Da capo zum Rücktritts-Kommentar

Liebe Leserleins!

Michael Amon war so nett, sowohl auf Christian Dickinger als auch auf geotraunkirchen zu antworten. Die Antworten sind, weil grundsätzlicher Art, wie er meint, etwas länger geworden. Leider, denn er hat so nebenbei gemeint: das artet in Schwerarbeit aus. Ob er sich das antun will, bei uns regelmäßiger einen Gastkommentar zu schreiben, müsse er sich deshalb sehr gut und gründlich überlegen.
Uff, da muss Ihre Babsy jetzt noch viel Überzeugungsarbeit leisten.

Auf jeden Fall hier nochmal Amon im Original-Ton. Wir im Team fanden es nicht nur interessant, sondern auch vergnüglich, Amon lesend dabei zuzusehen, wie er sich mit der Gedankenwelt anderer auseinandersetzt. Er schreibt hier soviel Grundsätzliches über Demokratie, dass man damit ein Buch füllen könnte. Was er – wie wir erfragt haben – auch vorhat. Jetzt hoffen wir nur, dass Sie, liebe Leserleins, unsere Begeisterung teilen können. Denn auf dem Niveau, das Dickinger und Amon hier bieten, wird hierzulande nicht all zu oft diskutiert.
Babsy Blitzschnell f. d. Team Gmundl


Hier davor noch ein Posting von gestern:

Durchschaut
Gesendet am 19.11.2014 um 8:21 vormittags | Als Antwort auf geotraunkirchen .

Antwort auf geotraunkirchen: Peter Baumgartner

geotraunkrichen hat sich mit seinem Kommentar geoutet, dass er die Machenschaften dieses Bürgermeisters u. seiner ÖVP Gefolgschaft nicht durchschaut hat. Ausserdem scheint durch, dass er seine Beurteilung sehr persönlich abgibt, wahrscheinlich war er mit dem BM Köppl auch irgendwie befreundet, auf wienerisch: “verhabert”. Der Grund für die ursprünglich grosse Akzeptanz von BM Köppl in Gmunden war, dass er viele Leute persönlich kannte, mit vielen per Du war, so ein Schulterklopfer halt. Die meisten Gmundner haben sich dadurch geschmeichelt gefühlt u. nicht über die Handlungen des BM nachgedacht. Hie und da gab es ein soziales Almosen, und dann war die Welt wieder heil.

Was das intellektuelle Verständnis in Gmunden anbelangt, so ist es hier eine Wüste. Die Leute hier sind sehr konservativ, hängen dem Brauchtum nach (an und für sich nichts Schlechtes, hält aber von jeder kritischen Betrachtungsweise fern, da ihnen die heile Welt vorgespiegelt wird). Nach dem Motto,1. Das war schon immer so,2. Das war noch nie so
3. Da kann man nichts machen., In so einem Klima ist es schwierig, die Menschen zum Umdenken zu bewegen, nämlich dass sich die Zeiten schnell, aber sehr schnell ändern. Gmunden ist eine Beamtenstadt, die Gemeindepolitiker – auch der künftige Bürgermeister – kommen größtenteils aus dem geschützten Bereich, sind nicht gewohnt Risiken zu sehen u. Verantwortung zu übernehmen. Kann ihnen ja nichts passieren, der Job bleibt ihnen ja sicher erhalten.

Der persönliche Angriff auf Amon ist auf jeden Fall typisch für einen Ureinwohner dieser Region.


