Wetterwendig

Heute:
Bruno Beinhart über Wetter und Wendigkeit
Briefwechsel über Wetterwarte Gmunden

Liebe Leserschaft!

Winds of change blasen über die Landschaft. Recht heftige sogar. Man würde gern Georg Christoph Lichtenberg zitieren. Er schrieb das Folgende über die Französische Revolution. Aber es passt auch heute. Für unser Land. Passt sogar hervorragend: „In Frankreich gärt es. Ob daraus Wein oder Essig wird, weiss man noch nicht.“ Bei uns vermute ich, wird es eher Essig sein.

Wie HC Straches Erbraubzug Richtung Kreisky zu werten ist, hat unsere liebe Babsy hier schon kommentiert. Dazu noch ein paar Details. Etwa die Behauptung, die FPÖ sei heute sozialdemokratisch. Da werden aber manche in der FPÖ nicht begeistert sein. Es gibt nämlich viele FPler, die sagen: mit der SP, mit Roten geht gar nicht. Ausserdem ist die Sozialdemokratie internationalistisch. Zumindest von Geschichte und Idee her. Die FP nationalistisch. Auch von Geschichte und Idee her. Zwischen diesen beiden Haltungen liegen Welten.

Besonders amüsant die Behauptunge, man sei auch Erbe der Kreiskyschen Kulturpolitik. Die Hühner lachen, die Künstler und Kulturschaffenden winden sich in Schmerzen. Schon vergessen, dass die FP die Hatz auf österreichische Schriftsteller zum Programm gemacht hat? Dass Künstlel- und Intellektuellenfeindlichkeit leider bis heute Teil der FP-DNA ist? Dass man einst in einem Wiener Wahlkampf Turrini, Jelinek & Co. plakatierte. Als Nestbeschmutzer und so. Man muss die Texte von Jelinek nicht mögen. Ich zum Beispiel finde die Dame schwer überschätzt. Nobelpreis hin oder her. Aber die Kunstfeindlichkeit vieler FP-Funktionäre ist legendär. Und offensichtlich. Dass Herr Hofer einen gewissen Odin als Lieblingsmaler nennt, ist ok. Aber das zeugt halt doch auch von einem etwas eingeschränkten und schlichten Kunstverständnis. Ist ok. Darf man haben. Manche „Installation“ ist wirklich mehr merkwürdig als bemerkenswert. Wissen wir. Spätestens nachdem Reinigungsfachkräfte das eine oder andere Kunstwerk von ranzigen Fettflecken befreit haben. Oder gleich als Müll entsorgt haben. Aber immer nur auf den simplen Geschmack kulturferner Schichten zu setzen? Das ist billig. Also die FP ist eher kein Erbe des Kreiskyschen Kulturverständnisses.

Lachen ist Medizin. Besonders herzlich habe ich über Hofers Aussage bezüglich Freundschaft gelacht. Nachdem das mit „Freundschaft“ bei der SPÖ derzeit ein wenig schwierig ist, hat Hofer triumphierend ausgerufen: „Bei uns hat Freundschaft noch echten Wert.“ Ja, wissen wir. Ich denke da an die Werthaltigkeit der Freundschaft von KHG mit Was-war-mei-Leistung-Maischi. Die Freundschaft, die sie meinen …

In der SPÖ geht jetzt Arsch auf Grundeis. Rette sich wer kann. Und sei es in Richtung FPÖ. Da fallen alle Hemmungen. Und man ist so dumm, sich die geklopften Sprüche der FPÖ zu eigen zu machen. So heisst es jetzt in manchen SP-Kreisen, mit der „Ausgrenzung“ müsse Schluss sein. So etwa der Steyrer SP-Bürgermeister. Bitte Denken beim Schenken! Das ist das Wording der FPÖ. Und es ist grundfalsch. Es gibt keine Ausgrenzung der FPÖ. Aber es ist das gute Recht jeder Partei, mit anderen Parteien nicht zusammen zu arbeiten. Wie klug das ist, ist eine andere Frage. Es gibt aber das sogenannte Koalitionsrecht. Ist ein Grundbestandteil einer funktionierenden Demokratie. Dieses Recht inkludiert aber auch das Recht auf Nicht-Koalieren. So einfach ist das.

Dumm war nur, dass die SPÖ beschloss, mit der FPÖ nicht zu koalieren. So ein Beschluss ist einfach nur doof. Richtig wäre es, zu definieren, unter welchen Bedingungen man koaliert oder auch nicht. Also: nicht eine Partei als nicht koalitionsfähig fest zu schreiben, sondern politische Inhalte. Antisemitismus, Islamophobie, Ausländerfeindlichkeit, autoritäre Konzepte, Deutschtümelei (so man will) etc. Und dann ist von Fall zu Fall zu beurteilen. Ob ein eventueller Koalitionspartner diese Kriterien „erfüllt“ oder nicht. Ob ein eventuelles Koalitionsprogramm solche Ideen eines eventuellen Koalitionspartners enthält. Und dann ist zu entscheiden.

