Fluchtwege

Heute:
Babsy Blitzschnell über HBP und Flüchtlinge
EK von Traunseewiener: Gute Nacht!
GK von Wilhelm Krausshar über junges Gmunden
GK von Kulinarikerin als Antwort auf Herrn Moser

Liebe Leserleins!

Wie es aussieht, wird auch die HBP-Wahl vom Flüchtlingsthema dominiert werden und nicht von der Frage, wer am geeignetsten für dieses Amt ist. Die ÖVP versucht offenbar in den Spuren der FPÖ nachzustapfen. Erfahrungsgemäss geht sowas schief. Die ÖVP kann sich noch so gebärden, die FP ist der Schmied, die ÖVP nur der Schmiedl.

All die Vorschläge und Forderungen, die jetzt herumschwirren, sind Scheinlösungen, weil das Problem in Wahrheit erst lösbar ist, wenn in den betroffenen Ländern wieder erträgliche Lebensbedingungen herrschen.

Flüchtlingsobergrenze? Klingt logisch, hat aber zwei Haken. Erstens: ein Menschenrecht ist nicht begrenzbar. Was tun, wenn die Obergrenze erreicht ist? Auf diese Frage haben wir noch keine brauchbare Antwort gehört.

Klare Unterscheidung von Wirtschafts- und Kriegsflüchtlingen. Ja, eh. Aber wie macht man das? Wenn man die Lage in Syrien und Umgebung betrachtet (allein die 250.000 Menschen die derzeit in umzingelten Städten leben und sowohl vom IS als auch von Regierungtruppen systematisch ausgehungert werden), ist jeder, der dort abhaut, ein Kriegsflüchtling. Und gleichzeitig natürlich auch ein Wirtschaftsflüchtling. Bei einem Massenexodus ergibt diese Unterscheidung keinen Sinn.

Konsequent Abschieben. Ist jeder dafür. Es gibt nur ein kleines Problem: wohin abschieben? Weder die Länder, über welche die Flüchtlinge kamen, nehmen die wieder zurück noch die ursprünglichen Herkunftsländer. Also wie abschieben? Die Leute mit dem Fallschirm über Syrien abwerfen?

Die Flucht nach Österreich, Deutschland & Co. unattraktiv machen, indem man die Sozialleistungen für Flüchtlinge absenkt und auf Sachleistungen umstellt? Spart nicht einmal Geld (erhöhter Verwaltungsaufwand, wenn man statt Barem Nahrung, Kleidung etc. zur Verfügung stellt!). Und ist auch deshalb nicht zielführend, weil einige Studien längst zeigen, dass die Länder nicht nach den Sozialleistungen ausgewählt werden, sondern danach, ob es dort bereits eine Community und Verwandte gibt.

Liebe Leute, glaubt niemandem, der euch angebliche Patenlösungen anbietet. Die sind allesamt Schrott. Solange die EU und die USA sich nicht entschliessen, vor Ort militärisch zu intervenieren und für die Zivilbevölkerung regionale Schutzzonen vor Ort zu schaffen, wird das alles nichts. Eine solche Lösung ist aber nicht in Sicht – die Amis haben ihr Imperium überdehnt, die Europäer haben dafür nicht die militärischen Mittel.

Wir werden uns darauf einstellen müssen, die Flüchtlinge endlich gleichmässig in Europa aufzuteilen und sehr konsequent und mit viel Druck die Integration zu betreiben. Die Idee, man würde die Flüchtlinge in grosser Zahl wieder „anbringen“ ist reine Fantasterei. Leider ist auch eine europaweite Einigung über die Verteilung nicht in Sicht.

Für Interessierte hier noch ein lesenswerter Link:
http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2016-01/fluechtlinge-arabische-maenner-frauen-gleichberechtigung-koeln/komplettansicht

Ihre Babsy weiss, dass ihre Zeilen heute nicht gar so humorig waren. Aber das Thema ist es auch nicht.

Humorig ist nur das, was die OÖ-SP jetzt so treibt. Zuerst hat Entholzer den abgangsbereiten Parteigeschäftsführer Binder gehalten, jetzt schickt er ihn doch in die Wüste. Der aber hat sich vorsorglich ohnehin schon ein Landtagsmandat gesichert, damit er nicht darben muss. Der Hauptverantwortliche für die Wahlniederlage Entholzer aber kandidiert unter dem Titel „Neustart“ erneut als Parteiobmann und hat sich auch gleich die Latte recht niedrig gelegt: 75 % hätte er gern. Über die müsste sogar ein Entholzer locker drüberkommen. Ist eigentlich schon irgend wem irgend etwas aufgefallen, was für den angeblichen Neustart der OÖ-SP steht? Ach ja, dass der Entholzer auch 2021 wieder kandidieren will. So sehen eben echte Neustarts aus, gell!