Zwei Antworten

von Michael Amon

ad Christian Dickinger
Heftig muß ich widersprechen, wo er schreibt, ich verstünde »wenig bis nichts« vom Alltagsgeschäft. Da liegt er ziemlich falsch, aber ich nehms ihm nicht übel. Ich war über ein Jahrzehnt Betriebsrat, davon fast 10 Jahre Vorsitzender (nicht freigestellt!), und das in einem österreichischen Mittelbetrieb, wo man alle Beschäftigten wirklich noch persönlich kannte. Dort hatte ich genau die Probleme und Sorgen, die Dickinger bezüglich der Kommunalpolitik aufzählt. Statt Parkbänken ging es um Schreibtische, Qualität von Bürosesseln, Lüftungsgeräusche, Bauchweh, Pflegeurlaub und all die kleinen und großen Sorgen von kleinen, mittleren und höheren Angestellten. Daß die Kommunalpolitik noch um einiges aufwendiger ist, dessen bin ich mir bewußt. Ahnungslosigkeit schaut aber anders aus.
Ich werde auch nicht müde, immer wieder meine Bewunderung für jene auszusprechen, die sich den Mühen der Ebenen kommunaler Politik unterziehen: die alltäglichen Probleme sind eben banal und trivial. Zum Glück. Wäre das Leben immer dramatisch, es wäre unerträglich.
Daß Köppl im Kleinen, beim persönlichen Kontakt, manches geleistet hat, will ich nicht abstreiten. Aber das macht jeder »kleine« Gemeinderat auch. Außerdem war bei Köppl selbst bei solchen menschennahen Hilfestellungen oft der Gestus des »Herrschenden« dominierend, der es schon richten wird. So eine Art »Der Herr hats gegeben, der Herr hats genommen.« Auf diese Weise hat er in den letzten Jahren auch politisch agiert.

Über den »Vorwurf«, Intellektuelle müßten nie was beweisen, sollte Dickinger nochmals nachdenken. Ich halte diesen Gedanken für nicht zu Ende gedacht. Erstens sind die intellektuellen Kritiker ohnehin immer in Gefahr, von der Realität sehr schnell widerlegt zu werden. Aber ob die RegioTram ein Geniestreich oder eine Verrücktheit ist, wissen wir erst in vielen Jahren. Dann steht meine eventuell falsche Kritik noch immer irgendwo zum Nachlesen. Die Politiker aber sind abgedampft oder tot, und ein wehrloser Gemeindebau ist nach ihnen benannt.
Zweitens spielen »Intellektuelle« eine sinnvolle Rolle im Rahmen der Gewaltentrennung: wir brauchen Leute, die Dinge umsetzen, und wir brauchen Leute, die die »Macher« beobachten und bewerten. Meine These: beide brauchen einander. Schlimm wird es erst dann, wenn die einen glauben, sie seien was besseres als die anderen. Das gilt wechselseitig. Ich sehe das als Symbiose. Dazu kommt, daß ich für mich in Anspruch nehmen kann, nie aus dem Elfenbeinturm heraus agiert zu haben. Was mir sonst noch so zu »Intellektuellen« einfällt, steht in meiner Antwort an geotraunkirchen.
Ich kann meinem Freund Dickinger übrigens versichern, daß ich nicht bloß »noch immer« in der Sozialdemokratie bin, sondern ihm und ihr erhalten bleibe und gedenke, auch weiter den Hades zu durchstreifen, um jene Leutln zu besichtigen, die ich quer durchs Parteienspektrum dorthin »geflucht« habe. Man hofft ja immer auf Besserung – eigne und fremde. Der Errettungsgedanke liegt ja auch der Arbeiterbewegung zugrunde. Das trifft sich gut mit meiner katholischen Prägung, der man als Kind und Jugendlicher im Österreich der 1960er-Jahre nicht entgehen konnte.

ad xxxxxxxxxxxxxxxx
Ihre Wortmeldung wirft einige prinzipielle Fragen auf. Darum ist meine Antwort ausführlicher geworden, als von mir beabsichtigt.

