Gschichten aus dem Gmundner Wald – Gastkommentar

Liebe Leserleins!

Heute also der versprochene Gastkommentar von Gastautor Michael Amon, der abwechselnd in Wien und Gmunden lebt. Es ist ein sehr ausführlicher Kommentar geworden, der einen weiteren Bogen zieht. Genau genommen schon ein Essay über Macht und über die Machtausübung in Gmunden, Wir freuen uns sehr, daß der Erfinder der Figur des „Herrn Gmundl“ das erste Mal hier exklusiv für uns schreibt. Sonst kann man seine Kommentare im STANDARD oder in der PRESSE lesen. Bis jetzt hat er sich in der konkreten Gmundner Debatte nicht zu Wort gemeldet. Dafür jetzt umso ausführlicher. Wofür wir ihm danken. Wir sind froh, dass es Leute gibt, die in der glücklichen Lage sind, offen und unter ihrem Klarnamen Kritik äussern zu können.
Ein paar genauere Angaben zum Autor bringen wir im Anhang an seinen Kommentar.

Babsy Blitzschnell f. d. Team Gmundl

Gschichten aus dem Gmundner Wald

Eine Analyse mitsamt Resumée
von Michael Amon

Ich gebe zu, etwas gezögert zu haben, einen Gastkommentar rund um die Hotelaffaire für den Gmundl-Blog zu schreiben, als man diesbezüglich bei mir anfragte. Als »Zuagraster« ist man auch nach zweiundzwanzig Jahren nicht mit allen Internas vertraut, kennt die Seilschaften und wie sie zusammenhängen nicht im Detail. Andererseits hat man sich einen gewissen Außenblick bewahrt, der jenen abgeht, die hier aufgewachsen sind. Und noch mehr geht er jenen ab, die zu den vielleicht zweihundert Leuten gehören, die glauben, über die Geschicke der Stadt entscheiden zu dürfen, auch wenn damit oft nur ihre eigenen Geschicke oder Profite gemeint sind. Oft schon gemeinsam in der Schule gewesen, kennt man einander ein Leben lang, weiß um die Leichen, die der jeweils andere im Keller hat. Das schafft eine unangenehme Art der Nähe, in der es sich einige der Mächtigen lange Zeit gemütlich einrichten konnten, ohne dabei zu bemerken, daß sie irgendwann einen Punkt überschritten hatten. Einen Punkt, an dem ihnen die Bevölkerung abhanden kam. Einen Punkt, ab dem die Bevölkerung nicht mehr gute Miene zum bösen Spiel machen wollte.

Dazu kommt eine Form der Verhaberung, wie sie einem Großstädter nicht geläufig ist (was nicht heißt, daß es das in Großstädten nicht gibt, es läuft nur deutlich anders). Die offenkundige Politik im Sinne einiger Machthaberer, typisch für Gmunden, liegt an einem Spezifikum von Städten dieser Größe: zu groß, als daß die Einzelnen noch mitbekommen, wie der Hase läuft. Aber noch klein genug, daß die herrschende Clique für sich selbst überschaubar bleibt. Jeder kennt die Leichen, die der jeweils andere im Keller hat. Das macht gewogen und verschwiegen gleichermaßen. Wenn man dazu gehört, kann man es sich am kurzen Amtsweg richten, ohne daß die Bevölkerung es bemerkt. Teil dieses »Kartells« ist jener Lokaljournalismus, der sich nichts traut, weil man gemeinsam in die Schule gegangen ist, denn es könnte am nächsten Tag wer bös‘ sein auf einen.
Exkurs an die journalistelnde Zunft. Joseph Roth schrieb an Stefan Zweig: »Seit wann ist es so, daß ein Schriftsteller sagen darf: ich muß lügen, weil meine Frau leben und Hüte tragen muß? Und seit wann ist es üblich, das gutzuheißen? Seit wann ist die Ehre billiger, als das Leben und die Lüge ein selbstverständliches Mittel, das Leben zu retten?« Dazu noch Brecht: »Die Lüge beginnt dort, wo die Wahrheit verschwiegen wird.« Ende Exkurs.

