Moralischer Verfall

Heute:
Babsy (mit ein paar Abschweifungen) über ein erschütterndes Ereignis

Liebe Leserleins!

Wir leben in nicht immer erfreulichen Zeiten. Eine Gesellschaft, in der jede Lebensäusserung nur mehr nach ihrem ökonomischen Nutzen bewertet wird, verliert sich selbst und ihre Humanität. Da beisst keine Maus den Faden ab. Man kennt von allem den Preis, aber von nichts den Wert. Eine Ellbogengesellschaft, in der jeder sich selbst der Nächste ist, endet im Sozialdarwinismus, im Kampf jede(r) gegen jede(n). Man sieht es in Griechenland. Eine von den Medien unzureichend oder gar falsch informierte Bevölkerung agiert ratlos und gleichzeitig in der berechtigten Angst, das Zahlmeisterlein für die immensen Fehler der Politik zu werden.

Die Geldeliten, die sich in der Finanzkrise bereichert haben, brauchen einen Sündenbock zur Ablenkung der Wut und der Aufmerksamkeit. Mit Griechenland wurde dieser Sündenbock gefunden. Ein Staat, der im Sinne unserer Staatlichkeit gar nicht existiert. Ein Land, das erst zu einem Staat mit staatlichen Einrichtungen werden muss. Die einzige funktionierende Institution ist das Militär – zum Schaden der ganzen griechischen Gesellschaft. Einen solchen Nicht-Staat in die Eurozone aufzunehmen, war ein schwerer Fehler. Noch dazu, da man nicht nur wusste, dass die griechischen Zahlen falsch sind, nein, mehr noch, man hat wissentlich diese falschen Zahlen angefordert.

Jetzt zu fragen, ob nicht auch die Bevölkerung der Euro-Länder gleich Griechenland darüber abstimmen sollte, ob sie weiterhin zahlen wollen, liegt zwar auf der Hand, ist aber die richtige Frage zum falschen Zeitpunkt, weil das Debakel bereits da ist. Hätte man in den jetzigen Euroländer einst die Bevölkerung gefragt, ob sie in den Euro wollen, hätten sie mit höchster Sicherheit abgelehnt, wenn man ihnen vorher glasklar gesagt hätte, was konsequenterweise die Folgen sind. Man hätte sich die Eurozone und verdammt viel Geld gespart.

Die österreichische Bevölkerung hat man bekanntlich schon bei der Abstimmung über den Beitritt zur EU belogen. Man versprach, der Schilling werde bleiben, die Neutralität bleibe unangetastet. Beides hat sich als Lüge erwiesen. Der Schilling ist Geschichte (eine erfolgreichere jedenfalls, als es der Euro aus heutiger sich je werden kann). Die Neutralität wurde spätestens in der Ukrainekrise über Bord geworfen. Nicht nur bei den Sanktionen gegen Russland, sondern schon bei den Verhandlungen über den Vertrag mit der Ukraine. Da steht eindeutig eine militärische Beistandspflicht der EU (nicht der NATO!!!) gegenüber der Ukraine drin.

Jetzt bin ich abgeschweift wie sonst nur der Bruno. Worüber ich eigentlich schreiben wollte, war der Verlust von Anstand und Moral. Klingt altmodisch, ich weiss, aber auch als junge Menschin darf ich mir das leisten, in grundlegenden Fragen nach der Fasson der Vormütter zu ticken. Was am Wochenende am Traunsee in Gmunden geschehen ist, hat für mich etwas damit zu tun, dass man in unserer Gesellschaft dem Egoismus freie Bahn geschaffen hat, dass es ok ist, egoistisch und ohne Rücksicht zu handeln, wenn es dem eigenen Vorteil dient. Oder wenn man Angst vor einem Nachteil hat.

Wie sonst kann es kommen, dass jemand nächtens mit seiner Freundin im See schwimmen geht, die Freundin geht unter, und man packt seine paar Sachen zusammen und geht einfach nach Hause? Ohne Hilfe zu holen, ohne den Versuch, selbst etwas zu unternehmen! Das ist auch nicht dadurch zu rechtfertigen, dass man Alkohol intus hatte. So betrunken kann man gar nicht sein, dass man nicht zum Handy greifen und Hilfe holen kann. Wenn man schon selbst nichts macht. Immerhin wurde die junge Frau am nächsten Tag in nur drei Metern Tiefe gefunden. Bei beherztem Handeln hätte man sie wahrscheinlich retten können. Was wir sehen, ist ein unglaublicher Abgrund von fehlender Empathie, von schrankenlosem Egoismus. Erschütternd und ernüchternd zugleich. Die Entsolidarisierung der Gemeinschaft hat sich bis hinein ins Allerprivateste ausgebreitet. Man scheisst sich nicht darum, was Mitmenschen widerfährt.

In welchen Zeiten leben wir eigentlich?

Babsy Blitzschnell f. d. Team Gmundl


 

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