Beim Lesen Ihres Postings schluck ich mal. Nicht wegen dem »Klugscheisser«, damit kann ich gut leben. Lieber das, als ein »Dummscheisser«. Aber diese Ansammlung abgedroschenster Klischees und Vorurteile über »Intellektuelle« hat mich überrascht. Das ist Ihrer nicht würdig. Ich habe von Ihnen hier kluge und aufmerksame Worte gelesen. Aber das hier sind doch keine Argumente, sondern bestenfalls  Ressentiments. Dazu kommt: ich würde mich selbst nie als »Intellektuellen« bezeichnen, dieser Begriff wird einem von anderen zugeschrieben. Meine Selbstdefinition ist die eines Schriftstellers, der sich auch in politische Debatten einmischt. Zu Letzterem habe ich vor einiger Zeit in einem Interview mit dem Kurier gesagt, daß ich keineswegs glaube, daß Schriftsteller (denen man unrichtigerweise immer gleich »Intellektualität« unterstellt) besser über Politik und Gesellschaft Bescheid wüßten, als der Rest der Menschheit. Sie seien bloß in der Lage, ihre Irrtümer besser formulieren zu können.

Warum berechtigte Kritik mit »Steine werfen« gleichgesetzt wird, erschließt sich mir als »Klugscheisser« nicht. Tut mir leid! Sie greifen da – vielleicht unwissentlich – in jene Lade, in der auch so Begriffe wie Nestbeschmutzer abgelegt sind – Totschlagargumente, mit denen man Kritiker zum Schweigen bringen will. Von einer »Steinigung« kann in keiner Weise die Rede sein. Ihre Feststellung »Steinigen ist schon von Angesicht zu Angesicht abzulehnen, geschweige denn von hinten.«, entbehrt im Zusammenhang mit meinen Ausführungen ohnehin jeder Logik. Ich habe offen und unter meinem Namen eine Kritik geübt. Was ist da »von hinten«, sprich hinterrücks? Es war eine frontale und offene Kritik. Und – um auch das klarzustellen – nicht am Menschen Köppl, sondern am Politiker. Das wird nämlich auch gern verwischt und vernebelt, um Kritiker als »böse« dastehen zu lassen. Ich gestehe Ihnen gern zu, daß Ihre Sicht der Dinge von Ihrer persönlichen Erfahrung mit Köppl geprägt ist. Ich habe andere Erfahrungen – allerdings sehr unterschiedlicher Art, von guten bis nicht ganz so guten. Aber darum geht es eben auch gar nicht. Sagen wir so: Ich werde lieber von einem Arschloch operiert, das ein guter Chirurg ist, als von einem Menschenfreund, der das Skalpell nicht halten kann. Meine Einschätzung des Menschen hinter dem Skalpell ist da völlig unerheblich. Oder würden Sie, wenn Sie nach einem Operationsfehler aus dem Koma erwachen sagen: scheiß Chirurg, aber a leiwander Typ? Ich habe da meine Zweifel … Genau das aber verlangen Sie von mir!

Meine Kritik betraf die Politik und das System, die Köppl (und natürlich die ÖVP insgesamt)  betrieben hat. Wie soll denn etwas besser werden, wenn man auf diese Art von Kritik verzichtet, einem Politiker noch Rosen nachwirft, der einen politischen und ökonomischen Scherbenhaufen zurückläßt? Menschlich bewegt mich das Scheitern von Köppl in jeder Hinsicht und mehr, als Sie glauben (weil es mich grundsätzlich berührt und traurig macht, wenn Menschen scheitern), aber deshalb kann man doch nicht so tun, als ob alles paletti gewesen wäre! Nach achtzehn Jahren im Amt (ohnedies eine demokratischen Zuständen abträglich lange Zeit) ist eine solche Bilanz fällig und notwendig.
Ob die Sache im Gschliefgraben wirklich eine gelungene ist, kann ich nicht beurteilen. Ich höre jedenfalls von einer nicht unerheblichen Zahl von »Experten« ziemlich kritische Worte über das, was man dort getan hat, während der von mir sehr geschätzte SP-Stadtrat Wolfgang Sageder wiederum voll dahinter steht. Der hat dort mindestens soviel geleistet wie Köppl. Ob die Verausgabung und die Ausgaben sinnvoll waren, wird die Zukunft weisen. So viel nur zu den Experten, die es angeblich besser wissen als Intellektuelle.