Vor dreißig Jahren konnte man Projekte noch »durchziehen«. Das hat sich gründlich geändert. Es gibt heutzutage kein Vorhaben mehr, dem nicht spürbar große Teile der Bevölkerung skeptisch gegenüberstehen. Die Frontverläufe und die Zusammensetzungen der einzelnen Gegenbewegungen mögen sich von Fall zu Fall ändern. Man sieht es an den Beispielen RegioTram und Asamer-Hotel. Ein Teil der Hotel-Gegner ist für die RegioTram, eine Reihe von Hotelbefürwortern gegen die RegioTram, manche gegen beide Projekte. Man nennt das eine unübersichtliche Gefechtslage, sie ist Folge zweier Entwicklungen.

Einerseits die globale Entwicklung: nach zwanzig Jahren neoliberaler Wirtschaftsexzesse übersteigt die Zahl der Verlierer deutlich und krass jene der Gewinner. Die Masseneinkommen stagnieren oder sinken, der Mittelstand ist bedroht, einige Wenige machen Kassa und plündern nebenbei noch die Staatskassen aus. Ein großer Teil der Bevölkerung hat zurecht das Gefühl, daß der Vermögenszuwachs einer kleinen Minderheit zu keinerlei Wohlstandszuwächsen bei der überwältigenden Mehrheit geführt hat. Fast alle fühlen sich als Verlier.

Die zweite, auf persönlicher Ebene stattfindende Entwicklung ist die aus Obigem folgende Entsolidarisierung. Auch sie hat gute Gründe. Immer mehr Menschen haben den Eindruck gewonnen, daß politische Entscheidungen zu ihren Lasten getroffen werden, daß es immer die anderen sind, die profitieren (seien es Flüchtlinge, Ausländer oder einfach nur der Nachbar vor Ort), während sie selbst immer »untergebuttert« werden, von der Politik nichts erwarten können.
Während also viele Politiker ihre patriarchalische und paternalistische Politik, »wir wissen, was gut ist für die Leute«, unter dem fadenscheinigen Gemurmel von »Volksnähe« und »Einbeziehung der Bürger« unverändert fortsetzen, haben genau diese Bürger das lang gehegte Vertrauen in diese Art von Politik verloren. Man läßt sich nicht mehr einfach ein Projekt vor die Nase setzen, was immer für ein Projekt das ist.

Die Politik hat soviel Vertrauen verspielt, daß die Leute bei jedwedem Projekt sofort die Frage stellen, wo denn der Haken sei. Man kann das in Gmunden wunderbar beobachten. Man glaubt den Politikern nicht mehr, daß sie im Interesse der Bevölkerung handeln. Während man früher als Gegner beweisen mußte, daß ein Projekt unnütz ist, hat sich diese Nachweispflicht umgedreht: die Politik muß beweisen, daß ein Vorhaben und seine Zielsetzung sinnvoll sind. Im Fall des Hotelprojekts wurde das sträflich verabsäumt. Aus einem einfachen Grund: es war von Beginn an ein Projekt, bei dem mit falschen Karten gespielt worden ist. Es ist nie um den Hotelbau gegangen. Was meine ich damit?
Ich erinnere mich sehr gut, es war schon vor einigen Jahren, muß so um 2006/7 herum gewesen sein, da haben mich Leute aus Kreisen der Gmundner Bürgerrechtsbewegung angesprochen und gefragt, wie ich zu dem Hotelprojekt stehe, und ob ich bereit wäre, sie im Kampf gegen dieses Hotel zu unterstützen, eventuell auch bereit sei, zu versuchen, ein überregionales Presseecho und eventuelle Kontakte nach Brüssel herzustellen. Meine Antwort ist mir ebenso gut in Erinnerung. Ich gab meiner Überzeugung Ausdruck, daß es dieses Hotel nie geben würde. Aus einem unglaublich banalen Grund: es rentiere sich nicht. Denn selbst unter dem Aspekt einer Quersubventionierung durch die »Luxus«wohnungen nebenan (Parkhotel- und Putzgründe) plus öffentlicher Förderungsmillionen geht sich das nie aus. Das Problem seien nicht nur die Errichtungskosten, sondern insbesondere die laufenden Betriebskosten.
Ich habe es dann sicherheitshalber mehrmals in vielen Varianten durchgerechnet: selbst bei relativ guter Auslastung über das ganze Jahr, was derzeit in Gmunden völlig undenkbar ist, kann man bei der geplanten Größe und Ausstattung des Hotels (4-Sterne-Superior, 133 Zimmer, großer Spa- und Wellnessbereich, Einkaufsmall) nicht einmal die Betriebskosten einspielen. Nebenbei bemerkt: von der Einkaufsmall, die in den ersten Plänen zu sehen war, sprach man lieber nicht, denn dann hätte man den Innenstadtkaufleuten das Hotel nicht als Rettung der Innenstadt verklickern können.