Die SPÖ und der verpfuschte Erste Mai 2016. Legendär. Der wird in die Geschichte eingehen. Noch nie wurde ein SP-Parteichef so vorgeführt. Hätte Faymann ein Mindestmass an Charakter, hätte er noch auf der Tribüne seinen Job hingeworfen. Aber der Mann muss einen Werbevertrag mit einem Superkleber-Produzenten haben.  Dead Man Walking. Mehr fällt einem nicht ein.

Ziemlich vergiftet die gestrige Häupl-Aussage, Faymann sei ein unterschätzter Bundeskanzler. Das sagt nämlich nichts über die wahren Qualitäten. Wenn ein Hundertmeter-Läufer für die Strecke lächerliche 30 Minuten braucht, die Leute ihm 29 Minuten zutrauen, aber er im Training es sogar schon in 28 geschafft hat, dann ist er ein unterschätzter 100-m-Läufer. Aber gleichzeitig halt auch ein extrem mieser 100-m-Läufer. Man darf vermuten, dass Häupl das sehr genau weiss.

Aber jetzt geht es in der SP um was anderes. Nämlich den Faymann bis zum November-Parteitag durch zu tragen. Damit man Zeit hat, sich einen neuen Boss zu suchen. Ein neues Team. Ausserdem braucht die SPÖ jetzt eine Abkühlphase. So, wie sie jetzt beisammen ist! Ein Parteitag – eine Katastrophe. Die drei Lager – hier Teile der Gewerkschaft und Leute vom Schlag des Herrn Niessl, der in der FP besser aufgehoben wäre, da grosse Teile der Wiener Partei und der parteinahen Organisationen und die Jugend, irgendwie dazwischen die paar Faymann-Getreuen – würden sich derzeit gegenseitig zerfleischen. Sich bis auf die Knochen abnagen.

Dass das nicht ohnehin geschieht? Kann niemand garantieren. Niemand! Erstmals seit der Gründung der SPÖ (bzw. SDAPDÖ) könnte bei einer Spaltung eine ernsthafte Konkurrenz entstehen. Eine, die ein kleines Stück links der SPÖ situiert ist. Das „bürgerliche“ Lager ist längst entsprechend aufgesplittert. ÖVP, Neos und jetzt vielleicht noch die Griss-irgendwas. Rechts davon die FPÖ. Auf der anderen Seite die Grünen (mit starker Ausstrahlung ins „bürgerliche“ Lager) und die SPÖ. Je weiter die SPÖ nach rechts rückt, umso mehr Platz wird für eine linke Alternative (die in Österreich noch dazu nicht die Bürde der deutschen Partei „Die Linke“ mit ihrer DDR-Vergangenheit zu tragen hätte). Wobei linke Alternative in Österreich nicht besonders „links“ ist. Dazu ist die SP inzwischen zu rechts. Linke Alternative heisst zurück zu den Wurzeln der Sozialdemokratie. Gleichzeitige Modernisierung und neuen Antworten auf die neuen Fragen. Prekariat, Arbeitslosigkeit, Sozialstaat, Integration. EU-Politik.

Jetzt noch ein kleiner Blick nach Gmunden. Nee. Kein Lokal-SP-Bashing. Leichenfledderei ist nicht unseres. Hierorts kann man nur noch auf den Phoenix aus der Asche hoffen. Nein, es geht ums Wetter.

Eines unserer Leserleins hat sich die Mühe gemacht, das Verschwinden von Gmunden aus den Wetterberichten des ORF-Teletextes zu hinterfragen und zu recherchieren. Wir bringen den Briefwechsel, haben aber den Namen unkenntlich gemacht. In Gmunden weiss man schliesslich nie.

Ehrlich: da werden zig Millionen teilweise sinnlos verbuddelt. Da werden Zigtausende bei fragwürdien „Events“ verpulvert. Für eine einmalige Ausgabe von vielleicht 30.000 Euro hat man dann nicht die Kohle. Denn die Werbewirkung des Teletextes ist hoch. Die Wetterseiten zählen zu den Seiten mit den höchsten Aufrufzahlen. Jetzt steht dort halt Altmünster. Und bekommt die Aufmerksamkeit und die Werbung. Wir nehmen nicht an, dass Gmunden aus filantropischen Gründen der Nachbargemeinde den Vortritt liess. Oder aus Courtoisie gegenüber der frischgebackenen roten Bürgermeisterin. Vielmehr wohl das kleingeistige Kirchturmdenken. Das schon die Pinsdorfer kennen lernen durften. Ich sag nur: Bahnübergänge.