Darf ich jemanden nicht mehr kritisieren, nur weil er eine Menge Wahlen gewonnen hat? Wo kommen wir denn da hin? Ihre These, daß in der Demokratie die »Mehrheit recht hat« ist zudem derart abwegig, daß selbst mir beinahe die Worte fehlen. Wenn Sie das Ernst meinen, haben Sie die Grundidee der Demokratie mißverstanden. In der Demokratie geht es nicht darum, wer recht hat. Die Demokratie ist vielmehr eine Vereinbarung, daß man in Zweifelsfällen das macht, wofür die Mehrheit ist. Mit richtig oder falsch, mit Recht haben oder nicht Recht haben, hat das überhaupt nichts zu tun. Es ist eine pragmatische Lösung zu sagen: wenn wir uns nicht einig sind, dann machen wir das, wogegen die wenigsten sind. Wer »recht hatte«, das entscheidet später die Geschichte. Wobei anzumerken ist: wer die Demokratie nach dem Motto »the winner takes it all« handhabt, versündigt sich an den demokratischen Prinzipien. Denn auch Mehrheitsentscheidungen sollten so fallen, daß die Minderheit mit ihnen leben kann. Auch gegen dieses Prinzip hat Köppl mitsamt seiner Partei grob verstoßen. Bei extrem strittigen Projekten mit der Mehrheit von einer Stimme »drüberzufahren« und sich auch noch aus der von der Gemeindeordnung verlangten 2/3-Mehrheit herauszutricksen, ist ein demokratiepolitischer Skandal, den ich jetzt nicht bloß deshalb unter den Tisch kehren werde, weil der Verursacher zurückgetreten ist. Was wäre das für ein Verständnis von Demokratie und Meinungsfreiheit?

Jene Kritik, der Sie mit dem Wort »Steinewerfen« die Berechtigung absprechen, ist halt eine wichtige Voraussetzung, um zu dem zu kommen, was Sie völlig richtig und berechtigt verlangen: »die Bestandsaufnahme und die gute Idee«. Ohne Kritik auch keine »fairen Verhaltensweisen«, denn die Vorgangsweise der ÖVP unter der Regie von Köppl im Gemeinderat war das pure Gegenteil einer fairen Verhaltensweise. Wenn man das nicht aufzeigt, geht es munter so weiter.

Aber noch einmal zu den »Intellektuellen«, auf die Sie in Ihrem zweiten Posting nochmals »losgehen«. Hier haben Sie sich wirklich in den (eigenen?) Vorurteilen verrannt. Schon die These, das seien vorwiegend Männer, stimmt nicht. Darf ich Ihnen die Namen einiger weiblicher Intellektueller nennen – wie man das gendert, weiß ich wirklich nicht, vielleicht sollte ich »intellektuelle Frauen« schreiben -, die mir nur so ganz auf die Schnelle ohne Nachdenken einfallen? Da wären aus Österreich: Isolde Charim, Ruth Wodak, Renée Schröder oder Anneliese Rohrer – alles Damen, die sich regelmäßig einmischen und zu Wort melden. International fällt es mir noch leichter: Margaret Atwood, Saskia Sassen, Chantal Mouffe oder Naomi Klein.
Daß ein zurückgetretener Bürgermeister sich nicht wehren kann, ist auch nicht richtig. Hier im Blog kann jedermensch sich wehren. Die ÖVP zieht es aber schon seit langem vor, statt mit der Zivilgesellschaft zu diskutieren, lieber mit einer Stimme Mehrheit noch die fragwürdigsten Projekte »durchzuziehen«. Auch daran ist Köppl ja nicht gerade schuldlos (daß die VP-Riege das mitmachte, ist ein anderes Kapitel).
Meiner Kritik an Köppl, einem Patriarchen par excellence, zu unterstellen, sie sei patriarchalisch, das ist derart von der Rolle, da schreibe ich lieber nicht die Worte hier nieder, die mir spontan dazu einfallen. Ich will Sie nicht verletzen! Also schreibe ich nur: absurd hoch drei.