Ich riet zu Gelassenheit, es werde sich weder ein Investor finden, noch seien die Asamers in der Lage, das Geld selbst aufzustellen. Wer nicht die amtlich verordneten Gmundner Scheuklappen vor den Augen trug, wußte damals schon, daß der vermeintliche Glanz des Asamer-Imperiums längst Talmi war, und das angeblich blühende Unternehmen sich eher schon in einem Zustand à la römisches Reich/letzte Phase befand. Was heute offensichtlich ist, hatte damals hier im Ort, so man es aussprach, den Charakter einer Gotteslästerung. Leider quer durch alle Parteien. Selbst die Grünen, denen die Asamer-Machtfülle mißfiel, erkannten damals nicht, daß diese Macht ihre materielle Basis längst eingebüßt hatte.
In der SPÖ, die von ihrer Geschichte und theoretischen Grundhaltung von größter Skepsis gegen Wirtschaftsmonopole und Kapitalherrschaft getragen sein müßte, wuselten damals eine Reihe Leute herum, die vor den Asamers auf dem Bauch lagen und jedes kritische Denken abgegeben hatten, weil ihnen der »Herr Kommerzialrat« das Du-Wort angetragen hatte. Man sollte der SP also nicht gleich Korruptheit unterstellen, es war vielmehr diese kleine, lächerliche und billige Korrumpierbarkeit, die einige ihrer Proponenten dazu veranlaßte, lange Zeit nicht verstehen zu wollen, was parteiinterne Kritiker, mich eingeschlossen, zu diesem Projekt sagten. Dazu kommt die unglückselige Philosophie mancher Kreise der Sozialdemokratie, den Fortschritt in Kubikmetern verbauten Betons zu messen.
Angesichts der unlängst publizierten Tatsache, daß in OÖ in den letzten Jahrzehnten eine Fläche in der Größe Kärntens zubetoniert worden ist, darf man sich nicht wundern, wenn die Bürger unruhig werden. Wer die schauderhafte architektonische Verwahrlosung Gmundens mit gesichtslosen Betonburgen sieht, die geradezu wie Schwammerln selbst in der kleinsten Lücke noch hochgezogen (und zwar wirklich »hoch«) werden, sieht sich bestätigt.

Was die ÖVP und ihren Bürgermeister bei diesem Projekt antrieb, will man lieber wirklich nicht wissen. Wenn der OÖN-Redakteur Brandner raunt, daß KR-Asamer der »väterliche Freund« Köppls sei, läßt das der Phantasie ziemlich viel Raum (es gilt jedwede Unschuldsvermutung). Grundsätzlich gilt: ein Bürgermeister hat keine »väterlichen Freunde« zu haben, noch dazu solche mit hohen eigenen Kapitalinteressen. Ich zitiere den ehemaligen ÖVP-Generalsekreätr Withalm: »In der Politik hat man notgedrungen keine Freunde.« Daß manche Leute, der Politik gegenüber grundsätzlich mißtrauisch geworden und ihrem Bild im Kopf folgend, nachrechnen, ob sich Köppls Haus, Grundstück, Lebensstil und Jagdhobby mit der Bürgermeistergage wirklich ausgehen, ist psychologisch nachvollziehbar angesichts der vielen Verfahren, in die Politiker verwickelt sind (für Köppl gilt selbstverständlich die Unschuldsvermutung). Aber Parteispenden der Asamers an die Bundes-ÖVP ausgerechnet und rein zufällig rund um den Beginn der Hotel-Planung machen eben auch nicht gerade einen schlanken Fuß. Als braver Staatsbürger ist man lieber kein Schelm und denkt sich dabei nichts Böses.

