Scherzkipferln, die Fünfte

Heute:
Babsy Blitzschnell und die Kipferlseuche
EK von Wilhelm Krausshar über noch ein Scherzkipferl

Liebe Leserleins!

Der Fasching hat ein sicheres Ende. Also der Fasching, der ein Volksbrauch ist. Aber die Scherzkipflerei und jener Fasching, der ein ganzjähriger Politikbrauch ist, die haben kein Ende.

Die grössten Scherzkipferln Österreichs sitzen im Innenministerium. Während sie mit den Ermächtigungen des Staatsschutzgesetzes die österreichischen Bürgerleins ausspionieren werden bis zum Exzess, ihre Daten massenhaft speichern werden, geschieht im Flüchtlingsbereich das schiere Gegenteil. Da baut man um viel Geld einen Grenzzaun, auch Zugangsbeschränkung oder „Türl mit links und rechts was dran“ genannt, nimmt den herbei eilenden Flüchtlingen die Fingerabdrücke ab – und dann? Schmecks! Die Fingerabdrücke jener, die nach Deutschland oder Schweden weiterwollen, werden ebenso wenig gespeichert, wie jene, der gleich an der Grenze abgewiesenen Asylwerber. Die können dann immer wieder erneut versuchen, an der Grenze durch zu kommen. Was ja der Sinn der Zugangshemmnisse ist, oder?

Gespeichert werden nur die Fingerleins jener, die einen Asylantrag in Österreich stellen. Echt, das ist ein Supersystem. Argument: die Fingerabdrücke müssen laut Dublin-Vorschriften an der EU-Aussengrenze (Schengengrenze) erfasst und gespeichert werden. Was die österreichischen Scherzkipferln nicht sagen: sie haben Angst, dass für die zurückgewiesenen Flüchtlinge, wenn man die Daten in Österreich erfasst, dann Österreich als Erstbetretungsland (es lebe der Wortreichtum der Bürokratie!) gilt. Man könnte womöglich die so erfassten Asylanten dann alle Österreich in die Schuhe und ins Land schieben. Obskur, wie so vieles im Flüchtlingswesen.

Toll auch, dass wir jetzt erfahren haben, wie viel Zeit für die Beamtshandlung (schon wieder so ein tolles Wort!) eines Asylanten vorgegeben ist: 8 (acht) Minunten. Wer schon einmal auf einer Polizeiwache eine läppische Verlustanzeige gemacht hat, weiss, wie lange selbst dieser simple Vorgang braucht. Will man uns ernsthaft verklickern, in acht Minuten könne ein Grenzbeamter folgende Tätigkeiten durchführen: Prüfung des Ausweises und anderer Dokumente; Prüfung ob Wirtschaftsflüchtling oder nicht; Prüfung ob Flüchtling und Ausweis zusammen gehören; Abnahme der Fingerabdrücke und Speicherung; Prüfung, ob die Angaben des Flüchtlings plausibel sind. Und das alles in der Regel noch unter Zwischenschalten eines Dolmetschers. Wir vermuten, an der Grenze werden entweder Scherzkipferln oder Zauberer eingesetzt. Die regierungsamtlichen Scherzkipferl belieben jedenfalls, die Bevölkerung zu Verarschen. Ganzjahresverarschung, liebe Leute!

