Wo bleibt das Positive?

Heute mit Gastkommentar von Michael Amon
sowie einem von AndyB

Liebe Mitmenschen!

Heute gibt es zwei Gastkommentare.

Der erste Gastkommentar ist von Michael Amon. Er ringt noch immer mit der Frage, ob er hier regelmässig schreiben soll. Möge die Stimme in ihm obsiegen, die für Regelmässigkeit ist. Wäre schön. Würde uns alle freuen. Er hat auch diesmal gezögert. Man könnte das jetzt für eine Masche halten. Ist es aber nicht. Er hat gemeint: „Ich lese die OÖN schon lange nicht mehr. Die dortigen Kommentare sind unter meiner Wahrnehmungsschwelle.“ Warum er trotzdem einen Kommentar von Edmund Brandner kommentiert, wird er selbst beantworten.

Der zweite Gastkommentar kommt heute von unserem bewährten AndyB. Er bringt die Diskussion übers Diskutieren sehr gekonnt und witzig wie immer auf den Punkt. Wir verneigen uns vor ihm und danken. Damit und mit der Veröffentlichung der samstäglichen Keilerei zwischen Postern und mir beenden wir dann diesen Themenkreis für diesmal. Kann sein, dass er sich ein andermal wieder öffnet. Hoffentlich haben wir alle etwas daraus gelernt.

Bevor ich es vergesse: wir werden alle Versuche diverser Kampfposter diesen Blog zu obstruieren unterbinden. Es geht hier um die Interessen der Bürgerschaft, nicht um kleingeistiges Gezänk, das man scheinbar mancherorts für Diskussion hält.

Wir haben daher eine Anzahl von Postings jetzt gestrichen, da die IT-Leute in unserem Team herausgefunden haben, dass sie alle vom gleichen Internetanschluss gepostet worden sind. Die angegebenen Namen stammten aus Ebensee. Sie waren möglicherweise getürkt. Auch schon veröffentlichte Postings waren betroffen. Den Verursacher jedoch kennen wir. Wir müssen uns bei der Gmundner ÖVP entschuldigen. Wir hatten sie schon im Verdacht, hier ein paar Kampfposter auf uns loszulassen.

Bruno Beinhart f. d. Team Gmundl


Tierisches

Ein Gastkommentar von AndyB

ui ui ui …. bei politischen Ansichten kocht aber hier die Volksseele hoch …

Bei Sachthemen ist noch Friede, Freude, Eierkuchen, aber so …. das geht ja überhaupt nicht.

So ganz verstehe ich das allerdings nicht!

Bei Ex-Bürgermeister Köppl wurde auch kräftig über die Person hergezogen und es hat irgendwie niemanden gestört. Aber bei Herrn Krapf wird jetzt sogar die berühmt berüchtigte Magister Keule ausgepackt. (ooooh aaah Herr Magister und Frau Magister, wahrscheinlich auch Kind Magister und Hund Magister).

Auch Herr Köppl mag privat ein netter Mensch sein (es gilt die Unschuldsvermutung), aber das steht doch hier überhaupt nicht zur Debatte.

Zur Debatte stehen Taten, Leistungen, Entscheidungen, Fehlentscheidungen, Führungsstil etc. und nicht die Privatperson.

Die sehe ich bei Herrn Magister Krapf nicht ….. jedenfalls bisher noch nicht. Da sehe ich eher ein großes Nichts …

Nach meiner bescheidenen Einschätzung ist er eher ein Bauernopfer. Man braucht ein neues Gesicht und dazu noch ein möglichst unbescholtenes. Keinen Pleitier oder sonst jemanden mit negativer Vorgeschichte. (…. hmmm … sieht geschrieben recht putzig aus, das Wort …. eine Plei Tier …. ob es sich dabei wohl um eine geschützte Art handelt?)

Ob er auf Dauer das Amt bekleidet, das wird man sehen, allein der Glaube fehlt mir. Rücktritt, ein neues Gesicht und die Debatte darüber lenkt erst einmal von den aktuellen Baustellen (im wahrsten Sinne des Wortes) ab.

