Archiv der Erinnerungen

Heute:
Babsy Blitzschnells Ausflug ins Archiv:
Die wahrhaftigsten Schlagzeilen
oder
Angewandte Bürgerverarschung

Liebe Leserleins!

Heute also wie versprochen ein paar Schlagzeilen aus unserem Archiv. Wir wollen damit im Wahljahr einige Dinge und Vorgänge in Erinnerung rufen, die man seitens der Machthaberer lieber dem Vergessen überantworten würde. Nicht mit uns, gell! Obwohl ich zugeben muss: ich habe einige Stamperln Eierlikör gebraucht, um das durchzustehen. Gleichzeitig musste ich manchmal schallend lachen. Die reale Politik wirkt manchmal wie aus dem Programm mittelmässiger Cabarets. Die Mühe, das Zitierte in eine chronologische Reihenfolge zu bringen, habe ich mir nicht gemacht. Das Zeug wirkt auch so, liebe Leserleins. Es steht aber überall ein Datum dabei, wann das erschienen ist. Viel Vergnügen oder auch Missvergnügen. Das ist ja eine Frage der persönlichen Einstellung. Also mitten hinein in den Dschungel des Wahnsinns.

Besonders skurril waren manche Berichte in der letzten ÖVP-ÖVP-Gemeindezeitung vom Dezember 2014.
„Der Klosterplatz wird zum Zentrum der Begegnung.“ Ja, so wird dort gejubelt. Und man geht auch gleich euphorisch ins Detail, damit die dummen Bürgerleins kapieren, welche Segnung da auf sie zukommt: „Menschen, Busse und Bahn werden sich künftig dort begegnen.“ Genau so stellt man sich eine Begegnung vor: der einsame Mensch sucht die Nähe einer Bahn oder eines Busses. Wer da wohl unter die Räder kommt?

Nicht schlecht auch jene ÖVP-Gemeindezeitung („volldaneben“ vulgo „mittendrin“) im Oktober 2014, in der BM Köppl, inzwischen zu Recht abgetreten worden, den leistbaren Wohnbau in Gmunden bejubelt: „Günstige Einstiegspreise von 168.000 Euro für 59 m2.“ Ja, wirklich günstig für junge Millionärsfamilien.

Im Juni 2014 schwadroniert Gemeinderat und Wirtshaus-Pleitier John (jetzt VP, ex-Grün, versucht-SP) in der Krone über „sein“ 420-Betten-Hotel auf der Toscana. Es würde bis Sommer 2016 entstehen, und „Mitte Juli gäbe es ein finales Gespräch mit dem Land“ als Eigentümer. Offenbar wird dieses Hotel bereits ganz im Geheimen errichtet, ganz ohne Baustelle mit Baumaschinen und Baulärm. Andernfalls ist eine Eröffnng 2016 wohl kein Thema mehr. Wer an Tarnkapperln glaubt …

Die blanke Wahrheit über das Asamer-Hotel verkündet der Pseudo-Investor Freunschlag im Mai 2014 ebenfalls in der Krone: „Hotel-Start frühstens im Juli“. Gemeint ist natürlich nicht die Hoteleröffnung, sondern der Baubeginn. Aber immerhin: eine der wenigen Aussagen rund ums Hotel, die Bestand hatten, denn gebaut wird auch jetzt noch nicht. Und in welchem Jahr der „Juli“ liegt, wurde in weiser Voraussicht auch offen gelassen. Dumm nur, dass der Gmunder ÖAAB (ein Bund der ÖVP) schon im Dezember 2012 in der ÖVP-ÖVP-Gemeindezeitung uns Bürgerleins wissen liess: „ÖAAB freut sich auf den Baubeginn des Hotels ‚Lacus Felix'“. Und wenn er nicht gestorben ist, der ÖAAB, dann freut er sich noch heute. Vorfreude ist eben die schönste Freude, gell! Die kann gar nicht lang genug anhalten.