Nun, es gibt noch ein Ministerium, das sich in Fragen von Effizienz und Innovation tagtäglich mit Rum, äh Ruhm bekleckert. Das Unterrichtsministerium. Ja, die Zentralmatura. Jetzt hat sich herausgestellt, dass zwar die Matura zentral erfolgt, aber bei der Bewertung, wer durchkommt und wer durchfällt, regionale Unterschiede gemacht werden. An Schulen, an denen zu hohe Durchfallsquoten vorkamen, wurde bei der dezentralen mündlichen Prüfung dann entsprechend die Durchfallsquote abgesenkt, um wieder in den Durchschnitt zu kommen. Ein famoses Konzept, echt! Noch famoser ist aber jener Vorschlag, der jetzt gekommen ist: man möge an jenen Schulen bzw. in jenen Klassen, die besonders schwach abschneiden, wie bei der mündlichen Matura die Anforderungen der schriftlichen Zentralmatura individuell (!!!) je Klasse/Schule  so herabsetzen, dass wieder die durchschnittliche Durchfallsquote erreicht wird. Wie nennt man das? Vorschlag: Zentralmatura mit dezentralem Korrekturfaktor. Oder ein wenig böser: Matura mit Idiotenkoeffizienten. (Nee, nicht alle, die bei der Matura durchfallen, sind Idioten. An manchen Schulen ist das Durchfallen fast schon ein Intelligenzbeweis.) Echt, die Idee der Zentralmatura leuchtet mir von Jahr zu Jahr mehr ein.

Die europäische Grenzschutzbehörde Frontex (ja, die gibt es wirklich, heisst das auf Deutsch denn nicht: „Grenze aus“?) hat jetzt vorgeschlagen, man könne doch auch Privatfirmen für den Schutz der EU-Aussengrenze einsetzen. Echt, liebe Leute, der Wahn mancher neoliberaler Flachwurzler ist grenzenlos. Wenn es irgend eine Aufgabe gibt, die nun zweifellos eine Staatsaufgabe ist, dann ist das der Schutz der Staatsgrenzen. Eine typischere staatliche Aufgabe als die Grenzsicherung gibt es nicht. Die zu privatisieren, also, um auf diese Idee zu kommen, muss man wirklich ein EU-Beamter sein. Woran man wiederum sieht: die EU ist alles Mögliche, aber Staat ist derzeit mit ihr keiner zu machen.

Jetzt haben wir erfahren: was sich zu Silvester rund um den Hauptbahnhof  Köln abgespielt hat, ist in Wahrheit schon immer auch Teil der allgemeinen Faschingsvergnügungen in Köln, DüDo & Co. gewesen. Allein beim Düsseldorfer Faschingumzug kam es alljährlich zu rund fünfzig Strafverfolgungen wegen sexueller Belästigung, Nötigung und Vergewaltigung. Ganz ohne Asylanten. Das waren die faschingsgelaunten, einheimischen Scherzkipferln. Mann soll halt sein Scherzkipferl nicht auch noch ins Bier tunken, gell! Weil ein biergetränktes Scherzkipferl ist echt nicht das Wahre, gell!

Es scherzt so scherzig das Scherzkipferl, kann frau da nur murmeln. Und ich habe immer geglaubt, nur die Witze in der Villacher Faschingssitzung oder bei diversen rheinländischen Karnevalsversammlungen sind öde. Nein, noch öder sind die Witze unserer regierungsuntauglichen Politik-Scherzkipferln.
Da lob ich mir mein unscherziges Croissant. Durchschneiden, gute Almbutter aufstreichen. Das bringts. Die Scherzkipferln können mir dagegen gestohlen bleiben. Liebe Diebe, ans Handwerk mit Elan!

Babsy Blitzschnell f. d. Team Gmundl


Und noch ein Scherzkipferl

Einserkasterl von Wilhelm Krausshar

Ich pflege meine Gmundner Schadenfreude. Wie Frau Enzmann (FP) und Herr Kassmannhuber (BIG), beide erklärte Regiotram-Gegner, bei der Präsentation der Baustellenplanung mit großem Eifer die nächsten Arbeitsschritte erklärten, zeigt, wie geil es ist, an der Macht zu sein.
Besonders lachen musste ich, als Herr Kassmannhuber meinte, ein bisserl eine Bürgerbeteiligung würde man schon anstreben, man würde halt ein paar ausgewählte Leute befragen, was sie so denken.
Und die armen Grünen, die auch so für die Regio-Tram waren, die durften gar nicht dabei sein. Ja, den letzten beißen die Hunde!


 

 

 

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