Freiheit versus Sicherheit und ein wenig günstiges Wohnen

Heute:
Wohnen
Gastkommentar Marge Lila zu Freiheit & Sicherheit

 

Liebe Leserleins!

Das sind heute unsere Themen. Wir sind sowas von glücklich! Gmundl bewegt die Gemüter und die Gehirne. Ja, hier auch Raum und Zeit für ausführlichere Gedanken, die sich unsere Leserleins machen. Oder auch für kurze Gedankensplitter. Im Gegensatz zum Lotto ist hier bei uns wirklich alles möglich. Wir haben nun einmal die besten Leserleins weit und breit. Und aus Leserleins werden manchmal auch Schreiberleins. Wunderbar! Jubeltrubelheiterkeit, kann da Ihre Babsy nur ausrufen.

Das Thema „günstiges Wohnen“ war hier schon am Tapet. Erst vor ganz kurzem dank eines erhellenden Inserats der Gmundner ÖVP, in dem sie kundtat, was sie beim Wohnen unter „günstig“ versteht. Die ehemalige „Volks“partei präsentiert sich so als die Partei der Geldsäcke. Oder als die Partei von Menschen, die eine Menge Erbtanten, Erbonkels, Onkel Fränks haben oder über geheime Zugänge zu den Kellergewölben der Österreichischen Nationalbank verfügen (dort, wo die ganz grossen Euro-Scheinchen gelagert werden). ÖVP – die Partei der Panzerknacker? Oder glaubt man dort, alle Einwohner Gmundens verfügen über einen Geldspeicher à la Dagobert Duck? Bei den Durchschnittsverdienern Gmundens, und das ist die Mehrzahl der Bevölkerung, kann es schon mal für den offiziösen Azubi-Schal reichen, aber für Wohnungen? Noch dazu günstig? Da flattern doch diese Wolche tatsächlich Werbungen für – tatatata traratrara pauke trompete – GÜNSTIGE Wohnungen in die Gmundner Haushalte. Offensichtlich von der ÖVP inspiriert, wird da etwa „leistbares Wohnen“ in Gschwandt angeboten. Ab 219.000 Knöllchen für 78 Quadratmeterchen ist man schon dabei! Öffnet eure Konten, liebe Jungfamilien, geschätzte Alterspensionisten nach ASVG oder GSVG! Keine Scheu, alles locker leistbar. Ja, „leistbar“ ist das Schlagwort der Woche. Wer ein paar Scheinchen mehr am Konto hat, eh nur ein paar Scheinchen mehr, der findet „Leistbare Eigentumswohnungen vor den Toren Gmundens“ (wo diese Tore stehen, weiss Ihre Babsy natürlich nicht, vielleicht am Sportplatz …). In Ohlsdorf wurden die total leistbaren Wohnungen für jederfrau und jedermann gebaut. 234.000 Eurönchen in der kleineren Variante mit drei Räumen (78 m2 + 33 m2 Terrasse). Noch leistbarer sind nur noch die Vier-Raum-Wohnungen (108 m2 + 90 m2 Terrasse): da muss man halt auch noch die Portokassa ausräumen, damit man den Pappenstiel von 379.000 Euronen aufstellen kann.

Sagen wir so: im kommenden Wahlkampf wird das Thema der Wohnungskosten hoffentlich ein wesentliches sein. Und es werden hoffentlich jene Parteien reüssieren, die hier brauchbare Konzepte und Vorschläge anbieten. Die ÖVP wird da eher nicht dazu zählen.

So, das wars für heute mit dem leistbaren Wohnen. Gell Leute, da ist guter Rat teuer!
Und jetzt noch eine Kurzglosse von AndyB zum Thema. Unser Einserkastl. So heissen bei den Tageszeitungen die kleinen, meist quadaratisch eingerahmten Kurzkolumnen zum Tag.

Daran anschliessend ein längerer Kommentar, eigentlich schon Essay, von Marge Lila zum Thema Freiheit und Sicherheit. Eine wunderbare Wochenendlektüre – noch dazu da nach der Kurzerhitzung ein paar eher kühle Tage kommen. Ein April, wie er im Sagenbüchl steht, gell!