Babsy Blitzschnell f. d. Team Gmundl

Die letzten Tage haben wir hier ganz unterhaltsame Diskussionen jenseits der Politik. Über Musik und Gastronomie. Letztere ist heute wieder dran. Die Leserleins scheinen das zu goutieren, wie die Zugriffszahlen zeigen.


Gute Nacht!

Ganz kurzes Einserkasterl von Traunseewiener

Das Moaristiedl ist ja nicht irgend ein Lokal sondern sozusagen Urgestein – unterm Stoa. Das trifft schon den Nerv. Wenn das auch schon sperren muss, na dann gute Nacht!


Junges Gmunden

Gastkommentar von Wilhelm Krausshar

Ich möchte einmal die Themen “Wirtesterben” und “Gmunden für Junge attraktiv machen” verquicken: Ersteres ist offensichtlich, auch wenn Herr Unsagbar Fremdenverkehrsdirektor das nicht so eng sieht und zweiteres ist alter Wein in neuen Flaschen. Denn das immer gleich beschworene Mantra über die Jungen krankt ja an zwei offensichtlichen Tatsachen, über die beim ersten “Gemeinde-Symposion” wieder nicht gesprochen wurde: Es fehlen attraktive Arbeitsplätze im gehobenen Bereich und attraktive Wohnmöglichkeiten für junge Familien.
Solange das nicht geändert wird, nützen auch ein bis zwei Hotelneubauten nichts, denn die bringen nur sächsisches Servierpersonal und bosnische Hausarbeiter nach Gmunden.
Also, ihr gewählten Volksvertreter von Gmunden: Wo sind die zündenden Ideen, um Gmunden für junge Menschen attraktiv zu machen?


Brust oder Keule?

Eine Replik von Kulinarikerin

Sehr geehrter Herr Moser!

Wenn Sie meinen, ich würde Ihren „Küchenstil“ nicht schätzen, ist das so nicht richtig. Dazu bedürfte es eines Stils. Den kann ich beim besten Willen nicht erkennen. Das würde mich aber auch nicht stören, denn kaum ein Caférestaurant hat einen eigenen „Stil“. Verlange ich von diesem Lokaltyp auch nicht.

Auch Ihrem Ersuchen, ich möge mich „outen“, kann ich leider nicht Folge leisten. Aus einem einfachen Grund. Ich bin anonyme Testerin für einen bekannten Restaurantführer. Wir sind verpflichtet, diese Tätigkeit anonym auszuführen. Auch wenn meine Meinung, die ich  hier im Blog veröffentlicht habe, eine rein private Meinungsäußerung war, würde ein Outing meine weitere Tätigkeit verunmöglichen. Ich kann mich übrigens nicht erinnern, in meinem Kommentar „positive Poster“ verunglimpft zu haben. Da müssen Sie was verwechseln. Zu meiner Ansicht, dass in Gmunden die Sonne der Gastronomie nicht sehr hoch steht, bekenne ich mich aber ausdrücklich. Die Kritik am Wiener Café war pars pro toto.

Dass Sie und Ihre Mitarbeiter sich bemüht haben, stelle ich gar nicht in Frage. Aber wie das so ist mit dem Bemühen … wenn die Frau Lehrerin sagt: er/sie habe sich bemüht, ist das meist ein vergiftetes Lob.

Ihre Ansicht, dass Wiener Café habe seit Jahren ausreichend Gewinne erwirtschaftet, wird von den veröffentlichten Bilanzen nicht gestützt. Per Ende 2014 ist eine beträchtliche Überschuldung gegeben – bei einem Jahresgewinn von ein paar tausend Euro (ca. 4.000 wenn ich die Zahlen richtig in Erinnerung habe). Aber wenn Ihnen das reicht, soll es mir recht sein. Für mich ist es ein Zeichen der Gmundner Krise (so wie die vielen Gasthausschließungen in Gmunden). Dass mit dem klassischen Kaffeehausgeschäft kaum Gewinne zu erzielen sind, weiß ich. Allerdings weiß ich von vielen Gastronomen, dass es auch der Küchenumsatz oft nicht bringt, vor allem wenn man mit wirklichen Qualitätsprodukten arbeitet. Oft bleiben nur die alkoholischen Getränke, die mit entsprechenden Aufschlägen dafür sorgen, dass das Geschäft sich rechnet. Oder Familienbetriebe retten sich mit viel Eigenleistung und Selbstausbeutung über die Runden.