Wie ich bereits geschrieben habe : im Hintergrund zieht die alte Garde die Strippen und viele Änderungen oder gar ein Ende der Regio oder Ende der unseligen Hoteldebatte sehe ich da nicht. Ich sehe da keinen, der mit dem “eisernen Besen” kehren wird.

Jedenfalls, was ich schreiben wollte …. (ich werde ja immer so schnell abgelenkt) : Die Privatperson lässt keinerlei Rückschlüsse auf die “Amtsperson” zu.

Ich kenne das aus einer anderen Branche ziemlich gut. Leute, die man allgemein als echte Kotzbrocken bezeichnete, waren privat oft genau das Gegenteil und die “netten Typen von Nebenan” waren privat manchmal die größten …. Dingsgeigen. Aber bejubelt wurden beide Spezies.

Jetzt muss ich aber aufhören …. “The Internet” scheint immer noch im Blog gefangen zu sein, denn es klopfte grade aus dem Monitor und eine Stimme rief verzweifelt : “jetzt holt mich doch endlich mal hier raus”.

Es gibt hier noch eine aussterbende Tierart, fällt mir da noch grade ein ….. die Sa Tiere …


Wo bleibt das Positive?

Gastkommentar von Michael Amon

Zu Edmund Brandner fällt mir nichts ein.

Vorweg ein Eingeständnis: ich lese die OÖN schon lange nicht mehr. Nicht weil sie in der österreichischen Zeitungslandschaft eine besonders schlechte Zeitung wäre. Da legt noch immer Herr Fellner die Meßlatte auf. Die zu unterschreiten ist schwer. Ich brauche sie OÖN bloß nicht, um informiert zu sein. Dort, wo ich von ihr Information erwarten würde, bekomme ich keine. Das kann ich gratis in den Tips und in der Rundschau auch lesen. Das finde ich zwar sehr bedauerlich, denn ich glaube nicht, daß dieses Gratismodell funktionieren kann. Aber ich habe die Gratiszeitungen nicht erfunden. Ob sie auf Dauer den Bezahltzeitungen den Rang ablaufen werden, kann ich nicht sagen. Eine Bedrohung sind sie auf jeden Fall. Auch eine Bedrohung für die Pressefreiheit. Mit der ist es aber in den Lokalmedien ohnedies nicht weit her. Also lese auch ich – eigentlich gegen meine eigene Überzeugung – die Gratisblätter. Die OÖN haben es mir wirklich leicht gemacht. Aber zum Thema.

Man hat mich mehrfach gebeten, mich zum Kommentar von Edmund Brandner über die Stimmung in Gmunden zu äußern. Man schickte mir den Kommentar, den ich – siehe oben – nicht gelesen hatte. Nach Lektüre des Artikels hatte ich dazu sehr wenig Lust. Auch wenn es arrogant klingen mag, aber argumentativ ist der Artikel offen wie ein Scheunentor. Es macht wenig Spaß gegen eine derartige inhaltliche Petitesse anzutreten. Das ist keine Herausforderung, daher läuft man Gefahr, unter den eigenen Ansprüchen zu bleiben. Nachdem ein paar weitere Anfragen kamen, habe ich mir den Artikel noch einmal durchgelesen und mich entschlossen, doch eine Antwort zu schreiben. Aus zwei Gründen: erstens werde ich persönlich attackiert. Würde mich wenig stören. Aber mir geht es auf die Nerven, dass Herr Brandner nicht aufhört, Märchen zu verbreiten.