Aber Achtung: im Herbst könnte es sein, dass die eine oder andere Partei nach der Wahl den Wählerleins ebenfalls ein „April, April“ entgegenschleudert – etwa die ÖVP, wenn sich doch wieder genügend Leute finden sollten, die dieser Partei zu einer kommoden Mehrheit verhelfen. Da sei der September vor!

Babsy Blitzschnell f. d. Team Gmundl


 

Unser Einserkastl heute von AndyB

Ich gebe es ja zu ….. ich hatte mich für die Wohnung am Brunnenweg einschreiben lassen.
Die Finanzierung mit der Hausbank stand auch schon. In nur 104 Jahren wäre die Wohnung abgezahlt gewesen. Ein überschaubarer Zeitraum ….

Leider stellte sich aber am Ende heraus: unser Verdienst lag 10 Euro über dem Einkommen für das Anrecht auf geförderte Wohnungen.

Man kann eben nicht alles haben ……


Freiheit versus Sicherheit

Eine Betrachtung von Marge Lila

Ein paar Gedanken zum Spannungsfeld zwischen Freiheit und Sicherheit

„Generelles Rauchverbot“ – was stört mich an dieser Forderung? Es ist nicht das Wort „Rauchverbot“. Nein es ist das Wort „generell“. Warum bereitet mir diese Forderung nach totalen, absoluten, generellen Verboten oder Geboten Unbehagen? Gut, totale Verbote wie das, Menschen zu töten, zu verletzen oder zu misshandeln, stehen außer Diskussion. Schwieriger wird es für mich schon, wenn ich als Vermieter mir nicht meine Mieter frei aussuchen darf oder wenn ich als Unternehmer nicht die Mitarbeiter auswählen darf, mit denen ich zusammenarbeiten möchte. Ich gestehe auch, dass es für mich ein Problem wäre, im Gasthaus kein Glas Bier mehr zum Essen trinken zu dürfen, weil ich nur mit 0,0%o mein Auto fahren darf. Ich könnte jetzt noch eine Vielzahl an Regeln und Verboten anführen, deren Einhaltung mir nicht leicht fällt und mir das Gefühl von Entscheidungsfreiheit rauben. Viele Unternehmer und vor allem Gastwirte können von solchen Ge-und Verboten wahrscheinlich ein Klagelied singen.