Dazu eine Lokalpresse, die ihrer Funktion als vierte Macht im Staat in keiner Weise nachkommt. Es gibt auf lokaler Ebene keine funktionierende Kontrolle durch die Medien, also können die Mächtigen weitgehend schalten und walten, wie sie wollen. Das noch dazu während einer gespenstisch und abstrus langen Legislaturperionde von sechs Jahren. Selbst in der Stunde, da das längst Offensichtliche selbst für Blinde sehbar wurde, können sich die Lokalmedien nicht dazu aufraffen, Klartext zu schreiben und eine ungeschminkte und harte Wertung der Ereignisse vorzunehmen. Man denunziert lieber jemanden als heimlichen Blogger – mit Bild und Namen in den OÖN und ohne Rückfrage oder Gegendarstellung des Denunzierten einzuholen. Für alle, die es nicht wissen: es war meine Person, die diesbezüglich und zu Unrecht gegen alle Regeln eines ordentlichen Journalismus »geoutet« worden ist. Aber gut, ich halte das aus. Genieren müssen sich die anderen.

Im nachhinein zeigt sich jetzt deutlich, daß meine anfängliche These richtig war. Ich bleibe dabei: mag sein, daß ganz am Anfang, beim Urknall sozusagen, wirklich die Absicht stand, ein Hotel zu bauen. Aber nur sehr früh und sehr kurz. Es war in Wahrheit gar kein Geld mehr da. Ursprünglich (2005) sollte eine Investorengruppe unter Führung der Asamers das Projekt stemmen. Bald schon aber wurde daraus die Suche nach Investoren, die das Projekt übernehmen sollten. Was dann folgte war ein schlecht inszeniertes Affentheater. Man sehe sich mit heutigem Wissensstand die Videos auf salzi.at mit Herrn Freunschlag an. Kabarett mit untauglichen Mitteln. Die Körpersprache spricht hier tatsächlich Bände. Im Zweifel fragen Sie Samy Molcho bzw. Ihren Arzt oder Apotheker.

In Wirklichkeit war das Hotel nur nur eine Behauptung, ein Mittel, mit dem man der Gemeinde Umwidmungen im Bereich Parkhotel und Putzgründe heraus leierte. Es ging ausschließlich um die Verwertung dieser lukrativen Grundstücke. Es war die Spielwiese der Asamers, auf der man ihnen offenbar erlaubte, sich noch ein wenig Kleingeld jenseits des Schuldenbergs zu organisieren. Inzwischen weiß man, daß auch das mißlang. Die Grundstücke sind mit sagenhaften 13 Millionen belastet. Auf gut deutsch: die Asamers waren die ganze Zeit schon derart schwach bei Kassa, daß noch das letzte Fleckerl Grund belastet werden mußte. Kein Wunder bei 900 Millionen kolportierten Gesamtschulden des Konzerns, wovon etwas mehr als die Hälfte auf die Immo- und Hotel-Abenteuer des alten KR-Asamer entfallen sollen. Kein Wunder, daß die Asamers sich weiterhin an den Strohhalm „Hotel“ klammern (zu Strohhalmen weiter unten mehr!) und mit Klagsdrohungen um sich werfen.

Über die tatsächlichen Vermögensverhältnisse der Asamers kann man nach der »stillen« Sanierung nur mutmaßen. Dabei hätte die Öffentlichkeit natürlich jedes Recht zu erfahren, wie genau diese Sanierung abläuft, und wer zur Kassa gebeten wird: die Kunden der RAIKA über höhere Kosten und Zinsen? Die Genossenschafter? Oder die Steuerzahler im Wege der steuermindernden Verlustabschreibung? Oder ein appetitlicher Mix aus all dem?