Der zweite und wichtigere Grund: Brandner offenbart hier ein Verständnis von Journalismus, mit dem man sich auseinandersetzen muß. Ein Verständnis, das zu genau jenem Verlautbarungs- und Affirmationsjournalismus führt, der in lokalen Medien oft betrieben wird. Genau dieser Journalismus ist es, der nichts sieht, nichts hört, nichts schreibt, und es den Machthaberern ermöglicht, ihre Geschäfte unauffällig zu betreiben. Ich sage nicht, daß das die Absicht dieser Art von Journalismus ist. Aber die Unterbindung des Diskurses, die Vermeidung von Kritik an den Mächtigen und ihren Machenschaften ist der Kollateralschaden, den dieser Journalismus verursacht. Dazu offenbart Brandner ein Verständnis von zivilgesellschaftlichem Diskurs, das nicht ganz auf der Höhe der Zeit ist. Letzten Satz habe ich sehr höflich und vornehm formuliert. Es geht mir hier außerdem wie vielen in Gmunden: ich kenne Brandner persönlich, plaudere gern mit ihm über die Weltlage und trinke dazu ein Gläschen. Das hindert mich aber nicht daran, ihn in seiner Funktion als Journalist heftig zu kritisieren. Das nur nebenbei zur derzeit im Gmundl-Blog laufenden Auseinandersetzung in Fragen Diskussionskultur und angeblich persönlicher Beleidigung mittels Kritik. Als Autor muß ich tagtäglich mit der Kritik von Literaturkritikern leben und darf das nie persönlich nehmen. Egal ob ein Buch von mir gelobt oder in der Luft zerrissen wird.

Schon die Prämisse von Brandner »über der Traunseestadt hängt die Mieselsucht so zäh wie der Nebel« ist Polemik ohne Inhalt. Hier wird die gesamte Gmundner Zivilgesellschaft, die sich kritisch äußert, in Bausch und Bogen als »mieselsüchtig« diffamiert. Aber was können die kritischen Menschen dafür, daß Herr Brandner offenbar in der besten aller denkmöglichen Welten lebt? Oder leben muß. War die Kritik an der Art des Hotelbaus nicht berechtigt? Ist alles, was rund um die RegioTram gesagt wird, wirklich grundfalsch? Sind die Sorgen und Bedenken der Bürgerinnen und Bürger nicht Ernst zu nehmen? Das Hotel haben ja nicht die »mieselsüchtigen« Kritiker verhindert. Es waren schon die Asamers selbst, die sich da ein Haxl gestellt haben. Unter freudiger Mithilfe des Ex-Bürgermeisters. Was hat die Kritik an den merkwürdigen Vorgängen rund um Lacus Felix mit »mieselsüchtig« zu tun? Wenigstens einen kleinen Ansatz zur Analyse, einen kitzekleinen Versuch, die Vorgänge zu verstehen, kann man von einem Journalisten, der Kommentare schreibt, schon erwarten. Warum sollen die Leute nicht über die »Dicke von Leitungsmasten« der Regio diskutieren? Die sind nämlich wirklich ausnehmend häßlich. Keine Visitenkarte für eine Stadt, die auch vom Tourismus lebt. Das Gleiche gilt für die Seilbahnstationen.

Nur »Juhu, wir haben eine Seilbahn« zu rufen, ist gar wenig. Auch wenn das den Politikern am liebsten wäre. Warum soll man nicht sagen, daß die Stationen scheußlich sind und keinen Zusatzanreiz für Touristen bilden, daß die Gestaltung der Stationen eine vergebene Chance ist? Dazu kommt, daß gerade diese Beispiele zeigen, daß viele Politiker ziemlich kulturlos sind. Da wünscht man sich selbst als überzeugter Republikaner ein bißerl von dem Geschmack zurück, den früher Herrscherhäuser hatten und damit jene Objekte schufen, von denen unsere Fremdenverkehr in nicht geringem Maße noch heute lebt. Als »Neue Salzkammergut-Architektur« wird nichts von dem in die Geschichte eingehen. In fünfzig oder hundert Jahren werden Leute noch immer wegen des Seeschlosses kommen, wegen alter Villen und Schlößer rund um den Traunsee. Trotz der Seilbahnstationen, nicht wegen. Oder kann Herr Brandner nur ein einziges Gmundner Bauprojekt der letzten zwanzig Jahre nennen, das in ein paar Jahrzehnten ein touristischer Anziehungspunkt sein wird?