Auch im August 2014 liess Köppl in der Rundschau ein paar Luftschlösser als Wohngelegenheit errichten, Motto „Baugründe für Familien“. In unglaublich realistischer Einschätzung der Einkommensverhältnisse von Jungfamilien versprach er 900m2-Parzellen um 180 Euro pro m2. Mithin läppische 162.000 Euro für die leeren Grundstücke. Der Jubel bei den solchermassen Begünstigten fiel bedauerlicherweise eher bescheiden aus. Undank ist der Welten Lohn.

Schon im Jänner 2014 durfte unser bereits erwähnter Hotel-Inwestohr Freunschlag sich als Wahrsager in Sachen Hotelbau betätigen und las entweder aus der Kristallkugel oder aus dem Kaffeesud: „Ich rechne mit einem Start im Mai.“ Rechnen ist eben Glückssache. Und Sich-Verrechnen eine Investorentugend.

Im März 2014 hatte der Eigentümer der Grünbergalm verkündet, er plane oben am Grünberg die Errichtung von Ferienwohnungen. Ein Hotel funktioniere nicht, weil die Leute am Abend oben am Berg nichts unternehmen könnten. Ferienwohnungsmieter jedoch hätten andere Interessen. Welche Interessen das denn seien, darüber schwieg man sich lieber aus. Aber in bester Gmunder Investoren-Tradition stellte man gleich klar: „Der Bau der Ferienwohnungen müsse noch ein paar Jahre warten.“ Man habe nämlich gerade 800.000 für die Sommerrodelbahn ausgegeben. Na, da schau her, ein Investor, der wegen ein paar hunderttausend Euro dann nicht genug Kohle hat, um Ferienwohnungen zu errichten. Da fragt man sich: gibt es in Gmunden eigentlich nur Investoren, die ausser der Bezeichnung „Investor“ nicht vorzuweisen haben? Vor allem kein Bargeld?

Die bekannt kritische ÖVP-ÖVP-Gemeindezeitung hat im Dezember 2013 stolz verkündet „Seehotel Lacus Felix: Die Chance lebt“ und hat dabei den „neuen“ „Investor“ Freunschlag abgefeiert. Inzwischen ist auch der nicht einmal mehr Geschichte. Wie wir heute wissen und hier immer geschrieben worden ist, war dieser Herr nie mehr als ein Strohmann zur Täuschung der Öffentlichkeit. Inwieweit die ÖVP bei diesem undurchsichtigen Spiel mitgespielt hat, kann man nur vermuten. Auf jeden Fall haben alle VP-Mandatare, inklusive des neuen Bürgermeisters, bei dieser Schmierenkomödie jahrelang brav mitgespielt und immer pflichtschuldig ihre Pfoterln gehoben und zugestimmt. Lernprozess ist bis heute keiner zu erkennen. Der neue Bürgermeister macht auf ahnungslose Unschuld.

Im Juli 2013 hat die ÖVP-ÖVP-Gemeindezeitung eine saisonal falsch platzierte Faschingsnummer herausgegeben. Oder wie sonst sollte man die folgende Jubelmeldung verstehen: „Die lange schon gewünschte Forderung von Tourismus und Wirtschaft nach einem neuen Hotel in der Traunseestadt biegt in die Zielgerade. Der Errichtergesellschaft rund um KR Hans Asamer ist es gelungen, seriöse und starke Partner als Investoren zu gewinnen.“ Inhaltlicher Kommentar ist hier wohl überflüssig. Man kann nur hoffen, dass die Formulierungen nicht vom neuen Bürgermeister stammen, der bekanntermassen bisher als Deutschlehrer tätig war. Denn eine „gewünschte Forderung“ ist eine Forderung, von der man sich wünscht, dass sie einmal erhoben wird, gell! Und eine Forderung, die „in die Zielgerade einbiegt“, die würden wir gern mal sehen. In einem Deutschaufsatz würde das zu ziemlich vielen roten Markierungen führen. Wer immer hier sprachlich herumgeschwurbelt hat, war trotzdem irgend wie ein Genie. Denn so verschwurbelt wie diese Formulierung war das ganze Hotel-Projekt inklusive der diversen Verträge, Rahmenverträge und Rahmenverträge-neu. Vielleicht war das die geheime Botschaft dieser Meldung, und wir habens bloss nicht erkannt.