Ja, wenn Ihre Darstellung stimmt, dass der Speisenumsatz gesteigert worden ist, bestätigt das meine These, dass in Gmunden auch die Kundschaft extrem anspruchslos ist. Sonst könnte die Gastronomie hier nicht in einem solchen Zustand sein. Dass an ein Café nicht die Kriterien eines Drei-Hauben-Lokals anzuwenden sind, brauchen Sie mir nicht zu erklären, das weiß ich auch so. Habe ich auch nicht gemacht. Aber die Tatsache, dass es in Gmunden nicht möglich ist, wenigstens ein Lokal der Oberklasse zu etablieren, spricht für mangelndes Niveau und Qualitätsbewußtsein der Kundschaft.

Und so löblich es ist, dass Sie viele Bio-Produkte verwenden, das sagt noch nicht viel über Qualität. Bio ist nicht gleichbedeutend mit hoher Qualität. Diese Erfahrung habe ich oft gemacht und mache ich laufend. Gerade unter dem Titel Bio wird oft grauenhaftes Zeug verkauft. In weiten Bereichen fehlt es den Bio-Erzeugern am Qualitätsbewußtsein. Ein Bio-Rind garantiert etwa noch keineswegs eine gute Fleischqualität. Für alle anderen Grundprodukte gilt das in gleicher Weise.

Sie können gern eine Entschuldigung einfordern. Ich wüßte nur nicht, warum ich mich für meine Meinung entschuldigen sollte. Wenn anderen Leuten die Qualität genügt, gut, soll sein. Aber das ist eben das Problem hier in Gmunden: man glaubt, man sei der Nabel der Welt und badet in Selbstgefälligkeit, bei Kritik in Selbstmitleid. Viele hier halten ja auch das Regio-Projekt für ein Zeichen von Urbanität. Das jedoch ist Teil der Krise im Ort: zu vielen Einheimischen genügt eine sehr geringe Qualität. Aber etwas anspruchsvolleren Touristen genügt es eben nicht. Die fahren dorthin, wo sie deutlich bessere Qualität bekommen. Für Gmunden bleibt der trostloseste Tages- und Autobus-Tourismus.

Ob es das Café jetzt seit knapp 20 Jahren oder seit 26 Jahren gibt, ist doch für meine Argumentation piepegal. Auch 26 Jahre machen noch keinen „Traditions“betrieb. Davon kann man ernsthaft nur dann sprechen, wenn es eine Lokalität wenigstens seit ein paar Jahrzehnten und zumindest in dritter Generation gibt. Mit Mathematik hat das nichts zu tun. Und zu Ihrer Beruhigung: ich habe einst in Mathe mit „sehr gut“ maturiert, und meine kulinarischen Fähigkeiten und mein diesbezügliches Wissen dürften ebenfalls auf der Höhe der Zeit sein, denn sie werden von meinen Test-Auftraggebern außerordentlich geschätzt. Bei dieser Tätigkeit habe ich auch gelernt, gerade mit negativer Kritik besonders vorsichtig zu sein und sie mir gut zu überlegen. Ich schreibe sowas nicht nur aus Lust und Laune. Ich will, dass es besser wird. Nur dann geht in Gmunden was weiter.

Ich denke nicht daran, ins Café zu kommen und Sie zu „verunglimpfen“. Das habe ich auch in meinem Kommentar nicht getan, sondern nur meine kritische Meinung geäußert. Aber wenn die Gmundner Gastronomie jede Kritik als „Verunglimpfung“ abtut und sich selbst kritiklos auf die Schulter klopft, wird sich leider nicht viel ändern. Solange die Gmundner Gastronomie nicht endlich erkennt, dass sie in den 1950er- oder 1960er-Jahren stecken geblieben ist, wird Gmunden nicht jenen Status erlangen, den eine so wohlhabende Stadt in so guter Lage eigentlich haben müßte. Die Krise der Gmundner Innenstadt und vor allem des Tourismus ist zu einem guten Teil auch selbst gemacht. Ich kann nur zum wagemutigen Blick über den eigenen gastronomischen Tellerrand raten. Und manchmal braucht es auch mutige (und geduldige) Gastronomen, die ihrer Kundschaft ein wenig auf die Sprünge helfen.

Ich wünsche Ihnen auf jeden Fall viel Erfolg mit Ihrer Forellenzucht!
Dann müssen die Gmundner Wirte nur noch lernen, die armen Fische, von Reinanke bis Saibling, nicht zu Tode zu braten, um sie danach von den Gästen mit Massen fetter Butter überschütten zu lassen, damit die das trockene Zeug überhaupt hinunterwürgen können.


kritik_gastro


 

 

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