Déjà-vu Kösslmühle?

Heute:
Bruno Beinhart über ein Gmundner déjà-vu
GK von Kösslmühle-Retter über Zweitwohnungs-Paradies

Liebe Leserschaft!

Wir wollen nicht Pessimismus verbreiten, aber auch verfrühter Optimismus ist nicht besonders zweckdienlich. Denn rund um die „Investoren“ bei der Kösslmühle verbreitet sich ein ähnlicher Geruch wie einst um Asamer/Hotel-Investoren & Co. Ein merkwürdiger Geruch. Einer, den man schon mehrmals in den vergangenen Jahren mit der Nase erschnuppern durfte. Längst wird in diversen Online-Foren die Frage nach der Qualität der neuen Investoren („Maximilianhof-Gruppe“) diskutiert. Nun, wir geben heute und hier erste Antworten.

Diese Gruppe ist, nun sagen wir es sehr vorsichtig, nach Durchsicht der letztvorliegenden Bilanzen, auch nicht solventer als einst die Asamers. Die Gruppe ist schwer überschuldet (wenn auch in ganz anderem und vergleichsweise kleinem Massstab als damals die Asamers). Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass in der im Firmenbuch veröffentlichten Bilanz keine Erklärung zu finden ist, warum trotz Überschuldung der Holding keine Insolvenz vorliegt. Es findet sich nur der Hinweis: „*Hinsichtlich der Frage, ob eine Überschuldung im Sinne des Insolvenzrechts vorliegt, wird auf eine gesonderte Stellungnahme der Geschäftsführung verwiesen.“ Dies ist zwar erlaubt, widerspricht aber den Gepflogenheiten. Ein direkter Zugriff auf diese Erklärung ist nicht möglich. Transparenz sieht anders aus. Es besteht der Verdacht, dass durch diese Vorgangsweise der Einblick in die tatsächlichen Vermögensverhältnisse und eventuelle Haftungsübernehmer verhindert werden soll. Auch über die tatsächliche Stärke der Gruppe kann man seine Zweifel haben. Laut Firmenbuch sind in Holding und Immo-GmbH genau ein Mitarbeiter tätig. Ein brummendes, summendes Firmen-Bienenhaus sieht anders aus.

Die Maximilianhof Holding ist die Muttergesellschaft der Maximilianhof-Immobilien GmbH, die uns derzeit als Investor präsentiert wird. Auch diese Gesellschaft ist schwer überschuldet und verfügt über keinerlei Eigenkapital. Auch hier wird in der Frage der Insolvenz nur auf eine gesonderte Erklärung der Geschäftsführung verwiesen.

Von den wenigen Unternehmen, an denen die Maximilianhof-Holding beteiligt ist, sind mit einer Ausnahme (mit spärlichem Eigenkapital) alle überschuldet. Auch dort findet sich also kein Eigenkapital für Investitionen.

Offenkundig sind personelle Überschneidungen zwischen der Maximilianhof-Gruppe und der Ing. Rauch Privatstiftung in Gmunden. Siegfried Spiessberger, mehrfacher Geschäftsführer bei Firmen der Maximilianhof-Gruppe, ist auch Vorstandmitglied der Privatstiftung Rauch, detto Frau Gesswein-Spiessberger, die Vorstandsvorsitzende der Privatstiftung ist. Das nährt Gerüchte, dass die hohen Gewinne (2015: rund zwei Millionen inkl. Gewinnvorträge) der „Ing. Rauch-Fertigungstechnik-Gesellschaft m.b.H.“ (100 %ige Tochter der Privatstiftung) für Investitionen zur Verfügung stehen könnten. Man sollte allerdings in solche personellen Verquickungen auch nicht allzuviel hinein interpretieren. Die Eigentümer der beiden Gruppen sind jedenfalls gänzlich andere.