Es hat einen guten Grund, warum Politiker kaum mehr in der Lage sind, Projekte durchzusetzen. Die Politik selbst hat das verschuldet. Zu offensichtlich ist die Vermischung von Politik und Wirtschaft geworden, zu oft wurde die Wählerschaft belogen, zu offenkundig dienen viele Projekte nicht der Allgemeinheit, sondern Einzelinteressen von Unternehmerfamilien oder Seilschaften. Die Selbstbedienungsmentalität der Ära Schüssel, die Korruption in Wirtschaft und Politik – beides gepaart mit einem Einkommensrückgang breiter Bevölkerungskreise, Bedrohung des Mittelstandes. Das alles hat dazu geführt, daß die Menschen der Politik grundsätzlich nichts mehr glauben. Es gibt kein Projekt mehr, das nicht umstritten wäre, weil die Politik ihre Glaubwürdigkeit verspielt hat. Dabei bleiben mitunter auch sinnvolle Projekte auf der Strecke. Diese Problematik mit »mieselsüchtig« abzutun, ist eine Ohrfeige ins Gesicht jener Menschen, die sich einen Rest von Kritikfähigkeit bewahrt haben. Journalistisch hat eine solche Äußerung selbstdisqualifizierenden Charakter. So hätten es die Machthaber gern: alles nur »mieselsüchtige Koffer« (© Michael Häupl über die Wiener ÖVP). Brandner besorgt hier willentlich oder unwillentlich die Geschäfte der Mächtigen. Die wollen Ja-Sager und Adoranten.

Zwei Sätze aber schlagen dem Faß wirklich den Boden aus: »Raunzen ist in dieser Stadt erste Bürgerpflicht. Grantige Senioren am Fuß des Grünbergs verfassen zu diesem Zweck sogar einen eigenen Blog.« Die berechtigte Kritik der Bürger als »Raunzen« abzutun, verhöhnt die Prinzipien der Aufklärung, der sich einst auch ein verantwortungsvoller Journalismus verpflichtet sah. Da ist mir das Geschreibsel von Herrn Fellners Österreich noch lieber. Dort wird wenigstens kein journalistisches Mimikry betrieben. Hier wird unter dem Firmenschild »seriöser Journalismus« jede Art von Bürgerkritik desavouiert. Eine Wertung erspare ich mir. Nur so viel: die Mächtigen lesen es gerne. Ein Journalismus, der sich auf diese Art mit den Mächtigen gemein macht, stellt sich selbst in Frage. Kein Wunder, daß er seine Kontrollfunktion in einer demokratischen Gesellschaft nicht ausüben kann. Wenn eh alles paletti ist, Kritik nur »Raunzerei« oder gar »Mieselsüchtigkeit«, dann brauchts auch keinen Journalismus mehr. Wenn jemand berechtigte Kritik unter »grantig« rubriziert, hat er das Prinzip der »citoyennes« in der »res publica« nicht verstanden oder will es ignorieren. Die Machthaberer danken und winken huldvoll Beifall.

Doch damit nicht genug. Brandner ist sich nicht zu gut, zum wiederholten Mal Leute als Verfasser des »Gmundl-Blogs« zu »outen«. Diesmal bin ich offenbar nicht allein gemeint. Aus der Tatsache, daß er die Mehrzahl nimmt und vom »Fuß des Grünbergs« schreibt, schließe ich, daß er diesmal tatsächlich nicht mich allein meint, sondern Gemeinderat Kammerhofer gleich mit. Ich allein kann ja wohl eher keine »Senioren« sein. Ich habe Brandner schon vor langer Zeit sehr deutlich erklärt, daß ich diesen Blog nicht betreibe und daß ich darauf verzichte, ihn damals zu verklagen. Das würde meinem Verständnis von Meinungsfreiheit widersprechen. Daß er diese meine Fairneß erneut »mißbraucht«, trage ich ihm nach.  Ich habe ihm klar gesagt, daß unter den Artikeln, die ich schreibe, immer mein Name steht. Daß ich kein Pseudonym brauche. Daß ich unter meinem Namen ganz andere Leute, wirklich Mächtige, in österreichweit erscheinenden Zeitungen (Standard, Presse) kritisiere.
Er möge mir also nicht dauernd etwas Unwahres unterstellen. Auch wenn es meiner Eitelkeit durchaus zupaß käme. Immerhin ist der Gmundl-Blog heute in weiten Kreisen der aktiven Bürgerschaft Gmundens quer durch die Parteien ziemlich angesehen, soweit ich das wahrnehmen kann und aus vielen Gesprächen weiß. Der Blog ist wahrscheinlich das derzeit wirkungsmächtigste lokale Medium. Weil man dort Klartext schreibt, schreiben kann und schreiben läßt. Dieses Verdienst würde ich mir gern ans Revers heften. Kann ich aber nicht. Ich wüßte gar nicht, wo ich die Zeit hernehmen sollte, täglich einen solchen Blog zu schreiben. Mir reicht die viele Zeit, die ich in den letzten Wochen für ein paar Gastkommentare investiert habe. Er nehme also endlich zur Kenntnis: ich schreibe den Gmundl-Blog nicht. GR Kammerhofer meines Wissens auch nicht.
Aber den kann Herr Brandner ja das nächste Mal vorher fragen, wenn er ihn wieder einmal outen will. Mich hat er jedenfalls auch diesmal nicht gefragt. Wir haben halt nicht das gleiche Verständnis von Fairneß. Meine Engagement jedenfalls gilt jenen, die keine Stimme haben oder sich nur schwer Gehör verschaffen können.

