Gmundens Bernhardiner

Heute:
Babsy Blitzschnell hält sich kurz
GK von „Weekend Magazin Leser“ über Fragebögen
Thomas Bernhard fährt Bim … – Ein Dramolett von Michael Amon

Liebe Leserleins!

Seit einiger Zeit werden auch die Gmundnerleins mit einer der doofsten Gratiszeitungen des Landes beglückt: dem WEEKEND-Magazin. Einer Werbezeitung fast ohne redaktionelle Einschaltungen. Das Käseblatt ist derartig bescheuert, dass es bei allen Mitgliedern des Teams Gmundl sofort und ungelesen in die Rundablage wandert.

Diese „Zeitung“ unterschreitet noch deutlich jenes Niveau, das wir von diversen lokalen Edelfedern gewohnt sind. Die wenigen redaktionellen Beiträge sind von den Werbeseiten fast nicht zu unterscheiden. Nicht alle Artikel sind als Werbebeiträge gekennzeichnet (und die gekennzeichneten sind es derart unauffällig, dass es ungeübten Leserleins nicht auffällt). Diesmal war ein Sonderteil über Vöcklabruck und Gmunden beigelegt, weshalb wir doch einen kurzen Blick in das öde Machwerk geworfen haben, das nicht einmal etwas mit Schurnalismus zu tun hat, sondern ausschliesslich zur Generierung von Anzeigen produziert wird.

Da findet sich auch eine Seite über die Regio-Tram – offenkundig ein bezahlter PR-Artikel, der nicht als solcher gekennzeichnet ist. Was wird in diesem gesponserten Beitrag fröhlich verkündet? Eine neue Lüge rund um die Regio-Tram: Vor fünf Jahren hätten sich bei einer Fragebogenaktion 58 % für den Bau der Regio ausgesprochen. Echt? Wir vermuten, der Neumann von Stern & Hafferl hat den einen Fragebogen in seinem Büro ausgefüllt und das Endergebnis von seiner Pressebetreuerin hochrechnen lassen. Natürlich unter völligem Ausschluss der Bevölkerung, die hätte ja dagegen stimmen können.

Der Artikel selbst ist ein unrühmlich dummer PR-Artikel, der vor allem altbekannte Platitüden wiederkäut. Die dazugehörigen Bilder stammen von der Pressedame von S&H. Wie es sich für eine bezahlte PR halt so gehört, gell! Auf diesen Artikel ernsthaft zu erwidern, das ersparen wir uns. Das Kasblattl wird auch in Zukunft bei allen von uns im Team dort landen, wo es hingehört: im Altpapiercontainer. Allerdings stellt sich die Frage: wie kommt frau eigentlich dazu, so einen unbestellten Mist auch noch entsorgen zu müssen?

Da man sich in den OÖN nicht zu dumm war, wieder einmal den längst verstorbenen Thomas Bernhard als Zeugen vor das Regio-Pferd zu spannen, bringen wir heute das Dramolett „Thomas Bernhard fährt mit der Bim und besucht das Brandl“ von Michael Amon als Reprint. Wir wünschen viel Vergnügen und ersuchen jene Leserleins um Nachsicht, die das erbauliche Stück schon kennen. Aber wir versichern: auch das Wiederlesen macht in diesem Fall grossen Spass!

Wir wünschen einen schönen Tag – und mögen die Liebstattherzen nicht zaaaach sein!

Babsy Blitzschnell f. d. Team Gmundl


Fragebogen ohne Befragte?

Gastkommentar von Weekend-Magazin-Leser

Das WEEKEND Magazin, das auch uns (ausnahmsweise) vor dem Wochenende zugestellt wurde, berichtet im “Extrablickpunkt Gmunden & Vöcklabruck” über das SRT Projekt.

Dabei heißt es WORTWÖRTLICH (!!!)

o) Kosten: Das gesamte Projekt ist mit 30 Millionen Euro budgetiert, davon trägt 20% die Stadt Gmunden und den Rest das Land Oberösterreich
o) Vor fünf Jahren sprach sich bei einer Fragebogenaktion eine Mehrheit von 58 % für den Bau der Stadt Regio Tram aus.
…..
Ich rege (v. a. das Gmundl Team) zur Lektüre des Artikels an und diesen einzurahmen und herzhaft zu lachen…

Wer wurde befragt? Regiotrambenutzer?

Anm. d. Redaktion:
Wir wissen es auch nicht. Siehe oben. Regiotrambenutzer konnten kaum befragt werden, gell, weil da müsste der S&H eine Zeitmaschine für die Reise in die Zukunft haben. Wir vermuten, es handelt sich – ähnlich wie bei der „Fahrgast-Potenzial-Analyse“ – um eine freihändige Schätzung durch unabhängige Experten von Stern & Hafferl.