Alles in allem: der Papierform nach haben wir hier ein echtes déjà-vu. Der präsentierte „Investor“ verfügt nicht über das notwendige Eigenkapital, um das Projekt Kösslmühle aus eigenem zu stemmen. Der sogenannte „Investor“ ist wieder einmal – wie immer bei Gmundner Fantasieprojekten – auf andere Investoren angewiesen. Ob die Maximilianhof-Gruppe nur vorgeschoben ist, um eventuell doch vorhandene tatsächliche Geldgeber zu verschleiern, können wir nicht beurteilen.

Die Gemeindepolitik ist hier gefordert, von den angeblichen Investoren volle Transparenz zu verlangen. Nicht einfach nur eine Führung durch ein angeblich vermodertes Gebäude. Sondern klare Aussagen über die Finanzierung und über eventuelle tatsächliche Investoren. Andernfalls besteht die Gefahr, dass Gmunden wieder einmal in ein Projekt hinein stolpert, dass nie realisiert wird. (Übrigens: auch um das Hotel im Salzamt in Hallstatt und die angeblichen Investoren ist es wieder verdammt ruhig geworden …).

Unabhängig von diesen finanziellen Fragen sind natürlich auch jede Menge andere Fragen offen: passt der vorgestellte Bau im Funktionärsbarock an diese Stelle von Gmunden? Wird die Traunpromenade weiterhin direkt zugänglich sein, oder wird die Öffentlichkeit ausgeschlossen – immerhin sind 17 Bootsplätze mit integrierter Zufahrt zu den Bootshäusern und direktem Zugang zu den Wohnungen geplant (kennt man schon von der berüchtigten Chalet-Blase beim Asamer-Hotel-Projekt). Geht hier wieder einmal ein Stück öffentlichen Raums verloren? Gmunden hat im Gegensatz zu Kärnten noch nichts kapiert. Dort hat man jetzt nämlich beschlossen, die öffentlichen Zugangsmöglichkeiten an den Kärntner Seen systematisch zu vermehren. In Gmunden erleben wir noch immer das Gegenteil.

Jetzt ist Transparenz gefragt. Eine Esplanaden-Umfrage macht noch keine Bürgerbeteiligung.

Im übrigen sind wir der Meinung, dass Gmunden ein Hallenbad braucht.

Bruno Beinhart f. d. Team Gmundl


Gmunden, das Luxus-Zweitwohnungen Paradies

Gastkommentar von Kösslmühle-Retter

Das Opfer sollte diesmal die Kösslmühle werden, das die Bauspekulanten zwecks schneller (??) Gewinne (??) und immerwährender Verschandelung des Stadtbildes auserkoren haben. Leider schaut die Politik bisher untätig zu. Somit müssen Bürgerinitiativen versuchen, zu retten, was noch zu retten ist. Wahrscheinlich sind sie damit erfolgreicher als die Politik, denn sie sind voll motiviert, während die Stadtpolitiker nur halbherzig reagieren nach dem Motto: „man will sich’s ja mit niemandem verderben, vielleicht könnte man ja noch etwas von einander brauchen“.

Dieser Neubau sollte ja nur Luxus-Zweitwohnsitze schaffen, die der Stadt keine Einnahmen brächten, d. h. sie wären in der Schattenlage nur in den Sommermonaten bewohnt, den Rest des Jahres bliebe es ein Geisterbau. Man könnte die Kösslmühle entkernen und ein Boutique-Hotel errichten, da Gmunden für den Tourismus dringend Unterkünfte braucht. Das Stadtbild zu zerstören, heisst auch den Tourismus zerstören. Ausserdem ist der Gestaltungsbeirat, auf den die Stadtpolitiker so unterwürfig hören, nur eine Alibi-Institution, um den Abriss zu rechtfertigen. Die Stadtpolitik (der Bürgermeister) MUSS rechtlich Einspruch erheben, wenn ein Abriss bzw. Neubau erheblich das Stadtbild beeinträchtigt, was es in diesem Fall tut (§35 der OÖ Bauordnung). Das sei den Stadtpolitikern ausgerichtet, falls sie es noch nicht wissen oder wissen wollen.
Bürgerinitiativen werden, wie bereits bewiesen, ihre rechtlichen Möglichkeiten sicher ausschöpfen.


 

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