Wir kennen die freiheitsliebenden Jugendlichen der 70er Jahre. Sicher, viele dieser damaligen großen Freiheiten mussten im Interesse der Gesellschaft und unserer Nachkommen beschnitten werden. Die vielen Verkehrstoten, der verschwenderische Verbrauch von Ressourcen, der hohe Drogenkonsum, das hemmungslose Rauchen auf allen Arbeitsplätzen usw.…. Da gab es schon eine Menge Exzesse. Aber wir sollten doch bitte nicht die große Freiheit durch die große Unfreiheit ersetzen. Bevor Worte wie „total“ und „generell“ vor Regeln und Verbote gesetzt werden, sollte, nein muss sich unser Gesetzgeber sehr genau überlegen ob das Totale und Generelle im Sinne der Allgemeinheit notwendig ist. Wenn er das nicht tut und sich dem Zeitgeist gänzlich beugt, dann beschneidet er willkürlich individuelle Freiheit. Diese ist aber durch unsere Verfassung zu recht geschützt. Unsere Verfassung sagt, dass die persönliche Freiheit nur entzogen werden darf, „wenn dies nicht zum Zweck der Maßnahme außer Verhältnis steht“. Individuelle Freiheit ist für viele Menschen ein hohes Gut und wird, Gott sei Dank, nicht kampflos aufgegeben. Gerade wenn die Verhältnismäßigkeit von Verboten nicht gegeben ist, werden daher Auswege gesucht. Offener Widerstand, Rückzug ins Private, Umgehung von Vorschriften,… da fällt dem Freiheitliebenden so einiges ein und so mancher wird zum Anarchisten und Gesetzesbrecher um diesen staatlichen Erziehungsmaßnahmen zu entkommen.
Aus genau diesem Grund ist es uns überhaupt erlaubt, uns mit motorisierten Fahrzeugen fortzubewegen, obwohl es Tote und Verletzte im Straßenverkehr gibt, Ressourcen verbraucht werden und der Klimawandel forciert wird. Aus diesem Grund ist es uns erlaubt per Flugzeug auf Kurzurlaub zu gehen, obwohl wir die Auswirkungen des überbordenden Flugverkehrs auf unsere Umwelt kennen. Aus diesem Grund ist es erlaubt, mit den Schiern über die winterlichen Pisten zu fahren, obwohl in die Beschneiung viel kostbare Energie fließt, obwohl es alleine in dieser Saison über 6500 Schiunfälle (1300/Monat) in Österreich gab und über 50 Menschen (10/Monat) zwischen November und März ums Leben kamen. Aus diesem Grund ist es in Österreich erlaubt, mit 0,5%o und nicht ausschließlich mit 0,0%o Alkohol im Blut einen PKW zu lenken. Wir würden auch nicht unsere Freiheit aufgeben, um durch generelle Verbote die totale Sicherheit im Umgang mit dem Internet dafür zu ernten, wir möchten keine generellen Verbote von privaten Internetanschlüssen und Fernsehern, um unsere Kinder gänzlich vor den Gefahren dieser Medien zu schützen. Wir möchten keinesfalls, dass es uns per Gesetz verboten wird, unser Handy ständig bei uns zu tragen, obwohl wir damit eine negative Auswirkung auf unsere Gesundheit befürchten müssen, wir trennen nicht einmal unsere Kinder vom unvermeidlichen Handy. Der Gesetzgeber muss abwägen, er muss der Verfassungsbestimmung gerecht werden und darf die individuelle Handlungsfreiheit nicht unverhältnismäßig beschneiden. Ich finde, das ist auch gut so. Wenn nun die Entscheidung des Gesetzgebers hin zur totalen Sicherheit oder zur totalen Freiheit geht, muss dieser entweder die Freiheit oder die Sicherheit des Individuums opfern.

Jetzt zurück zum generellen Rauchverbot. Aus der Sicht eines Nichtrauchers befürworte ich eine gesetzliche Regelung des Rauchverhaltens. Die notwendige Sicherheit der Nichtraucher muss auf Arbeitsplätzen, in öffentlichen Gebäuden und in Lokalen geschützt werden. Das ist ganz klar. Hier muss der Gesetzgeber die totale Freiheit der Raucher zugunsten einer angemessenen Sicherheit der Nichtraucher einschränken. Aber muss der Gesetzgeber jedem Bürger die totale Sicherheit gewährleisten? Nein, denn wenn er es tut, dann muss er immer die individuelle Freiheit anderer in einem nicht notwendigen Ausmaß beschneiden. Davor mögen wir verschont bleiben!
Wie soll nun diese angemessene Sicherheit der Nichtraucher in Lokalen aussehen? Getrennte Nichtraucherbereiche? Gibt es bereits. Eine ausreichende Entlüftung für Raucherbereiche? Gibt es bereits. Wahlfreiheit zwischen rauchfreien Lokalen und solchen mit Raucherbereichen? Gibt es bereits. Das ist gut so. Wie gefährdet sind derzeit die Gäste in einem Lokal in dem es einen abgetrennten Raucherbereich gibt wirklich? Wer von uns fühlt sich im Nichtraucherbereich mehr an Leib und Leben bedroht als etwa im Straßenverkehr, auf überfüllten Schipisten oder abseits der gesicherten Pisten im Tiefschnee, auf seinem Mountainbike über Stock und Stein fahrend, mit seinem Handy in der Hosentasche, …….? Wenn wir ehrlich sind, dann ist unser Sicherheitsbedürfnis derzeit in der Gastronomie ausreichend gedeckt.
Klar, auch die Mitarbeiter im Servicebereich haben ein Recht auf Schutz. Dafür gibt es vorgeschriebene Entlüftungen, Raucher-und Nichtraucherbereiche, Raucher-und Nichtraucherlokale und nicht zuletzt, auch diese haben Freiheit bei der Wahl ihres Berufes und ihrer Arbeitsstelle. Ich persönlich möchte zum Beispiel nicht bei der Bergrettung arbeiten, nicht in schwindelnder Höhe Montagearbeiten ausführen, ich möchte nicht als Bauarbeiter auf einer dicht befahrenden Autobahn arbeiten oder ständig schwere Lasten heben, ich möchte nicht als LKW-Fahrer zigtausende Kilometer im Jahr mit schweren, oft gefährlichen Gütern auf der Straße unterwegs sein, ich möchte auch nicht über viele Jahre im Schichtdienst arbeiten müssen. Es gäbe noch unzählige Berufe, die Gefahren und gesundheitliche Belastungen mit sich bringen. Und doch werden sie von Menschen ausgeübt. Es gibt zwar arbeitsrechtlicher Vorschriften, die Leben und Gesundheit dieser Menschen so weit als möglich schützen, aber niemand würde daran denken, Güter nicht mehr zu befördern, Schichtarbeit abzuschaffen, ……. und somit die 100%ige Sicherheit zu schaffen.
Der Zeitgeist schreibt uns jedoch immer mehr das Verlangen nach totaler Sicherheit vor. Auch die Politik bevorzugt immer mehr Menschen, die Sicherheit vor Freiheit setzen, Bürger, die sich wie unmündige Kinder behandeln lassen.
Dieses neue, verschärfte Regelwerk in der Gastronomie spiegelt diesen Zeitgeist wieder.