Thomas Bernhard fährt mit der Bim und besucht das Brandl

Ein Dramolett von Michael Amon
Unter Verwendung und Abwandlung von Zitaten aus
»Der Theatermacher« sowie »Heldenplatz« von Thomas Bernhard.

Bei einer spiritistischen Sitzung ist es einem bekannten österreichischen Medium gelungen, mit Thomas Bernhard Kontakt aufzunehmen. Er hat dem Medium dieses Dramolett in einem Zug (!) diktiert. Für die richtige und vollständige Übertragung können wir wegen wer schlechten – eben jenseitigen – Signalqualität nicht garantieren.

Dunkle Wolken hängen über Gmunden. Es regnet heftig. Eine vermummte Gestalt nähert sich zu Fuß der Endstation der Straßenbahn beim Gmundner Bahnhof. Die Gestalt ist Thomas Bernhard. Er schlägt den Mantelkragen hoch und krümmt sich zusammen, als ob er ganz im Mantel verschwinden wollte.

Bernhard:         Sauwetter. Gestern war Kaiserwetter. Aber heute ist Gmundner Wetter. Katholisches Gmundner Wetter. Wie mich vor all dem ekelt. Die ganze Stadt eine Regenpfütze. Der Bürgermeister: eine Regenpfütze. Die Menschen abgrundtief stumpfsinnig. Verschlagene Banausen. Alles in allem deprimierende Charaktere.

Er besteigt die Straßenbahn.

Bernhard:          Der Bürgermeister sitzt auch schon im Wagen. Ausgerechnet der Bürgermeister. Eine durch und durch verkommene Welt, mit der ich nichts mehr zu tun haben will.

Bernhard geht am tropfnassen Bürgermeister vorbei.

Bernhard:          (Während er den Hut leicht anhebt) Grüß Gott, Herr Bürgermeister. (Leise zu sich selbst) Dieser katholische Stumpfsinn. Wie kann man nur so katholisch sein!

Bürgermeister: Grüß Gott, Herr Bernhard. Naß heute, nicht wahr?

Bernhard rückt seinen Hut zurecht und setzt sich schweigend eine Reihe hinter dem Bürgermeister nieder, ohne diesen eines weiteren Blicks zu würdigen..

Bürgermeister: Schreiben Sie an einem neuen Stück?

Bernhard:         Ich wär ja mit allem zufrieden. Hauptsache ich hätte die Straßenbahn für mich allein. Aber nein. Gmunden im Regen und der Bürgermeister fährt mit. Nur der Fahrer und ich, das nenne ich Straßenbahnfahren. Der Fahrer und ich und der Regen.

Bürgermeister: Ist ganz leer die Tram. Ich sag auch nichts mehr.

Bernhard:         Er sagt nichts mehr! Das sagt sich so leicht: er sagt nichts mehr. Das wär das erste Mal, daß er nichts mehr sagt. Das erste Mal wäre das.

Der Bürgermeister schließt die Augen und schweigt.

Bernhard:         Naß werd ich werden am Weg zum Brandl. Pitschnaß. Ich, mein Mantel und der Regen. Der Regen, mein Mantel und ich. Ich schau schon aus wie der Bürgermeister. Ein katholischer Alptraum. Nicht einmal seine Schuhe sind geputzt. Ich hab mir ja die Schuhe mein Leben lang selbst geputzt. Niemand durfte mir je die Schuhe putzen. Schon gar nicht, wenn es regnet. Jetzt schau ich aus wie ein Bürgermeister. Ich muß meine Schuhe putzen. Warum kann man in dieser Straßenbahn seine Schuhe nicht putzen?

Er steht auf, geht zum Bürgermeister, mustert dessen Schuhe und geht wieder zu seinem vorherigen Sitzplatz. Setzt sich nieder.

Bernhard:         So kleine Füße und so große Schuhe. Der hat die Regenlacken in den Schuhen stehen. Der nimmt seine Regenlacken überall hin mit. In der ganzen Stadt katholische Regenlacken und zu große Schuhe mit zu kleinen Füßen. Das ist sein Schicksal. Darum muß er Bürgermeister bleiben. Ich war ja nie katholisch. Aber er muß katholisch bleiben, mit seinen zu großen Schuhen. Ich war auch nie Bürgermeister. Er aber muß Bürgermeister bleiben mit seinen zu kleinen Füßen.

Der Bürgermeistet tut, als ob er schlafen würde.