Besonders schlimm finde ich aber den Hinweis Brandners, es handle sich um »Senioren«. Das ist keine Information, das ist eine klare Diskriminierung. Das ist so, als ob ich ein Argument oder eine Tätigkeit mit dem Hinweis garniere: eine »Frau« macht das. Das würde Brandner sich nie trauen, denn da würden in die Gmundner Emanzen verbal teeren und federn. Es ist genau diese diskriminierende, ressentimentgeladene Geisteshaltung, die dazu führt, daß Menschen über 50 in Österreich keinen Job mehr bekommen. Als ob »alt« bzw. »Senior« ein Argument wäre. Das zeigt eine bedenkliche Denkungsart. Es ist völlig unerheblich, ob dieser Blog von Jungen, Alten oder Mittleren, von Dicken, Dünnen, Männern oder Frauen gemacht wird.

Der Hinweis »Senioren« dient ausschließlich dazu, den Blog zu diskreditieren. Im Zusammenhang mit Frauen würde man das »sexistisch« nennen. Das Alters-Argument ist besonders fies. Subtext: alt ist gleich dement, zumindest aber schon ein bißerl gaga. Alt ist nicht mehr ernst zu nehmen. Ich halte also fest: Brandner »outet« zu Unrecht Leute und das mit einem Argument, das altersdiskriminierend ist. Eigentlich ein Fall für die entsprechende Beschwerdekommission beim Bundeskanzleramt. Der guten Ordnung halber möchte ich noch darauf hinweisen, das ich heuer 60 geworden bin und mich keineswegs alt fühle. Im Gegensatz zu anderen habe ich mir meine jugendliche Leidenschaft in Denken und Kritik bewahrt. Vielleicht sollte sich Herr Brandner einen wichtigen Satz notieren, der heute zum Allgemeinwissen zählt: Sechzig ist das neue Fünfzig. Es gibt Leute, die sind deutlich jünger als ich, aber im Kopf schon ziemlich lahm. Ohne Feuer. Was nichts mit ihrer Jugend zu tun hat, eher damit … aber lassen wir das.

Zu schlechter Letzt macht Herr Brandner noch das, was auch kritisierte Politiker so gern machen. Er fordert die Kritiker auf, es selbst besser zu machen. Hier zeigt sich endgültig, daß er das Wesen des Journalismus entweder nicht verstanden oder wieder vergessen hat. Es ist nicht Aufgabe der Kritiker, es besser zu machen. Eine Autotesterin muß nicht selbst bessere Autos bauen können als Mercedes oder VW. Ein Literaturkritiker muß keineswegs bessere Romane schreiben können, als die von ihm Kritisierten. Ein Journalist muß nicht bessere Politik gestalten können als ein Politiker. Kritiker müssen es nicht besser können. Es reicht, auf die Schwachstellen und Unzulänglichkeiten hinzuweisen. Wir leben nämlich in einer arbeitsteiligen Gesellschaft.