Den Vogel schossen aber die OÖN am 5. 3. 2014 ab, zumindest im nachhinein betrachtet. Der damalige Bericht straft alle Behauptungen Lügen, Köppl sei im November 2015 freiwillig als Bürgermeister zurückgetreten.
Headline: „Tritt Heinz Köppl 2015 noch einmal an? ‚Meine Entscheidung fällt im Frühjahr (2015)'“
Im November bei seiner Rücktrittskonferenz hat Köppl behauptet, er habe immer im Herbst 2014 die Entscheidung über eine neuerliche Kandidatur fällen wollen.
Halten wir fest: von einem vorzeitigen Rücktritt war vorher nie die Rede, immer nur von der Frage der neuerlichen Kandidatur. Und dass Köppl noch ein paar Monate vor dem November keineswegs gehen wollte, sagte er in diesem Artikel vom März ziemlich klar: „Tendenziell geht es in die Richtung, dass ich noch einmal zur Wahl antrete.“ Genau so sehen freiwillige Rücktritte aus.

Im Dezember 2011 verkündete die Rundschau: „Asamer bekennt sich zum Hotelprojekt Lacus Felix“. Aus heutiger Sicht kann man da nur einen Romantitel von Thomas Mann zitieren: „Die Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull“. Immerhin ein Schelmenroman. In dieses Genre ist wohl auch die ganze Hotelgeschichte einzuordnen. Denn immerhin hatte die Krone im Dezember 2011 die frohe Botschaft Asamers überbracht: „Grünes Licht für Gmundens Lacus Felix – Finanzierungsnachweis für Hotel-Projekt vorgelegt – Baustart soll 2012 erfolgen“. Auch dieser Baustart erfolgte sehr, sehr unauffällig unter dem Tarnkapperl. Der Finanzierungsnachweis dürfte dafür am Amtsweg verloren gegangen sein, denn man ist noch heute auf Investoren-Suche. Die Asamers waren, man weiss es heute, schon damals finanziell recht klamm oder ziemlich in der Klemme.
Was zur Schlusspointe führt: im Juli 2014 meldeten die Zeitungen die grösste Insolvenz des Jahres in Oberösterreich. Und wenn hat es da erwischt? Die „Asamer Basaltic“. Schwindelerregend hohen Aktivwerten von 463.000 Euro standen niedliche 32 Millionen Schulden gegenüber. Auch dort wird ein Investor gesucht, der wenigstens die 20 % für ein Sanierungsverfahren aufbringen kann.

Wenn man all das liest, kann man nur einen Eindruck haben: hier wurden wir Bürgerleins systematisch verarscht. Der neue Bürgermeister hat dabei als „kleiner“ Gemeinderat immer brav mitgespielt. Und wir haben von ihm bis heute keine Auskunft darüber erhalten, wie er sich eine Lösung vorstellt. Ob er überhaupt eine Vorstellung von irgendwas hat. Dass man jetzt in der letzten ÖVP-ÖVP-Gemeindezeitung vollmundig aber inhaltsleer verkündet hat, man suche eine Lösung, mit der „Errichter, Investoren und die Politik” leben können, spricht Bände. Die Bürgerleins und ihre Interessen und Vorstellungen kommen da erst gar nicht vor. Die ÖVP sollte überlegen, sowohl das Ö als auch das V aus ihrem Parteinamen zu streichen. Wie wäre es mit Asamer-Neumann-Stern-Hafferl-Partei?

Erwähnt sei noch, dass all diese Meldungen von den lokalen Medien hundchenhaft apportiert worden sind. Ohne kritische Nachfragen, ohne kritisches Resumee im nachhinein. Ein wenig mehr kritischer Journalismus anstatt des üblichen Verlautbarungs-Schurnalismus würde den Bürgerleins eine Menge Geld ersparen und die Dummheiten der Politik wenn nicht verhindern, so doch zumindest erschweren. Schlaft weiter, Kollegen, und kassiert eure beachtlichen Gagen. Wir machen den Job, den eigentlich ihr machen müsstet. Wir bekommen nur dummerweise kein Gehalt dafür. Aber vielleicht liegt es ja genau daran und macht uns so unabhängig. Denn wir sind für die Bürgerleins da, nicht für die Renditen der Machthaberer in Politik, Wirtschaft und Medien.