Dass mit dem generellen Rauchverbot noch lange nicht das Ende der Fahnenstange erreicht ist, beweist uns die Ministerin Heinisch-Hosek. Sie möchte ein Verbot von Magermodels durchsetzen. Der Regulierungswahn der Ministerin richtet sich jetzt gegen die ihrer Meinung nach zu Dünnen. Warum nicht auch gleich Verbote von öffentlichen Bildern von zu dicken Menschen? Warum nicht einen gesetzlichen Body Mass Index für die Österreicher vorschreiben? Warum nicht gleich eine vom Gesundheitsministerium geeichte Waage vor jedem Gasthaus aufstellen, damit die Wirte nur die jeweils erlaubte oder vorgeschriebene Kalorienmenge servieren? (Selbstverständlich zusätzlich zur Warnung vor sämtlichen Inhaltsstoffen der angebotenen Speisen!)
Der neueste Regulierungstrend der Ministerin erfasst nun auch die amourösen Annäherungsversuche unserer Bürger. Ein konkreter Katalog von verbotenen Körperteilen soll den ÖsterreicherInnen dabei helfen, sich in der politisch korrekten Form dem oder der Angebeteten physisch zu nähern. Sollten die ÖsterreicherInnen, angeregt durch den endlich erwachten Frühling, trotzdem ungehorsam sein, müssen wir wohl auch mit einem totalen Berührungsverbot rechnen. „Brave New World“ lässt grüßen. Unseren Regierungsmitgliedern empfehle ich dringend die Lektüre dieses Buches. Aldous Huxley konnte offensichtlich schon 1932 recht konkret ins Jahr 2015 blicken.


Hier unser heutiges Spezialliedchen für die ÖVP und ihre Vorstellung von leistbarem/günstigem Wohnen. Damit klar ist, wessen Partei diese Partei ist! Ein österreichischer Klassiker dieses Lied!

  https://youtu.be/SQb2qEwBe94

Diese Version ist nur für Leserleins und Hörerleins geeignet, die sich in der Sprache „Hochwienerisch“ auskennen:

 

Ein – sicherlich nur rein fiktiver – Politiker über seine Haltung zu den Bürgerleins??? Wenn ja: welcher Partei würden Sie ihn zuordnen?


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Eine Antwort

  1. Tolle musikalische Kultur- und Traditionspflege bei Gmundl!!!
    Ramona

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