man könnte fast glauben, dieses Irrsinnsprojekt an der Nordsee sei hier in Gmunden ersonnen worden.

Hier übrigens noch ein neues Bild, das wieder einmal unser fleissiges Leserlein findout-2 gebastelt und uns geschickt hat. Findout-2 schreibt dazu noch erläuternd: „Nachdem von den Befürwortern des B(W)ahnsinns durch Gmunden ziemlich wenig Kommentare kommen, glaube ich, dass hier doch langsam die Schockstarre ausbricht.
… Nachdem Euch der Franz-Josefsplatz so am Herzen liegt – Grellinger und so… – möchte ich Euch in der nächsten Zeit, das Thema „Zukünftiger Großbahnhof Franz-Josefsplatz nahebringen. Abgesehen davon, dass für den Bahnsteig der neuen Bahn, elf Bäume der Esplanade – laut in der Gemeinde aufliegendem Bebauungsplan – geschlägert werden, wird die Aussicht vom Grellinger in Zukunft auch ziemlich heavy sein. Wenn alles „passt“ stehen nebeneinander am F-J Platz: 2 Zugsgarnituren, 2 Reihen Busse und eine Fahrspur bleibt für den Verkehr frei!“ Und hier das Bild (zum Vergrössern auf das Bild klicken!):

regiozug_5

Und hier nun der Presse-Artikel (wer ihn im Original lesen will hier der Link):
http://diepresse.com/home/wirtschaft/international/3875440/Kein-Schiff-will-kommen_Der-Geisterhafen-an-der-Nordsee

 

Kein Schiff will kommen:

Der Geisterhafen an der Nordsee

geisterhafen_jade-port

Der Tiefwasserhafen Jade-Weser-Port in Niedersachsen sollte ein „Tor zur Welt“ werden. Zwei Jahre nach dem Start erweist er sich als totaler Flop.

 26. 9. 2014  (DiePresse.com)

Immerhin: Das Problem mit den Rohrdommeln wäre gelöst. Ein einziges Pärchen brütete neben der neuen Bahnlinie, die an der Nordsee in einen stattlichen Terminal mit 16 Gleisen mündet. Also musste eine Lärmschutzwand aus Beton her. Seitdem sind die zwei raren Vögel weg. Dabei gibt es jetzt gar keinen Lärm, weil keine Züge fahren. Und die fahren nicht, weil es keine Container gibt, die sie transportieren könnten. Der Jade-Weser-Port bei Wilhelmshaven, der am 22. September 2012 feierlich eröffnet wurde, ist nicht nur der einzige deutsche Tiefwasserhafen. Es ist auch der einzige Hafen Deutschlands ohne Schiffe. Dabei haben die Politiker in Niedersachsen von einem „Jahrhundertprojekt“ geschwärmt, einem „historischen Durchbruch“, einem „Drehkreuz des Nordens“ und „Tor zur Welt“, das alsbald zu einem „Jobwunder“ mit tausenden Arbeitsplätzen führen werde. Weil das Bundesland als Kaderschmiede der deutschen Politik gilt, zählen zu den Fehlplanern so illustre Gestalten wie Gerhard Schröder, Sigmar Gabriel, Frank-Walter Steinmeier und Christian Wulff.

Eine Fläche von 500 Fußballfeldern trotzten die Visionäre dem Jadeboden ab, mit Bohlen, Dämmen und 46 Mio. Kubikmetern Sand. Im Sand versenkt ist auch eine Milliarde Euro, davon zwei Drittel Steuergelder. An der Kaimauer hätten vier Riesenschiffe zugleich Platz. Aber nur eines pro Woche legt an. Die Kapazität wird zu drei Prozent genutzt. Ein paar Blechboxen stehen verloren auf der riesigen Asphaltfläche herum. Die meisten sind leer. Aber dafür sind die acht roten Containerbrücken die größten der Welt! Ab und zu bewegen Hafenarbeiter sie hin und her, damit sie nicht rosten. Viel mehr gibt es nicht zu tun. Die 340 Beschäftigten sind auf Kurzarbeit. Je zehn halten die Stellung, der Rest wartet zu Hause auf bessere Zeiten.

Reeder müssen sparen

Dabei klangen die Pläne plausibel, damals vor zwölf Jahren: Der Welthandel wuchs rasant. Die Schiffe nach Hamburg mühen sich die Elbe hinauf. Immer größere Frachter mit mehr Tiefgang passen nicht mehr in die flache Flussmündung. Der Fehler im Kalkül: Man ging frohen Mutes davon aus, zweistellige Wachstumsraten gäbe es auf Dauer. Heute müssen die Reeder sparen. Sie bündeln Kapazitäten, fahren nur Häfen an, wo sie schon Büros haben und der Markt zu Hause ist. Deshalb muss die Elbe jetzt ausgebaggert werden, was nochmals ordentlich ins Geld geht. Zweiter Fehler: Man hat ignoriert, dass die Konkurrenz nicht schläft. In Rotterdam bauen sie eine Erweiterung, mehr als fünfmal so groß wie der Jade-Weser-Port. Auch London plant im großen Stil. Wer so viel Auswahl hat, den lockt kein Geisterhafen ins Niemandsland.

Den Autobahnzubringer nutzen ein paar Touristen, die sich im Museum informieren. Die Fremdenführer haben es nicht leicht. Viele Gäste lassen ihrer Wut über die Verschwendung freien Lauf. Andere bleiben verdächtig gelassen. Bis sie die peinliche Frage stellen: „Sagen Sie, und wann geht dieser Hafen in Betrieb?“

 

 

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2 Antworten

  1. Danke für diesen Bericht über den Geisterhafen. Er hat mir die Augen geöffnet und jetzt verstehe ich endlich das Konzept hinter den Dingen die hier in Gmunden geschehen. Was die an der Nordsee können, das können wir hier noch viel besser. Wir bekommen eine Geisterbahn! Gut, die gibt es auch in anderen Provinznestern. Aber halt nur wenige Tage im Jahr – wenn gerade Kirtag ist. Aber bei uns fährt die Geisterbahn dann 365 Tage im Jahr. Das passt auch gut zum Traum vom Ganzjahrestourismus. Man könnte ja entlang der Strecke so kleine Aussichtstürmchen bauen – von wo die Touristen die Geisterbahn bestaunen können. Und danach können die dann durch die Geisterstadt spazieren – aka Gmunden. Die Spinnweben in den Geschäften sind auch schon da. Der Eder könnte noch ein Geisterschiff vom Stapel lassen (wenn es ordentlich subventioniert wird, versteht sich). Und das Lacus Felix braucht nur kurzerhand in Geisterschloss umbenannt werden und schon passt es ins Konzept. Mir läuft es jetzt schon kalt über den Rücken. 😉

  2. Aber, aber, liebe Babsy, da hat sich doch glatt das falsche Bild zum richtigen Text eingeschlichen. Zwar fast so grauslich wie das Bild vom kommenden Großbahnhof Franz-Josefsplatz, aber doch „nur“ die Grabenkreuzung. Ganz deutlich sieht man hier, dass der neue Stadtzug von der Haupttrafik bis zum Schleißhaus reicht, also die gesamte Kreuzung einnimmt. Wird aber sicher keine Megastaus verursachen, sagen die Experten.
    Das richtige foto vom Franz-Josefsplatz übermittle ich noch einmal.

    Wir sind auch nur Menschen, da ist uns was beim Hochladen daneben gegangen. So ist das Leben 😉
    Danke!
    Babsy Blitzschnell f. d. Team Gmundl

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