Anstatt eines Kommentars

Heute:
Babsy Blitzschnell leitet ein
GK Michael Amon: Anstatt eines Kommentars
Ach ja: in Sachen SOZIALE Heimatpartei

GK Gmundens Totenglöckchen lästert

Liebe Leserleins!

Ehrlich, Ihrer Babsy hats die Red verschlagen. Die Reaktion der SP-Führung auf die Niederlage von Hundstorfer ist berauschend. Welche Drogen nimmt man in der Löwelstrasse und im Kanzleramt und im Rathaus. Also ehrlich, liebe Leute, vom Alk allein kann das nicht kommen. Häupl macht zuerst mit sichtlichem Grant dem Faymann-Irrläufer die Mauer. Dann erklärt der den heutigen Maiaufmarsch zum „Hochamt der Arbeiterbewegung“. Blöd, dass die sich nicht mehr bewegt, sondern die FPÖ wählt. Jetzt wollens alle mit der FPÖ zusammen arbeiten. Wahrscheinlich, weil sich das Modell im Burgenland so supi bewährt hat.

Aber gut, die SPÖ muss wissen, auf welche Art sie sich umbringt. Jetzt ist ja sogar der weltberühmte Bürgermeister von Purkersdorf ausgerückt. Ein bekannter Vordenker der SPÖ. Oder ist er eher berüchtigt? Und fordert gleich die Parteispaltung. Und wie will er dann mit der FPÖ eine Mehrheit bekommen? Es gibt Schlaudenker, und es gibt Dummdenker. Zu welcher Sorte gehört der Schlögl, ex-SP-Innenminister in ewiger Trauer ums Amterl? Mein roter Grossvater würde sich im Grab umdrehen, wenn er sich nicht in alter Sozialdemokratensitte einäschern hätte lassen.

Frau soll auf Tote nicht noch hintreten. Aber sagen will ich es doch. Weil es traurig und symptomatisch ist. Hier in Gmunden schafft man nicht einmal mehr, eine kleine Veranstaltung für die verbliebenen Mitglieder der SPÖ auszurichten. The rest is silence.

Aber ich schreib schon viel zu viel. Mehr, als ich eigentlich schreiben wollte. Wir haben nämlich den Wiener und Gmundner Autor Michael Amon um einen Kommentar zur Lage der SP ersucht. Er musste ablehnen, weil er schon einen Auftrag einer Wiener Qualitätszeitung hat. Und Doubletten will er nicht liefern. Er hat uns stattdessen einen Auszug aus seinem Roman „Lemming“ geschickt. Ein Buch, das sich in Romanform mit Glanz und Elend der Sozialdemokratie seit 1945 beschäftigt. Der Roman erschien 1998, und was er dort beschreibt, das ist noch immer gültig.

Babsy Blitzschnell f. d. Team Gmundl

Ja, gestern gab es ein technisches Problem. Der gestrige Blog wurde erst am späteren Abend online frei geschaltet. Bitte um Nachsehen.


Hier das erste Bild vom Maiaufmarsch der SPÖ in Wien.

Asterix_piraten


Anstatt eines Kommentars

Am ersten Mai

von Michael Amon

aus dem Roman „Lemming – Geschichte eines Aufstiegs“

Unser erster Erster Mai. Am Vorabend der Fackelzug der jungen Sozialisten auf der Ringstraße. Wir mitten drin. Wir haßten Uniformen und trugen trotzdem Blau­hemden. Wir liebten den Rock’n-Roll und sangen die alten Lieder. „Brüder zur Sonne, zur Freiheit“. Die meisten von uns konnten den Text der Parodie besser: „Brüder kommts raus aus den Wäldern, Brüder, brechts ein im Konsum, versaufts Gewerkschafts­gel­der, bringts den Parteivorstand um. Wir wollen die vol­le, volle Diktatur des Prole-, Prole-, Proletariats!“
Stolz trugen wir die Fackeln durch die Nacht, sehr feierlich, sehr ergriffen, nur der Rhythmus in den Füßen, der stimmte schon damals nicht mehr. Kein zackiges Marschieren, der treibende Vier-Viertel-Takt des Rock’n-Roll kroch bereits unaufhaltsam unsere Beine hinauf und sollte schon bald unsere Köpfe erreichen. Der Erste Mai – ein Ereignis. Die Macht der Arbeiter­klasse, hier war sie wenigstens als Illusion einen Vor­mittag lang zu spüren: die Aufmarschblöcke der Eisen­bahner und der Kran­ken­schwestern, die Abordnungen aus den großen Be­trie­ben, die Sektionen aus den Be­zirken. Alles was rot war, war unterwegs. Und damals war alles rot. Wir beherrschten die Stadt. Wir waren die Stadt, sie gehörte uns. Die konnte uns keiner weg­nehmen.

Gut, wir wa­ren Sozial­demo­kra­ten, junge Sozialisten, es gehörte sich einfach, auf Fackel­zug und Maiaufmarsch zu gehen. So, wie ein gu­ter Katholik sonntags in die Messe geht. Der Fackelzug war unsere unzulängliche Kom­munion, der erste Mai un­ser unvollkommenes Hochamt. Da oben standen sie dann, die He­roen der Bewegung und wink­ten huldvoll dem ge­mei­nen Volk zu. Ich hatte keine Ahnung, daß vielen von ihnen längst vor diesem Volk ekelte. Aber sie brauchten uns, wir waren ihr bestes Kapital. Mit dem galt es zu wuchern. Dabei hatten sich die mei­sten längst ab­ge­setzt, waren in die besseren Bezir­ke gezogen, weg von ihresgleichen, hin zu seines­gleichen.
Andererseits, wenigstens am ersten Mai glaubten sie an die Ideale der Bewegung. Da zogen sie alle Re­gi­ster. Der Rathaus­platz schallte nur so wieder von „Freund­schaft“ und „Ge­nos­sen“. Wie glücklich sie in die­sem Augenblick waren, wenn sie sahen, daß es doch lohnte, Ideale zu haben. Aber sie badeten nicht in der Menge, sie badeten immer über der Menge.