Jeder Laie kann erkennen, daß der schiefe Turm von Pisa schief steht. Er darf auch darauf hinweisen. Wie es besser geht, muß nicht er, sondern müssen Architekten und Statiker wissen. Wer so fundamental in Sachen Journalismus irrt, sollte lieber nicht über »mieselsüchtig« und »Raunzen« schreiben. Er soll halt über die Schönheit der neuen Seilbahnstationen und die wunderbare Ästhetik der Strommasten philosophieren. Das wäre sehr angemessen. Situationselastisch, um ein Wort aus dem neuen Politquacksprech zu verwenden, genau das ist er nämlich, unser neuer Journalismus.

Ein kleiner Lesetip für Herrn Brandner: Erich Kästners Gedicht »Wo bleibt das Positive, Herr Kästner?«

Und immer wieder schickt ihr mir Briefe,
in denen ihr, dick unterstrichen, schreibt:
»Herr Kästner, wo bleibt das Positive?«
Ja, weiß der Teufel, wo das bleibt.

Noch immer räumt ihr dem Guten und Schönen
den leeren Platz überm Sofa ein.
Ihr wollt euch noch immer nicht dran  gewöhnen,
gescheit und trotzdem tapfer zu sein.

Ihr braucht schon wieder mal Vaseline,
mit der ihr das trockene Brot beschmiert.
Ihr sagt schon wieder, mit gläubiger Miene:
»Der siebente Himmel wird frisch tapeziert!«

Ihr streut euch Zucker über die Schmerzen
und denkt, unter Zucker verschwänden sie.
Ihr baut schon wieder Balkons vor die Herzen
und nehmt die strampelnde Seele aufs Knie.

Die Spezies Mensch ging aus dem Leime
und mit ihr Haus und Staat und Welt.
Ihr wünscht, daß ich’s hübsch zusammenreime,
und denkt, daß es dann zusammenhält?

Ich will nicht schwindeln. Ich werde nicht schwindeln.
Die Zeit ist schwarz, ich mach euch nichts weis.
Es gibt genug Lieferanten von Windeln.
Und manche liefern zum Selbstkostenpreis.

Habt Sonne in sämtlichen Körperteilen
und wickelt die Sorgen in Seidenpapier!
Doch tut es rasch. Ihr müßt euch beeilen.
Sonst werden die Sorgen größer als ihr.

Die Zeit liegt im Sterben. Bald wird sie begraben.
Im Osten zimmern sie schon den Sarg.
Ihr möchtet gern euren Spaß dran haben …?
Ein Friedhof ist kein Lunapark.

Advertisements

4 Antworten

  1. […] Source: Wo bleibt das Positive? | gmundl […]

  2. Antwort auf Ramona,

    Sie haben den Nagel auf den Kopf getroffen. Genau so wird es eintreffen. Auch ich hätte mir gewünscht, dass die Realität eine andere wäre.
    Gmunden´s Bürger werden sich weiterhin plagen müssen, Pseudo-Investoren abzuwehren, die sich die besten öffentlichen Grundstücke u. Immobilien billig unter den Nagel reissen wollen. Was braucht man dazu: willige und pflegeleichte Gemeindepolitiker. Einige davon haben bei der Bürgermeisterwahl schon ihr Diplom an Naivität erlangt. .

    Auch ich wünsche mir, dass ich mit meinen Prognosen falsch liege, schon allein deswegen, weil ich in einer Stadt leben will mit hoher Lebensqualität u. schöner Landschaft. Ich will nicht, dass hier alles verschandelt wird u. Gmunden eine 0/15 Ansiedlung von noch mehr Betonbauen wird, die man überall in der Welt finden kann.