Die Hotel-Affaire ist Folge des eklatantes Politikversagen – auch das sei klar gesagt – der verantwortlichen Akteure. Hier ist zuvorderst der Bürgermeister zu nennen, des weiteren jene, die über Jahre hinweg mitgeholfen haben, das juristische Substrat zu vernebeln, jene Verharmloser, die stets behaupteten, das sei alles vertraglich klar geregelt und ohne Risiko für die Gemeinde. Ich zitiere aus einem internen Schreiben, dessen Verfasser ich hier mit Bedacht nicht nenne, aber so war das vorherrschende Denken der Politik: »Dies sind die maßgeblichen Punkte aus dem Vertrag in Kürze. Wohl nicht schwer zu verstehen. Man muß nur lesen und das Beiwerk weglassen. Es ist daher kein Grund zur Panik. Alles ist ein normaler Geschäftsfall, und die Beteiligten sind austauschbar. Manches hätte man sicher besser aushandeln können.«
Aus heutiger Sicht ein zwischen skurril und absurd oszilierendes Schreiben. Wenn das ein „normaler Geschäftsfall“ war und kein Grund zur „Panik“, warum dann Gemeinderatssitzungen mit Ausschluß der Öffentlichkeit bei der Diskussion über dieses Thema? Keine Frage: der Bürgermeister ist rücktrittsreif. Er ist der politisch Hauptverantwortliche für jede Menge Geld, das die Gemeinde hier verloren hat. Mit den kolportierten fast 70.000 Euro Anwaltskosten wird es nicht abgetan sein. Er ist letztlich verantwortlich für die Verwüstung der politischen Landschaft in Gmunden, für das völlig versaute Gesprächsklima, für ein Gmunden, das ohne jede Perspektive dahintaumelt und in Gefahr ist, endgültig „abzusandeln“. Schwachsinnige Ideen wie „Schwanenbussi“ (man wirbt mit dem Hohn- und Spottnamen, der von den Ebenseern für die Gmundner verwendet wird) bis „Hos’n owi“ zeigen, daß man bereits rasant in die Richtung Stadtstreicher unterwegs ist.

Die ÖVP hat als Partei mit Wirtschaftskompetenz völlig abgedankt und ihre Unfähigkeit bewiesen. Abgehaust, mehr fällt einem da nicht mehr ein. Wenn der WKO-Chef Schrabacher nach dem Platzen der Hotelblase hilflos beteuert, man habe sich »an diesen Strohhalm geklammert«, fällt es einem schwer, die Contenance zu bewahren. Ein Wirtschaftsmensch, der sich an einen Strohhalm klammert – das also ist das Konzept für Gmunden: Strohhalme umklammern! Merks Gmunden: Strohhalme taugen gerade noch für das Schlappern von Schulmilch, und selbst da werden sie nicht mehr eingesetzt, weil sie zu brüchig sind.

Was wir jedoch in Hinkunft an wirtschaftlicher Kompetenz erwarten dürfen, zeigt die wirklich bodenlos dumme Aufforderung an die Gmundner Bevölkerung, jetzt, da es kein Hotel gibt, »bitte nicht im Internet einkaufen, sondern in der Gmundner Innenstadt«. Wie ahnungslos darf ein WKO-Chef und Stadtrat eigentlich sein? Wie hilflos und ohne jede Perspektive? Herr Bezos von amazon würde vor Lachen aus den Hauspatschen kippen, wenn er das hört. Das ist alles, was einem WKO-Chef einfällt? Leutln, kaufts net im Internet ein? Es ist, als ob man empfehlen würde: verwendet keine modernen Herde zum Kochen, machts bitte ein Lagerfeuer! Schreibts keine Emails, sondern verschickts Briefe, damit die Post nicht stirbt. Wählts die ÖVP, damit der Figl Kanzler bleibt.
Wäre ich unhöflich, würde ich jetzt schreiben: Hat er noch alle? Als höflicher Mensch sage ich bloß: von dieser ÖVP-Riege ist keine neue und schon gar keine brauchbare Perspektive zu erwarten. Die Performance in der Vergangenheit ist Beweis genug.