Wenn nur kritisieren dürfte, wer genaueste Sachkenntnisse hat, dann wären wir bald am Ende. Denn wenn man diese Idee konsequent weiter denkt, dann sind wir in einer Gesellschaft von Experten angelangt: nurmehr Experten dürften dann auch Entscheidungen treffen. Will ich das? Nicht wirklich! Ganz im Gegenteil: mich stört es, daß die Politik sich immer öfter und in immer größerem Ausmaß hinter Expertenmeinungen versteckt. Dieser Haltung verdanken wir nicht nur die Finanzkrise, sondern auch die Problematik, daß wir aus der bis heute nicht herausgekommen sind. Sie haben schon recht: man sollte gegenüber den Meinungsäußerungen von Intellektuellen vorsichtig sein. Das ist aber nur ein Teil der Wahrheit. Im selben Maße ist Experten zu mißtrauen. Die Welt ist zugepflastert mit dummen bis schädlichen Lösungen, die von Experten erfunden worden sind. Da haben die Intellektuellen noch einen riesigen Haufen Freilose, bei allen Blödheiten, die auch von ihnen begangen worden sind. Es gilt grundsätzlich: man hat allen Meinungsäußerungen gegenüber in dem Sinne vorsichtig zu sein, daß man sie hinterfragen und überprüfen muß. Egal von wem sie kommen.

Es stimmt eben nicht, daß man für Kritik immer »genaueste Sachkenntnisse erfordert«. Da wären wir sofort weg von der Demokratie bei der Expertokratie (ein Teil des Weges ist leider bereits zurückgelegt). Es gibt genug denkerisches Handwerkzeug, um Dinge logisch und rational zu überprüfen. Seit Aristoteles & Co. haben die Philosophen diese Instrumente erweitert und verfeinert. Insbesondere wenn es um politische Entscheidungen geht, braucht es keine Experten. Für die Prüfung der Funktionstüchtigkeit eines Flugzeugs benötige ich Expertenwissen, aber um etwa zu wissen, daß man eine Deponie nicht jahrelang unkontrolliert vor sich hin sickern lassen darf, da brauche ich keine Experten. Das ist eine Frage der Logik. Ein paar Kilometer von hier haben die diesbezüglichen Experten mit »genauester Sachkenntnis« offensichtlich versagt oder waren extrem unterschiedlicher Meinung. Oder was auch sonst immer.
Und noch etwas sei gesagt: es waren quer durch die Geschichte die Intellektuellen, welche die entscheidenden Anstöße für das Weiterkommen der Menschheit gegeben haben. Sei es Galilei, Kepler, Kopernikus, DaVinci, Rousseau, Voltaire oder Einstein – sie alle haben mit ihrem Denken Revolutionen ausgelöst und Fortschritt ermöglicht. Es waren Intellektuelle wie Victor Adler, die die österreichische Arbeiterschaft aus dem Elend geführt haben. Es war ein Intellektueller wie Kreisky, der mit vielen anderen aus dem rückständigen Österreich einen modernen Staat geformt hat. Mehr als nur an seiner Seite die hochintellektuelle Herta Firnberg, deren Rolle man gar nicht hoch genug einschätzen kann. Es war ein Intellektueller wie Jörg Haider, der, seine Intellektualität gut tarnend, das politische System Österreichs ziemlich zerzaust und verändert hat – manchmal zum Guten, manchmal zum Schlechten.

Zum Schluß ein paar sehr persönliche Worte.
In Österreich gibt es keine Streitkultur. Sobald Kritik geäußert wird, ist man beleidigt. Kritisierte fühlen sich als »Iditoten« oder »Trotteln« vorgeführt. Ich habe es immer so gehalten: hart in der Kritik, aber Milde gegenüber den konkreten Menschen. Da schlägt meine schon erwähnte katholische Prägung durch: letztlich sind wir alle nur Sünder und bedürfen der Nachsicht. (Man verstehe das bitte im übertragenen Sinn.) Aber etwas sagen, das wird man doch noch dürfen, auch als Sünder, denn nur klare Standpunkte führen zu guten Kompromissen und neuen Erkenntnissen. Der Verzicht, den eigenen Standpunkt um jeden Preis durchzusetzen, gehört zur Demokratie und unterscheidet sie von Diktaturen und autoritären Systemen. Nur wer einen klaren und festen Standpunkt hat, kann denen, die anderer Meinung sind, furchtlos die Hand entgegenstrecken und zu gemeinsamen Lösungen finden.
Was nun meine Kritik an Köppl betrifft, frage ich Sie abschließend: bei welchen Fakten, die ich angeführt habe, liege ich falsch? Ist meine Kritik am »System Köppl« (dem auch andere Ortskaiser frönen) falsch? Wo fehlte mir die »genaueste Fachkenntnis«, um Köppls Tätigkeit beurteilen zu können? Ist irgendetwas von dem, was ich geschrieben habe, gelogen, unwahr, erfunden, bloß Ausgeburt meines Hirns? Wie stellen Sie sich Änderungen vor, wenn man nicht mittels harter Kritik zuvor die Schwachstellen und Fehler herausarbeitet?

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4 Antworten

  1. @geotraunkirchen: also doch ein persönliches Nahverhältnis zu BGM Köppl, man muß ihm immer dankbar sein. Solche Personen, die Köppl einiges zu verdanken haben, gibt es zahlreiche in Gmunden,,angeblich ist auch der künftige Bürgermeister darunter.

  2. Eine bessere Darstellung der Situation, in der sich Gmunden momentan befindet, wie im Gastkommentar von Michael Amon “ Ein ruhmloser Abgang“, wird es so schnell nicht mehr geben. Eine bessere Charakterisierung der in Gmunden „handelnden“ Politiker auch nicht.
    Statt diesen Kommentar von M.A. als Ansatz für einen wirklichen „Neustart“ in der Politik für Gmunden zu sehen, ergeht sich Herr Dickinger wieder in altbekannten Platitüden.
    Soll man einen Politiker, der eine Verlängerung der VorchdorferBahn mit 32m langen Zugsgarnituren durch die historische Altstadt von Gmunden befürwortet und die ästhetisch so gelungene „Neugestaltung“ des Klosterplatzes und der Traunsteinstrasse auch für die Innenstadt als „Chance für die Stadtgestaltung“ bezeichnet, wirklich die Kompetenz für die Durchführung eines „Neustarts“ in der Gmundner Politik zutrauen?

  3. Liebe Gmundl Redaktion !
    Sehr geehrter Herr Amon !

    Ich möchte Ihnen wieder einmal meine höchste Anerkennung für Ihre Tätigkeit und Arbeit übermitteln !!
    Ich kann mir vorstellen , wie zeitaufwendig und arbeitsintensiv das Betreuen des Blogs ist.
    Ich möchte aber auch zum hohen Niveau desselben gratulieren !
    Die Kommentare heben sich wohltuend von jenen in vielen , sich selbst als seriös einschätzenden „Druckwerken “ , ab.
    Ihr könnt aber sicherlich auch mit den Auswirkungen Eurer Tätigkeit zufrieden sein :
    Einige “ Entwicklungen “ der letzten Zeit sind ganz bestimmt auf Eure Beharrlich- und Zähigkeit zurück zu führen.

    Zu den Kommentaren von Herrn Amon :

    Ich lese jeden mit größtem Interesse und kann Ihm zu seinen perfekten Analysen und der geschliffenen Formulierung nur gratulieren !!
    Als kleiner Trost an Ihn , für den damit verbundenen enormen Zeitaufwand :
    Ich habe begonnen auch seine Bücher zu lesen ( und sie daher auch zu
    kaufen !)

    Daher die Bitte : Bleibt weiterhin aktiv und helft damit die größten Widrigkeiten
    und Missstände in unserem Land und unserer Region zu verhindern oder zumindest zu mildern !!!

  4. Applaus für Herrn Amon! Unbedingt weiterschreiben für Gmundl bitte.

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