    Am Rande vermerkt: In 17 Jahren Bürgermeistertätigkeit, hat es Köppl nicht geschafft, in der Tourismusstadt Gmunden ein öffentliches Hallenbad mit Sauna (es gibt in ganz Gmunden keine) zu errichten. Dafür wurde der denkmalgeschützte Seebahnhof in einer Nacht- und Nebelaktion abgerissen. Ich bin überzeugt, dass viele Touristen gerne den Seebahnhof besichtigt hätten, wo der Kaiser anno dazumal ausgestiegen u. in das Dampfschiff eingestiegen ist. Man hätte den Seebahnhof sanieren können u. touristisch nützen.

  3. Völlige Übereinstimmung mit Andy B. – die Niederungen der Gmundner Seele offenbarten Sie perfekt – und Herrn Amon.
    Danke an Herrn Amon. Ihr stimmiger Beitrag in der Presse „Die Spatenschwinger von Gmunden“ rehabilitierte mich, da ich identes verbal offenbarte und als Querulant behandelt wurde.
    Dank den Provinzjournalisten Sperrer und Brandner bzw ihren „mieselsüchtigen“ Kommentaren kehrten schon viele jahrezehntelange OÖN-Abonnenten – grantige GM-Senioren also – dieser Zeitung den Rücken.
    Hotel „Lacus Felix“ hätten ja die „nichtmieselsüchtigen“ Gmundner ermöglichen können, zu denen ja auch die Journalisten Sperrer und der nach Gschwandt desertierte Brandner gehören – insgesamt min 7000 an der Zahl – wenn sie ihr Geldbörserl geöffnet und mit einem Medianwert von 5000 Euro – jeder gibt nach Solvenz – in das Projekt investiert hätten. Die Verhinderer dieses Projekts sind also die „nichtmieselsüchtigen“ Gmundner.

  4. Ein paar Anmerkungen zum Posting von Herrn Bergthaler!
    Als ich die ersten Tage nach dem Rücktritt Köppls durch die Stadt schlenderte, war eine sanft beschwingt fröhliche Leichtigkeit in den Gesichtern und Stimmen der Menschen. So als wäre eine schwere Last von den Herzen der Menschen gefallen. Endlich ist er weg… der Weg ist frei für einen Neuanfang. Jedenfalls war das mein Eindruck.
    Köppl hat den Bürgern dieser Stadt ein schweres Erbe hinterlassen. Die Stadt ist finanziell ausgeblutet, das Gesprächsklima „unter jeder Kritik“ und demokratiepolitisch sind wir in der Wüste angelangt. Mehr als zwei Jahrzehnte hat Köppl in dieser Stadt gefuhrwerkt, mit Unterstützung und Duldung seiner Partei, der ÖVP. Im Hintergrund konnte ein kleine Gruppe von Machthaberern (Copyright: Team Gmundl) sich diese unsere Stadt “unter den Nagel reißen“ und ungestört ihre Geschäfte u.a. auch auf Kosten des Gemeinwohls abwickeln (es gilt die Unschuldsvermutung). Erst als Köppl zum nicht mehr zu übersehenden Störfaktor wurde, wurde man unruhig. Überall spießte es sich. An allen Ecken und Enden. Der Widerstand der Bürger gegen die Zerstörung dieser Stadt war und ist nicht mehr wegzudiskutieren. Das ist schlecht für das Geschäft (es gilt die Unschuldsvermutung), also muss ein Neuer, ein Unverbrauchter her.
    Und dort setzt die Analyse von Bruno Beinhart an. Ich sehe nichts gehässiges oder menschenverachtendes in dieser Analyse. Vielmehr die Sorge, dass „alles so weitergeht wie bisher“, weil die ÖVP nicht bereit und willens ist, sich an Kopf und Gliedern zu erneuern.
    Das eigentlich Menschenverachtende ist, dass man einen politisch unerfahrenen, bis dato einen hoch geschätzten und angesehen Mitmenschen, ganz bewusst in eine Position drängt, deren Fülle an Aufgaben er nie und nimmer alleine bewältigen kann. Seine „Parteifreunde“ werden sich entspannt zurücklehnen, weitermachen wie bisher und abwarten. Wenn´s schief geht, lass ma ihn halt in Schönheit sterben.
    Aber ich lasse mich gerne positiv überraschen.
    Für diese unsere Stadt – für eine Stadt für alle Bürger!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: