Was wird aus der Toscana Halbinsel?

Heute:
Bruno Beinhart über die Zukunft der Toscana-Halbinsel

Geschätzte Leserschaft!

Träume sind Schäume. Rund um die Toscana türmen sich längst Schaumgebirge auf. Schon vor zwei Jahrzehnten wurden von der Bürgerschaft Hotelpläne auf der Toscana gestoppt. Nun steht 2018 der Auszug der forstlichen Ausbildungsstätte aus dem Landschloss an. Das weckt Begehrlichkeiten und neue Träume.

Trotz des Scheiterns aller neuen und vieler alter Hotels geistert noch immer die Behauptung „Gmunden braucht ein Hotel“ durch die Köpfe vieler Touristiker und Kommunalpolitiker. Dadurch erst wurde die Groteske rund um das Asamer-Hotel und die Seebahnhofgründe (mitsamt mutwilligem Abriss des alten Parkhotels) möglich. Wir halten hier nochmals unsere schon oft geäusserte Ansicht fest: im momentanen Umfeld braucht Gmunden nicht nur kein Hotel, sondern kann es gar nicht auslasten. So wie Gmunden derzeit aufgestellt ist, kann sich ein Hotel nicht rechnen. Nur wenn das Land sehr viel Geld der Steuerzahler in die Hand nimmt und über Gmunden herab regnen lässt, können Strukturen entstehen, in denen sich ein Hotel rechnen könnte. Allerdings mit enormem Zeithorizont. Die strukturelle Veränderung Gmundens benötigt mindestens zwanzig Jahre. Solange muss das Land Zuschüsse leisten. Mit einer eher vagen Erfolgsaussicht.

Wenn nun BM Krapf mit seinem Vize in Wien weilte und einer Präsentation der Bundesimmobiliengesellschaft BIG (nicht zu verwechseln mit der Gmundner Bürgerinitiative B.I.G.) lauschte, ist das natürlich trotzdem vernünftig. Weniger vernünftig ist es wahrscheinlich, die Standortanalyse des Tourismusforschungs-Unternehmens Kohl & Partner unkritisch zu glauben und die Analyse-Ergebnisse für bare Münze zu nehmen. Solche Firmen leben davon, touristische Chancen auch dort zu sehen, wo sie nicht unbedingt vorhanden sind. Eine solches Unternehmen wird ja nicht dafür bezahlt, zur Erkenntnis zu gelangen, dass da wenig bis nichts ist.

So ist etwa die Behauptung, dass die Errichtung eines solchen Hotels auf der Toscana für Investoren und Betreiber „mit Sicherheit interessant und reizvoll“ ist, wohl mehr Wunschdenken als Realität. Die Positionierung als „Hochzeitsstadt“ wird weit überschätzt. Auch da gibt es längst einen Run auf die Heiratswilligen. Die Sonderlocations in Wels etwa verzeichnen mehr auswärtige Paare als Gmunden mit dem Seeschloss.

Dass die Experten von Kohl & Partner ein 100-150-Zimmer-Hotel (= 200 bis 300 Zimmer) der Kategorie Drei-Stern-Plus bis Vier-Stern-Plus empfehlen, ist auch nicht besonders vertrauenserweckend. Kongresstourismus unter Fünf-Sterne-Standard ist völlig out. In Gmunden sind derzeit der Gasthof Hoisn und das Hotel Schwan in der „4*+“-Kategorie. Bei allem Respekt vor den Betreibern: das ist nicht der Standard, der im Kongresstourismus heute nachgefragt wird.

Auch wenn versichert wird, dass sowohl BIG als auch Land OÖ und die Stadt Gmunden ein solches Projekt realisieren wollen, dann muss man halt auch feststellen: wer soll das finanzieren? Investoren für ein solches Projekt sind weit und breit nicht in Sicht (was durch das Asamer-Projekt und die Hotelschliessungen in Gmunden auch mehr als nur bewiesen ist).

Nochmals: ein Hotel-Projekt in Gmunden kann nur funktionieren, wenn über gut zwei Jahrzehne hinweg in die Infrastruktur Gmundens investiert wird. Auch muss es eine gemeinsame Lösung für Kongresshalle, Hotel und Hallenbad geben. Eine Lösung nur mit Spa/Saunalandschaft entspricht nicht mehr den heutigen Standards. D. h. in letzter Konsequenz, dass es einen Kongresstourismus nur geben wird, wenn entscheidende Schritte gesetzt werden, Gmunden wieder zur Kurstadt zu machen.

Man sollte klar sagen: man braucht eine neue Kongresshalle, ein 5-Sterne-Hotel (oder besser) mit Kurbetrieb, ein Kur- und Hallenbad. Das erfordert ernorme Zuschüsse der öffentlichen Hand. Und es wird, wir bleiben dabei, mindestens zwanzig Jahre dauern, diese Umorientierung Gmundens in einen rentablen Bereich zu bringen. Begleitend müsste man nachdenken, durch welche Einrichtungen man Gmunden zur Kurstadt machen könnte. So wäre etwa zu überlegen, das Solewasser bis nach Gmunden weiterzuleiten. Auch die Regio-Tram wäre in die Überlegungen einzubeziehen. Man könnte sie vielleicht doch noch zu einem sinnvollen Verkehrsmittel machen, wenn man sie in einem ersten Schritt bis zu einer neuen Kongresshalle auf der Toscana verlängert (was auch zu einer besseren Erreichbarkeit eines Hallenbades führen würde).

All das erfordert enorme Investitionen. Da fragen wir uns, wo das Land das Geld dafür hernehmen will. Schon jetzt ist das Landesbudget dank vieler unsinniger Projekte auf Jahrzehnte verplant. Neuerdings wurde seitens des Landes erklärt, man wolle das Ski-Gebiet Kasberg mit 10 Millionen unterstützen (angesichts des Klimawandels eine besonders unsinnige Geldausgabe). Für die Schafbergbahn stehen 14 Millionen an (Anteil von OÖ ungeklärt). Wir halten es für wenig wahrscheinlich, dass seitens des Landes OÖ ausreichend Mittel zur Verfügung stehen, um die Neuorientierung und Umstrukturierung Gmundens zu finanzieren. Die Gemeinde selbst kann angesichts ihres Schuldenstandes nur wenig Eigenmittel beitragen.

Ja, dann wäre da noch eine Frage: spielt die Gmundner Bürgerschaft mit? Wie gesagt: schon einmal scheiterte ein Toscana-Projekt am Widerstand der Bevölkerung. Es wird also nötig sein, ähnlich wie bei den Plänen zur Neugestaltung der Esplanade die Bürgerschaft von Beginn an ein zu beziehen und mitsprechen zu lassen. Ebenso ist die Neugestaltung des Seebahnhofsgeländes in die grundsätzlichen Überlegungen zur Neustrukturierung zu integrieren. Wir sehen Toscana-Gelände und Seebahnhof als interdependente Projekte. Sowohl Toscana als auch Seebahnhof müssen über entsprechend weitläufige, öffentlich und frei zugängliche Areale verfügen. Gmunden könnte sich damit eine Sonderstellung unter den Seegemeinden des Salzkammerguts schaffen: mit besonders vielen frei zugänglichen Seeanteilen.

Es wird noch viel Traunwasser durch den Traunsee fliessen, bis wir hier neue und gute Lösungsansätze sehen. Ob die aber jemals realisiert werden können, bleibt fraglich. Denn das grosse Geld wird man für lange Zeit nicht verdienen können. Egal, welche Illusionen von Touristikforschern und -managern geschürt und gepflegt werden. Eine zeitgerechte, ausführliche und gründliche öffentliche Diskussion wird ausserdem unumgänglich sein.

Bruno Beinhart f. d. Team Gmundl


 

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