Trotz allem: damals war das noch etwas, der 1. Mai. Noch immer ging man hinaus, um es „denen“ zu zeigen. Es waren noch immer beeindruckende Auf­mär­sche, und man sang noch immer das „Lied der Arbeit“ und „Brüder zur Sonne, zur Freiheit“. Everywhere I hear the sound of marching, charching feet, boy. Gut, wir selbst hatten inzwischen die Texte der Stones besser im Kopf, aber die alten Genossen, die hatten diese Lieder noch gelernt. Sie waren mit ihnen ergraut. A working class hero is something to be.

Der Abstieg hatte trotzdem schon begonnen. Nichts sollte die gemeinsame Freude stören. Schon gar nicht unerwünschte Transparente von uns Jungen. Vor un­se­rem Block mar­schierte eine Sektion aus dem dritten Wiener Gemeinde­bezirk und forderte mehr Halte­stellen für die Straßenbahn. Der Platz­sprecher am Rathausplatz jubelte: „Und hinter den Genos­sen aus  dem dritten Bezirk kommen unsere jungen Ge­nossen und tragen ein Transparent mit der Auf­schrift …“ Dann war es plötzlich to­ten­still am Rathausplatz, denn auf unserem Trans­­pa­rent ist „Sieg dem Vietcong“ ge­standen. Das hat der Platz­­sprecher lieber nicht vor­ge­lesen. Nach einer Schreck­se­kunde hatte er seine Stim­me wieder gefunden und hat ent­zückt wei­ter­geredet, als ob nichts gewesen wäre: „Und hier grüßen uns un­sere wunder­vollen Schwe­sternschülerinnen aus dem Allgemei­nen Kranken­haus mit der Aufschrift ‚Hoch der 1. Mai‘.“

aus: Michael Amon, Lemming – Geschichte eines Aufstiegs, Roman, Otto Müller Verlag


Ach ja: in Sachen soziale Heimatpartei

Team Gmundl

Der 1. Mai ist eine gute Gelegenheit, um über europäische Wert nach zu denken. Etwa über die Solidarität. Wie halten es die angeblichen Abendlandsverteidiger eigentlich mit einer wichtigen Bibelstelle? Jede und jeder möge sich selbst die Antwort geben.
Jesus Christus ein linkslinker Chaot?

Mt 25,42     Denn ich war hungrig und ihr habt mir nichts zu essen gegeben; ich war durstig und ihr habt mir nichts zu trinken gegeben;
Mt 25,43     ich war fremd und obdachlos und ihr habt mich nicht aufgenommen; ich war nackt und ihr habt mir keine Kleidung gegeben; ich war krank und im Gefängnis und ihr habt mich nicht besucht.
Mt 25,44     Dann werden auch sie antworten: Herr, wann haben wir dich hungrig oder durstig oder obdachlos oder nackt oder krank oder im Gefängnis gesehen und haben dir nicht geholfen?
Mt 25,45     Darauf wird er ihnen antworten: Amen, ich sage euch: Was ihr für einen dieser Geringsten nicht getan habt, das habt ihr auch mir nicht getan.
Mt 25,46     Und sie werden weggehen und die ewige Strafe erhalten, die Gerechten aber das ewige Leben.


Läster-Rede

Gastkommentar von Gmundens Totenglöckchen

Bühnenreif für den Villacher Fasching – die Grenzen der Gmundner Narrenitzung sind zu eng – dank Realitätsferne war der Gmundner Bürgermeister von der “Partei der xxxxxx”, der sich doch allen Ernstes in OÖN wunderte, warum er nach Wahlgang 1 bei Bundespräsidentenwahl BM einer plötzlich blau eingefärbten Bezirkshauptstadt ist. Wenn ich mich nicht ständig mit Tennisschlägerhaltern bzw ihm Zujublern, da BM von Gmunden, unterhalten würde, sondern mit den wenigen intelligenten, echten Gmundnern – man glaubt es nicht, auch das gibt es in Gmunden, zu 99,99 % ÖVP-affin, weit entfernt von Nazipropaganda – dann wäre Krapf über Wahlergebnis nicht erstaunt.

Das Amt Bundespräsident halten immer mehr Menschen für obsolet in einem kleinen Land. Modus Schweiz in der Causa könnte Österreich locker übernehmen. Weil es dieses Amt leider noch immer in Österreich zu besetzen gilt, wurde derjenige auch in Gmunden bevorzugt, der nicht dem greisen Zauselimage entspricht -> ein frischer Wind muss her, nicht den Regierungsparteien angehört – das von den Parteien eingesetzte Personal wurde nicht gewählt, sondern nur die Parteien und die Aktionen dieser Wählerdienstnehmer geht mittlerweile schon mehr Menschen auf den Geist, als sich diese Dienstnehmer vorstellen können. Normalerweise ist dieses Amt auch nichts Anderes als das letzte Ausgedinge für Politiker, siehe Bundesrat, in dem auch schon der eine oder andere Politiker erfolgreich entsorgt wurde.

Pühringer und Krapf, die in Briefen bzw Jubelpostillen für Kohl warben, werden sich nun denken wie der Onkel von Kaiser Franz Joseph – Ferdinand: ja dürfen die Wähler denn das, unsere Ratschläge zu ignorieren?


 

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