Daß die Minderheitsparteien dem fröhlichen Treiben nicht rechtzeitig heftigen Widerstand entgegengesetzt haben, ist evident (die Grünen ausgenommen). Man hatte es sich zu lange gemütlich in der Gemeindestube eingerichtet. Man lebte in einer Art Nostalgie, in Erinnerung an frühere Zeiten, als die ÖVP auch den anderen Parteien hin und wieder Brosamen zuwarf für deren jeweilige Klientel. Der Ärger wuchs, als man merkte, daß Köppl ein beinhartes ÖVP-Mehrheitsregime aufzog, und innerhalb der ÖVP ein Köppl-Regime. Aber den Mut, sich zu widersetzen, hatte man lange Zeit nicht (wiederum von den Grünen abgesehen). Insbesondere die SPÖ tat und tut sich da schwer. Wobei man annehmen darf, daß der Ofen jetzt sprichwörtlich »aus« ist. Das Lavieren der FP-Fraktion ist ein Thema für sich. Daß die ÖVPler sich von Köppl derart autoritär am Hundeshalsband führen haben lassen und immer brav „Flocki, bei Fuß“ hatschten, wäre deren Problem, wenn jetzt die Schäden nicht die Stadt hätte.

Um nicht mißverstanden zu werden: Leute wie Schrabacher sind ehrenwert und bemüht. Aber wir alle wissen, was das in der Schule bedeutet, wenn es heißt, jemand habe sich »bemüht«. Die führend verantwortlichen Politiker sind überfordert. Sie sind ihren Aufgaben nicht gewachsen. Sie überschauen die Dimensionen und Folgen ihres Tuns nicht. Der Bürgermeister hat während seiner Amtszeit die Schulden maßlos ausgeweitet, ohne daß davon in Gmunden etwas zu sehen wäre. Die Straßen sind in schlechtem Zustand, Schulbauten detto, die Parkhotel- und Putzgründe eine verwüstete Gstättn in Sichtweite des Zentrums. Dafür Schildbürgerstreiche wie die Fehlplanungen beim überteuerten Dienstleistungszentrum. Niemand in Gmunden kann erkennen, wohin die vielen Millionen geflossen sind, die aus den Verkäufen von Gaswerken und Sparkasse und mittels wachsendem Schuldenberg erlöst worden sind. Alles verbraten. Spurlos. Die einzige sichtbare Spur sind die Schulden. Wenn das kein Desaster ist, dann weiß ich nicht, was ein Desaster ist!

Denn jetzt stehen wir vor einem beinahe unüberschaubaren Trümmerfeld mit jeder Menge Kollateralschäden. Die FPÖ: schwer beschädigt nach dem Zickzack-Kurs in der Hotelfrage und dem Abgang ihres langjährigen Parteichefs und Stadtrates mitsamt dessen Parteiaustritt. Die SPÖ: heftiger interner Streit um die Hotel-Linie, in Folge der Verlust eines wertvollen Mandatars und ein starker interner Aderlaß wegen unkontrolliert und skrupellos ausgelebter persönlicher Aversionen. Die ÖVP: ein in seiner sichtbar gewordenen Überforderung völlig entzauberter Bürgermeister, die Partei selbst in einer Sackgasse und ohne brauchbaren Nachfolger. Kein Stadtkonzept, statt dessen ein Strohhalm, an dem der Bürgermeister am liebsten ad infinitum weiter saugen würde. Ein riesiger Schuldenberg. Eine desolate Wohnsituation für Normalverdiener. Kein brauchbares Entwicklungskonzept. Nicht einmal ein vernünftiges Hotelkonzept nach fast zehn Jahren Diskussion. Kein Plan B, nichts. Ob die RegioTram da was gut machen kann, darf angesichts der mit Hilfe der FP aufgeflammten Proteste bezweifelt werden.

Zu den politischen Trümmern gesellen sich auch noch die Trümmer rund um die mutwillig abgerissenen Baulichkeiten Parkhotel und Seebahnhof.
Derzeit eignet Gmunden sich leider bestenfalls als Musterfall für ein Politologie-Seminar, Thema: »Wie optimiere ich den Abstieg einer einst reichen Stadt?«
Es ist höchste Zeit für einen echten Wechsel, wenn Gmunden in neuem alten Glanz erstrahlen soll. Von der momentan herrschenden Schicht ist diesbezüglich nichts zu erwarten. Ohne Erneuerung an Haupt und Gliedern, wird das Elend kein Ende haben. Den Traunstein wegsprengen, damit man weiter sieht, ist die einfache Lösung. Trotz des Traunsteins Weitblick und Weltsicht zu haben, das ist die Anforderung.
Letztlich wird es an den Wählerinnen und Wählern liegen, diesem Trauerspiel ein Ende zu bereiten.
In verfallender Schönheit zu sterben – das kann es doch nicht gewesen sein!


