Bunter Montag

Heute:
Babsy Blitzschnell und die Freiheit

Liebe Leserleins!

Äh, echt steil, die Freiheit in Österreich. Frau sieht ja ein, dass ein Elektriker sein Handwerk halbwegs können soll. Denn ihn erst dann aus dem Verkehr zu ziehen, wenn ihre Babsy am falsch montierten Lichtschalter picken bleibt und von Stromstössen gebeutetl wird, nee, liebe Leute, das wäre nun der Freiheit doch zu viel.

Aber verstehen Sie, liebe Leserleins, warum mir meine Manikür-Dame zwar die Fingernagerln mehr oder weniger kunstvoll lackieren darf, aber nicht an meine Zehennägel ran darf? Sie darf natürlich ran, aber dann braucht sie zwei Gewerbescheine: einen fürs Handerl, einen fürs Zecherl. Und die Wirtschaftskammer (WKO) kassiert zwei Mitgliedsbeiträge. Echt, ich zahl meiner Manikür-Spezialistin gern eine vernünftige Gage. Aber nicht, damit sie die doppelt WKO füttern kann.

Auch nicht schlecht getroffen hat es meine selbständige Reinigungsfachfrau. Die weiß inzwischen auch, worin völlige Gewerbefreiheit besteht. Sie wischt fachgerecht mit Gewerbeschein Nummer eins das Foyer eines Ministeriums blitzblanksauber. Mit Gewerbeschein Nummer zwei putzt sie außen die Fensterfront. Und weil sie was für Kunst über hat, reinigt sie auch ein paar Mal im Jahr das Denkmal von einem trotz des Denkmals längst vergessenen Potentaten, das vor dem Ministerium steht – mit Gewerbeschein Nummer drei. Die ärgert sich sowas von grün und blau, weil sie dem Leitl gleich drei Mal einen Beitrag reinschieben muss. Haben Sie die Pointe bemerkt, liebe Leserleins? Sich GRÜN und BLAU ärgern. Offenbar gehören beim Ärgern grün und blau irgendwie zusammen. Spreche da noch jemand von angeblichen Gräben zwischen Grünen und Blauen, gell! Nee, im Ärger sind sie friedlich aber zornig vereint.

Das Raubrittermodell der WKO wäre noch stark ausbaufähig. Gewerbeschein jeweils fürs linke und fürs rechte Handerl. Der Bäcker sollte auch viel mehr dieser Scheinchen lösen müssen: fürs Teigmachen, fürs Formen, fürs Backen, fürs Verkaufen. Der Leitl ist eine Art reziproker Robin Hood: er nimmt das Geld von den Kleinen und bezahlt damit die Grossen, also die grossen Gagen seiner Kammerbeamten. Und seine grosse Präsidenten-Apanage.

Das mit den Gewerbescheinen mag als kleines Problem erscheinen. Ist es aber nicht. Es sind diese alltäglichen Schikanen und Hindernisse, die zu Verdrossenheit führen. Darum schreib ich drüber. (Das ist nämlich, aufgepasst!, auch ein regionales Thema. Denn neue Geschäfte braucht die Innenstadt!) Wer die Leute auf diese Art abkassiert und ihnen davor noch Prügel zwischen die zierlichen Fusserl wirft, soll sich bitte nicht wundern, wenn die Leute scheissdrauf sind und die FPÖ wählen.

So, liebe Leute, jetzt habe ich heute doch wieder was zur FPÖ und zum Wahlverhalten gesagt. Die FPÖ liegt, sei auch gesagt, in der neuesten Umfrage bei 34 %. Also so in etwa Hofer im ersten Wahlgang. Die SPÖ hat sich auf 26 % verbessert, angeblich lag sie in der Vorkernzeit nur noch bei 17 – 18 bundesweit. Wie lang das anhält, wird sich zeigen. Kennt wer die Halbwertszeit von Kernkraftwerken?

Derweil gibt sich HCStrache noch immer recht kryptisch was eine eventuelle Wahlanfechtung betrifft. Er will das Feuer halt noch ein wenig am Flackern halten, gell. Es geht ja darum, die Institutionen der Republik sturmreif zu schiessen. Weil fürs Wahlergebnis waren die Gesetzesbrüche irrelevant. Ausserdem gab es offensichtlich keine Fälschungsabsicht, sondern die klassisch österreichische Bequemlichkeitsabsicht. Man hat es sich in seltener parteiübergreifender Übereinstimmung leicht gemacht. Mir wearn kan Richter brauchn. Naja, der HC sieht das möglicherweise anders und jagt damit seine eigenen Parteifreunde, die all das brav (und offenbar seit Jahren) mitgemacht haben, in Schwierigkeiten. Die könnten nämlich sehr wohl vor Gericht landen, auch wenn HC keine Wahlanfechtung macht.

Es scheint, als wären so manche Bürgermeisterleins und Wahlbeisitzerleins mit den ohnehin recht einfachen Regeln zur Wahlabwicklung überfordert. Da wird gezählt und gezählt und gezählt, und, au Backe, am Ende liegen drei Stimmzetteln zuviel am Tisch. Was tun, fragt da das schlaue Bäuerlein? Mir tunmir die weghauen tun, die was sich eh ungültig sind. Dann änderts nix am Wohlergebnis, gell, und ollas is paletti. Also landen die drei ungültigen Stimmzettel im Papierkorb. Der Bürgermeister hat pflichtbewusst den ganzen Vorgang auch feinsäuberlich im Protokoll vermerkt. Der anwesende FPler erklärt (angeblich zähneknirschend): „Wos hättma den tuan mochn solln?“ Also ok, kein Originalzitat. Sondern nachempfunden. War ohnehin eine Allparteieneinigung. Wir verleihen dem Ort Helfendorf, wo selbiges Bauernstück uraufgeführt wurde, den Titel „Wahlgemeinde des Jahres“.

Liebe Leute, trinkt den Glühweins langsam und andächtig und meidet alle kalten Getränke. Diese Woche wird es eher frisch. Aber die Redaktionsmehrheit des Gmundl ist ohnehin gegen sommerliche Temperaturen. Demokratisch abgestimmt, klaro. Aber der Petrus hält sich meist nicht an unsere Beschlüsse.

Eine wunderschöne Woche allerseits!

Babsy Blitzschnell f. d. Team Gmundl


 

 

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