Bernhard:         Ich hätte schon bei der Ankunft am Gmundner Bahnhof umkehren sollen. Ich bin in die Gmundenfalle gegangen. Wir haben alle gedacht, wir haben eine Vaterstadt, aber wir haben keine. Auch Ohlsdorf ist nur eine Falle. Das ganze Salzkammergut ist eine einzige Falle. Das kleine Gmunden ist nichts als eine riesengroße Falle.

In dieser fürchterlichsten aller Städte haben sie ja nur die Wahl zwischen schwarzen und roten Schweinen. Ein unerträglicher Gestank breitet sich aus vom Rathaus und vom Kammerhof über diese ganze verluderte und verkommene Stadt.

Bernhard tupft von hinten dem Bürgermeister auf die Schulter.

Bernhard:            Diese kleine Stadt ist ein großer Misthaufen.

Der Bürgermeister stellt sich weiterhin schlafend.

Die Straßenbahn rattert durch die engen Gassen hinunter Richtung See und bleibt am Franz Josefs-Platz stehen. Es regnet noch immer heftig. Der Bürgermeister tut so, als ob er eben aus einem kurzen Schlaf erwacht sei, dreht sich zu Bernhard um, nickt ihm ein Politikerlächeln aufsetzend zu und verläßt den Waggon. Bernhard steht ebenfalls langsam auf, steigt auch aus, bleibt stehen und wirkt unschlüssig.

Bernhard:         Lächerliche Idee, gerade heute in die Stadt zu fahren. Als die Straßenbahn noch bis zum Rathausplatz gefahren ist, hätte ich fahren sollen. Aber da hat es nie geregnet, wenn ich in die Stadt wollte. Also bin ich nie gefahren. Erst seit die Straßenbahn nicht mehr bis zum Brandl fährt, regnet es hier immer. Erst seit es regnet, fahre ich mit der Straßenbahn. Ich muß einen Brief an die Salzkammergut-Zeitung schreiben. Einen echten Salzkammergut-Zeitungsbrief, die sind immer so deprimierend. Deprimierende Salzkammergut-Zeitungsbriefe schreiben, das ist es!

Bernhard steht im Regen und denkt kurz nach.

Bernhard:         Einen Brief werde ich schreiben, den kann man dann zitieren in vielen Jahren. Ich werde mich nicht mehr wehren können gegen die Salzkammergut-Zeitungsbrief-Zitierer. Die zitieren eh wie sie wollen. Schreckliche Journalisten. Dieser katholische Sumpf aus dem hier alle kommen, aus dem hier alle nicht rauskommen. Und dieser Geruch nach Lebeknödelsuppe. Woher der nur kommt. Man macht hier ja ausgesprochen schlechte Leberknödeln. Schlechte Leberknödeln in schlechter Leberknödelsuppe. Aber die Frittatensuppe hier ist auch nicht besser. (Er betrachtet die dunklen Regenwolken.) Ich hol mir den Tod am Weg zum Brandl. Der Bürgermeister sitzt schon beim Grellinger. Grellingersitzen, das ist ein Bürgermeister! Aber beim Baumgartner kann er ja nicht sitzen, dort hat er ja Hausverbot. Lächerlich mit so kleinen Füßen so große Schuhe zu tragen. Der Bürgermeister kann Grellingersitzen, aber ich muß zum Brandl.

Der Bürgermeister hat inzwischen tatsächlich den Grellinger betreten und trifft dort auf zwei Parteifreunde.

Bürgermeister:  Wir müssen die Straßenbahn wieder bis zum Rathausplatz verlängern. Damit der Bernhard nicht naß wird. Es ist so peinlich, wenn der Bernhard naß wird. Ein peinlich nasser Bernhard, das kann sich die Stadt nicht leisten.

Parteifreunde:   (im Chor) Bis Vorchdorf verlängern! Damit die Vorchdorfer nicht naß werden. Keine nassen Vorchdorfer in Gmunden! Nichts ist deprimierender als ein nasser Vorchdorfer in Gmunden. Nichts ist deprimierender als ein nasser Gmundner in Vorchdorf.

Bürgermeister:  Für trockene Gmunder! Für trockene Vorchdorfer! Wir lassen niemanden im Regen stehen!

Bernhard hat inzwischen das Brandl erreicht. Er wirkt sehr durchnäßt.

Bernhard:         Vielleicht sollte ich doch keinen Salzkammergut-Zeitungs-Leserbrief schreiben. Salzkammergut-Zeitungs-Leserbriefe zu schreiben ist eine durch und durch deprimierende Idee.

Er betritt das Brandl und sieht sich um.

Bernhard:          Alles leer. Als ob ich es geahnt hätte.

Regenvorhang.


 
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