Babsy Blitzschnell f. d. Team Gmundl

Passendes Lied zu obigen Schlagzeilen:


 

Postings von gestern.

Johannes Kronberger
Gesendet am 12.01.2015 um 5:39 nachmittags

Apropos die Stadt die niemals (oder vielleicht immer) schläft:
https://www.youtube.com/watch?v=LFoFYfUEfTI


karlheinz könig
Gesendet am 12.01.2015 um 2:45 nachmittags

@dagobert zehschütz

wenn es so einfach wäre die schuldigen zu finden oder auch nur zu benennen, wäre es … nunja, einfach eben.

das ist es natürlich nicht. und ebensowenig ist der gegenwärtige terror eine folge des “kriegs gegen den terror” sondern eine naheliegende evolution eines wesentlich älteren. wir erinnern uns alle an die anschläge auf opec und münchen, ´75 und ´72, zu einer zeit also, zu der von einer westlichen allianz gegen den terror noch nichts zu sehen und der terror für uns ein brandneues phänomen war. freilich, die ursachen ähneln sich, damals- und nicht nur im nahen osten- ging es (primär) um selbstbestimmung, palästinenser, basken, nordiren, alles sozusagen eins. der glaube spielte dabei allenfalls eine nach aussen sichtbar einigende oder besser abgrenzende rolle. wieweit es clever war aus einem britischen protektorat eine jüdische enklave inmitten muslimischer staaten zu schaffen, oder (an einem blutigen sonntag) das feuer auf unbewaffnete demonstranten zu eröffnen, mag jeder für sich bewerten, ich halte die resultate für prototypen dessen, was ich häufig als im rückblick vorhersehbar bezeichne.

dass der angebliche auslöser der mohammed-karikaturen nur vorgeschoben ist, setze ich als allgemein akzeptiert voraus, schon der bildungsgrad der attentäter schliesst reflektierte gedanken hierzu aus. trotzdem: während wir eine rund 120jährige tradition gesellschaftskritischer cartoons haben (yellow kid etwa, um 1895 und selbst der politisch so korrekte asterix greift bisweilen augenzwinkernd themen wie feminismus auf) gibt es meines wissens nichts vergleichbares in den kernländern dessen, was wir so gerne als brutstätte des terrors empfinden. hier fehlen uns die massstäbe für mögliche empfindlichkeiten die zu schüren den dogmatikern ein leichtes ist. selbstverständlich ist das keine entschuldigung und würde noch nicht einmal eine ach so g´sunde watsch´n rechtfertigen.

dass die cartoonisten quasi im staatsauftrag zeichnen (oder themenblöcke ausblenden) würden ist allerdings absurd. es gäbe- wäre es so- keinen deix, keinen haderer, loriot, halbritter, ungerer, moers und wie sie alle heissen, allesamt unbequem ihre feder in gesellschaftliche wunden legend, die uns lieber nicht bewusst sein möchten. uns, und unseren religiösen und staatlichen identifikationsfiguren gleichermassen.

ja, wenn es nur so einfach wäre …


 

 

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Eine Antwort

  1. Da wird vieles berichtet von der Vergangenheit mag ja stimmen. Aber bedenklich ist, dass sich die großen Länder schon wieder mit dem Waffenliefern beschäftigen. Bedenklich ist auch das Waffenarsenal der sogenannten ISIS. Da ja in diesen Gebieten keine großartigen Waffenproduktionen bestehen und diese und andere Terrororganistationen bestens ausgerüstet sind gibt es Kräfte die wegen des Geldes auch an solche Organisationen liefern. Es wäre aller höchste Zeit, dass sich die Großmächte alle besinnen und die Lieferungen einstellen. Dan würde es schnell etwas ruhiger werden.
    Dagobert Zehschütz

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