 

Über den Autor:
Michael Amon wird vom ehemaligen SPÖ-Politiker Walter Thaler (ehem. 2. Landtagspräsident von Salzburg) in seinem Buch über österreichische Autoren in einem Atemzug mit Josef Haslinger oder Robert Menasse als einer jener genannt, die in Standard und Presse bzw. in ihren Romanen “ständig Einspruch erheben” gegen die “Verluderung des politischen Systems”. Die Wiener Zeitung schrieb, Amon habe sich als „undisziplinierbarer politischer Schriftsteller etabliert“, und im profil wurde er als „radikal politischer Romancier“ und „Poltervirtuose“ bezeichnet. Der vielfach ausgezeichnete Autor ist unter anderem auch Träger des „Bruno Kreisky-Preises“.

Heuer sind zwei Roman von Michael Amon erschienen:
„Panikroman“, sowohl das Psychogramm eines Börsenspekulanten als auch eine kritische Auseinandersetzung mit der Absurdität der modernen Finanzmärkte.

„Nachruf verpflichtet“, der dritte Band seiner „Bibliothek der Vergeblichkeiten“, Kritik am politischen System und Auseinandersetzung mit religiösen Wahnideen im Gewand eines Kriminalromans.

Details kann man auf seiner Homepage finden (dort sind auch viele seiner Kommentare nachzulesen): http://www.michaelamon.com

Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Michael_Amon

Auf Facebook findet man tagesaktuelle Betrachtungen und Hinweise:
https://www.facebook.com/michael.amon1000

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3 Antworten

  1. Ein Krimi in Kurzfassung
    Es ist ein Vergnügen, endlich einmal eine klare Analyse dieser endlosen traurigen politischen Odysse unserer mehrheitlichen unfähigen (gelinde ausgedrückt) Gmundner Stadtpolitiker zu lesen. Dieser Artikel gehört eigentlich in Druckform veröffentlicht, sodass ihn auch viele ältere Bürger, die sich noch nicht mit einem Computer anfreunden konnten, lesen könnten. Denn genau diese Clientèle liest nur die farblose u. langweilige OÖN in Papierform , wählen immer wieder die gleichen unfähigen Politiker u. stehen ihnen unkritisch gegenüber. Ich werde immer wieder gefragt von älteren Leuten: „was geschieht jetzt wirklich mit dem Hotel? Aber wir brauchen doch dringend ein Hotel!“ Sie plappern kritiklos, gedankenlos die Slogans von den hauptsächlich die Baulobby vertretenden Lokalpolitikern nach.
    Eine Wohltat, den Beitrag von einem echten Intellektuellen, dem Schriftsteller Amon, zu lesen.

  2. es ist eine kunst.

    es ist eine kunst, aus einer unsäglichen situation wie der hier beschriebenen einen so vergnüglich zu lesenden fazit zu ziehen. es ist eine kunst, sich nicht von der menge an informationen einfach undifferenziert mitreissen zu lassen. heinz erhardt hatte also doch recht, kunst kommt von können.

    als dem salzkammengut durchaus innig zugeneigter oberösterreicher- immerhin kann man die unverwechselbare silhouette des traunsteins auch von hier aus sehen- nehme ich durchaus interessiert anteil am wohl und werden gerade dieser einen stadt, als leidlich politischer mensch bin ich erschüttert vom versagen „der politik“ zuungunsten der menschen die zu vertreten sie hier so offenkundig versagt.

    ich bedanke mich für das vergnügen, diesen pontierten, klugen kommentar hier lesen zu dürfen.

    herzlich ihr
    karlheinz könig

  3. Hervorragend !!!!!

    Die Situation bestens analysiert .
    Die Konsequenzen daraus wären such einleuchtend .Bei dem Niveau der Protagonisten ist es jedoch zu bezweifeln ob sie diese ziehen werden .
    Bleibt daher nur zu hoffen dass dem Wahlvolk endlich eine gewisse Erleuchtung kommt und sie die Notbremmse ziehen und Gmunden endlich von diesen korrupten und unfähigen Politikern erlöst !!!

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