Interessant wäre aber die Antwort auf eine Frage. Wer hat das entschieden? Hier in Gmunden. Und mit welcher Begründung? Ist Gmunden schon so pleite (über diese Frage in den nächsten Tagen mehr hier im Blog!!!)

Wir grüssen mit einem lautstarken „Freundschaft“ – vielleicht wachen ein paar Leute auf!

Bruno Beinhart f. d. Team Gmundl


Briefwechsel rund um die Wetterstation

Hallo Gmundls,
ich hatte euch schon meinen Schriftwechsel mit dem ORF bezüglich Wetterstation Gmunden gepostet. Nun hier die Stellungnahme der ZAMG, des Betreibers der Gmundner Wetterstation.
Es geht — wie fast immer — ums Geld. Hauptsache für Gmunden scheint es aber zu sein Millionen sinnlos zu vergraben, bzw. sie jemanden in den A… zu schieben.

P. S.: Die Wetterstation Altmünster ist eine automatische Station, bei der ausdrücklich darauf hingewiesen wird, dass die übermittelten Daten fehlerhaft sein können.

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Gesendet: Samstag, 30. April 2016 09:09
An: Direktion ZAMG
Betreff: Wetterstation Gmunden
Guten Tag,

auf Anfrage, warum der ORF seit einigen Tagen keine Messdaten aus Gmunden veröffentlicht, wurde mir mitgeteilt, dass er von ihnen, der ZAMG, keine Messdaten aus Gmunden mehr bekommt.
Können Sie mir bitte mitteilen warum das der Fall ist, da es doch eine Region betrifft, deren Wetterprognose nicht mit z. B. Vöcklabruck, Kirchdorf oder Bad Ischl verglichen werden kann.

Danke für Ihre Bemühungen und in Erwartung Ihrer Antwort verbleibe ich
Mit freundlichen Grüßen
xxx xxxxxxx

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Sehr geehrte xxxxxxxxxxxxxxxx.
Gmunden hatte eine veraltete Wetterstation und war nicht bereit, die Kosten für die Umrüstung auf das neue System zu übernehmen.
Da auch der alte Standort nicht ideal war, haben wir im ca. 3 km entfernten Altmünster eine neue Station errichtet.
Die Daten finden sie sowohl auf dem ORF Server als auch bei uns unter
http://www.zamg.ac.at/cms/de/wetter/wetterwerte-analysen/oberoesterreich/temperatur/?mode=geo&druckang=red

Mit freundlichen Grüßen
Roland Potzmann

Mag. Roland Potzmann
Leiter der Abteilung Datenerfassung / Head of Department Data Acquisition
Bereich Daten, Methoden, Modelle / Division Data, Methods, Modeling
ZAMG – Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik

***********************************

Gesendet: Montag, 2. Mai 2016 14:35
An: Potzmann Roland
Betreff: Wetterstation Gmunden

Sehr geehrter Herr Mag. Potzman,

danke für die prompte Antwort. Sind Sie befugt auch mitzuteilen um welche Beträge es sich in etwa bei einer Modernisierung der Gmundner Wetterstation gehandelt hätte?
Eine Frage die nicht nur mich, sondern auch zahlreiche andere Gmunder Bürger, die sich über die Schließung der Gmundner Station ärgern, interessiert.

Vielen Dank für Ihre Antwort und freundliche Grüße nach Wien
x. xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx

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Sehr geehrte xxxxxxxxxxxxxxxx.
Da bei einem neuen Standort die Baukosten ziemlich variieren können, kann ich das nur grob abschätzen, so zwischen 20.000 und 40.000 Euro.
Wenn das z. B. das Geld ist, dass bei einer Sanierung des Kindergartens oder der Schule fehlen würde, können sich die Verantwortlich nur aussuchen, wen sie verärgern, neidig bin ich ihnen den Job nicht.
Wenn es jetzt nur um die Wetterinformation für die Bürger von Gmunden geht, denke ich, dass auch die Messwerte der nahegelegenen neuen Station gute Dienste leisten. Den Werbewert der Nennung auf Webseiten wie vom ORF (und in deutlich bescheidenerem Maß auch bei uns) kann ich überhaupt nicht abschätzen, zumal unsere Stationen ja auch das „schlechte“ Wetter anzeigen.

Mit freundlichen Grüßen
Roland Potzmann
ZAMG


 

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